Die Kluane First Nation ist eine der kanadischen First Nations im Yukon, deren Angehörige überwiegend in Burwash Landing am über 70 km langen Kluane Lake leben. Sie sind Nachfahren der Southern Tutchone und gehören somit sprachlich sowie geographisch zu den Nördlichen Athapasken.
Ihr traditionelles Territorium namens Lù'an Män Keyi reicht von den St. Elias Mountains bis zum Südende des Kluane Lake und des A'ay Chu (Slims River), bis zur Ruby Range im Norden, fast bis zum Nisling River, westwärts bis zum Donjek River. Die Tachal Region des Kluane National Park and Reserve gehört ebenfalls dazu. Sie selbst nennen sich Lù’àn Män Ku Dän oder Lù’àn Mun Ku Dän („Kluane Lake Volk“). mini|hochkant=2.0|Blick auf den Kluane Lake, 2009
In den 1950er Jahren wurden aus verwaltungstechnischen Gründen zwei zwar bereits vorher durch traditionelle Heiraten unter den Lokalgruppen verwandte, jedoch kulturell sehr verschiedene Bands von der kanadischen Regierung gezwungen, sich zur White River Indian Band zusammenzuschließen; die Scottie Creek Band der Upper Tanana (Äzhäntuchʼǟn), die einst das sog. Scottie Creek-Gebiet im heutigen Norden Alaska sowie im kanadischen Yukon-Territorium rund um Whitehorse und Beaver Creek bewohnten sowie eine Band der östlich lebenden Northern Tutchone.
Zwischen 1961 und 1991 wurde die jetzige White River Indian Band wiederum gezwungen nach Burwash Landing am Kluane Lake umzusiedeln, einem traditionellen Sommerlager der Łùʼàn Kwächʼǟn (“Burwash Volk”) (der sog. Burwash Band), einer Lokalgruppe der Lù’àn Män Ku Dän („Kluane Lake Volk“) der Southern Tutchone. Die drei Bands wurden nun offiziell zur Kluane Band (später: Kluane Tribal Brotherhood und zuletzt Kluane Tribal Council) zusammengeschlossen. 1990/1991 spaltete sich der Kluane Tribal Council in zwei separate, eigenständige First Nations auf: die Kluane First Nation in Burwash Landing sowie die White River First Nation, deren Mitglieder wieder nach Beaver Creek und Whitehorse zurückkehrten.
Die meisten Mitglieder der Kluane First Nation identifizieren sich als Nachkommen der Southern Tutchone und sprechen den Kluane-Dialekt des Southern Tutchone (Dän kʼè). Sie sind in einem matriarchialen Moiety-System mit zwei totemistischen Clans organisiert: dem Khanjet (Krähen-Clan) oder Ägunda (Wolf-Clan). Andere Stammesmitglieder führen ihre Abstammung auf Grund des zwangsweisen Zusammenlebens mit der heutigen White River First Nation auf Upper Tanana und Northern Tutchone zurück; manche haben Tlingit (Lingit)-Vorfahren, da die Southern Tutchone mit diesem militärisch und politisch mächtigen Handelsvolk oft durch Heiraten Allianzen eingingen, um sich Zugang zu Handelsrouten zu sichern.
Wie die meisten anderen Stämme im Yukon, so kamen auch die Kluane zu einem Vertrag mit der Bundesregierung und mit der des Territoriums im Jahr 2003.Das 516 Seiten umfassende Abkommen findet sich (PDF, 1,9 MB) und hier.
Zur Kluane First Nation rechnete das Department of Indian Affairs and Northern Development im Dezember 2009 genau 142 anerkannte Indianer, im September 2018 waren es 175.
Geschichte Frühgeschichte
Früheste Lebensgrundlage waren die Karibuherden, aber auch Elche, Schafe und Murmeltiere, Hasen und Alaska-Pfeifhasen. Dazu kamen Vögel und Fische, vor allem Lachs. Auch leben hier Grizzlybären, Wölfe, Kojoten und Luchse. Während die Lachse im Norden des Territoriums einen fast 4000 km langen Weg über den Yukon zurücklegen, kommen die pazifischen Lachse auf dem kürzeren Weg in den Alsek River im Süden des traditionellen Gebietes.
