mini|Ferkel in einem Flachdeckabteil mini|Sau beim Säugen ihrer Ferkel Die Schweineproduktion (auch Schweinemast) umfasst die Systeme der Produktion von Erzeugnissen von Schweinen. Das Haupterzeugnis ist Schweinefleisch, das häufigste Nutztier ist das Hausschwein.

Produktion (global und EU)

Die größten Schweinefleischproduzenten der WeltFAO (2009): FAOSTAT. Rome.epp.eurostat.ec.europa.eu Rang Land Produktion2007(in Tsd. t) Anteil2007% Produktion2011(in Tsd. t) Anteil2011% 1 43.951 44,3 50.232 46,1 2 9.953 10,0 10.333 9,5 3 4.985 5,0 5.598 5,2 4 3.544 3,6 3.469 3,2 5 2.480 2,5 3.258 3,0 6 2.553 2,6 3.040 2,8 7 1.873 1,9 2.400 2,2 8 2.281 2,3 1.998 1,8 9 1.894 1,9 1.923 1,8 10 2.151 2,2 1.811 1,7

Im Jahr 2007 wurden weltweit 99.211.931 Tonnen und 2011 insgesamt 108.951.000 Tonnen Schweinefleisch produziert. Die größten Produzenten sind China, die USA und Deutschland.

In der EU wurden 2011 insgesamt 148.548.000 Schweine gemästet. Davon wurden 18,3 % in Deutschland, 17,1 % in Spanien, 9,3 % in Frankreich, 8,8 % in den Niederlanden, 8,7 % in Polen und 8,3 % in Dänemark gehalten. (PDF; 11 kB).

2017 waren es ungefähr 150 Millionen Schweine, die EU-weit gemästet wurden. Davon wurden 30 Mio. in Spanien, 27,6 Mio. in Deutschland, 13,1 Mio. in Frankreich, 12,8 Mio. in Dänemark, 12,3 Mio. in den Niederlanden und 11,9 Mio. in Polen gehalten.eurostat, 20. Dezember 2018, abgerufen am 10. Januar 2019.

2024 fiel die Zahl der in der EU (mittlerweile ohne UK) gemästeten Schweine auf knapp über 132 Millionen. Davon entfielen ca. 34,6 Millionen auf Spanien, 21,3 Millionen auf Deutschland, 11,7 Millionen auf Frankreich, 11,6 Millionen auf Dänemark und 10,2 Millionen auf die Niederlande.

Genetik Rasseschweine Mehrere Hundert Rassen stehen zur Verfügung, von denen jedoch nur wenige einen großen Anteil an der Produktion haben. Diese weltweit eingesetzten Rassen wurden im frühen 20. Jahrhundert in Westeuropa und Nordamerika gezüchtet. In der Schweineproduktion werden vor allem Kreuzungen verschiedener Zuchtlinien innerhalb einer Rasse und Kreuzungen verschiedener Rassen eingesetzt. Reinerbige Rassen werden weniger häufig genutzt und verlieren ihre Bedeutung zugunsten von Hybriden. Das Large White oder Yorkshire-Schwein bietet sehr hohe Tageszunahmen, sehr gute Wurfgrößen (11–13) und sehr fettarmes Fleisch und ist daher die verbreitetste Rasse. In den USA und vielen europäischen Ländern sind Landrassen etabliert, deren bekannteste Vertreter die Dänische Landrasse und die Deutsche Landrasse sind. Das dunkler pigmentierte Duroc-Schwein ist in den USA so stark verbreitet wie das Large White und gewinnt in Europa auch zunehmend an Bedeutung. Das Hampshire-Schwein ist schwarz mit einem weißen Gürtel und weniger für seine Wurfgrößen als für seine Fleischleistung bekannt. Das schwarz-weiß gescheckte Pietrain-Schwein war früher relativ nervös und tendierte zu PSE-Fleisch. Durch die Umzüchtung auf die „NN-Stressresistenz“ hat es heute wegen seiner ausgezeichneten Bemuskelung eine große Bedeutung als Vaterrasse für Mastschweine.John McGlone, Wilson G. Pond: Pig production: biological principles and applications. Cengage Learning, ISBN 0-8273-8484-X.C. Whittemore, I. Kyriazakis: Whittemore’s science and practice of pig production. Wiley-Blackwell, 2006.

Während die nach Australien, Neuseeland, Südamerika, Südostasien und Japan exportierten und bereits in ihrer genetischen Diversität erheblich reduzierten europäischen und nordamerikanischen Rassen vor allem auf hohe Reproduktionsraten, Tageszunahmen und geringen Fettanteil angelegt sind, gibt es in anderen Teilen der Welt noch viele züchterisch weniger stark bearbeitete Rassen, die weniger fettarm und langsamer wachsend sind. Sie sind zusammengenommen genetisch diverser und haben damit neben ihrer Funktion der Ernährung immer noch großer Teile der Bevölkerung eine Bedeutung als Genpool für zukünftige Züchtungsprogramme.

