Intelligent Design (dt.: ‚intelligenter Entwurf‘, ‚intelligente Gestaltung‘; abgekürzt ID) ist die kreationistische Auffassung, dass sich bestimmte Eigenschaften des Universums und des Lebens auf der Erde nur durch einen intelligenten Urheber erklären lassen und nicht durch einen Vorgang ohne solche Leitung, wie die natürliche Selektion.

Diese Idee wurde etwa seit Mitte der 1980er JahreRonald L. Numbers: The Creationists: From Scientific Creationism to Intelligent Design. Harvard University Press, 2nd edition 2006. ISBN 978-0-674-02339-0, auf Seite 373.Jonathan Wells: The Politically Incorrect Guide to Darwinism and Intelligent Design. Simon and Schuster, New York 2007. ISBN 978-1-59698-614-5. Seite 7. von einer Gruppe US-amerikanischer Neokreationisten entwickelt. Nahezu alle führenden Vertreter des Intelligent Design, wie etwa Phillip Johnson, Michael J. Behe und William A. Dembski stehen in Verbindung mit dem „Center for Science and Culture“, einer Einrichtung des christlich-konservativen Discovery Institute.Books by Center for Science and Culture Fellows, abgerufen am 27. August 2018. Vertreter des Intelligent Design behaupten, ihre Forschungen seien nur von Erkenntnisinteresse geleitet und stünden nicht in Zusammenhang mit religiösem Glauben oder bestimmten christlichen Bekenntnissen;Definition of Intelligent Design www.intelligentdesign.org. Discovery Institute – Center for Science and Culture. Abgerufen am 27. August 2018. sie distanzieren sich gelegentlich sogar von einigen biblisch-fundamentalistischen Spielarten des Kreationismus. Ihre Kritiker sind sich aber einig darin, dass sie ihre Behauptungen aus der Kreationismus-Kontroverse vor allem deshalb abänderten, um gerichtliche Entscheidungen zu umgehen, die es in den USA verbieten, religiöse Inhalte wie den klassischen Kreationismus als Schulfach zu unterrichten.

Nach Selbstdarstellung der Befürworter ist Intelligent Design eine wissenschaftliche Theorie.Jonathan Wells: The Politically Incorrect Guide to Darwinism and Intelligent Design. Simon and Schuster, New York 2007. ISBN 978-1-59698-614-5. The Science of Intelligent Design, Seite 138 ff. Nach ihrer Einschätzung sind Konzepte des ID wie dasjenige der „nichtreduzierbaren Komplexität“ und der „spezifizierten Komplexität“ testbare wissenschaftliche Hypothesen. Den klassischen Evolutionsbiologen werfen sie außerdem deren methodischen Naturalismus vor, der nur eine materialistische Philosophie sei, während sie selbst unbefangen keine Erklärungsmöglichkeit, also auch keine übernatürliche, ausschließen würden.Stephen C. Meyer: The Scientific Status of Intelligent Design: The Methodological Equivalence of Naturalistic and Non-Naturalistic Origins Theories. Science and Evidence for Design in the Universe (Ignatius Press, 2005).

Die Wissenschaftsgemeinde sieht Intelligent Design nicht als wissenschaftlich an.AAAS Board Resolution on Intelligent Design Theory, vom 1. Juli 2013.Intelligent design is not science Letter to Australian Newspapers, Australian Academy of Science, 21. Oktober 2005. Die U.S. National Science Teachers Association hat Intelligent Design als Pseudowissenschaft bewertet.National Science Teachers Association: NSTA Position Statement: The Teaching of Evolution. Abgerufen am 27. August 2018. Dieser Bewertung haben sich Teile der Wissenschaftsgemeinde ausdrücklich angeschlossen, während andere der Auffassung sind, dass es eher als ‚Junk Science‘ angesehen werden muss.

