mini|Gemischte Studentenverbindung (GV Zähringia) in Freiburg im Üechtland mini|Chargierte bei einem Festumzug des Schweizerischen Studentenvereins mini|Landesvater in Basel (2020) Zurzeit bestehen 530 Schweizer Studentenverbindungen.Helveticus (2000) Dazu zählen nicht nur akademische Korporationen an Hochschulen und Universitäten, sondern auch Schülerverbindungen, Berufsvereinigungen, Turn- und Sportvereine, sprachliche, regionale und religiöse Zusammenschlüsse, Abstinenzler und nicht wenige Mädchenverbindungen. Die älteste Studentenverbindung in der Schweiz ist die 1806 in Lausanne gegründete Société d’Étudiants de Belles-Lettres. Der gegenwärtige Präsident der Schweizerischen Vereinigung für Studentengeschichte ist Severin Stadler, Mitglied der Akademischen Turnerschaft Rhenania Bern in der Schweizerischen Akademischen Turnerschaft (SAT) in Bern.

Geschichte Studentische „Gesellschaften“ sind in der Schweiz seit dem 18. Jahrhundert belegt. Die einzige traditionelle Volluniversität war die 1460 gegründete Universität Basel; sonst gab es in der deutschsprachigen Schweiz nur kleinere Bildungseinrichtungen im Range von Akademien und Kollegien ohne Promotionsrecht. Daher prägte sich die studentische Kultur dort weniger stark aus. Viele Schweizer gingen zum Studium nach Deutschland, wo sie im frühen 19. Jahrhundert viele landsmannschaftlich ausgerichtete Corps namens Helvetia gründeten, so in Freiburg im Breisgau (1815–1822, 1830–1834), Göttingen (1824–1829), Heidelberg (1811–1817, 1859–1862), München (1830–1831), Tübingen (1811–1816) und Würzburg (um 1805, 1820–1824).Herbert Kater, Jörg Onnasch: Die einzelnen Corps im KSCV. Verzeichnis der erloschenen Corps im KSCV einschließlich deren wichtigen Vorläufer. In: Vorstand des Verbandes Alter Corpsstudenten e. V. (Hrsg.): Handbuch des Kösener Corpsstudenten. Band II, Ziffer 1.C., 6. Auflage, Würzburg 1985

Als in den frühen 1830er Jahren die protestantischen, kantonalen Volluniversitäten Zürich und Bern gegründet wurden, kamen die Schweizer wieder in ihr Land zurück und brachten die studentischen Bräuche aus Deutschland mit. In diesen Jahren begannen die ersten Schweizer Verbindungen Couleur zu tragen und Mensuren zu fechten. Mit Ausnahme von Heidelberg 1859–1862 gab es danach auch kein Corps Helvetia mehr an einer deutschen Universität.

Unterschiede mini|120px|Artusia Aarau (1910–1912) Das Schweizer Korporationswesen ähnelt dem in Deutschland und Österreich, allerdings mit einem Unterschied: Die drei großen Dachverbände Schweizerische Zofingerverein (Zofingia), Studentenverbindung Helvetia und der Schweizerische Studentenverein (StV), dem deutschen CV nahestehend, wurden von Anfang an als Dachverband gegründet und entstanden nicht aus Zusammenschlüssen einzelner Verbindungen. Daneben gehörten ihnen von Anfang an Verbindungen an Universitäten und Schülerverbindungen an. Letztere sind in der Schweiz weitaus häufiger anzutreffen als in Deutschland. Teilweise war es den Mittelschulverbindungen bis ca. 1957 verboten, in einem Verband mit Hochschulverbindungen zu sein.

Zudem waren alle drei Verbände ebenfalls von Anfang an politische Vereine. Der StV stand anfangs dem katholisch-konservativen Lager nahe, die Zofingia vor ihrer Aufspaltung und Trennung von der Helvetia den radikalen bzw. liberalen Bewegungen (heute FDP.Die Liberalen) und protestantischem Gedankengut des Reformators Zwingli. Bei der Gründung des heutigen Bundesstaates 1848 spielte sie eine wesentliche Rolle.

Eine Besonderheit des Schweizerischen Korporationswesens liegt darin, dass auch an den Universitäten und Fachhochschulen im französischsprachigen Landesteil Verbindungen nach deutschsprachigem Vorbild existieren, deren Umgangssprache Französisch ist. Es existieren neben den mehrsprachigen Dachverbänden Zofingia (D, F), Schweizerische Studentenverbindung Helvetia (D, F), Schweizerischer Studentenverein (D, F, I, Rumantsch) und Falkensteinerbund (D, F) auch rein französischsprachige Dachverbände, die Stella Helvetica und die Société d’Étudiants de Belles-Lettres.Der Falkensteinerbund (FB) steht in einem Freundschaftsverhältnis zum Wingolfsbund. Jeder Wingolfit kann in eine der vier FB-Verbindungen eintreten und umgekehrt.

