p-Aminohippursäure (abgekürzt PAH), auch Paraaminohippursäure, 4-Aminohippursäure oder para-Aminohippurat, ist eine von der Hippursäure abgeleitete chemische Verbindung. Sie findet insbesondere als Diagnostikum zur Untersuchung der Nierenfunktion Anwendung. Als Kondensationsprodukt aus p-Aminobenzoesäure und der Aminosäure Glycin kann sie im Körper des Menschen als Stoffwechselprodukt auftreten.

Synthese p-Aminohippursäure kann durch Kondensation von p-Aminobenzoesäure mit Glycin dargestellt werden. Bei Verwendung von wasserentziehenden Mitteln geschieht dies zwar schneller, jedoch unsauberer. Eine elegantere Darstellungsmethode ist die Nitrierung von Hippursäure zur p-Nitrohippursäure und anschließende Reduktion mit einem selektiven Reduktionsmittel zur p-Aminohippursäure.

Verwendung Zur Untersuchung der Nierenfunktion und zur Berechnung des renalen Blutflusses wird p-Aminohippursäure als Infusion verabreicht. Da p-Aminohippursäure nahezu vollständig durch die Nieren über glomeruläre Filtration (20–30 %) und tubuläre Sekretion (70 %) ausgeschieden wird, entspricht seine Clearance, die PAH-Clearance, dem renalen Plasmafluss. Dieser wird zur Berechnung des renalen Blutflusses verwendet.Günter Thiele, Heinz Walter (Hrsg.): Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete. Verlag Urban & Schwarzenberg, Loseblattsammlung 1966–1977, 5. Ordner (Membra–R-Zellen-Adenom), München / Berlin / Wien 1973, ISBN 3-541-84005-6, S. P 24 f.

Tubulus-Transportmechanismen Bei einer quantitativen Nierenfunktionsprüfung kann zur Untersuchung der tubulären Transportfunktion das tubuläre Transportmaximum für para-Aminohippurat (TmPAH) bestimmt werden. Dazu wird die PAH-Plasmakonzentration so weit erhöht, dass die tubuläre Sekretion gesättigt ist; hierfür werden PAH-Plasmakonzentrationen von etwa 50 bis 70 mg/dl verwendet. Als Referenzwerte wurden für Männer 79,8 ± 16,2 ml/min/1,73 m² und für Frauen 72,2 ± 10,8 ml/min/1,73 m² angegeben.

Renaler Plasmafluss Nach dem Fickschen Prinzip berechnet sich der renale Plasmafluss aus der Ausscheidungsrate einer Substanz und ihrer arteriovenösen Konzentrationsdifferenz: RPF = (Uₓ × V) / (Pₐ,ₓ − Pᵥ,ₓ). Bei niedrigen Plasmakonzentrationen wird para-Aminohippursäure (PAH) während einer Nierenpassage zu etwa 90 % oder mehr aus dem Plasma extrahiert. Vernachlässigt man deshalb näherungsweise die PAH-Konzentration im Nierenvenenplasma, entspricht die PAH-Clearance dem effektiven renalen Plasmafluss (ERPF): ERPF = (UPAH × V) / PPAH. Als Normalwerte werden etwa 655 ml/min/1,73 m² für Männer und 570 ml/min/1,73 m² für Frauen angegeben. Aus dem effektiven renalen Plasmafluss lässt sich unter Berücksichtigung des Hämatokrits der effektive renale Blutfluss berechnen: ERBF = ERPF / (1 − Hämatokrit).

Einzelnachweise

Kategorie:Alpha-Aminoethansäure Kategorie:Benzamid Kategorie:Aminobenzol