Das raue Klima erforderte ein halbnomadisches Leben, bei dem Familien in Frühjahrs- und Sommerlagern zum Fischen zusammenkamen, aber auch im kurzen Herbst, um zu jagen. Der Kluane-See ist von November bis Juni von einer Eisdecke überzogen, die bis zu 1,5 m dick werden kann. Im Süden und Westen des heutigen Burwash befindet sich die Kluane Range, ein bis etwa 2500 m hoher Gebirgszug, der fast senkrecht aus der knapp 800 m über dem Meeresspiegel liegenden Ebene aufsteigt. Diese weite Ebene erstreckt sich vom Kusawa Lake bis nach Alaska. Dahinter ragt die Donjek Range auf, deren Höhe noch von der Eliaskette, die etwa 6000 m aufragt, überboten wird. Nordwärts liegen weniger hohe, wenn auch raue Gebirgszüge, wie das Yukon Plateau, die Ruby und die Nisling Range. Dichte Wälder und zahlreiche Seen kennzeichnen die Landschaft. Wichtigster Fluss ist der Donjek, der aus dem Hochgebirge und seinen Gletschern kommt, und der den Kluane aufnimmt, der wiederum den gleichnamigen See entwässert. Der Duke River, ebenfalls aus den Gletschern entspringend, mündet nahe Burwash in den Kluane. Diese Flussläufe bieten günstige Transport- und Wanderwege.
Die frühen Gruppen lebten in Unterkünften aus Zweigen, Geäst und Fellen. Auch die Kleidung war dem Klima angepasst. Von Oktober bis April herrscht Dauerfrost, die Durchschnittstemperatur im wärmsten Monat Juli liegt bei etwa 12 °C. Nur 290 mm Niederschlag erreichen das Gebiet, davon allein 110 mm in Form von Schnee. Hinzu kommt, dass die Region ausgesprochen stürmisch ist.
Dabei waren die Beziehungen zwischen den Gruppen, die sich im südlichen Yukon und in Alaska als Nomaden bewegten, recht eng, obwohl sie verschiedene Sprachen, wie Southern und Northern Tutchone, Upper Tanana oder Tlingit sprachen. Auch ähnelte sich ihre Sicht der Welt und ihr Verhältnis zu ihrer Umgebung. Schamanen taten sich als Heiler hervor und waren für die Kontaktaufnahme mit spirituellen Mächten zuständig. Sie halfen auch beim Auffinden von Jagdbeute.
Während der weniger günstigen Zeiten des Jahres zogen kleine Familienverbände, die ihrem jeweiligen Wanderzyklus mit einigen Abweichungen jedes Jahr folgten, durch das gesamte traditionelle Gebiet. Daher finden sich bis heute hunderte von Überresten ehemaliger Lager, vor allem an für Aufenthalt und Jagd günstigen Punkten, wie dem Talbot Creek oder im Ptarmigan Heart Valley. Da Wasser fast überall vorhanden war, war Brennholz die einzige unabdingbare Voraussetzung für ein Lager. Man kam aber auch in größeren Gruppen zu gemeinsamen Jagden, sowie zu Handel und Fest zusammen, allen voran zum Potlatch. Beim Handel ging es um Obsidian, Kupfer, Elch- und Karibuhäute, Ziegenhaar, Sehnen sowie Färbepflanzen, wie bestimmte Flechten. Von der Küste kamen im Gegenzug getrocknetes Seegras, das butterartige Öl des Kerzenfisches (Eulachon), Muscheln (Dentalia), eine Art Tabak, und Decken, die von den Chilkat-Tlingit geliefert wurden.
Die Gesellschaft gliederte sich in zwei Moietys, den Wolfs- und den Krähenclan (Ägunda und Khanjet), die in anderen Gruppen ebenfalls existierten, und zu denen ähnlich enge Beziehungen bestanden, wie innerhalb der Gruppe, die später von den britischen und kanadischen Behörden als tribe, als Stamm also, bezeichnet wurden.
Die wichtigste Jagdbeute waren die Rentiere, die man als Caribou bezeichnet. Die Kluane-Karibuherde ist eine Woodland-Herde, besteht also aus Waldkaribus. Die Tiere wechseln normalerweise im Sommer in höhere Weidegründe, im Winter in tiefer gelegene. Von dieser Regel weicht die Kluane-Herde ab, denn sie bleibt ganzjährig in den Talbot Arm und Brooks Arm uplands. Die Tiere wandern am Kluane River entlang zwischen den beiden Plateaus. Die mündliche Überlieferung weiß allerdings auch von barrenground caribous (Rangifer tarandus groenlandicus), die noch 1936 so weit in den Süden wanderten, dass sie am Kluane-See gesichtet wurden.Alaska Highway Km 1726 – Kluane River, archive.org, 7. März 2012.
Der Pelzhandel kam bereits kurz nach 1800 durch die Tlingit in die Region, die damit den lokalen Handel erstmals an den Welthandel banden. Um 1880 kamen bereits große Mengen hierher. Damit kamen europäische Waren, wie Gewehre, Metallwaren, Äxte, Messer, aber auch Tabak, Tee, Zucker und Mehl zu den Kluane und ihren Nachbarn. Zwar veränderte dies viele Aspekte ihrer Lebensweise, doch passten sie sich, im Gegensatz zu weiter südlich lebenden Gruppen, kaum den Bedürfnissen des Pelzmarktes an. Die Beschaffung von Nahrungsmitteln und soziale Gründe für Wanderungen hatten weiterhin Vorrang, die Kluane zogen nicht zu einem der Handelsposten der Hudson’s Bay Company, wie dies zahlreiche andere Stämme taten. Dies hing auch damit zusammen, dass die Tlingit ihr Pelzhandelsmonopol verteidigten.
