Schrecksbach ist eine Gemeinde im nordhessischen Schwalm-Eder-Kreis.
Geografie Geografische Lage Schrecksbach liegt im südlichen Teil des Schwalm-Eder-Kreises an der Grenze zum Vogelsbergkreis. Die Ortschaft befindet sich im Tal des Flusses Schwalm im Kulturraum Schwalm und Naturraum Schwalm.
Zwischen den Dörfern Röllshausen und Holzburg, Ortsteilen von Schrecksbach, einerseits und Merzhausen andererseits befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Willingshausen das Naturdenkmal Wippchensteine.
Nachbargemeinden Schrecksbach grenzt im Norden an die Stadt Neukirchen, im Osten an die Gemeinde Ottrau (beide im Schwalm-Eder-Kreis), im Süden an die Stadt Alsfeld (Vogelsbergkreis), sowie im Westen an die Gemeinde Willingshausen.
Gemeindegliederung Zu der Großgemeinde gehören folgende Ortsteile: Holzburg Röllshausen mit Hof Röllhausen Salmshausen Schönberg Schrecksbach Trockenbach
Geschichte mini|Altes Burghaus Ortsgeschichte Im Jahre 1140 ging der zu diesem Zeitpunkt erstmals urkundlich erwähnte Ort Schrecksbach in den Besitz des Klosters Fulda über. Im 14. Jahrhundert wurde im Ort ein fuldischer Zehnthof eingerichtet; dort residierte ein Decimator, der die Güter bewirtschaftete und eine Vorratshaltung für durchreisende höhere Bedienstete betrieb. Zwischen 1307 und 1447 fiel der Ort schrittweise an die Grafen von Ziegenhain, die ihre Stellung als Vögte der Abtei Fulda erfolgreich zur Erweiterung ihres eigenen Besitzes nutzten. Nach dem Erlöschen des Ziegenhainer Grafengeschlechts im Jahre 1450 mit Johann II. fiel die gesamte Grafschaft an Landgraf Ludwig I. von Hessen.
Im Jahr 1526 wurde Schrecksbach mit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen protestantisch. Als erster lutherischer Pfarrer nahm 1568 Diedrich Helm (in anderer Schreibweise auch Hell) seine Arbeit auf. Da Schrecksbach bei der Teilung der Landgrafschaft Hessen im Jahre 1567 südlicher Grenzort der Landgrafschaft Hessen-Kassel gegenüber der Landgrafschaft Hessen-Marburg geworden war, wurde der Ort in den Folgejahren durch Verteidigungsanlagen und durch unterirdische Gänge miteinander verbundene burgartige Adelssitze befestigt. Als Lehnsmannen der Landgrafen von Hessen-Kassel hatten verschiedene Adelsgeschlechter Burgsitze, befestigte Häuser, im Ort und die damit verbundene Verpflichtung, den Ort militärisch zu schützen. Von den einst sechs bekannten Burgsitzen im Ort – Altes Burghaus, Hattenbachscher Burgsitz, Schleierscher Burgsitz, Schwertzellscher Burgsitz sowie je ein weiterer derer von Langenstein und von Hattenbach – sind heute nur noch zwei in Teilen erhalten, das von den Herren von Langenstein genannt Gonzenrod erbaute Alte Burghaus (heute als Restaurant genutzt) und der Schwerzellsche Burgsitz (Mauerreste heute in das Gemeindezentrum integriert).
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Schrecksbach am Weihnachtstag 1635 von kroatische Reitern geplündert und weitgehend niedergebrannt. Eine Anzahl der Einwohner soll sich in die Gänge zwischen den Kellern zweier Burgsitze gerettet haben, andere flohen in die Gruft unter der Kirche, heißt es in alten Überlieferungen. Ein zweites Mal wurde das Ortsgebiet am 14. November 1640, am Tage vor dem Gefecht am Riebelsdorfer Berg, heimgesucht, als kaiserliche Truppen des Generals Hans Rudolf von Breda die Siedlungen der Umgebung niederbrannten.
Das Tunnelsystem, wenn es ein solches gab, ist seit Generationen nicht mehr begehbar, aber im Keller des Alten Burghauses sind noch immer die Eingänge von mindestens drei Gängen (oder weiteren Kellergewölben) sichtbar, eingefasst mit schweren Sandsteinblöcken und ausgemauert mit Feldsteinen.Das Geheimnis bleibt verborgen, in HNA, 20. August 2010
Der Name des Ortsteils Holzburg deutet ebenfalls auf eine ehemalige Burganlage hin. Auch auf dem Burgküppel zwischen Schrecksbach und Röllshausen befand sich einst eine kleine Turmhügelburg, von der heute noch Wall und Graben zu sehen sind.
