mini|Kinder spielen das Videospiel Paperboy an einem Heimcomputer Amstrad CPC 464 in den 1980er-Jahren. mini|Heimcomputer C64 mit „Personal Computer“-Beschriftung Heimcomputer (vom engl. home computer) war eine in den 1980er-Jahren gebräuchliche Bezeichnung für eine Klasse von Mikrocomputern, die vor allem in Privathaushalten genutzt wurden. Per Definition handelt es sich bei diesen Geräten im engeren Sinn um Personal Computer, wobei der Heimcomputer den Teil solcher Geräte umschließt, die im unteren Preissegment zu finden und eher für Unterhaltungszwecke und zum Programmieren durch den Anwender vorgesehen waren. Durch die rasant wachsende Verbreitung der Heimcomputer im Privatbereich kamen erstmals breitere Bevölkerungsschichten mit Computern in Kontakt, die noch wenige Jahre zuvor nur Fachpersonal in Unternehmen und Universitäten zugänglich gewesen waren.
Zu den verbindenden Merkmalen fast aller frühen Heimcomputer der 1980er gehörte, dass sie eine ins Gehäuse integrierte Tastatur hatten, mit der sie über Kommandozeilen-Befehle bedient wurden, zum Anschluss an einen Fernseher konzipiert waren und dass das auf einem ROM-Speicherchip fest installierte Betriebssystem auch einen Interpreter für die einfach zu lernende Programmiersprache BASIC aufwies. Die meistverbreiteten Mikroprozessoren waren die der 6502-Familie und der Zilog Z80, die meist mit etwa 1 MHz bis 4 MHz getaktet waren und auf anfangs 1 bis 16, später bis zu 64 kByte Arbeitsspeicher zurückgriffen.
Ab etwa Ende der 1980er-Jahre hatten Modelle mit dem Prozessor Motorola 68000 großen Erfolg, die bereits grafische Benutzeroberflächen mit Maus-Bedienung aufwiesen und mit Speicher im Megabyte-Bereich ausgerüstet waren. Mitte der 1990er-Jahre verschwanden jedoch die meisten dieser untereinander nicht kompatiblen Systeme vom Markt, und IBM-kompatible Personal Computer mit x86-Prozessoren und den Microsoft-Betriebssystemen MS-DOS und MS Windows, die bereits in Unternehmen vorherrschten, setzten sich auch im Privatbereich als Quasi-Standard durch.
Die Entwicklung der Heimcomputer ging einher mit der Entwicklung der Spielkonsolen und Computerspiele. Zu einigen Heimcomputermodellen gab es technisch fast identische Geräte als Spielkonsole, denen lediglich die Tastatur fehlte. Auch Heimcomputer wurden von vielen Nutzern zum Spielen verwendet.
Vorläufer Der erste digitale, programmierbare Computer für den Heimgebrauch war der bereits 1949 von Edmund Berkeley, dem Begründer der ACM, vorgestellte Relais-Rechner Simon.Edmund Callis Berkeley: Giant Brains or Machines That Think. John Wiley & Sons, New York 1949 (7. Aufl. 1963), S. 22–41. Simon bestand aus nur 50 Relais und verfügte über keinen Mikroprozessor. Im Handel erhältlich war lediglich ein Bauplan für Simon, von dem in den ersten zehn Jahren seiner Verfügbarkeit über 400 Exemplare verkauft wurden.Personal Computer Milestones blinkenlights.com
Der Micral N war ein weiterer Vorläufer auf dem Weg zum Heimcomputer; der erste seiner Art mit einem Mikroprozessor, in diesem Fall ein Intel 8008. Die Produktion begann im Frühjahr 1973. Mit dem Altair 8800 des Anbieters MITS kam 1975 ein in Serie produziertes Gerät auf den Markt, das als Bausatz für 397 US-Dollar (USD; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. bei ca. 980 DM 1975 heute rund Euro), als Komplettgerät für 695 USD (damals ca. 1710 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro) zu erwerben war. 8bit-museum.de Zukunftsweisend war die Ausstattung mit einem Bus-Stecksystem für Erweiterungskarten nach dem S-100-Bus-Standard. Mit seinen Kippschaltern als Eingabeeinheit und Leuchtdioden als Ausgabeeinheit entspricht jedoch auch dieses Gerät technisch nicht dem, was man heute unter einem Heimcomputer versteht. Ähnlich war es mit dem im selben Jahr erschienenen KIM-1 des Unternehmens MOS Technology, der immerhin schon eine 24-Tasten-Eingabeeinheit im Taschenrechnerformat zur direkten Eingabe von HEX-Code hatte sowie eine 6-stellige 7-Segment-LED-Anzeige als Ausgabeeinheit. Daher waren diese Geräte für durchschnittliche Privatanwender weitgehend untauglich und auch kaum attraktiv; sie wurden hauptsächlich von Hobby-Elektronikbastlern und den wenigen frühen Computer-Enthusiasten gekauft. Die verkauften Stückzahlen waren daher gering.
