Unter Geldmenge versteht man den Geldbestand einer Volkswirtschaft einer bestimmten Bindungsdauer, der sich in Händen von Nichtbanken befindet.Deutsche Bundesbank: . Ohne Datum. Abgerufen am 16. August 2011. Geldmengen können durch Geldschöpfung im Rahmen der Kreditvergabe durch Geschäftsbanken erhöht und durch die Tilgung von Krediten gesenkt werden. Bargeld oder Giralgeld sind stets Verbindlichkeiten einer Bank oder Zentralbank gegenüber einer Nichtbank. Mit zunehmender Bindungsdauer schwindet der Charakter der Verbindlichkeit als flüssiges Zahlungsmittel für den Nutzer. Daher sind Geldmengen von ihrer Definition abhängig. Diese Definitionen unterscheiden sich zwischen den Währungsräumen. Geldmenge gilt als bestimmender Faktor für die Entstehung von Inflation.
Allgemeines mini|hochkant=2|Hierarchie der Banken, Buchgeldkonten, Zentralbankgeldkonten sowie Buchgeldschöpfung und Schöpfung von Zentralbankgeld. Für die Messung der Geldmenge wird der Geldbestand der Nichtbanken herangezogen, also das sich in Händen von Privathaushalten, Unternehmen (ohne Kreditinstitute), Staat und Ausland (ohne Auslandsbanken) befindet.Jürgen Pfannmöller, Kreative Volkswirtschaftslehre, 2018, S. 193 Volkswirtschaftslehre und Zentralbanken messen die Geldmenge durch Geldmengenaggregate, die durch M (für ) und eine Ziffer bezeichnet werden. Dabei ist das Geldmengenaggregat M1 eine Teilmenge von M2 und letztere eine Teilmenge von M3. Eine niedrigere Ziffer bedeutet eine größere Nähe der betrachteten Geldmenge zu unmittelbaren realwirtschaftlichen Transaktionen, d. h. je kleiner die Ziffer, desto wichtiger ist die Zahlungsmittelfunktion des Geldes.
Die Abgrenzung der einzelnen Aggregate ist konventionell und international nicht einheitlich. Die Geldbasis M0 (auch Zentralbankgeld oder Reserven genannt) nimmt eine Sonderstellung ein. Sie ist gleich der Summe von Bargeldumlauf und Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute (Überschussreserven plus Mindestreserven).Gabler Wirtschaftslexikon: Geldbasis. Ohne Datum. Abgerufen am 16. August 2011. M0 ist bis auf den Bargeldanteil bei Nichtbanken nicht Teilmenge von M1 bis M3, da Zentralbankreserven nur zwischen Geschäftsbanken als Zahlungsmittel dienen. Auch steht die Geldbasis in keinem festen Verhältnis zu den Mengen M1 bis M3.Deutsche Bundesbank, Monatsbericht April 2017, Die Rolle von Banken, Nichtbanken und Zentralbank im Geldschöpfungsprozess, Seite 16
Geldmengendefinitionen mini|hochkant=2|Geldmengenklassifikationen der Deutschen Bundesbank
Europäische Zentralbank Definitionen der Europäischen Zentralbank:Europäische Zentralbank: Monetary aggregates. Abgerufen am 16. August 2011.
Aggregat Bestandteil M0 Banknoten und Münzen außerhalb der Zentralbank (einschließlich Kassenbestände der Geschäftsbanken) + Zentralbankgeldbestand der Geschäftsbanken auf Konten bei der Zentralbank M1 Bargeldumlauf bei Nichtbanken (ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken) + Sichteinlagen der Nichtbanken M2 M1 + Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit gesetzlicher Kündigungsfrist bis zu drei Monaten M3 M2 + Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapiere und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren
M0: Buchgeld ist der Zentralbankgeldbestand der Geschäftsbanken auf Konten bei der Zentralbank. M1: Buchgeld sind die Sichteinlagen der Nichtbanken. M2: Buchgeld sind alle „Einlagen“, also befristete Einlagen und Spareinlagen. M3: außer dem hierin enthaltenen Buchgeld aus M2 kein Buchgeld, da die hier aggregierten Finanzierungstitel erst durch Monetarisierung zu Buchgeld werden können.
Schweizerische Nationalbank Definitionen der Schweizerischen Nationalbank:. Abgerufen am 13. August 2013. M0: Notenbankgeldmenge, das heißt Notenumlauf plus Giroguthaben inländischer Geschäftsbanken bei der SNB; M1: Bargeldumlauf plus Sichteinlagen; M2: M1 plus Spareinlagen in Schweizer Franken; M3: M2 plus Termineinlagen in Schweizer Franken.
Federal Reserve System Definitionen der Fed:Geldmengendefinitionen der Fed. M0: Bargeldumlauf plus Guthaben der Kreditinstitute bei der Fed; M1: Bargeldumlauf plus Sichtguthaben von Nichtbanken bei Kreditinstituten; M2: M1 plus Sparguthaben, Terminguthaben bis 100.000 US-Dollar und bestimmte Geldmarktfondsanteile; M3: M2 plus alle größeren Guthaben über 100.000 US-Dollar u. a. die Eurodollar-Reserven, größere übertragbare US-Dollar-Wertpapierbestände, und die US-Dollar-Devisenbestände der meisten nichteuropäischen Länder. Diese Geldmenge wird seit 2006 nicht mehr erfasst.Federal Reserve: Discontinuance of M3. 3. März 2006. Abgerufen am 13. Februar 2014. MZM: „money of zero maturity“ besteht aus Bargeld plus Giro-, Sparkonten, privaten Geldmarktkonten plus institutionellen Festgeld- und Geldmarktkonten (Eingestellt Januar 2021).. In: calesinvestments.com, 15. März 2008. Abgerufen am 16. August 2011.
