mini|hochkant|Rudolf Eickemeyer Heinrich Maria Johann Rudolf Eickemeyer (* 11. März 1753 in Mainz; † 9. September 1825 in Gau-Algesheim) war kurfürstlich-mainzischer Professor an der Universität Mainz und ab 1779 Offizier in Diensten des Kurfürsten Friedrich Karl Joseph von Erthal.
Er war einer der militärischen Befehlshaber während der Belagerung von Mainz (1792). Nach der Kapitulation vor den französischen Revolutionstruppen 1792 trat er in die Armee der Französischen Republik ein, die er im Rang eines Generals verließ. Nach seinem Rückzug aus der französischen Armee war er Maire, später Bürgermeister von Gau-Algesheim. Im Laufe seiner Karriere als Politiker war er zudem Provinzialrat der Provinz Rheinhessen und später Abgeordneter der Hessischen Abgeordnetenkammer im Großherzogtum Hessen.
Familie Eickemeyer war der Sohn des Kurmainzischen Artillerie-Hauptmanns Johann Christoph Eickemeyer (1720–1797). Väterlicherseits stammte die Familie aus dem kurmainzischen Eichsfeld. Die Familie seiner Mutter Katharina Theresa Franziska Schmidt (1727–1798), deren Vater ebenfalls ein Artillerie-Hauptmann in kurmainzischen Diensten war, stammte aus dem Rheingau, war aber bereits seit der dritten Generation in Mainz ansässig. Eickemeyer hatte noch fünf ältere Schwestern. 1792 heiratete Rudolf Eickemeyer die Witwe Therese Zucki geborene Appiano, mit der er bereits eine uneheliche Tochter hatte. 1803 ließ er sich mit seiner Familie in Gau-Algesheim nieder, wo er 1825 starb.
Ausbildung, Studium und Lehrtätigkeit mini|Domus Universitatis - das alte Mainzer Universitätsgebäude Ursprünglich war Eickemeyer für den geistlichen Stand ausersehen. Als dieser aber erkennen ließ, dass er lieber den Beruf seines Vaters ergreifen würde, wurde für ihn eine militärische Laufbahn angestrebt. Sein Vater, der mehrere Jahre mathematische Wissenschaften in Göttingen studierte, bevor er sich in Mainz niederließ, unterrichtete ihn selbst in Mathematik. 1770 erhielt er aufgrund seiner Fachkenntnisse mit 17 Jahren eine frei gewordene Stelle bei der kurmainzischen Artillerie und wurde Stückjunker. Dies war der unterste Offiziersgrad in der Artillerie.
Bereits drei Jahre später bewarb er sich um eine Schullehrerstelle an der damals neu gegründeten Schullehrer-Akademie. Ein Jahr später bekam der 20-jährige dort und am ebenfalls neu gegründeten Gymnasium Emmericianum eine Anstellung als Lehrer für Mathematik und Baukunst. Wiederum ein Jahr später, 1774, wurde Eickemeyer der Lehrstuhl für Mathematik an der Mainzer Universität übertragen. Da er selbst noch kein Hochschulstudium aufweisen konnte und sich von dieser Aufgabe überfordert fühlte, bat er Kurfürst Erthal um Bildungsurlaub. Dieser wurde ihm, nachdem sein Vater die Vertretung des Sohnes als Dozent zusicherte, genehmigt. Rudolf Eickemeyer zog Ende Januar 1775 nach Paris, um an der dortigen Universität Mathematik und naturwissenschaftliche Fächer zu studieren. In dieser Zeit lernte er die Aufklärer Jean-Jacques Rousseau und Benjamin Franklin persönlich kennen. 1777 beendete er seine Studien in Paris und begab sich auf eine Studienreise durch Frankreich und Flandern. Später siedelte er nach London um. Dort führte er seine Studien weiter. Hier begegnete er Joseph Priestley sowie Johann Reinhold Forster und Georg Forster, die beide kurz vorher von James Cooks zweiter Südsee-Reise zurückgekehrt waren. Nach Studienzeiten in Oxford und Cambridge kehrte Rudolf Eickemeyer 1779 nach Mainz zurück und übernahm, mittlerweile im militärischen Rang eines Ingenieur-Oberleutnant, seinen Lehrstuhl an der Universität in Mainz. Von 1789 bis 1792 war er Dekan der Philosophischen Fakultät der Universität Mainz. Ebenfalls 1779 wurde er zudem zum Direktor der Wasserbau-Behörde ernannt. In dieser Funktion war er mit der Begradigung des Rheins und dem Ausbau der Leinpfade beschäftigt.
