mini|Blick auf Guntersblum von den westlichen Weinbergen aus Guntersblum ist eine Ortsgemeinde mit  Einwohnern () im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Die Ortsgemeinde liegt im Rhein-Main-Gebiet. Sie war von 1972 bis 2014 Verwaltungssitz der Verbandsgemeinde Guntersblum, der sie angehörte. Seit dem 1. Juli 2014 gehört Guntersblum der Verbandsgemeinde Rhein-Selz an, die ihren Verwaltungssitz in Oppenheim hat. In Guntersblum befindet sich eine Verwaltungsstelle der Verbandsgemeinde Rhein-Selz. Guntersblum ist gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie Geographische Lage Guntersblum liegt geographisch auf der linken Rheinseite zwischen Mainz und Worms in Rheinhessen, an der Bahnstrecke Mainz–Ludwigshafen, Bundesstraße 9 und der Wasserstraße Rhein bei Stromkilometer um 473.

Die Gesamtfläche der Gemarkung umfasst: 1668 Hektar. 1373 Hektar werden land- und forstwirtschaftlich genutzt, davon 550 Hektar weinbaulich. Großlagen: Guntersblumer Vögelsgärten und Oppenheimer Krötenbrunnen. Einzellagen: Steinberg, Authental, Steigterrassen, Bornpfad, Kreuzkapelle, Eiserne Hand, St. Julianenbrunnen, Sonnenhang.

Wie bei vielen Gemeinden am Oberrhein wurde auch die Gemarkung von Guntersblum durch den Rhein getrennt: 1828/29 mit dem Durchstich am Europa-Reservat Kühkopf-Knoblochsaue 1945/46 mit der Grenzziehung zwischen der Französischen und Amerikanischen Besatzungszone durch den Rhein, später zwischen Rheinland-Pfalz und Hessen. Das führte zu einem Landverlust auf dem Kühkopf von 1400 Hektar für Guntersblum und 53 Hektar für Gimbsheim. Beide Gemeinden haben heute dort nur noch einen geringen Teil der ehemaligen Fläche: 53 Hektar Guntersblum und 17 Hektar Gimbsheim.

Gemeindegliederung mini|Die Ortseinfahrt des Guntersblumer Ortsteils Guntersblum am Rheindamm auf der Kreisstraße 43 Neben der eigentlichen Ortsgemeinde Guntersblum gibt es eine circa drei Kilometer vom Guntersblumer Ortskern entfernte kleinere Siedlung am Rhein. Sie heißt Guntersblum am Rheindamm. Vorhanden sind hier der Guntersblumer Rheinhafen, eine Gaststätte sowie einige Wohngebäude. Verbunden ist dieser Ortsteil mit dem Guntersblumer Ortskern mittels der Kreisstraße 43.

Nachbargemeinden An Guntersblum grenzen im Uhrzeigersinn die Gemeinden Ludwigshöhe, Gimbsheim, Alsheim, Eimsheim und Uelversheim. Die Gemeinden Ludwigshöhe, Eimsheim und Uelversheim gehörten dabei zur ehemaligen Verbandsgemeinde Guntersblum, die Gemeinden Gimbsheim und Alsheim gehören zur benachbarten Verbandsgemeinde Eich.

Klima Als Ort in Rheinhessen hat Guntersblum eines der trockensten und wärmsten Klimate in ganz Deutschland. Diese Wärme und die Trockenheit begünstigen dabei den hier in hohem Maße betriebenen Weinbau.

Geschichte Frühzeit Gräberfunde und Reste einer Villa rustica mit Weinkeller, die vor einigen Jahren nordwestlich der Ortsmitte entdeckt wurde, bezeugen eine Besiedlung des heutigen Gebiets bereits um die Zeitenwende.F. Kruse: Ueber die Armringe in den Gräbern von Guntersblum und Vergleichung ähnlicher livländischer und rheinischer Alterthümer. In: Bonner Jahrbuch 1852, Seite 250.

9. bis 10. Jahrhundert Die früheste Erwähnung Guntersblums (Chunteres Frumere) findet sich im Lorscher Codex (Reichsurbar) zwischen den Jahren 830 und 850: Ein königlicher Leibeigener musste einen Zins von 2 Fudern Wein an den Königshof liefern.Lorscher Codex: Urkunde 3671 (Reichsurbar Gernsheim) Am 13. Juni 897 erfolgte eine weitere Erwähnung Guntersblums, bezeichnet als Cundheres prumare (Gunters Pflaumengarten): König Zwentibold bestätigte den Mönchen des Klosters St. Maximin in Trier, dass sie in Guntersblum über Besitz verfügen. Aus diesen Urkunden geht die Deutung des heutigen Ortsnamens hervor: Garten des Gunther mit Pflaumenbäumen.Henning Kaufmann: Rheinhessische Ortsnamen, München 1976, S. 90–91.