Innerhalb der frühen Hacker-Szene rund um den Homebrew Computer Club, die die Entwicklung des Heimcomputers entscheidend vorantrieb, erfreute sich der MITS Altair 8800 großer Beliebtheit und diente den Mitgliedern des Clubs als Kernstück für eigene Erweiterungen.Steven Levy: Hackers: Heroes of the Computer Revolution. Doubleday 1984, ISBN 0-385-19195-2
1970er Jahre Die Ära der Heimcomputer im modernen Sinn, mit schreibmaschinenähnlicher Tastatur als Eingabeeinheit und einem Bildschirm (zunächst in Form eines umfunktionierten Fernsehgerätes) als Ausgabeeinheit, begann 1976 mit dem Apple I. Er war als Einplatinencomputer ausgeführt, wobei der Anwender selbst noch Teile wie Netzteil, Gehäuse, Bildschirm und Tastatur besorgen und aufwändig konfigurieren musste. Er war mit einem Preis von 666 USD (damals ca. 1680 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro) für Privathaushalte erschwinglich und entsprach zugleich den modernen bedientechnischen Vorstellungen, die Kunden über einen Heimcomputer hatten.Boris Gröndahl: Hacker. Rotbuch 3000, ISBN 3-434-53506-3Steve Wozniak: "iWoz: Wie ich den Personal Computer erfand und Apple mitgründete.", Deutscher Taschenbuchverlag, Oktober 2008, ISBN 978-3-423-34507-1
Auf der Consumer Electronics Show im April 1977 in Las Vegas (Nevada) wurden erstmals gleich drei Modelle der interessierten Öffentlichkeit vorgestellt, die nicht als Bausatz, sondern als fertig montierte Geräte sofort für den häuslichen oder betrieblichen Einsatz bereit waren. Dazu zählen der preisgünstige TRS-80 (599 USD, damals ca. 1390 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro) der großen Elektronikkette RadioShack, der mit einer offenen Architektur aufwartende, aber auch der teure Apple II (1298 USD, damals ca. 3015 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro) und das All-in-one-Modell Commodore PET 2001 (795 USD, damals ca. 1845 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro).
Im Jahr 1979 erschien mit dem Atari 400 der erste Heimcomputer auf dem Markt, der Custom Chips enthielt und damit technologisch den Konkurrenzgeräten voraus war. Im gleichen Jahr verbaute Texas Instruments im TI-99/4 erstmals einen 16-Bit-Prozessor, wenngleich sich der Rechner nicht durchsetzen konnte. Im Jahr 1980 kam in Großbritannien der ZX80 von Sinclair in den Handel, der auf dem Hauptprozessor Z80 von Zilog basierte und erstmals eine Heimcomputerindustrie außerhalb Nordamerikas zu etablieren half.
In den Jahren von 1977 bis 1980 dominierte Tandy mit dem TRS-80 den Markt der Mikrocomputer in den USA; den damals allgegenwärtigen RadioShack-Ladengeschäften hatten die Mitbewerber kein gleichwertiges Vertriebsnetz entgegenzusetzen.Ars Technica: Total share: 30 years of personal computer market share figures, Jeremy Reimer, Ars Technica, 2005 Außerhalb der USA war der Markt für Mikrocomputer damals noch sehr klein, was auch mit den dort viel höheren Preisen für solche Geräte zusammenhing. In Deutschland war Commodore der Marktführer, gefolgt von Atari und Sinclair.