Hybridschweine 90 % aller Schweine stammen heute aus der Hybridzucht. Die Hybridzucht unterscheidet vier Stufenː

Es gibt die Basiszucht (Inzuchtlinie), die Vermehrungszucht (Großelternbetriebe), die Ferkelerzeugung (Elternbetriebe) und die Ferkelmast. In den Großelternbetrieben werden die reinerbigen Mutter- und Vaterlinien aus der Basiszucht gekreuzt. In den Elternbetrieben finden nur die Jungsauen aus den Großelternbetrieben Verwendung, da diese dann mit Sperma von Kreuzungsebern besamt werden. Die hieraus hervorgehenden Ferkel sind dann die eigentlichen Hybridschweine für die Mast (oder auch Mastschweine genannt). Die Hybridferkel werden ausschließlich für die Mast eingesetzt. Sie eignen sich nicht zur Weiterzucht, da sich in den folgenden Generationen die gewünschten Eigenschaften wieder verlieren würden. Die Hybridzucht hat dazu geführt, dass zahlreiche Schweinerassen heute bereits ausgestorben oder aber stark gefährdet sind. Die Deutsche Landrasse ist die mittlerweile wichtigste Mutterrasse in Deutschland. Reinerbige Zuchtlinien dieser Rasse bilden eine Grundlage für die Hybridzuchtprogramme.aid infodienst - Ernährung, Landwirtschaft, Verbraucherschutz e. V. (gefördert durch das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz), Schweinerassen und Schweinezucht Der Begriff Hybridzucht beschreibt das Verfahren in der Schweinezucht allerdings eher unscharf. Im engeren Sinn ist damit eine Mehrrassenkreuzung umschrieben. Inzuchtprodukte mit einer ausreichend hohen Homozygotie zu erzeugen wäre sowohl zeitlich als auch finanziell ein zu hoher Aufwand, da vorher nicht absehbar ist, ob die Kreuzungsprodukte entsprechend höhere Leistung bringen würden.Jürgen Wolfgang Weiß, Wilhelm Pabst, Susanne Granz: Tierproduktion. Georg Thieme Verlag, 2013, Kapitel 4.1.2 Systematische Gebrauchskreuzungen ().

Die Muttersauen werden nach ihren genetischen Gesundheits-, Zunahme- und Fleischqualitätseigenschaften ausgewählt. Besamungseber versorgen mit qualitativ hochwertigen Spermien jeweils bis zu mehrere hundert Sauen.

Zu den Anbietern von Schweinegenetik für die Hybridzucht und Jungsauen für die Mast gehören die Unternehmen German Genetic/SZV, PIC, TOPIGS, BHZP GmbH, Hülsenberger Zuchtschweine GmbH, Hypor NWE und weitere Unternehmen aus Ländern wie Dänemark oder Kanada.Landwirtschaftskammer Niedersachsen, Uwe Clar, Vortrag 2012: Welche Genetik passt für Ferkelerzeuger und Mäster? (, PDF).

Ein zukünftiges Zuchtziel sind Schweine ohne Ebergeruch, womit Kastrationen überflüssig würden.ARD Kontraste: Auch kann zum Beispiel das Geschlecht durch die CRISPR/Cas-Methode beeinflusst werden.

Hybridzuchtschweine Ein Hybridschwein, das in einem Zuchtregister eingetragen ist, wird als Hybridzuchtschwein bezeichnet. Dieser rechtliche Begriff geht jedoch darüber hinaus und umfasst Rassen, Linien oder Kreuzungen. Daher handelt es sich nicht nur um „Hybride“ im üblichen Wortsinn (Erwägungsgrund 37 und Art. 2 Nr. 10 der ).

Haltung Ein beispielhaft 305 Tage dauernder Produktionszyklus, den gewöhnlich mehrere hundert Tiere parallel durchlaufen, beginnt mit der Empfängnis und endet mit dem Abtransport zur Schlachtung. Auf eine Trächtigkeitsperiode von 115 Tagen folgt eine 3- bis 4-wöchige Säugezeit, dann eine 6- bis 7-wöchige Aufzucht und schließlich eine 18-wöchige Mast. Diese Produktionsschritte finden entweder alle innerhalb eines Betriebs statt (geschlossenes System) oder sind auf mehrere spezialisierte Betriebe aufgeteilt. Beim geschlossenen System verzichten die Betriebe auf jeden Zukauf von Tieren und nehmen am Züchtungsfortschritt nur über das Ebersperma teil. Mit der vermehrten Verwendung von Hybriden ist die Züchtungsstufe jedoch häufig in spezialisierte Betrieben ausgelagert, auch die Ferkelerzeugung wird manchmal von der Mast getrennt.J. Weiß, S. Granz: Tierproduktion. Georg Thieme Verlag, 2005.