Der älteste Teil Guntersblums lag hochwasserfrei auf einem Schuttkegel eines Baches und war das fränkische Gut Nordhofen.Karl Anton Schaab: Geschichte der Stadt Mainz, Bd. 3, Mainz 1847, S. 249 Diese Siedlung sollte mit Ost- und Westhofen zum Wormser Königshof gehört haben.Ernst Stephan: in Mitteilungsblatt 5, 1956, S. 3.

Zwischen 922 und 927 stattete der Erzbischof von Köln im Erzbistum Köln das Kloster zu den heiligen Jungfrauen und das Ursulastift in Köln mit Besitz aus, darunter mehrere Arpent Feldbesitz in Guntersblum.

13. bis 18. Jahrhundert Im Jahr 1215 verpachtete das Stift Xanten im Erzbistum Köln seine Einkünfte aus der Guntersblumer Kirche (jährlich 12 Fuder Wein, 100 Malter Roggen und 50 Malter Weizen) an den Ritter Herbord von Albig und dessen Sohn Cuselin. Am 18. Februar 1237 verkaufte das Stift Xanten das Patronatsrecht und seinen gesamten Besitz in Guntersblum für 800 marchis sterlingorum an das Domstift Worms mit Zustimmung von Erzbischof Heinrich I. von Köln und des Wormser Bischofs Landolf von Hoheneck. Die Güterteilung erfolgte zwischen den Brüdern Friedrich III. (Leiningen) und Emich IV. von Leiningen-Landeck († 1276–1281). Letzterer erhielt den kurkölnischen Lehnshof in Guntersblum. – Zu dieser Zeit entstand das Nibelungenlied mit dem Stammsitz der Nibelungen in Worms und Siegfried, dem Drachentöter aus Xanten. Die Nibelungenforschung befasste sich mit diesen Zusammenhängen zwischen Dichtung und Wahrheit, kam aber noch nicht zu einem abschließenden Ergebnis.Ingo Runde: Xanten im frühen und hohen Mittelalter. Köln 2003, S. 374.

Vor 1242 wurde Friedrich III. (Leiningen) von den Erzbischöfen von Köln (den Besitzern des Dorfes) mit der Vogtei über Guntersblum belehnt. Ab dann bleibt Guntersblum unter leiningischer Herrschaft und gehörte bis 1316 zum Haus Leiningen. Anschließend ging der Ort bis 1466 an das Haus Leiningen-Hardenburg und danach bis 1572 an das Haus Leiningen-Dagsburg-Hardenburg. Dann gehörte Guntersblum bis 1658 zum Haus Leiningen-Dagsburg-Falkenburg (in Colgenstein-Heidesheim bei Obrigheim (Pfalz)) und danach bis 1766 zum Haus Leiningen-Dagsburg-Falkenburg in Guntersblum, bis es bis 1787 wieder an das Haus Leiningen-Dagsburg-Hardenburg ging. Ab 1787 gehörte der Ort dem Haus Leiningen-Guntersblum und war Sitz des Reichsgrafenpaares Wilhelm Carl und Eleonore (siehe auch die mit Leiningen-Guntersblum eng verwandte Linie Leiningen-Heidesheim).

Nach der Einnahme des Linken Rheinufers durch französische Revolutionstruppen wurde die Region 1797 von Frankreich annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte Guntersblum zum Kanton Oppenheim im Departement Donnersberg.

19. Jahrhundert Aufgrund der 1815 auf dem Wiener Kongress getroffenen Vereinbarungen und einem 1816 zwischen Hessen-Darmstadt, Österreich und Preußen geschlossenen Staatsvertrag kam die Region und damit auch die Ortschaft Guntersblum zum Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt) und wurde von diesem seiner neuen Provinz Rheinhessen zugeordnet. Nach der Auflösung der rheinhessischen Kantone kam der Ort 1835 zum neu errichteten Kreis Mainz.

Mit dem Rheindurchstich an der damaligen Rheininsel Geyer begann der großherzogliche Oberbauinspektor Claus Kröncke am 31. März 1828. Und am 30. April 1829 wurde der Durchstich beendet. Die erste Durchfahrt war am 30. April 1829. Mit diesem neuen Verbindungskanal ersparte man der Schifffahrt den längeren Weg um die damalige Halbinsel Kühkopf. Die Schiffe mussten damals noch rheinaufwärts von vier Pferden auf dem flussbegleitenden Leinpfad gezogen werden (→ Treideln).

