mini|299px

Die Präfektur Okinawa (japanisch , Okinawa-ken, okinawaisch Uchinā) ist Japans südlichste Präfektur. Sie umfasst die zu den Ryūkyū-Inseln gehörenden Inselgruppen Okinawa, Miyako und Yaeyama. Die Präfektur Okinawa ist daher von der gleichnamigen Inselgruppe und deren Hauptinsel Okinawa Hontō zu unterscheiden. Letztere stellte ehemals den Mittelpunkt des Königreichs Ryūkyū dar und liegt etwas über 500 Kilometer südwestlich der japanischen Hauptinsel Kyūshū. Die Insel Yonaguni am südwestlichen Ende der Präfektur Okinawa ist nur knapp 125 Kilometer von Taiwan entfernt.

Geographie Lage Die zur Präfektur Okinawa gehörenden Inseln liegen in den Subtropen zwischen 24° und 28° N und zwischen 123° und 131° 20' E.

Im Einzelnen umfasst die Präfektur Okinawa: Drei große Inselgruppen (von Norden nach Süden): die Inselgruppe Okinawa: Auf Okinawa Hontō, der Hauptinsel der Inselgruppe, liegt Naha, die Hauptstadt der Präfektur. die Inselgruppe Miyako (alter deutscher Name der Insel: Typinsan) die Inselgruppe Yaeyama, von deren westlichster Insel, Yonaguni, man bei gutem Wetter Taiwan sehen kann.(Die Inselgruppen Miyako und Yaeyama werden auch zusammenfassend als Inselgruppe Sakishima bezeichnet.) Inseln, die zu keiner der drei größeren Inselgruppen gehören: die ungefähr 110 Kilometer nördlich der Inselgruppe Okinawa gelegene Insel Iōtorishima. die drei Inseln der rund 350 Kilometer ostsüdöstlich der Inselgruppe Okinawa gelegenen Inselgruppe Daitō (, -shotō). Manchmal wird diese Inselgruppe trotz relativ großer Entfernung auch zur Inselgruppe Okinawa dazugerechnet. die etwa 400 km westsüdwestlich liegende unbewohnte Inselgruppe Senkaku.

Landschaften In der Präfektur befinden sich 363 InselnJapan Statistical Yearbook 2012, Tabelle 1-1: Islands, Area and Length of Coastline of National Land, bzw. 160 Inseln von mindestens 1 ha Fläche, von denen 49 bewohnt sind. Für eine Auflistung siehe Liste der Inseln der Präfektur Okinawa.

Der höchste Berg ist der 526 m hohe Omoto-dake auf Ishigaki-jima.

Stand 31. März 2019 sind etwa 36 Prozent der Landfläche der Präfektur von Naturparks bedeckt. Dazu zählen die Nationalparks Iriomote-Ishigaki, Keramashotō und Yambaru, die Quasi-Nationalparks Okinawa-Kaigan und Okinawa-Senseki sowie vier Präfekturnaturparks.

Größte Orte

+ Bestehende und ehemalige Städte (-shi)Census-Jahr Einwohner2015201020052000Naha319.435315.954312.393301.032Okinawa139.279130.249126.400119.686Uruma118.898116.979113.535—Urasoe114.232110.351106.049102.734Ginowan96.24391.92889.76986.744Nago61.67460.23159.46356.606Tomigusuku61.11957.26152.516—Itoman58.54757.32055.81654.974Miyakojima51.18652.03953.493—Ishigaki47.56446.92245.18343.302Nanjō42.01639.758——Ishikawa———21.992Gushikawa———61.061Hirara———33.701 Am 1. April 2002 wurde das Dorf Tomigusuku-son zu einer Kreisfreien Stadt (-shi) heraufgestuft. Am 1. April 2005 wurde aus den Städten Ishikawa und Gushikawa sowie zwei weiteren Gemeinden die neue Stadt Uruma gebildet. Am 1. Oktober 2005 wurde aus der Stadt Hirara und vier weiteren Gemeinden die neue Stadt Miyakojima gebildet. Am 1. Oktober 2006 fusionierten vier Gemeinden zur neuen Stadt Nanjo.

Geschichte

Vorgeschichte Die älteste archäologische Stätte der Altsteinzeit auf Okinawa ist die Yamashita-Höhle Nr. 1 in der Stadt Naha, deren Alter auf etwa 32.000 Jahre geschätzt wird. Bereits in der Jōmon-Zeit unternahmen Menschen mit Einbäumen Seefahrten. In den Ruinen auf Okinawa und den Amami-Inseln wurden Obsidian und Keramik aus der Präfektur Saga auf Kyūshū entdeckt, während umgekehrt auch Keramik aus Okinawa auf der Satsuma-Halbinsel gefunden wurde. Dies deutet darauf hin, dass bereits zu jener Zeit ein enger Handelsaustausch mit dem japanischen Festland bestand.