Jack Dalton errichtete südlich des Kluane-Gebiets 1894 einen ersten Handelsposten. Er lag bei dem alten Handelsort Neskatahin.
Klondike-Goldrausch, Kluane-Goldrausch
Während des Klondike-Goldrauschs ab 1896 kamen über 100.000 Weiße in das Territorium, doch nur wenige zogen in das Gebiet um den Kluane-See. 1901 stellten die Indianer nur noch etwas mehr als 10 % der Bevölkerung in Yukon.
Ursprünglich war Burwash Landing ein Sommerlager der südlichen Tutchone, als dort 1904 ein Handelsposten der Brüder Louis und Eugene Jacquot entstand, der die Erz- und Kohleminen versorgte. Um diese Station wurde ein Teil der Kluane sesshafter. Die Jacquots waren durch den Klondike-Goldrausch aus dem französischen Lothringen angelockt worden. 1904 suchten sie während des Kluane-Goldrauschs nach dem Edelmetall. Den Ort benannten sie nach Lachlin Burwash, der die Funde in der Region in Silver City zu registrieren hatte (mining recorder). Zu ihrer Handelsstation gehörten bald ein Hotel, ein Restaurant, ein Einzelhandelsgeschäft und ein Geschäft für die Jagd.
Alaska Highway, Assimilierungspolitik
mini|Oblatenkirche mit Schule; in dem Verbindungsgebäude wohnte Pater Eusebe Morisset von 1944 bis 1964 Der Zweite Weltkrieg, insbesondere der Krieg zwischen Japan und den USA, brachte weitere massive Veränderungen in die Region. Mit dem Bau des Alaska Highway kamen ab 1942 zahlreiche Bauarbeiter in den Yukon. Die Kluane mussten das Nisling-Tal verlassen und zogen in das 90 km entfernte Burwash Landing. 1944 entstand eine Missionsstation der Oblaten, Our Lady of the Holy Rosary mit Hilfe der Brüder Jacquot. Leiter der Mission zwischen Whitehorse und Alaska war Pater Eusebe Morisset, OMI, der seine Missionsstationen in Champagne, Snag und Aishihik bis 1964 führte. Pater Henk Huijbers, ebenfalls Oblate und Missionar, dazu Widerstandskämpfer, kam 1947 aus Holland. Er begann Artefakte zu sammeln und auszustellen. 1966 entstand ein erstes Museum in einem Blockhaus, das Burlbilly Hill cabin hieß (s. Kluane Museum of Natural History). Fred und Margaret O’Brien bauten den Schulraum Anfang der 1990er Jahre zu einem Ausstellungsraum um, die Burlbilly Hill cabin fiel 1999 einem Waldbrand zum Opfer.
Während der Bauphase des Alaska Highway erkrankten viele Kluane an bisher unbekannten Krankheiten. Sie wurden sesshaft gemacht, die Jagd verboten. Dies hing zum einen damit zusammen, dass unter den 20.000 Straßenarbeitern und Soldaten viele waren, die wahllos auf Wild schossen. Als die Bestände drastisch einbrachen, wurden die Restbestände unter Schutz gestellt (Kluane Game Sanctuary, heute Kluane-Nationalpark).
Bis 1951 gingen die Kinder der Kluane in die Schule der Oblaten. Danach mussten sie nach Lower Post in British Columbia gehen. Dort mussten sie in der örtlichen Residential School leben, durften ihre Muttersprache, das Southern Tutchone, nicht mehr sprechen. Die lokalen Gruppen wurden veranlasst, einen Stammesrat zu wählen und einen Häuptling zu bestimmen. So entstand aus den verschiedenen Gruppen die so genannte Burwash Band. Sie wurde gezwungen, sich mit der White River Band zu den Burwash and White River Bands zu vereinen.
Ruth Jacquot-Donnelly, Witwe des 1950 verstorbenen Eugene Jacquot, schenkte den Indianern vom White und Donjek River ein Haus, und viele von ihnen blieben in der Gegend. Dabei spielte Copper Joe eine wichtige Rolle, dessen Vater Copper Chief einer Familie aus Alaska entstammte, die bereits um 1875 den Kupferhandel in der Region um Burwash Landing kontrollierte. Mary Copper Joe, die Tochter Copper Joes, heiratete wiederum 1920 Louis Jacquot. Old Copper Joe’s House besteht noch heute.