Gustav Matthieu Helmut Otto (* 15. März 1892 in Antwerpen; † 23. Juni 1974 in Waldbröl) war ein deutscher Politiker (NSDAP). Er bekleidete das Amt des Oberbürgermeisters von Solingen und Düsseldorf.Kurzbiografie bei Markus Roth: Herrenmenschen, Göttingen 2009, S. 493f
Leben Otto besuchte die Allgemeine Schule in Antwerpen. Nachdem er seine Schullaufbahn am Realgymnasium beendet hatte, absolvierte er ab 1910 ein Studium der Agrarwissenschaften an den Universitäten Halle, Berlin, Leipzig und Bonn. Danach begann er ein Studium der Medizin. Von 1915 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg als Soldat teil. Danach gehörte Otto bis 1921 einem Freikorps an. Im Mai 1920 promovierte Otto zum Dr. med. Von Anfang Januar 1921 bis zum April 1922 war Otto Assistenzarzt und anschließend bis 1933 als Allgemeinmediziner in Solingen tätig. Seine Prüfung zum Diplom-Landwirt legte er 1933 ab. Danach studierte er Staats- und Rechtswissenschaft an den Universitäten Leipzig und Bonn. Im Dezember 1935 promovierte er in Rechtswissenschaften zum Dr. jur.
Zum 1. Februar 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 456.248)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/31470228 und wurde Arzt bei der SA. Noch 1931 wechselte Otto von der SA zur SS, der er bis 1938 angehörte. Bereits Anfang Dezember 1932 stieg er zum Kreisleiter von Solingen auf und wirkte als Gauredner. Otto führte 1933 die NSDAP-Fraktion der Solinger Stadtverordneten. Ab März 1933 gehörte er dem Rheinischen Provinziallandtag an. Am 3. April 1933 wurde Otto Oberbürgermeister von Solingen. Am 8. September 1937 wurde er (kommissarisch) zum Oberbürgermeister von Düsseldorf ernannt. 1939 trat er eine längere Wehrübung an und kehrte nicht mehr in sein Amt zurück.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen wurde Otto im deutsch besetzten Polen am 27. September 1939 Reichskommissar für Warschau. Von Mitte Juni 1940 bis 1944 war Otto Leitender Sanitätsarzt der Wehrmacht in Brüssel und danach bis Anfang Mai 1945 in Hamburg Oberstabsarzt.
Nach Kriegsende wurde Otto am 5. Juli 1946 verhaftet und in alliierte Internierung verbracht. Am 18. Oktober 1946 wurde er vom Lager in Edelscheide bei Paderborn nach Polen überstellt. Im Januar 1948 wurde Otto wieder nach Deutschland überführt, nachdem das Ermittlungsverfahren gegen ihn eingestellt worden war.Jolanta Adamska: Organizacja niemieckich urzędów nadzorczych w Warszawie w latach 1939–1944. In: Warschauer Studien, PWN, 1973, S. 367 Im Juli 1948 wurde Otto als Minderbelasteter entnazifiziert. Dieses Urteil hatte auch nach einer Berufungsverhandlung zwei Jahre später Bestand.
Literatur Markus Roth: Herrenmenschen. Die deutschen Kreishauptleute im besetzten Polen – Karrierewege, Herrschaftspraxis und Nachgeschichte. Wallstein Verlag, Göttingen 2009, ISBN 978-3-8353-0477-2.
Einzelnachweise
Kategorie:Bürgermeister (Solingen) Kategorie:Bürgermeister (Düsseldorf) Kategorie:Mitglied des Provinziallandtages der Rheinprovinz Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Allgemeinmediziner Kategorie:Jurist (Nationalsozialismus) Kategorie:Jurist in der Kommunalverwaltung Kategorie:Sanitätsoffizier (Deutsches Reich) Kategorie:Oberstabsarzt (Heer der Wehrmacht) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Polens 1939–1945) Kategorie:Person (deutsche Besetzung Belgiens 1940–1945) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SS-Mitglied Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Freikorps-Mitglied Kategorie:Person im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Kreisleiter (NSDAP) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1892 Kategorie:Gestorben 1974 Kategorie:Mann