Dettingen an der Erms ist eine Gemeinde rund zwölf Kilometer nordöstlich von Reutlingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Dettingen ist mit seiner gesamten Gemarkung Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb und des UNESCO Geoparks Schwäbische Alb.

Geographie mini|Dettingen an der Erms (2019) Geographische Lage Die Gemarkung liegt im oberen Ermstal zwischen den Städten Metzingen und Bad Urach am Fuße der mittleren Schwäbischen Alb, der hier die Gemeindegrenze bildet, auf einer Höhe von (Erms an der Gemarkungsgrenze zu Neuhausen an der Erms) bis am Rossberg. Südlich von Dettingen befindet sich der Vulkanschlot Calverbühl, der sich durch seinen Reichtum an vulkanischen Lapilli auszeichnet.Johannes Baier, Günter Schweigert: Der Calverbühl bei Dettingen an der Erms. In: Fossilien, 32 (6), 2015, S. 56–59.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Dettingen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt und gehören zu den Landkreisen Reutlingen oder Esslingen¹: Neuffen¹, Hülben, Bad Urach, St. Johann und Metzingen.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Dettingen an der Erms gehören das Dorf Dettingen an der Erms, die Siedlung Buchhalde und die Häusergruppe Papierfabrik.

Im Gemeindegebiet liegt die erstmals 1360 als Schneggenhofen erwähnte und bis ins 15. Jahrhundert bewohnte, wüstgefallene Ortschaft Schneckenhofen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 27–28.

Schutzgebiete

In Dettingen gibt es zwei Naturschutzgebiete. Das Natur- und Landschaftsschutzgebiet Goldland-Klausenberg liegt an der nördlichen Gemeindegrenze, das Naturschutzgebiet Rutschen liegt im Süden und setzt sich auf Bad Uracher Gebiet fort. Zudem hat Dettingen Anteile am Landschaftsschutzgebiet Reutlinger und Uracher Alb. Darüber hinaus hat Hülben Anteile an den beiden FFH-Gebieten Uracher Talspinne und Alb zwischen Jusi und Teck sowie am Vogelschutzgebiet Mittlere Schwäbische Alb. Dettingen gehört vollständig zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb, eine Kernzone wurde am Roßberg im Süden der Gemeinde ausgewiesen.Daten- und Kartendienst der LUBW.

Geschichte Vorgeschichte und Antike Der klimatisch begünstigte Raum war bereits in vorgeschichtlicher und antiker Zeit besiedelt. Südwestlich des Calverbühls (in der Quelle Karpfenbühl genannt) wurden Scherben gefunden, welche auf eine Siedlung in der Hallstattzeit hinweisen. Um 85 n. Chr. kam das Gebiet unter direkte Herrschaft des Römischen Reiches (Provinz Germania superior). Nach dem Rückzug der römischen Herrschaft im dritten Jahrhundert etablierten sich germanische Stämme (Alemannen), doch fehlen frühalamannische Funde aus Dettingen, wie sie weiter unten am Ermstal (Großbettlingen) und talaufwärts auf dem Runden Berg vorhanden sind. Erst ab der Merowingerzeit ist anhand von fünf Reihengräberfeldern im Süden, Norden und Westen des Ortes eine Besiedlung nachweisbar. Vermutlich gewann in nachrömischer Zeit der Albaufstieg erst im 6. Jahrhundert an Bedeutung.

Mittelalter und frühe Neuzeit Die älteste bekannte Nennung des Ortsnamens findet sich im Bempflinger Vertrag von 1089 (Tetingin). Die Vorfahren der Grafen von Achalm und Urach, aus welchem das Haus Fürstenberg hervorging, hatten ihren Hauptsitz zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Dettingen. Die Stiftskirche in Dettingen war in dieser Zeit die Grablege der Achalmgrafen. Nach Gründung des Klosters Zwiefalten wurden ihre Gebeine dorthin verlegt. 1265 kamen Grundherrschaft und eine Hälfte der Vogtei (Oberhoheit) zusammen mit der Grafschaft Urach an die Grafschaft Württemberg. Die andere Vogteihälfte kaufte Württemberg 1630 von den Herren von Spät. Seither bis 1945 gehörte Dettingen stets zu Württemberg. Dort gehörte Dettingen zum Amt Urach und bildete vom Ende des 15. Jahrhunderts bis 1738 mit Hülben und Glems das Unteramt Dettingen, dessen Rat und Gericht aus jeweils zwölf Dettinger Männern bestand.

Im Mittelalter bestand außerhalb des Dorfes die Siedlung Schneckenhofen (1360 Schneggenhofen), die später abging. Zur Pfarrei Dettingen zählten auch Neuhausen, Glems, Güterstein, Hohenurach und Hülben. Die Pfarrkirche war sehr reich dotiert, Pankratius und Hippolyt von Rom geweiht und von 1482 bis 1516 ein Stift der Brüder vom gemeinsamen Leben. 1534 wurde die Reformation eingeführt.