Muschelhaufenzeit (ca. 1.–10. Jahrhundert) Während der sogenannten Muschelhaufenzeit war auf Okinawa noch keine Landwirtschaft verbreitet. Die Menschen lebten hauptsächlich vom Fischfang, der Jagd und dem Sammeln von Nahrung. Diese Periode dauerte etwa vom Beginn unserer Zeitrechnung bis ins 7. Jahrhundert und wird archäologisch als Spätphase der Muschelhaufenzeit klassifiziert. Die Wohnstätten bestanden aus Grubenhäusern oder einfachen Flachbauten. Muschelhaufen und Knochenfunde geben Aufschluss über die damalige Lebensweise.

Zwischen dem 7. und 10. Jahrhundert begann der Übergang in die Frühphase der Gusuku-Zeit. Die Verwendung von Eisenwerkzeugen wurde alltäglich, Bestattungstraditionen änderten sich, und es entstanden dörfliche Siedlungen mit ersten Anzeichen gesellschaftlicher Differenzierung. Dies wird als Beginn der sozialen Schichtung interpretiert.

In dieser Zeit existierten noch keine schriftlichen Aufzeichnungen auf Okinawa, und die Region bildete einen eigenständigen Kulturkreis, der keinem Staat angehörte. Zwar bestanden kleinere Handelskontakte mit Süd-Kyūshū und den Amami-Inseln, doch ein starker externer Einfluss war kaum erkennbar. Die sprachliche und ethnische Zusammensetzung entwickelte sich in einer einzigartigen und gleichzeitig vielschichtigen Weise, die sich von Japan und Südostasien unterschied.

Zeit der Drei Königreiche In der sogenannten „Zeit der Drei Königreiche“ existierten auf der Hauptinsel Okinawa drei konkurrierende Herrschaftsgebiete: Hokuzan (Norden), Chūzan (Zentrum) und Nanzan (Süden). Diese standen in einem ständigen Machtkampf. Im Jahr 1429 gelang es König Shō Hashi von Chūzan, Hokuzan und Nanzan zu besiegen und die Insel zu vereinen. Damit begann die Erste Shō-Dynastie und die eigentliche Periode des Ryūkyū-Königreichs. In dieser Zeit intensivierte sich der Handel mit China, und Schriftzeichen (Kanji) wurden eingeführt. Das Ryūkyū-Königreich entwickelte sich zu einem Handelsstaat mit einem Netzwerk zwischen Ostasien und Südostasien. Kulturell entstand eine eigenständige Hofkultur, beeinflusst von Japan, China, Korea und Südostasien.

Zeit der Satsuma-Herrschaft Im Jahr 1609 überfiel das Fürstentum Satsuma (heute Präfektur Kagoshima) Ryūkyū mit 3000 Soldaten. In der Folgezeit stand das Königreich unter der Kontrolle des japanischen Fürstentums. Gleichzeitig blieb Ryūkyū unverändert im traditionelle Vasallenverhältnis zu China. Diese doppelte Abhängigkeit belastet das Land wirtschaftlich, ermöglichte aber auch eine kulturelle Sonderentwicklung. Die innere Verwaltung und Bildung wurden ausgebaut, und konfuzianische Werte prägten zunehmend das Regierungssystem. Die Beziehungen zu Satsuma hatten zwar Einfluss auf die Institutionen und die Wirtschaft, doch Sprache, Religion und Künste konnten sich weiterhin eigenständig entfalten.

Im Jahr 1872 wurde das Königreich aus dem chinesischen Vasallensystem herausgelöst und offiziell dem japanischen Staat eingegliedert. Das Ryūkyū-Königshaus wurde in ein Fürstentum umgewandelt, und König Shō Tai erhielt den Titel eines Adligen. Im Zuge der landesweiten Verwaltungsreform von 1879, bei der die alten Fürstentümer aufgelöst wurden, entstand schließlich die Präfektur Okinawa.

Zweiter Weltkrieg Im Zweiten Weltkrieg war Okinawa der einzige Ort auf japanischem Boden, an dem großflächige Bodenkämpfe stattfanden. Im Rahmen der Operation Iceberg landeten amerikanische Truppen auf der Insel. Während der Schlacht von Okinawa kamen insgesamt etwa 200.000 Menschen ums Leben, darunter rund 66.000 japanische Soldaten und 12.500 amerikanische Soldaten. Die Zahl der zivilen Opfer aus Okinawa belief sich auf etwa 94.000, hinzu kamen etwa 28.000 im Dienst befindliche Einwohner der Insel – insgesamt etwa 122.000 Todesopfer. Der intensive Einsatz von Artillerie, Bombardierungen und Flammenwerfern führte zu hohen zivilen Verlusten, insbesondere da auch Höhlen mit Flüchtlingen gezielt angegriffen wurden.