Dachverbände miniatur|Es leben die Füchse und die Jungfrauen! Aarburger Cartellverband – ACVDer ACV ging 1925 ein. Abstinente Schweizerische Burschenschaft – ASB Aarburger Seniorenconvent – ASC Abstinentenverband „Junge Schweiz“ – AVJS Bremgarten-Kartell – BK Cartellverband der katholischen deutschen Studentenverbindungen – CV Falkensteinerbund – FB Federazione Goliardica Ticinese – FGT Katholischer Deutscher Verband – KDV Kartell jüdischer Verbindungen – KJV Kösener Senioren-Convents-Verband – KSCV Kartellverband katholischer deutscher Studenten – KV Ring Katholischer Burschenschaften – RKB Ring Katholischer Schweizer Burschenschaften – RKSB Schweizerische Akademische Turnerschaft – SATDer Wahlspruch aller Schweizer Turnerschaften ist: (Orandum est ut sit) mens sana in corpore sano (Martial) Schweizerischer Bund Abstinenter Mädchen (nach 1926: Iduna) – SBAM Schweizerischer Studentenverein – Schw.StV oder StVDer Schweizerische Studentenverein ist ein Verband christlicher Mittel- und Hochschulverbindungen in der Schweiz, Deutschland, Österreich und Italien und als solcher der grösste Verband couleurtragender Verbindungen in der Schweiz. Weinheimer Senioren-Convent – WSC

Gesamtschweizerische Verbindungen mini|Postkarte der schweizerischen Studentenverbindung Belles-Lettres, Sektion Lausanne aus dem Jahre 1906 anlässlich des hundertjährigen Bestehens.

In der Schweiz besteht die Besonderheit, dass viele Verbindungen nicht nur an einem bestimmten Studienort bestehen, sondern als gesamtschweizerische landesübergreifende Verbindungen existieren, die in einzelne sogenannte „Sektionen“ an den jeweiligen Studienorten aufgeteilt sind. Es bestehen und bestanden folgende Gesamtschweizerische Verbindungen:

Schweizerischer Zofingerverein (Société suisse d'étudiants de Zofingue)Zofingia hat viele Sektionen an Mittel- und Hochschulen. Schweizerische Studentenverbindung Helvetia (Société suisse d'etudiants Helvétia) Société d’Étudiants de Belles-Lettres Stella Helvetica Schweizer Kartell Industria

Örtliche Verbindungen Société d’Étudiants Germania Lausanne

Turnerschaften Die Turnerschaften in Basel, Bern und Zürich haben sich alle gegen Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus den jeweiligen universitären Turnvereinen entwickelt. Als solche hatten sie 1832 auch an der Gründung des Eidgenössischen Turnvereins (heute Schweizerischer Turnverband) mitgewirkt.Aebi Jürg, Akademische Turnerschaft Utonia zu Zürich, S. 14 f. Sie sind in der Schweizerischen Akademischen Turnerschaft (SAT) vereinigt, allesamt pflichtschlagend und gehören dem Schweizerischen Waffenring an. Die deutlich jüngeren Turnerschaften in Lausanne und Genf gehörten ebenfalls der SAT an, sind jedoch heute suspendiert. Der gemeinsame Wahlspruch der Schweizerischen Turnerschaften lautet mens sana in corpore sano.

Basel Die Akademische Turnerschaft Alemannia Basel wurde im Jahre 1819 als Turnverein Basel gegründet. Seit 1905 besteht sie unter ihrer aktuellen Bezeichnung als Akademische Turnerschaft Alemannia Basel.

Bern Gegründet wurde die Akademische Turnerschaft Rhenania Bern im Jahre 1816 als Vaterländische Turngemeinde, sie ist damit die älteste Hochschulverbindung und der älteste Turnverein in der Schweiz.Peter Martig et al. (Hrsg.): Berns moderne Zeit. Das 19. und 20. Jahrhundert neu entdeckt. Stämpfli, Bern 2011. S. 208.

Zürich Als Gründungsdatum der Akademischen Turnerschaft Utonia Zürich gilt der 21. Februar 1873. Sie wurde von ehemaligen Mitgliedern des Studenten- und Polytechniker Turnvereins gegründet, dessen Ursprünge bis ins Jahr 1824 zurückreichen.Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig 1924/25, S. 195.Aebi Jürg, Akademische Turnerschaft Utonia zu Zürich, S. 9 ff.