1980er Jahre IBM war einer der führenden Produzenten von Großrechnern; lange Zeit hatte die Unternehmensführung den neuen Markt der persönlichen Computer für nicht lukrativ gehalten und vernachlässigt. 1981 änderte sich dies mit der Veröffentlichung des IBM PCs. Nachdem ein Vertrag mit Digital Research gescheitert war, dem damals führenden Anbieter von Mikrocomputer-Betriebssystemen, wurde auf ein Angebot von Microsoft zurückgegriffen, das bei IBM fortan PC DOS genannte MS-DOS. Die Marktposition von IBM sorgte dafür, dass sich der IBM PC im Bürobereich schnell durchsetzte – viele Unternehmen wollten ihre Arbeitsplatzcomputer aus einer Hand beziehen. Für den Heimgebrauch war der IBM PC mit seinen 3.005 USD (in der Grundausstattung; damals ca. 6790 DM; nach heutiger Kaufkraft ca. USD bzw. Euro) zu teuer. Das Unternehmen IBM legte jedoch die Grundkonstruktion seines PC offen und schuf einen informellen Industriestandard;30 Jahre IBM-PC: Siegeszug der Wenigkönner, Netzwelt von Spiegel Online, spiegel.de, Autor: Frank Patalong, 12. August 2011, abgerufen am 21. August 2016 es definierte damit die bis heute aktuelle Geräteklasse der IBM-PC-kompatiblen Computer. Zahlreiche preiswerte Nachbauten und Fortführungen der IBM PCs durch andere Unternehmen machten die Plattform sowohl am Arbeitsplatz als auch im Heimbereich sehr erfolgreich; die heute marktüblichen Computer mit Windows-Betriebssystem und x86-Prozessoren beruhen auf der stetigen Weiterentwicklung des damaligen Entwurfs von IBM.
Ende 1982 brachte Commodore den C64 als Nachfolger des VC20 auf den Markt. Aufgrund seines im Vergleich mit den „professionellen“ Computern wie dem Apple II und dem IBM PC wesentlich günstigeren Preises wurde der sogenannte „Brotkasten“ schnell zum meistverkauften Heimcomputer aller Zeiten. Zur etwa selben Zeit vermarktete auch Sinclair Research mit großem Erfolg seine beiden populären Modelle, den Sinclair ZX81 und dessen Nachfolger ZX Spectrum. Im Gegensatz zu diesen beiden führte Sinclairs letzter technisch fortschrittlicher Rechner, der seit 1984 erhältliche Sinclair QL („Quantum Leap“, Quantensprung), wegen Produktionsverzögerungen, Qualitätsmängeln und Fehlern bei der Vermarktung nur noch ein reines Nischendasein im Computermarkt.
Atari brachte 1982 aufgrund des wachsenden Konkurrenzdrucks mit der XL-Serie eine intern nur geringfügig veränderte Version der 400/800er Serie heraus. Diese Computer waren preisgünstiger als ihre Vorgänger und weitgehend softwarekompatibel. Ihre Verkaufszahlen lagen in Deutschland hinter Commodore auf dem zweiten Platz.
In den Jahren 1984 und 1985 wurde die von Amstrad lizenzierte CPC-Serie von der Schneider Computer Division (einer Abteilung der Schneider Werke) in Deutschland auf den Markt gebracht. Die Computer dieser Serie waren in Deutschland, im Ursprungsland Großbritannien und insbesondere in Frankreich und Spanien sehr erfolgreich. Die beiden Modelle CPC464 und CPC 6128 wurden in Deutschland in den Jahren 1985 und 1986 jeweils zum Computer des Jahres gekürt.c64-wiki.de
Apple konzentrierte sich mittlerweile nach einigen Misserfolgen mit neuen Modellen wie dem Apple III auf den avantgardistischen, extrem bedienungsfreundlichen und auch teuren Personal Computer Apple Macintosh. Es errang mit diesem im High-End-Bereich eine führende Position, insbesondere beim zukunftsträchtigen Desktop-Publishing und der Computer-gestützten grafischen Gestaltung.
1985 kam mit dem Commodore Amiga und dem Atari ST jedoch bereits eine neue Generation von Heimcomputern auf den Markt, die in der damaligen technologischen Spitzenklasse mitspielte. Beide verwendeten den Motorola-68000-Prozessor, der auch im Macintosh eingesetzt wurde, und boten im Heimbereich bis dahin unbekannte grafische Möglichkeiten. Prozessor- und Speicherausstattung konnten leicht mit dem Spitzenmodell der IBM-PC-Serie, dem IBM PC/AT, mithalten. Neu war auch die grafische Benutzeroberfläche. Beim Atari ST lehnte sich das „Look and Feel“ stark an den Macintosh an, der Amiga zeigte hier mehr Eigenständigkeit. Windows dagegen steckte damals noch in den Kinderschuhen; kein PC-Benutzer kam ohne DOS-Kenntnisse aus, das per Texteingabe über eine Kommandozeile bedient wurde.
Aufgrund dieser Vorteile und in Verbindung mit dem günstigen Preis erreichte der Atari ST in Europa in den ersten beiden Verkaufsjahren schnell hohe Verkaufszahlen und wurde dank seines hochauflösenden Schwarz/Weiß-Monitors auch im professionellen Bereich eingesetzt (Desktop-Publishing, Buchhaltung, Sekretariat, Kassencomputer). Durch die eingebauten MIDI-Schnittstellen eroberte er sich aber vor allem eine führende Stellung in der Musikproduktion.