mini|Freilandhaltung auf der Millstätter Alpe in Kärnten Freilandhaltung In der alternativen Freilandhaltung werden ca. 15 Sauen/Hektar ebener Fläche gehalten. Als Witterungsschutz werden umsetzbare Blech- oder Holzhütten mit Einstreu verwendet. Nach einem Jahr Schweinehaltung sollte die Fläche pflanzenbaulich genutzt werden. Diese artgerechte Haltung ermöglicht hohe Tierleistungen bei niedrigen Investitionen und etwas höherem Futteraufwand, ist aber aufgrund der flächenmäßig ungleichmäßigen Kot- und Harnverteilung weniger umweltverträglich als die Stallhaltung.

mini|Ferkelaufzucht 1952

Ferkelaufzucht Die wichtigste Kennzahl der Ferkelerzeugung ist die Zahl der je Sau und Jahr aufgezogenen Ferkel. Je niedriger die Ferkelzahl und je länger der Zeitabstand zwischen den Würfen, desto stärker wird das einzelne Ferkel mit den Festkosten der Sau (Erhaltungsfutter, Gerätekosten, Strom, Tierarzt, Deckgeld usw.) belastet. Eine Jungsau wird optimalerweise ab dem 230. Lebenstag bei einem Gewicht von 130 kg durch Natursprung oder Künstliche Besamung (in den USA etwa 60 %) erstmals gedeckt. Verbreitet wird heute Gruppenabferkelung betrieben, wobei in 1- bis 4-wöchigem Rhythmus gedeckt und abgesetzt wird. Die Vorteile liegen in Arbeitseinsparung, Gruppenrausche, gezielter Geburtsüberwachung und Impfterminen, höherer Aufzuchtleistung (Wurfausgleich), Unterbrechung von Infektionsketten und größeren Ferkelpartien. Nachteile sind der höhere Stallplatzbedarf durch das Führen mehrerer Herden und die höhere Eberbelastung, wenn natürlicher Deckakt erfolgt.

Um die Fruchtbarkeit der Sauen zu erhöhen und die Tragzeit der Tiere eines Betriebes zu synchronisieren (damit die Ferkel zur gleichen Zeit geboren werden), werden in der intensiven Haltung häufig PMSG-haltige Präparate gespritzt. PMSG ist ein Sexualhormon, das aus dem Blutserum trächtiger Pferde gewonnen wird.Albert Schweitzer Stiftung: Pferdeblut für Schweinefleisch, Online-Zugang, 3. Juni 2017, jeweils ergänzt am 5. Februar 2018, 27. Juli 2018, 17. Oktober 2018, abgerufen am 26. November 2020.Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Friedrich Ostendorff, Nicole Maisch, Harald Ebner, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN zum Thema Pregnant Mare Serum Gonadotropin (PMSG) – Produktion, Zulassung und Einsatz, Drucksache 18/12251 vom 5. Mai 2017, Online-Version, abgerufen am 26. November 2020.

Während der Trächtigkeit werden die Sauen meist in Gruppen gehalten und Einzelfressplätzen zugewiesen, was eine gezielte Nährstoffversorgung je nach Alter, Ernährungszustand und Trächtigkeitsstadium erlaubt sowie Verletzungen durch andere Sauen unterbindet. Während Jungsauen während der Trächtigkeit weiter zunehmen sollen, sollen Altsauen nach der Geburt hingegen etwa dasselbe Gewicht wie vor der Trächtigkeit bewahren („fit, nicht fett“). Die Rationen sind daher etwas energiereduziert mit höheren Ballaststoffgehalten und höherer Wasserkapazität.

Die neugeborenen Ferkel verbleiben bei der Mutter, bis sie etwa 5–7 kg schwer werden. Neben Kastrationen werden Impfungen durchgeführt. Ab der zweiten Woche werden die Ferkel bereits an Kraftfutter gewöhnt, auch um die für eine optimale Leistung zunehmend unzureichende Milchproduktion der Sau auszugleichen. Für die vollständige Rückbildung der Gebärmutter benötigt die Sau etwa drei Wochen, wonach die Ferkel entwöhnt werden und die Sau erneut angepaart wird, um mindestens zwei Würfe pro Jahr und Sau zu erreichen.

mini|Kastration eines Schweins Ferkelkastrationen werden durchgeführt, da das Fleisch von Ebern in 3 – 10 Prozent der Fälle einen unangenehmen Geruch (durch Androstenon und Skatol) entwickelt und nur noch zur Trockenfleisch- oder Salamiproduktion geeignet wäre.Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierzucht: Tierwohl - Kastration und Ebergeruch