Die reicheren Bürger durften bei einer Steuerzahlung von mindestens 25 Gulden im Jahr Wahlmänner für die Zweite Kammer des Großherzoglich Hessischen Landtages (Landstände des Großherzogtums Hessen) wählen (→ Zensuswahlrecht). Und Frauen können in Deutschland erst seit 1919 überhaupt wählen gehen (→ Frauenwahlrecht). Folgende Bürger waren 1834 wahlberechtigt:Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt für das Jahr 1834, Darmstadt, S. 81–135.

Adloff I., Georg Jacob, Gutsbesitzer Becht, Carl, Adjunkt Frey, Georg, Gutsbesitzer Rösch II., Jacob Wilhelm, Gutsbesitzer Salm, Joseph, Handelsmann Schätzel II., Johann, Gutsbesitzer Schnell, Carl, Gutsbesitzer Weinert III., Wilhelm, Gutsbesitzer

Im Jahr 1852 kam Guntersblum zum neu errichteten Kreis Oppenheim. 1853 wurde die Hessische Ludwigsbahn von Mainz nach Worms gebaut.

20. Jahrhundert Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte die Region zum französischen Teil der Alliierten Rheinlandbesetzung. Im Jahr 1930 verließen die letzten Besatzungstruppen den Ort Guntersblum.

Am 10. November 1938 fand auch in Guntersblum, in dem 60 Juden lebten, im Rahmen der Novemberpogrome 1938 ein Pogrom statt.Sven Felix Kellerhoff: Kinder als Täter. Sie spuckten die Juden an und riefen „Aufhängen“, in: Die Welt, 10. November 2018

Im März 1945 lag Guntersblum im Aufmarschgebiet für die erste spektakuläre Rheinüberquerung bei Nierstein 1945, nur 10 km rheinabwärts. Dazu überrollten amerikanische Verbände Rheinhessen und auch Guntersblum. Mit der Bildung der Besatzungszonen nach dem Zweiten Weltkrieg kam Rheinhessen mit Ausnahme seiner rechtsrheinischen Bestandteile zur französischen Besatzungszone und wurde 1946 Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz. Die vom Oberrhein-Hauptstrom und dem Stockstadt-Erfelder Altrhein gebildete Insel Kühkopf wird von Guntersblum sowie Gimbsheim losgelöst und der Amerikanischen Besatzungszone zugeordnet. Dadurch gelangte der Kühkopf später nach Hessen und wurde auf die Gemarkungen von Erfelden und Stockstadt aufgeteilt. In der Nachkriegszeit entwickelte sich Guntersblum im Zuge der Aufwärtsentwicklung in ganz Deutschland zu mehr als doppelter Größe.

Im Jahr 1969 kam Guntersblum zum neu gebildeten Regierungsbezirk Rheinhessen-Pfalz im neu entstandenen Landkreis Mainz-Bingen. 1972 wurde Guntersblum Sitz der gleichnamigen Verbandsgemeinde.

21. Jahrhundert Guntersblum ist seit dem 1. Juli 2014 der Verbandsgemeinde Rhein-Selz angehörig. Seitdem befindet sich im Leininger Schloss eine Verwaltungsstelle der Verbandsgemeinde Rhein-Selz.

Bevölkerungsentwicklung Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Guntersblum; die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerung – Zeitreihen: Guntersblum Jahr Einwohner 1815 1.539 1835 2.469 1871 1.951 1905 2.240 1939 2.782 1950 3.237 1961 3.004 Jahr Einwohner 1970 3.143 1987 2.988 1997 3.825 2005 3.765 2010 3.744 2015 3.785

Religion

Konfessionsstatistik Ende Juli 2014 hatten 49,0 % die evangelische Konfession und 19,6 % Einwohner die katholische. 31,4 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder gemeinschaftslos.Gemeindestatistik Stadt Guntersblum (PDF), abgerufen am 4. Oktober 2021. Der Anteil der evangelischen und katholischen Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung ist seitdem gesunken. Ende Juli 2026 hatten 35,5 % die evangelische Konfession und 16,2 % Einwohner die katholische. 48,3 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an, waren ohne Angabe oder gemeinschaftslos.Gemeindestatistik Guntersblum

mini|Evangelische Kirche

Evangelische Gemeinde