Nachkriegszeit Nach Kriegsende wurde Okinawa vom japanischen Festland getrennt und unter amerikanische Verwaltung gestellt. Die Bevölkerung begann unter der US-Militärregierung mit dem Wiederaufbau. Infrastruktur und Bildungssysteme wurden erneuert. Zugleich kam es zu grundlegenden Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft – so wurden etwa der B-Yen(B円) und der US-Dollar als Zahlungsmittel eingeführt. In dieser Zeit hielten amerikanische Einflüsse Einzug, und Gerichte wie Taco Rice oder Tacos sind heute fester Bestandteil der lokalen Küche.

Am 15. Mai 1972 wurde Okinawa offiziell an Japan zurückgegeben und erneut als Präfektur integriert. Verwaltung, Bildung und Wirtschaft wurden wieder mit dem Festland vereinheitlicht. Viele US-Militärstützpunkte blieben jedoch bestehen, was bis heute ein zentrales gesellschaftliches Thema in der Region darstellt.

Gegenwart Heute präsentiert sich Okinawa als Region mit reichem kulturellen Erbe und vielfältiger Geschichte. Die Ryūkyū-Musik, das Instrument Sanshin, der Tanz Eisa und die ozeanisch beeinflusste Küche erfreuen sich landesweiter Beliebtheit. Auch in Anime und der japanischen Popmusik finden sich Elemente dieser Kultur wieder.

Die Bewahrung der lokalen Sprache (Ryūkyū) wird aktiv gefördert – durch Programme von Regierung, Kommunen und Bürgerinitiativen. Unterricht in Dialekten, Volkslieder und traditionelle Künste werden an Schulen und in Gemeinden vermittelt, um das kulturelle Erbe an jüngere Generationen weiterzugeben.

Zugleich bestehen Herausforderungen, etwa durch die hohe Konzentration an US-Militärbasen. In diesem Kontext sucht Okinawa nach einem Gleichgewicht zwischen regionaler Entwicklung und sicherheitspolitischen Erfordernissen. Als multikulturelle, vielsprachige Region mit komplexer Geschichte spielt Okinawa auch heute eine bedeutende Rolle innerhalb der japanischen Gesellschaft.

Bevölkerung Langlebigkeit Die japanische Insel Okinawa gilt als die Region mit der weltweit höchsten Lebenserwartung. Sie wird auch als die „Insel der Hundertjährigen“ bezeichnet. Okinawa ist einer von drei Orten weltweit, auf dem pro Einwohnerzahl die meisten Hundertjährigen leben. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt mit 86 Jahren für Frauen und 78 Jahren für Männer höher als im übrigen Japan, das in der weltweiten Statistik ohnehin eine führende Position innehat. Eine wissenschaftliche Studie der Ryūkyū-UniversitätProf. Suzuki et al.: Näheres unter , In: okicent.org (englisch) bescheinigt den Alten zudem einen überdurchschnittlich guten Gesundheitszustand. Das Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Krebs und Diabetes zu erkranken, ist bei den Menschen, die die traditionelle Lebensweise pflegen, deutlich geringer als in westlichen Industrienationen. In der Altersgruppe zwischen 20 und 60 hingegen weist die Statistik einen gegenteiligen Effekt aus: Hier sind die Menschen dicker und kränker als im übrigen Japan, was die Forscher unter anderem auf den Einzug US-amerikanisch geprägter Ess- und Lebensgewohnheiten zurückführen.

In einer erneuten Erhebung im Jahr 2013 musste Okinawa die ohnehin vor allem auf der Langlebigkeit der Frauen beruhende erste Position in der Altersstatistik an die Präfektur Nagano abgeben und fiel auf Platz drei.Kwan Weng Kin: , In: The Straits Times Asia Report, 2. März 2013. (englisch)

Saul Justin Newman vom Centre for Longitudinal Studies des University College London fand heraus, dass viele Daten über Höchstbetagte falsch sind und wurde 2024 für seine Arbeit mit dem Ig-Nobelpreis ausgezeichnet. Auf Okinawa bezogen äußerte Newman gegenüber The Conversation: „In Okinawa sagt ein Indikator sehr gut vorher, wo man die 100-Jährigen findet – nämlich dort, wo die Archive während des Zweiten Weltkriegs von den Amerikanern bombardiert wurden.“ 2010 habe die japanische Regierung zudem in einer Untersuchung festgestellt, dass 82 Prozent der über 100-Jährigen in Japan tatsächlich bereits verstorben waren.

Bevölkerungsentwicklung