Gubernator von Siebenbürgen war der Titel des Vorsitzenden der zivilen Verwaltung in Siebenbürgen vom Beginn der habsburgischen Herrschaft an; von 1849 bis zum österreichisch-ungarischen Ausgleich 1867 war die Funktionsbezeichnung (Zivil-)Gouverneur in Gebrauch.Landesgesetz- und Regierungsblatt für das Kronland Siebenbürgen, Nr. 5 / 1850
Die habsburgische Herrschaft etablierte sich in Etappen: 1686 und 1687 war der vom Osmanischen Reich 1661 eingesetzte Fürst Michael I. Apafi auf Grund des Vordringens der österreichischen Truppen nach der zweiten Wiener Türkenbelagerung von 1683 gezwungen, sich mit Habsburg zu arrangieren und in Verträgen mit Kaiser Leopold I. die Oberhoheit des Kaisers in seiner Eigenschaft als König von Ungarn anzuerkennen; 1688 wurde die Vereinbarung vom Siebenbürgischen Landtag bestätigt. 1690 starb Apafi. Am 4. Dezember 1691 wurde das Leopoldinische Diplom erlassen, der Grundvertrag des Landes mit dem Haus Österreich. 1697 entsagte der unter Leopolds I. Vormundschaft seit 1692 als Fürst amtierende 21-jährige Sohn Apafis, Michael II. Apafi, dem Fürstentum gegen eine Entschädigung. 1699 wurde die Zugehörigkeit Siebenbürgens zu Österreich vom Osmanischen Reich im Frieden von Karlowitz anerkannt.Meyers Konversations-Lexikon, 5. Auflage, 15. Band, Bibliographisches Institut, Leipzig und Wien 1897, S. 996
Der Gubernator war der lokale Vertreter des Fürsten von Siebenbürgen, der in dieser Zeit in Personalunion der in Wien residierende jeweilige habsburgische Herrscher war. Die Person des Gubernators wurde meist aus den drei in Siebenbürgen politisch maßgeblichen Bevölkerungsgruppen rekrutiert, den magyarischen Adeligen, den Szeklern und den Siebenbürger Sachsen. (Die Rumänen, damals Walachen genannt, waren als Volksgruppe lange Zeit nicht anerkannt.) In Ermangelung eines geeigneten Kandidaten wurden auch immer wieder die jeweiligen Kommandanten der habsburgischen Armee im Osten des Reiches als Gubernatoren eingesetzt (zuletzt als Militär- und Civil-Gouverneure bezeichnet).
1866 beschloss ein Landtag, in dem die Magyaren die Mehrheit stellten, gegen die Interessen der anderen Nationalitäten des Landes die Union Siebenbürgens mit Ungarn. Sie wurde durch königliches Reskript per 17. Februar 1867 vollzogen. Im Ausgleich von 1867 wurde Siebenbürgen daher als Land der ungarischen Krone festgestellt. Die Verwaltung der Provinz oblag nun bis 1918 der königlich-ungarischen Regierung in Budapest, die eigenständige siebenbürgische Organe binnen kurzem aufhob.
Liste der Gubernatoren Georg (György) Graf Bánffy von Losoncz I, 1690–1708 Stephan (István) Graf Haller von Hallerstein (Hallerkö), 1709–1710 Stephan (István) Freiherr Wesselényi von Hadad, 1710–1713 Sigismund (Zsigmond) Graf Kornis von Gönczruszka, 1713–1731 Stephan (István) Freiherr Wesselényi von Hadad, 1731–1732 Franz Anton Paul Graf Wallis von Karighmain, General, 1732–1734 Johann (János) Graf Haller von Hallerstein (Hallerkö), 1734–1755 Franz Wenzel Graf Wallis von Karighmain, 1755–1758 Ladislaus (László) Graf Kemény von Gyerö-Monostor, 1758–1762 Adolph Nikolaus von Buccow, General, 1762–1764 Andreas Graf Hadik von Futak, 1764–1767 Karl Graf O’Donell von Tyrconell, 1767–1770 Joseph Maria Graf Auersperg, 1771–1774 Samuel Freiherr von Brukenthal, 1774–1787 Georg (György) Graf Bánffy von Losoncz II, 1787–1822 Johann (János) Freiherr Jósika von Branyicska, Offizier, 1823–1834 Erzherzog Ferdinand Karl, 1835–1837 Johann (János) Graf Kornis von Gönczruszka, 1838–1840 Joseph (József) Graf Teleki von Szék, 1842–1848 Emerich (Imre) Graf Mikó von Hidvég, 1848 Anton Freiherr von Puchner, 1848–1849 Freiherr Ludwig von Wohlgemuth, Feldmarschallleutnant, Militär- und Zivil-Gouverneur 1849–1851 Karl (II.) Fürst zu Schwarzenberg, Feldzeugmeister, Militär- und Zivil-Gouverneur 1851–1858 Prinz Friedrich von und zu Liechtenstein, 1858–1861 Emerich (Imre) Graf Mikó von Hidvég, 1860–1861 Ludwig Graf Folliot de Crenneville, Feldmarschalleutnant, Militär- und Zivilgouverneur 1861–1867
Siehe auch Liste kommandierender Generale in Siebenbürgen
Literatur Carl Neugeboren: Handbuch der Geschichte Siebenbürgens. Thierry, Hermannstadt 1836.
Einzelnachweise
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Kategorie:Österreich-Ungarn Kategorie:Geschichte (Siebenbürgen)