Mit der Annexion Kurhessens 1866 fiel Schrecksbach an Preußen. In den 1920er und 1930er Jahren wurde der Ort modernisiert. Eine Kanalisation wurde geschaffen, die Straßen verbessert und 1938/39 eine Wasserleitung eingerichtet. Nach 1945 kamen ca. 200 heimatvertriebene Sudetendeutsche in den Ort.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 31. Dezember 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die bis dahin selbständigen Gemeinden Holzburg und Schrecksbach freiwillig zur erweiterten Gemeinde Schrecksbach. Hinweis: dort mit der Falschangabe Holzbach Der Sitz der Gemeindeverwaltung ist Schrecksbach. Am 1. Januar 1974 kamen Röllshausen und Salmshausen kraft Landesgesetz hinzu. Für alle eingegliederten Gemeinden wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Schrecksbach angehört(e):
vor 1450: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Ziegenhain ab 1450: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Neukirchen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Neukirchen ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Neukirchen ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Neukirchen 1807–1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Neukirchen ab 1815: Kurfürstentum Hessen, Amt Neukirchen ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis ZiegenhainVerordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung von Justiz (Justizamt Neukirchen) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Ziegenhain ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag, dem 9. Mai 2011, in Schrecksbach 3262 Einwohner. Darunter waren 16 (0,5 %) Ausländer, von denen 10 aus dem EU-Ausland, 3 aus anderen europäischen Ländern und 3 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2019 erhöhte sich die Ausländerquote auf 2,2 %.) Nach dem Lebensalter waren 552 Einwohner unter 18 Jahren, 1299 zwischen 18 und 49, 720 zwischen 50 und 64 und 693 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1290 Haushalten. Davon waren 291 Singlehaushalte, 336 Paare ohne Kinder und 534 Paare mit Kindern, sowie 117 Alleinerziehende und 15 Wohngemeinschaften. In 231 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 634 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1502: 15 Männer • 1585: 73 Hausgesesse • 1639: 29 verehelichte Mannspersonen, 2 Witwer, 10 Witwen, 17 wüst liegende Hofstätten • 1681: 45 Hausgesesse, 5 Ausschuss, ein Junggeselle • 1747: 71 Feuerstellen.
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1838: Familien: 50 Ackerbau, 35 Gewerbe, 60 Tagelöhner • 1961: Erwerbspersonen: 277 Land- und Forstwirtschaft, 312 produzierendes Gewerbe, 49 Handel und Verkehr, 52 Dienstleistungen und Sonstiges
Religion mini|Kapelle Schönberg
Die erste christliche Kirche wurde um das Jahr 800 erbaut. Von ihr ist nur noch ein Bogenfenster im romanischen Stil vorhanden. Ein Neubau im gotischen Stil wurde am 22. Februar 1413 eingeweiht, worauf eine Inschrift auf einem nahen Gehöft hinweist. 300 Jahre später war auch dieses Gotteshaus baufällig geworden. Dank großzügiger Unterstützung durch die Gemeinde und den Landgrafen Wilhelm VII. konnte 1754 die neue barocke Kirche eingeweiht werden. Die Kirchenglocken stammen aus den Jahren 1350, 1430 und 1755. Die Kirchenorgel stammt aus dem Jahr 1770 und war eine Stiftung des kinderlosen Bauern Adam Michel.
1526 wurde Schrecksbach mit der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen protestantisch.
1933 kam es zu Misshandlungen der einzigen ortsansässigen jüdischen Familie Spier durch SA-Männer aus der Stadt Alsfeld.
Für die Gottesdienste der mehrheitlich katholischen sudetendeutschen Zuwanderer nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde zunächst die evangelische Kirche genutzt, bis 1950 auch eine eigene katholische Kirche geweiht werden konnte.
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 61 evangelisch-reformierte, 3 evangelisch-lutherische, 13 jüdische, ein römisch-katholischer Einwohner • 1885: 763 evangelische (= 98,58 %), ein katholischer (= 0,13 %), 10 jüdische (= 1,29 %) Einwohner • 1961: 1247 evangelische (= 92,23 %), 126 katholische (= 9,12 %) Einwohner • 1987: 2906 evangelische (= 90,81 %), 251 katholische (= 7,84 %), 43 sonstige (= 1,34 %) Einwohner • 2011: 2768 evangelische (= 84,88 %), 246 katholische (= 7,54 %), 247 sonstige (= 7,57 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Schrecksbach erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 - 23° Election Manager: Schrecksbach 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 14. März 2021
Gemeindevertretung – Kommunalwahlen 2026
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 49,9 7 53,5 9 48,5 8 49,4 9 46,5 11 50,9 12 23,8 4 28,1 5 28,8 5 25,8 4 23,2 5 16,0 4 26,3 4 18,5 3 22,6 4 24,8 4 17,3 4 19,7 4 – – – – – – – – 13,0 3 13,5 3 Gesamt 100,0 15 100,0 17 100,0 17 100,0 17 100,0 23 100,0 23 Wahlbeteiligung in % 62,3 56,1 59,5 57,7 54,8 69,3
Unregelmäßigkeiten und Neuwahl Das Verwaltungsgericht Kassel erklärte nach einer eingegangenen Klage am 30. August 2012 die Wahl zum Gemeindeparlament im Wahlkreis 1 (Schrecksbach) für ungültig, da Unregelmäßigkeiten festgestellt wurden. Das Gericht ordnete eine Neuwahl im Wahlkreis 1 innerhalb von vier Monaten an.„Kommunalwahl 2011: Gericht ordnet Neuwahl in Schrecksbach an“, im HNA vom 30. August 2012. Aufgrund des engen Ausgangs der ursprünglichen Wahl könnte die Neuwahl eine Veränderung der Mehrheitsverhältnisse im Gemeindeparlament mit sich bringen.
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Schrecksbach neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und fünf weitere Beigeordnete angehören.Gremien: Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2024 Daniel Helwig (SPD), der in der Kommunalpolitik bis dahin Fraktionsvorsitzender seiner Partei war. Er wurde als Nachfolger von Andreas Schultheis, der nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidiert hatte, am 3. Dezember 2023 im ersten Wahlgang bei 70,13 Prozent Wahlbeteiligung mit 60,02 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Schrecksbach 2023