Offizier der Kurmainzer Armee mini|Stadt und Festung Mainz um 1755 Rudolf Eickemeyers militärische Karriere in der Kurmainzer Armee begann zunächst in der Mainzer Artillerie, wobei sein Vater ihm als Führer der Mainzer Ingenieure einen Übergang in die Ingenieurstruppe vermitteln konnte. 1779 hatte Eickemeyer bereits den Rang eines Ingenieur-Oberleutnants inne und erarbeitete Pläne für eine Reform des Ingenieurswesens in Mainz. Obwohl sein Vater ab 1788 als Oberst sowohl die Führung der Ingenieure als auch die der Artillerie innehatte, hatte er aus gesundheitlichen Gründen schon Jahre zuvor die Führungsverantwortung an seinen Sohn abgetreten. Defacto war Rudolf Eickemeyer seit Beginn der 80er Jahre für die gesamten Befestigungsanlagen der Stadt Mainz verantwortlich. Im Januar 1787 stieg Eickemeyer zum Major auf und war 1790 Oberstwachtmeister des kurfürstlichen Ingenieurkorps. Im Juni 1790 nahm er als Führer des Ingenieurkorps an dem Feldzug gegen Lüttich teil, wo er einen Plan zur Einnahme der Stadt Hasselt entwarf. Da die Insurgenten jedoch eine Belagerung der Stadt verhinderten, kam das Ingenieurkorps nicht zum Einsatz. Während dieser Zeit widmete er sich einer von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften ausgeschriebene Arbeit zum Thema Welches sind für Bayern die besten und ausführlichsten Mittel, das Austreten der Flüsse und die davon anhangenden Überschwemmungen zu verhindern? Eickemeyer gab, zusammen mit dem kurfürstlichen Wasserbaudirektor von Ridel, eine entsprechende Denkschrift ab und gewann den mit 25 Golddukaten dotierten Ersten Preis. 1803 wurde die 50 Seiten umfassende Denkschrift mit vier zusätzlichen Plänen von der Königlichen Akademie der Wissenschaften gedruckt.Erich Hinkel: Bürgermeister und General Rudolf Eickemeyer. Beiträge zur Geschichte des Gau-Algesheimer Raumes. S. 2
Belagerung von Mainz 1792 und Eickemeyers Rolle bei der Übergabe der Stadt mini|hochkant|Kurfürst Friedrich Carl von Erthal floh vor der Belagerung aus Mainz Angesichts der großen Gefahr entwarf Eickemeyer zusammen mit dem Gouverneur der Festung Mainz eine ganze Reihe von Bedrohungsszenarien und eine kurze Denkschrift zur Verteidigung der Stadt. Eickemeyer wandte sich auch im Verlauf seiner Dienstzeit in mehreren Gutachten direkt an den Kurfürsten und wies auf den bedenklichen Zustand der Festungsanlagen hin. Da ein großer Teil der Wallanlagen praktisch privatisiert und durch Gartenanlagen belegt war, empfahl er eine ganze Reihe an Sofortmaßnahmen, bis hin zur Einebnung verschiedener Festungsabschnitte. Doch erst 1792, mit Ausbruch des Ersten Koalitionskrieges, war man gewillt, dieser Thematik mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Als sich nach der Einnahme Speyers französische Revolutionstruppen im Oktober 1792 unter General Adam-Philippe de Custine Mainz näherten, wurde der Belagerungszustand ausgerufen. Da man in Mainz, wie überall im Reich, von einem raschen Erfolg der österreichisch-preußischen Armee gegen Frankreich ausgegangen war, hatte man bis zu diesem Zeitpunkt nur kleinere Maßnahmen ergriffen. Nun, angesichts der unmittelbaren Gefahr, wurde die ganze Festung Mainz wie aus einem Winterschlaf herausgeholt. Tatsächlich gelang es Eickemeyer zusammen mit hunderten Bauern und Arbeitern die Festung in einen verteidigungsfähigen Zustand zu bringen. Dennoch zeigte sich deutlich, dass Eickemeyer selbst mit seiner Aufgabe deutlich überfordert war. Die weitläufige Festung bedurfte mindestens fünfmal so vieler Ingenieure und die lange Friedenszeit hatte dazu beigetragen, dass es keinerlei Regelungen oder Abläufe für die Vorbereitung einer derart großen Festung auf den Belagerungszustand war.