Vorgeschichte Intelligent Design entstand als Antwort auf das Urteil des United States Supreme Court im Fall Edwards vs. Aguillard im Jahr 1987, bei dem es um die Trennung von Staat und Kirche ging.Robert T. Pennock (2003): Creationism and Intelligent Design. Annual Review of Genomics and Human Genetics 4: 143–163. doi:10.1146/annurev.genom.4.070802.110400 Daraufhin stellte ein im Jahr 1989 erstmals erschienenes Schulbuch für den Biologieunterricht, Of Pandas and People, die kreationistische Lehre als wissenschaftliche Theorie, nicht mehr als Glaubensinhalt, dar.Ronald L. Numbers: The Creationists: From Scientific Creationism to Intelligent Design. Harvard University Press, 2nd edition 2006. ISBN 978-0-674-02339-0, auf Seite 373. Weitere Bücher darüber erschienen in den 1990er Jahren. Mitte der 1990er wurden die Vertreter des Intelligent Designs nach und nach im Umfeld des Discovery Institute aktiv und begannen, für die Aufnahme von Intelligent Design in den Lehrplan öffentlicher Schulen zu werben. Durch die zentrale Rolle, die das Discovery Institute und sein Center for Science and Culture bei Organisation und Finanzierung spielte, drang die Intelligent-Design-Bewegung in den späten 1990ern und den frühen 2000ern verstärkt in die Öffentlichkeit.

Die Absicht, im öffentlichen Schulunterricht Intelligent Design als alternative Erklärung für den Ursprung des Lebens darzustellen, mündete schließlich im Verfahren Kitzmiller vs. Dover Area School District. Eltern griffen einen Erlass an, gemäß dem Intelligent Design im Biologieunterricht dargestellt werden sollte. Der vorsitzende Bezirksrichter John E. Jones III entschied, Intelligent Design sei keine Wissenschaft und könne sich „nicht von seinen kreationistischen und daher religiösen Wurzeln lösen“. Daher, so sein Urteil, verletze es die Establishment Clause des ersten Verfassungszusatzes der US-amerikanischen Verfassung,Kitzmiller v. Dover Area School District, 04 cv 2688 (December 20, 2005), Conclusion of Ruling. wonach es der Regierung verboten ist, eine Staatsreligion einzuführen oder Handlungen vorzunehmen, die in unangemessener Weise eine Religion bzw. Nicht-Religion bevorzugen.The First Amendment’s Establishment Clause prohibits the government from making any law „respecting an establishment of religion.“ This clause not only forbids the government from establishing an official religion, but also prohibits government actions that unduly favor one religion over another. It also prohibits the government from unduly preferring religion over non-religion, or non-religion over religion. (Anmerkungen zur Establishment Clause der Cornell Law School)

Ursprung des Begriffs Vor der modernen Verwendung ab den 1980er Jahren wurde der Ausdruck Intelligent Design bereits einige Male in ähnlichem Sinne verwendet, diese Verwendungen blieben aber vereinzelt und ohne öffentliche Resonanz. Immerhin taucht der Begriff bereits 1861 in einem Brief Darwins an John Herschel auf.Darwin an Herschel 1861 Lord Kelvin, Anhänger einer theistisch gesteuerten Evolution, verwendete „intelligent and benevolent design“ etwa 1871 in einem Bericht des 41. Zusammentreffens der British Association for the Advancement of Science, in dem er gegen die darwinsche Evolutionstheorie argumentierte.On the Origin of Life, From the Presidential Address to the British Association for the Advancement of Science; held at Edinburgh in August, 1871, By Lord Kelvin (William Thomson) Ebenfalls auf einem Jahrestreffen der British Association for the Advancement of Science im Jahr 1873 verwendete der Botaniker George James Allman den Begriff „intelligent design“, da er die Entwicklung des Protoplasmas durch Evolution für unmöglich hielt.The British Association. The Times (Samstag, 20. September 1873), S. 10 Spalte A.

Der moderne Gebrauch des Begriffs begann, nachdem der Supreme Court der Vereinigten Staaten im Fall Edwards v. Aguillard (1987) entschied, dass der Kreationismus im Lehrplan von öffentlichen Schulen verfassungswidrig sei. Dem Journalisten William Safire zufolge berichtete Stephen C. Meyer, Mitgründer des Discovery Institute und Vizepräsident des Center for Science and Culture, dass die Bezeichnung 1988 bei einer von ihm besuchten Konferenz namens Sources of Information Content in DNA in Tacoma aufkam.William Safire: On Language: Neo-Creo. The New York Times (21. August 2005). Er schreibt die Wendung Charles Thaxton zu, dem Herausgeber von Of Pandas and People. In frühen Entwürfen des Buchs wurde das Wort creationism (Kreationismus) verwendet, jedoch nach der Gerichtsentscheidung quasi ohne Ausnahme durch intelligent design ersetzt. Die Verwendung des Begriffs wurde von dem emeritierten Rechtswissenschaftler Phillip E. Johnson mit seinem Buch Darwin on Trial (1991) breiter in der Öffentlichkeit bekannt gemacht. Er sprach sich dafür aus, die Naturwissenschaft so umzudefinieren, dass sie Behauptungen einer übernatürlichen Schöpfung zuließe. Johnson, im Allgemeinen als der Vater der Intelligent-Design-Bewegung angesehen, arbeitete in der Folge mit Meyer zusammen.