Suspendierte Turnerschaften Akademische Turnerschaft Jurassia Lausanne (gegründet am 16. November 1897 als U.T.V. Lausanne)Dr. iur. Rob. Briner, Turnerschaft „Utonia“ Zürich (U.T.V.) – Geschichte der ersten hundert Semester zusammengestellt zum 50-jährigen Jubiläum 1873–1923, S. 24 Akademische Turnerschaft Rhodania Genf (gegründet am 12. Dezember 1896 als S.T.V Genf)

Corps

Basel mini|hochkant|Alamannia Alamannia (1869–1878): Die Vorverbindung war eine am 25. Mai 1865 gegründete Landsmannschaft mit unbedingter Satisfaktion. Sie paukte seit 1867 mit der Burschenschaft Teutonia zu Freiburg im Breisgau. Das Corps wurde am 20. November 1869 gestiftet. Der Wahlspruch war Eintracht macht stark! Alamannia renoncierte am 26. Mai 1870 beim Freiburger Senioren-Convent. Am 2. März 1871 wurde sie in den KSCV recipiert. Auf dem oKC 1872 hatte sie SC-Stimme. Am 23. Mai 1873 suspendiert, wurde sie am 7. Februar 1877 durch den Übertritt von Angehörigen der Basler Gold-Helvetia (rot-weiß-gold) rekonstituiert. Alamannia suspendierte am 2. November 1878 erneut und erlosch in der Zwischenkriegszeit. Letzter Alter Herr war vermutlich Dr. med. Ernst Rippmann († 1941), Kantonsrat und Stadtrat in Stein am Rhein. Archivalien des Corps wurden 1955 von Max Richter an das Institut für Hochschulkunde gegeben.Deutsche Corpszeitung 1955, S. 83; Helveticus S. 9 Alamannia war befreundet mit Brunsviga Göttingen, Hasso-Borussia, Thuringia Jena, Saxonia Leipzig, Nassovia und Tigurinia. Vorstellungsverhältnisse bestanden mit Rhenania Heidelberg, Palatia Straßburg und Suevia München. Unter den 44 Mitgliedern waren Emil Burckhardt, Emil Burckhardt-De Bary, Ludwig Gelpke, Heinrich Gelzer, Léopold Greppin, Ernst von Sury und Victor Schultze.Peter Platzer: Das Corps Alamannia Basel (1869–1878). Einst und Jetzt, Bd. 59 (2014), S. 417–439 (mit vollständigem Mitgliederverzeichnis)

Bern mini|hochkant|Rhenania Bern Rhenania I (grün-rot-gold) wurde 1842 gegründet und am Ende des Wintersemesters 1842/43 behördlich aufgelöst. Sie wurde am 15. Mai 1847 rekonstituiert und im Mai 1848 abermals suspendiert.Helveticus 2000

Rhenania II (blau-weiß-rot) entstand am 5. Februar 1852 aus dem Neu-Zofingerverein und wurde bald darauf suspendiert.

Rhenania III (1870–1880): Die drei Stifter stammten aus dem Kanton Thurgau, dem Kanton St. Gallen und dem Kanton Schwyz.Theodor Künzli, Leon Kälin († 1872) und Eugen Scherrer Alle drei waren Freiburger Schwaben, zwei auch Nassauer und Tiguriner. Sie stifteten Rhenania III am 18. Juli 1870. Der Wahlspruch war Amico pectus, hosti frontem! Von den 49 Mitgliedern waren 43 Schweizer, vier Deutsche, ein Ire und ein Österreicher. Das Corps wurde am 27. Mai 1871 in den Kösener SC-Verband aufgenommen. Es suspendierte vor Pfingsten 1875 für ein Jahr.Paulgerhard Gladen: Rhenania Bern, in: Die Kösener und Weinheimer Corps. Ihre Darstellung in Einzelchroniken. WJK-Verlag, Hilden 2007, ISBN 978-3-933892-24-9, S. 133. Rhenania war befreundet mit Nassovia, Suevia München und Grün-Helvetia. Mitglieder waren Friedrich Brunner, Eugen Landau, Louis Mürset, Emile Rodé, Paul Salvisberg, Wilhelm Schmid, Martin Stamm.Peter Platzer: Mitgliederliste des Corps Rhenania Bern (12.07.1870–03.12.1880). Einst und Jetzt, Jahrbuch des Vereins für corpsstudentische Geschichtsforschung, Bd. 57 (2012), S. 303–307. Das Corps suspendierte endgültig am 3. Dezember 1880.Gustav Gotthilf Winkel: Kösener SC-Kalender. Leipzig 1920.Hermann Greiner: Erinnerungsstücke des Corps Rhenania Bern. Einst und Jetzt, Bd. 44 (1999), S. 117–118.

Genf Das einzige Corps in Genf war Teutonia (1889–1917), moosgrün-gold-schwarz.

Lausanne Hansea (1887–1892): Schwarz-weiß-rot. Die Verbindung nannte sich seit 1887 Société d’Étudiants Germania Lausanne, erst im letzten Jahr Hansea. Die Germania besteht noch heute.Paulgerhard Gladen: Die Kösener und Weinheimer Corps: ihre Darstellung in Einzelchroniken. S. 77, 1. Aufl., WJK-Verlag, Hilden 2007

Alpigenia (1910–1915): Schwarz-weiß-gold