Bei Eintreffen der Franzosen lag die Verteidigung der Stadt Mainz in den Händen des Festungsgouverneurs General Clemens August Freiherr von Gymnich. Dieser stützte seine Entscheidungen auf zwei Kriegsräte, von denen der eine aus allen höheren Offizieren und Ingenieuren der Festung bestand und einem weiteren, in dem sämtliche Mainzer Generäle vertreten waren. Rudolf Eickemeyer, der seit dem Mai 1792 Oberstleutnant war, brachte es fertig, gegen die Empfehlung seiner eigenen Untergebenen, die Besetzung der Außenwerkung der Festung durchzusetzen. Dennoch konnte er nicht verhindern, dass die wenigen Tage der kurzen Belagerung aus Sicht der Verteidiger überaus chaotisch verliefen. Der entmutigte General von Gymnich befürwortete in einem Kriegsrat der Generäle am 20. Oktober die sofortige Übergabe der Stadt. Eickemeyer besaß in diesem Kriegsrat keine Stimme und fungierte lediglich als Protokollführer. Um seine Meinung gefragt, soll er zum Durchhalten geraten haben, jedoch findet sich auch seine Unterschrift unter der Erklärung zur Kapitulation.
Wechsel vom kurfürstlichen zum französischen Militär mini|hochkant|General Custine, der Eroberer von Mainz 1792 Eickemeyer wurde zusammen mit einem kurfürstlichen Hofrat in das französische Lager geschickt, um dort die Kapitulationsverhandlungen im Sinne des Kriegsrates zu führen. Erst hinterher will ihm aufgefallen sein, wie schlecht die Franzosen in Wirklichkeit auf eine Belagerung von Mainz vorbereitet waren. Es ist auch nicht genau bekannt, welche Gespräche er mit Custine führte und welche Angebote dieser ihm machte. Jedenfalls trat Eickemeyer, der nach dem Abzug der Garnison zurückgeblieben war, um alle Übergabeformalitäten durchzuführen, danach als Colonel in französischen Diensten. Zu seinem Rücktritt vom 1. November 1792 schrieb er an den Kurfürsten:
Dieser soll sehr erbost über das Schreiben gewesen sein, denn mitnichten hätte er sich als „neutraler Fürst“ bezeichnet, zu einem Zeitpunkt, als die Franzosen in seiner Residenzstadt saßen. In kurfürstlichen Kreisen galt Rudolf Eickemeyer nun als Landesverräter und man versuchte, ihm Bestechung durch die Franzosen nachzuweisen. Dies gelang allerdings nicht. Gerichtliche Untersuchungen brachten weder Kontakte von Eickemeyer zu französischen Kreisen vor dem 20. Oktober 1792 noch die Zahlung eines Bestechungsgeldes oder eine Veränderung seiner Vermögenslage zu Tage. Dazu kamen Vorwürfe des Kurfürsten und seines Umfeldes, die ihn, statt Gymnich, als Hauptschuldigen der Kapitulation darzustellen versuchten. Erschwerend kam noch hinzu, dass nach Eickemeyer noch zwei weitere seiner Ingenieuroffiziere zu den Franzosen überliefen, darunter auch sein Cousin, Leutnant Karl Eickemeyer. Das Mainzer Ingenieurkorps verlor damit drei von fünf Offizieren.
Möglicherweise waren aber überwiegend private Gründe für Eickemeyers Handlungen im Oktober verantwortlich. Er lebte seit Jahren mit einer geschiedenen Frau zusammen, mit der er seit 1784 auch eine gemeinsame Tochter hatte. Im katholischen Kurmainz konnte er diese Frau nicht heiraten, unter der liberaleren französischen Herrschaft war dies problemlos möglich. Eickemeyer soll laut Überlieferung zu dem Bruder seiner Frau gesagt haben:
Bereits im November 1792 heiratete Rudolf Eickemeyer Madame Zucki geborene Appiano und trat außerdem am 6. November in den Mainzer Jakobinerklub ein. Dort sollte er aber, obwohl einer der wenigen Militärs dort, keine maßgebliche Rolle spielen. Die Zukunft Eickemeyers war in der französischen Armee und in den nun folgenden Kriegen zu finden.
Militärische Laufbahn in der französischen Armee