Heute wird der Begriff Intelligent Design oft mit der gleichnamigen Bewegung gleichgesetzt. Der Marketing-Experte Brian Collins sprach hier von gezieltem Branding, einer modernen Marketing-Strategie, welche die Bewegung in seinen Augen anwende, um bestimmte Begriffe für sich zu vereinnahmen.Who Owns Intelligent Design? by Steven Heller. AIGA, the professional association for design, 11. April 2006.

Neben der Verwendung innerhalb der Intelligent-Design-Bewegung wurde der Begriff und das Konzept z. B. auch von der Neuen Religiösen Bewegung der Raelianer aufgegriffen.

Ursprung des Konzepts

Intelligent Design knüpft an die Physikotheologie des Deismus in der englischen Aufklärung an, die von einem physikalisch-quantitativ erklärten Universum ausgeht, dessen vortreffliche Komplexität und innere Stimmigkeit auf einen intelligenten überweltlichen Urheber verweise. Eine Form dieses Arguments stammt vom englischen Theologen William Paley in seinem Buch Natural Theology (1802). Paley schloss auf Grund der Komplexität und Funktionalität der belebten Natur auf einen personalen göttlichen Planer.Ben Waggoner: William Paley (1743–1805) (University of California, Berkeley, 21. August 1996) Zur Begründung dieser Idee wählte Paley eine Analogie, wonach der fein abgestimmte Bau technischer Gegenstände (Artefakte), wie z. B. einer Uhr, nur den Schluss zulasse, dass sie ein Zwecksetzer hervorgebracht habe, der mit Verstand ausgestattet und deswegen in der Lage gewesen sei, seine Konstruktion zu verstehen. (Dies wird als Uhrmacher-Analogie bezeichnet und, obgleich sich die modernen Ansätze der Intelligent Design-Vertreter etwas unterscheiden, noch heute in ihrer Argumentation verwendet.)

Intelligent Design kann als moderne Neufassung der ‚natürlichen Theologie‘ betrachtet werden. In dem gleichen Maße wie die Evolutionstheorie erweitert und verfeinert wurde und damit mehr Phänomene erklärte, haben sich die Beispiele verändert, die als Belege für Intelligent Design hochgehalten werden. Jedoch ist das grundsätzliche Argument das gleiche geblieben: Komplexe Systeme sollen einen Designer implizieren. In der Vergangenheit umfassten die verwendeten Beispiele das Auge (optisches System) und den gefiederten Flügel; da beide Beispiele inzwischen von den Naturwissenschaften schlüssig ohne Designer erklärt werden konnten, finden sich die gegenwärtigen Beispiele auf der schlechter erforschten biochemischen Ebene: Proteinfunktionen, Blutgerinnung und Bakteriengeißeln (siehe nichtreduzierbare Komplexität). Die Argumentation des Intelligent Design an sich habe Darwin laut Ernst Mayr bereits 1859 vorausgesehen und in Über die Entstehung der Arten neun Mal auf biologische Anpassungen hingewiesen, welche keineswegs intelligent seien und sogar oft sehr schädlich.Mathias Plüss: «Ich weiss nie, ob ich deutsch rede», Weltwoche, Nr 27.04, S. 64

Intelligent Design versucht absichtlich nicht, einen intelligenten Akteur zu identifizieren oder zu bezeichnen – es behauptet lediglich, dass einer (oder mehrere) existieren müssen. Dessen ungeachtet ist es die persönliche Ansicht von allen prominenten Befürwortern, dass es der (christliche) Gott sei.

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