mini|280px|Geflügelfarm in Südafrika, im Vordergrund schwarzer Boden nach einem kontrollierten Feuer, welches Platz für jüngere Gräser macht Die Geflügelproduktion umfasst die Systeme der Produktion von Erzeugnissen von Geflügel. Die wichtigsten Erzeugnisse sind Geflügelfleisch und Vogeleier. Der Markt für Geflügel wird dominiert durch Hybridhühner und Hybridzüchtungen der Pute. Traditionelle Rassen des Haushuhns und traditionelle Putenschläge kommen nur noch in der Hobbyhaltung vor.
Globale Produktion Geflügelfleisch
Produktionsmengen 2021 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 137.959.995 t Geflügelfleisch produziert.
Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die Geflügelfleischproduktion weltweit.
Die größten Produktionsländer von Hühner-/Hähnchenfleisch 2021 wurden laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation FAO weltweit 121.588.358 t Hühner-/Hähnchenfleisch hergestellt.
Folgende Tabelle gibt eine Übersicht über die zehn größten Produzenten von Hühner-/Hähnchenfleisch weltweit, die insgesamt 59,9 % der Menge produzierten. + Größte Hühner-/Hähnchenfleischproduzenten (2021) Rang Land Menge(in t) 1 20.652.971 2 14.700.000 3 14.636.478 4 4.617.338 5 3.844.346 6 3.670.156 7 3.668.552 8 2.435.965 9 2.294.101 10 2.245.770 Summe Top Ten 72.765.677 restliche Länder 48.767.284
Verbrauch und Verzehr In Deutschland lag der durchschnittliche Verbrauch 2021 an Geflügelfleisch bei etwa 21,9 kg pro Kopf und Jahr. Dies entspricht etwa 27 % des in Deutschland insgesamt verbrauchten Fleisches (Nahrungsverbrauch, Futter, industrielle Verwertung, Verluste (einschl. Knochen)). Der Geflügelfleischverzehr lag im gleichen Jahr bei 13,1 kg/kopf/Jahr (nach Schätzung des Bundesmarktverbandes für Vieh und Fleisch: ohne Knochen, Futter, industrielle Verwertung und Verluste). Zum Vergleich: Verbrauch 2018: 23,2 kg/Kopf/Jahr und Verzehr 13,8 kg/Kopf/Jahr.
Selbstversorgungsgrad Der Selbstversorgungsgrad zeigt das Verhältnis von Produktion und Verbrauch in einem Land. Exportiert ein Land von einem Lebensmittel mehr als es importiert, liegt der Selbstversorgungsgrad über 100 Prozent.Land schafft Leben. Österreich und die Schweiz produzieren deutlich weniger als sie verbrauchen. Land Selbstversorgungsgrad in % 98 71Statistik Austria. 55Agrarbericht 2018.
Masthühner – Betriebe und Betriebsgrößen in Deutschland mini|400px|links|Hühnerzucht – Anzahl der Betriebe und der Masthühner in Deutschland, 1999–2016. In 17 Jahren hat sich der Bestand an Masthühnern fast verdoppelt. Im gleichen Zeitraum wurden nahezu drei Viertel aller Betriebe aufgegeben. Quelle: Fleischatlas 2021, Urheber: Bartz/Stockmar, Lizenz: CC BY 4.0Fleischatlas 2021 – Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel Berlin 2021, ISBN 978-3-86928-224-4, dort S. 36.
+ Die 10 umsatzstärksten Unternehmen der Geflügelwirtschaft in Deutschland Unternehmen Sitz Umsatzin Mio. Euro (2023) PHW-Gruppe(Wiesenhof, Bruzzler) Visbek 4.033 Rothkötter Meppen 1.700 Sprehe-Gruppe Lorup 950 Heidemark Garrel 713 Plukon Food Group Wezep(Niederlande) 620 Vossko Ostbevern 221 Borgmeier Delbrück 212 Geti Wilba Bremervörde 205 Gut Bergmark Steinfeld 132,5 Farmers Dülmen 72
Schweiz In der Schweiz gibt es den Verein SGP (Schweizer Geflügelproduzenten).schweizer-gefluegel.ch und daneben gallosuisse.ch – Vereinigung der Schweizer Eierproduzenten. Er wurde 1999 gegründet und hat laut eigenen Angaben etwa 1000 Mitglieder. 2019 wurde die Interessengemeinschaft Bio Poulet gegründet. Mehr als ein Drittel der Biopoulet-Mäster (56 von rund 140) sind Mitglied in dieser IG. Den größten Marktanteil bei Poulet hat Micarna mit 43 Prozent. 31'136'455 Poulets hat das Unternehmen im Jahr 2019 geschlachtet.