Während des Dreißigjährigen Kriegs gehörte Dettingen von 1637 bis 1648 – mit Unterbrechungen – zur „Pfandschaft Achalm“, war damit vorderösterreichisch und wurde von Innsbruck aus regiert.Eberhard Fritz: Die „Pfandschaft Achalm“ im Besitz der Tiroler Linie des Hauses Habsburg. Expansionsbestrebungen in Vorderösterreich während des Dreißigjährigen Krieges. In: Reutlinger Geschichtsblätter, 49, 2010, S. 239–348.

Von der Königszeit bis zur Gegenwart Dettingen blieb bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im 1806 gegründeten Königreich Württemberg weiterhin dem seit 1758 bestehenden Oberamt Urach zugeordnet.

Die Lage am Fluss und die 1873 eröffnete Ermstalbahn förderten eine frühzeitige Industrialisierung. Die Eisenbahn war zunächst eine Privatbahn, 1904 wurde sie von den Württembergischen Staatseisenbahnen übernommen. Die Papierfabrik zum Bruderhaus südlich des Ortes wurde 1860 gegründet. Weitere Industrieansiedlungen folgten, damit einher ging eine stetige Ausweitung der Wohngebiete.

Mit der Auflösung des Oberamts Urach während der NS-Zeit in Württemberg wurde Dettingen 1938 Teil des Landkreises Reutlingen. Von 1945 bis zur Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 war der Ort Teil der Französischen Besatzungszone. 1947 wurde Dettingen Teil des Landes Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Bundesland Baden-Württemberg aufging.

Außerhalb des Ortes am Talhang wurde 1961 die Siedlung Buchhalde gegründet.

1990 wurde die in den südlichen Talhang gebaute Umgehungsstraße der B 28 eröffnet.

Gemarkung Die Dettinger Markung erstreckt sich quer durch das Ermstal und umfasst 1582 Hektar. Von Ein- und Umgemeindungen ist nichts zu berichten, auch die Gemeindereform der 1970er Jahre brachte keine Änderungen. Dettingen gehört keiner Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft und keinem Gemeindeverwaltungsverband an.

Einwohnerzahlen Im Jahre 1871 betrug die Einwohnerzahl 2.850 und 1910 waren es 3.870. 1950 gab es 4.770 Einwohner, 1975 betrug die Zahl 7.640 und 1990 8.940 Einwohner. Zwischen 1871 und 1975 stieg somit die Einwohnerzahl um 168 %. Danach verlangsamte sich die Entwicklung. 1991 wurde die 9000 überschritten. Zum 30. Juni 2010 wohnten gemäß dem Statistischen Landesamt 9.333 Personen im Ort. Ende 2022 näherte sich die Bevölkerungszahl mit 9977 der 10.000er-Grenze.

Religionen mini|Katholische Kirche Maria zum guten Stein Eine Kirche ist für Dettingen bereits seit dem 11. Jahrhundert bekannt. Wie in ganz Württemberg wurde auch in Dettingen 1534 die Reformation eingeführt, sodass die Gemeinde evangelisch-lutherisch wurde. Die heutige evangelische Kirchengemeinde Dettingen an der ErmsWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Dettingen an der Erms umfasst die Gemeinde Dettingen an der Erms und den Stadtteil Kappishäusern der Stadt Neuffen (Landkreis Esslingen) im Kirchenbezirk Bad Urach-Münsingen der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Für die nach dem Zweiten Weltkrieg gestiegene Anzahl römisch-katholischer Gläubiger wurde inzwischen ebenfalls eine Gemeinde gegründet. Außerdem ist auch die Neuapostolische Kirche im Ort vertreten. Die ansässige Evangelische Bruderschaft Kecharismai e. V., auch als „Blumenbrüder“ bekannt, betreibt in Dettingen einen Gartenbaubetrieb, zwei Gartenanlagen und ein Altenwohnheim.

Unter dem Dachverband DİTİB betreibt der Türkisch Islamische Kultur Verein e. V. die Mevlana-Moschee.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Dettingen besteht aus den 18 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem EndergebnisWahlinformationen auf komm.one. Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 FW Freie Wählervereinigung 44,82 8 48,0 9 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 23,27 4 24,3 4 UL Unabhängige Liste 30,82 6 27,7 5 TS Tayfun Sevgili 1,10 0 – – gesamt 100,0 18 100,0 18 Wahlbeteiligung 59,15 % 58,3 %

Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2026 Felix Schiffner. Zuvor amtierten von 1967 bis 2002 Rudolf Beutler und von 2002 bis 2026 Michael Hillert.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Dettingen an der Erms liegt an der Schwäbischen Dichterstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.

Museen mini|Johann-Ludwig-Fricker-Haus Heimatmuseum mit historischer Schmiede, Backhaus, Bauernstuben Das Johann-Ludwig-Fricker-Haus wurde 1796 anstelle des baufälligen Helferhauses errichtet, in dem Johann Ludwig Fricker von 1762 bis 1766 lebte. Vor ihm hatte schon Friedrich Christoph Steinhofer dort gelebt. Im heutigen Bau lebte von 1840 bis 1847 Wilhelm Zimmermann, der dort sein Hauptwerk, die Allgemeine Geschichte des Großen Bauernkriegs, verfasste und für den im Obergeschoss des heute als Gemeindehaus genutzten Gebäudes eine Gedenkstätte eingerichtet ist.

Bauwerke mini|alternativtext=|Evang. Stiftskirche Dettingen/Erms von Südost