Deutsche Bundesbank Definitionen der Deutschen Bundesbank: M1 (1998: 910,2 Mrd. DM): Bargeldumlauf (ohne Kassenbestände der Monetären Finanzinstitute (MFIs)) plus täglich fällige Einlagen der im Währungsgebiet ansässigen Nicht-MFIs (Nichtbanken); M2 (1998: 1302,7 Mrd. DM): M1 plus Einlagen mit vereinbarter Laufzeit bis zu zwei Jahren und Einlagen mit vereinbarter Kündigungsfrist bis zu drei Monaten; M3 (1998: 2239,8 Mrd. DM): M2 plus Anteile an Geldmarktfonds, Repoverbindlichkeiten, Geldmarktpapieren und Bankschuldverschreibungen mit einer Laufzeit bis zu zwei Jahren. Dieses Aggregat steht bei der Geldpolitik des Eurosystems im Vordergrund.
Geldmengen der Europäischen Zentralbank
+ Zeitpunkt Geldmengein Milliarden Euro Quelle M1 M2 M3 Januar 2000 1.983 4.138 4.715 Januar 2001 2.084 4.349 5.027 Januar 2002 2.239 4.656 5.428 Januar 2003 2.441 4.924 5.807 Januar 2004 2.703 5.271 6.164 Januar 2005 2.966 5.637 6.570 Januar 2006 3.444 6.134 7.100 Januar 2007 3.686 6.704 7.813 (zip; 305 kB), Februar, 2012. Januar 2008 3.852 7.449 8.768 Januar 2009 4.096 8.102 9.402 Januar 2010 4.554 8.235 9.326 Januar 2011 4.709 8.435 9.527 (PDF; 16 kB), Juli, 2012. Januar 2012 4.784 8.620 9.759 MONETARY DEVELOPMENTS IN THE EURO AREA: JANUARY 2012 (PDF; 71 kB) 27. Februar 2012. Januar 2013 5.113 9.003 9.769 Januar 2014 5.433 9.248 9.898 Januar 2015 6.042 9.743 10.438 Januar 2016 6.667 10.272 10.909 Januar 2017 7.229 10.733 11.421 Januar 2018 7.798 11.261 11.905 Januar 2019 9.234 11.631 12.272
Geldmengen weltweit miniatur|hochkant=2|Entwicklung der Geldmengen M0, M1 und M2 in den USA von 1959 bis 2014 miniatur|hochkant=2|Jährliche Änderung der US-Geldmengen von 1959 bis 2014 LandGeldmenge in Milliarden US-DollarZeitpunktM1M28.16025.240Oktober 20173.62714.000Dezember 20176.4268.917Dezember 20172.3123.282Dezember 2017104,83.066Dezember 20171.3722.338Dezember 2017742,52.167Dezember 2017429,32.063Dezember 2017310,31.736Dezember 20171.2381.694Dezember 2017271,91.586Dezember 2017715,31.554Dezember 2017535,11.374Dezember 20171.0821.337Dezember 2017619,41.335Dezember 2017452,7907,1Dezember 2017235,5772,5Dezember 2017106,1761,2Dezember 2017204,9688,4Dezember 2017
Geldmenge, Wachstum und Inflation Die Reale Geldmenge bezeichnet die preisbereinigte nominale Geldmenge . Sie wird als Quotient von nominaler Geldmenge und Preisniveau dargestellt und ist eine variable Größe, solange die Zentralbank die nominale Geldmenge steuern kann:Gustav Dieckmann: Makroökonomik: Theorie und Politik. 5. Auflage. Springer, 1992, ISBN 3-540-00564-1, S. 152 ff.
Gemäß der Theorie der Zentralbanken zur Geldschöpfung wird die reale Geldmenge endogen aus der Geldnachfrage bei einem gesetzten Leitzins bestimmt. Zunächst führt ein Anstieg der nominalen Geldmenge zu einem Anstieg der realen Geldmenge. Dies bedinge eine höhere Nachfrage nach Gütern, woraus ein Anstieg des Preisniveaus resultiere. Durch die Inflation (Anstieg des Preisniveaus) werde die reale Geldmenge wieder abgesenkt. Dieser Zusammenhang wird als Realkasseneffekt bezeichnet.Michael Heine, Hansjörg Herr: Volkswirtschaftslehre. Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2002, ISBN 978-3-486-27293-2, S. 281 ff. Der Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation wird auch von der Quantitätstheorie postuliert, die unter anderem von der Denkschule des Monetarismus vertreten wird. Andere volkswirtschaftliche Theorien betonen allerdings den schwachen oder schwankenden Zusammenhang zwischen Geldmenge und Inflation und sehen die Quantitätstheorie als nicht mehr ausreichend an, um die Inflation in modernen Volkswirtschaften zu verstehen. Die Fiscal Theory of Price Level betrachtet vor allem eine sinkende Bonität verschuldeter Staaten als wesentliche Ursache der Inflation.
Demgegenüber hat die Höhe von Zentralbankgeld im Markt (auch Liquidität genannt), das u. a. für die Abwicklung von Transaktionen zwischen Zentralbank und Geschäftsbanken sowie Geschäftsbanken untereinander verwendet wird, zwar Einfluss auf das allgemeine Zinsniveau, aber nur indirekte Auswirkungen auf Geldmengenwachstum und realwirtschaftliche Größen.
Siehe auch Niedrigzinspolitik
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Kategorie:Geldpolitik Kategorie:Geldtheorie