Das 'Aviforum' in Zollikofen gilt als das Kompetenzzentrum der schweizerischen Geflügelwirtschaft in den Bereichen Bildung, Forschung und Dienstleistungen;aviforum.ch/Das-Aviforum.aspx Homepage. es hat einen eigenen Versuchs- und Produktionsbetrieb.aviforum.ch/Forschung.aspx Homepage. Die Schweizerische Geflügelzeitung ist (Stand Ende 2020) die einzige Fachzeitschrift der Schweizer Geflügelwirtschaft; sie erscheint monatlich zweisprachig.aviforum.ch/Gefluegelzeitung.aspx Homepage.
In der Schweiz wird das Mastgeflügel in Bodenhaltung auf Einstreue aus Stroh oder Hobelspänen gehalten. Die Tiere können sich im Stall frei auf dem Boden bewegen, scharren und können erhöhte Sitzgelegenheiten haben (BTS-Programm). Die wenigsten Geflügelhalter ermöglichen den Tieren Auslauf ins Freie: 8,6 % der Masthühner (Stand 2025) werden nach RAUS-Programm gehalten. Diese Haltungsarten gelten als anspruchsvoller und teurer, doch bekommen die Halter Produktionssystembeiträge. In den ersten 21 Lebenstagen ist der Zugang zum Außenklimabereich (AKB) für Mastpoulets fakultativ, womit den Tieren den größten Teil ihres Lebens den Auslauf verwehrt wird. Im AKB stehen einem Huhn – insofern es diesen mit dem hohen Gewicht überhaupt noch erreicht – 130 cm² zur Verfügung.
Es gibt in der Schweiz zwei Arten von Haltungsformen: „BTS“ (Besonders tierfreundliche Stallhaltungssysteme) und „RAUS“ (Haltung mit regelmäßigem Auslauf ins Freie).Bundesamt für Landwirtschaft: Tierwohlbeiträge (BTS/RAUS) In: blw.admin.ch, abgerufen am 8. Oktober 2018. Tierschützer kritisieren (vgl. Tierwohllabel#Schweiz), dass diese Bezeichnungen bei Konsumenten einen geschönten Eindruck hinterlassen sollen.Tier im Fokus: Neue Enthüllungen aus der Hühnermast In: tier-im-fokus.ch, 11. April 2016, abgerufen am 30. Januar 2018; sowie Der grosse Hühner-Schwindel In: hühner-schwindel.ch, abgerufen am 11. Dezember 2018.10vor10: Sendung vom 30. Januar 2018 In: srf.ch, abgerufen am 30. Januar 2018. (Daraus der 3. + 4. Beitrag: Der Tod ist Teil des Geschäfts und Studiogespräch mit Cesare Sciarra).Angelika Hardegger: Ist das noch Landwirtschaft – oder schon Industrie? In: nzz.ch, 15. September 2018, abgerufen am 16. September 2018.
In der Schweiz wurde ab 1996 für Labelprodukte sowie für den größten Teil der konventionellen Geflügelproduktion freiwillig auf Beimischung von Tiermehl verzichtet (Tiermehl war damals durch den BSE-Skandal bei Kühen in Verruf geraten).schweizer-gefluegel.ch/de/gefluegelhaltung/futterqualitaet.html. Im Jahr 2015 gab es in der Pouletproduktion 517 Betriebe mit spezialisierter Produktion, das heißt mit 5'000 oder mehr Mastgeflügel. Sie hielten im Durchschnitt 10'995 Tiere und somit 82 Prozent des gesamten Bestands. Die Geflügelproduktion ist faktisch vollständig von Importen bei Futtermittel und Küken abhängig. 2023 wurde am meisten Geflügel im Kanton Freiburg produziert, am zweitmeisten im Kanton Bern.
Bei Überproduktion von Eiern – z. B. nach Ostern (Ostereier) – kommt in der Schweiz die sogenannte Aufschlags- und Verbilligungsaktionen Eier zum Einsatz. Damit wird die Wirtschaft durch Subventionen finanziell unterstützt.
Österreich In Österreich gibt es die Zentrale Arbeitsgemeinschaft für Geflügelwirtschaft (ZAG). Sie ist eine freiwillige Interessensvertretung für die österreichische Geflügelwirtschaft. Die ZAG vertritt die Interessen der österreichischen Eierproduktion und der österreichischen Geflügelmast.Zentrale Arbeitsgemeinschaft der Österreichischen Geflügelwirtschaft.
Die Österreichische Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV), anerkannter Geflügelgesundheitsdienst, zeichnet in einer Datenbank den Weg von Mastgeflügel und Legehennen mit allen Kontrollen, Behandlungen und Salmonellenproben auf.Land schafft Leben.
Österreichs Legehennenhalter stellten im Herbst 2010 die komplette Frischeier-Produktion auf gentechnikfreie Fütterung um. 2012 wurde ein Großteil der österreichischen Mastgeflügelproduktion (Huhn, Pute) auf gentechnikfreie Fütterung umgestellt.ARGE Gentechnik-frei.
Österreich versorgt sich zu 67 Prozent selbst mit Geflügelfleisch, Tendenz sinkend.Statistik Austria.
Eier
China ist mit 40 % der mit Abstand größte Eierproduzent. 94 % der 2007 produzierten Vogeleier waren Hühnereier.
Rassen In der Hühnerproduktion werden vor allem verschiedene Hybridhühner verwendet. Rassegeflügel (traditionelle Rassen) wird nur noch in der Rassegeflügelzucht genutzt. In der Eierproduktion wird aufgrund der hohen Ausbeute vor allem das Legehybridhuhn Leghorn eingesetzt.
Zweinutzungsrassen sind größer als Leghorns und bedeuten daher höhere Produktionskosten. Auch in der Mast sind sie spezialisierten Fleischrassen hinsichtlich Kosteneffizienz unterlegen. Für die Mast dienen häufig Masthybride, früher zum Beispiel zwischen weiblichen Plymouth Rocks und männlichen Cornishs. Diese Hybridzuchten legen weniger Eier, sind aber für die Mast sehr geeignet.Gillespie, J. & Flanders, F. (2009): Modern Livestock and Poultry Production. Cengage Learning (englisch).
Die wichtigsten Truthuhnrassen sind Bronze und Weiße. Die Weißen sind die am weitesten verbreitete Rasse.
Die besten Entenrassen für die Fleischproduktion sind Amerikanische Pekingente und Warzenente. Die besten Rassen für die Eierproduktion sind Khaki Campbell und die Laufente.
Haltung mini|600px|Haltungsflächen von Hühnern (Quelle: Fleischatlas) Bei der Hühnerproduktion unterscheidet man drei Betriebsarten: Eierproduktion, Broilermast (Geflügelmast) und Aufzucht. In eierproduzierenden Betrieben („Ablegebetrieben“) werden Legehennen in Volierensystemen, in der Bodenhaltung oder auf Kotgruben gehalten. Nach einem bis zwei Produktionszyklen werden die Hennen als Suppenhühner verkauft. Die Geflügelmast (Broilermast) dient der Produktion von Hühnerfleisch. Sie verwendet energiereiches Futter, typischerweise Importe aus Südamerika, um hohe und schnelle Gewichtszunahmen sicher zu erreichen. Aufzuchtbetriebe halten Küken, die dann an Eier- oder Geflügelmastbetriebe verkauft werden. Ein gängiges Geschäftsmodell in der Geflügelproduktion ist die vertikale Integration, bei der mehrere Produktionsschritte enger miteinander verbunden sind und die üblicherweise von Futtermittelherstellern oder Verarbeitern finanziert und koordiniert werden. So entstehen riesige Betriebe, die effizient produzieren, aber auch Umweltbelastungen mit sich bringen.
Truthühner können im Freien oder in Ställen gemästet werden, wobei eine Tendenz Richtung Stallhaltung zu beobachten ist. Gänse und Enten werden für gewöhnlich im Stall und unter geringerem Maschineneinsatz gehalten. In der Hühnerhaltung werden hingegen oft automatische oder semiautomatische Fütterungs-, Tränk- und Reinigungseinrichtungen verwendet. Auch Licht beeinflusst die Geschlechtsreife und die Legerate und wird daher reguliert.
Futtermittel machen den größten Teil der Kosten in der Geflügelproduktion aus. Diese Futtermittel können entweder fertig gemischt gekauft werden oder im Betrieb zubereitet werden. Die Vögel benötigen Kohlenhydrate, Proteine, Mineralstoffe, Vitamine und Wasser. Grit (Split) wird zugefüttert, um ein Zerkleinern des Futters im Magen zu erleichtern. Muschelschalen versorgen die Tiere mit Kalzium.
Aufgrund der Intensivsthaltung sind eine Vielzahl von Krankheiten und Parasiten eine ständige Gefahr in der Geflügelproduktion. Die aus Sicht der Kosten effizienteste Herangehensweise ist eine umfangreiche Prävention, zu der Sanitärtechnik, Isolation, Impfungen und Dauer-Medikation gehören. Wichtige Impfungen richten sich gegen die Marek-Krankheit, die Newcastle-Krankheit und die infektiöse Bronchitis des Huhnes. Da die Aufzucht von Junghennen oft zentralisiert abläuft und die Tiere anschließend in verschiedene Aufzuchtbetriebe verteilt werden, vergrößert sich die Gefahr einer überregionalen Ausbreitung von Krankheiten – wie z. B. im Jahr 2021 mit der Vogelgrippe H5N8 in Deutschland.
Systeme der Legehennenhaltung (Eierproduktion)