Stadt Seyda ist ein Ortsteil der Stadt Jessen (Elster) im Landkreis Wittenberg in Sachsen-Anhalt.

Namensgebung Der Name Seyda ist wie andere Ortsnamen der Umgebung slawischen Ursprungs. Für den Ortsnamen sind mehrere Bezeichnungen in historischen Urkunden hinterlegt. So tauchte um 1270 der Name Sydowe auf, 1506 Sydaw und 1508 Seydaw. Die slawische Endung „-ow“ könnte auf einen Einzelhof hinweisen, der erste Teil ist ein Personenname (Sid). Martin Luther, der auf seinen Kirchenvisitationen den Fortgang der Reformation kontrollieren wollte und 1527 in diesem Zusammenhang erstmals den Ort besuchte, benutzte die Bezeichnung Sidonium. Ab 1605 wurde die Bezeichnung Seyda bzw. Seida üblich.

Geografie Seyda liegt im Osten Sachsen-Anhalts an der Grenze zum Land Brandenburg. 23 Kilometer südwestlich von Seyda befindet sich Wittenberg und 12 Kilometer südlich Jessen (Elster).

Nördlich erstreckt sich der Höhenzug Fläming, nach Süden fällt das Gelände allmählich zur Elbe und Elster ab. An Seyda grenzen die Gemeinde Gadegast und die Ortsteile Schadewalde, früher eine selbstständige Gemeinde, Mellnitz, Morxdorf und Lüttchenseyda.

Seydas östliche Grenze ist gleichzeitig das Tor zur Glücksburger Heide, ein etwa 6850 Hektar großes Waldgebiet.

Geschichte

Besiedlung Seydas während der deutschen Ostkolonisation (1150–1500) Nachdem der brandenburgische Markgraf Albrecht der Bär um 1150 Siedler aus Rheinfranken und insbesondere aus Flamen in das nur gering besiedelte Land östlich der Elbe rief, wurde auch die Stelle des heutigen Seydas durch die Kolonisten besiedelt. Die alte wendische Bevölkerung wurde wie überall aus den Siedlungen verdrängt bzw. vermischte sich mit den neuen Siedlern.

Im Rahmen dieser Ostkolonisation wurde zur Sicherung der deutschen Siedler in Seyda ein Burgward gebildet. Die Festungsanlagen östlich der Elbe wurden meistens in der Nähe von schon bestehenden slawischen Hauptorten angelegt. So befinden sich in der direkten Umgebung Seydas die Orte Mellnitz, Gadegast oder Zemnick, die ebenfalls auf einen slawischen Ursprung hindeuten. Der Sitz des Burgwards bedeutete auch, dass die Dörfer im näheren Umkreis sowohl wirtschaftlich als auch kirchlich von Seyda abhängig waren. Die Anwohner der Burg sollten in Notzeiten Schutz und Zuflucht darin finden. Weiterhin diente die Burg als Sammelplatz für die zu leistenden Abgaben.

An einer erhöhten Stelle, der heutigen Burgstraße (bis 2010 Bergstraße) inmitten eines damals sumpfigen Gebietes wurde die Burg errichtet. Um diese ließen sich dann – mehr zufällig und ungeplant – die ersten deutschen Ansiedler nieder, womit der Ort Seyda entstand. Scherbenfunde belegen allerdings, dass es anstelle dieser Burg zuvor bereits eine slawische Befestigungsanlage gegeben hat.

Der Heimatforscher Oskar Brachwitz schrieb zur Erscheinung und den Ausmaßen dieser Burg:

Erste Herren der Burg waren die Schenken von Landsberg. Sie erwarben die Burg mit der Ansiedlung erstmals im Jahre 1235. Ihr hiesiger Zweig nannte sich daraufhin Schenken von Sydow (Syden). Die Besiedelung Seydas kann frühestens seit 1268 urkundlich nachgewiesen werden. Im 13. Jahrhundert kam die Herrschaft als Heiratsgut an Hermann von Werthere. Nach dem Aussterben dieser Linie fiel die Herrschaft 1366 an den Lehnsherrn, den sächsischen Kurfürsten Rudolph II. Später wurde die Herrschaft Sydow, einer Urkunde nach, wieder den Schenken von Landsberg verliehen. Nach der Neuinbesitznahme der Burg Seyda nannte sich die Familie der Schenken von Landsberg auch die „Schenken von Syden“.

Der junge Ort war von seiner Gründung an nacheinander im Besitz der Mark Brandenburg, dann dem Erzbistum Magdeburg und ab 1366 dem Kurfürstentum Sachsen-Wittenberg zugeordnet.

Seyda als Hauptsitz des Amts Seyda im Kurfürstentum Sachsen (1501–1815) mini|Das Amt Seyda im Kurkreis Eine genaue Geschichtsschreibung lässt sich für den Ort erst ab 1501 nachvollziehen, als der sächsische Kurfürst Friedrich der Weise die Herrschaft (eine Stadt, eine alte Schriftsasse mit einem Dorf, 15 Amtsdörfer und 9 wüste Marken) von den Schenken von Landsberg kaufte. Der Kaufpreis des nun kurfürstlich-sächsischen Amtes Seyda betrug 20.000 Meißner Gulden. Damit wurde Seyda eines der drei Wittumsämter zur Versorgung der auf dem Schloss Lichtenburg bei Prettin wohnenden kurfürstlichen Witwen mit Lebensmitteln. Ein kurfürstlicher Amtmann bezog das Schlossgebäude.

Aus dem Verkaufsbrief geht hervor, dass die Herrschaft Seyda vorher schon an den sächsischen Kurfürsten verpfändet war, da die Schenken von Landsberg im Verkaufsbrief unter anderen bekannten:

Als 1506 die sächsische Herrschaft gefestigt war, wird Seyda erstmals „Stedtchen“ genannt. Der Ort zählte 42 Ansässige (Männer mit Besitz). Die Gesamtgröße der Stadt betrug demnach etwa 200 Einwohner. 20 Hufen, also etwa 160 Hektar, gehörten zur Stadtflur. Neben der Stadt und dem Schloss gehörten auch ein Vorwerk und die Seydaer Heide zum neuen Besitz der Wettiner.

Die Stadt war wirtschaftlich zu einem hohen Maße agrarisch geprägt. So befand sich hier der größte Wollmarkt des Kurkreises. Auch spielte der Flachsanbau eine große Rolle im Wirtschaftsleben des Ortes. Ab 1509 wurde zudem ein kurfürstliches Gestüt errichtet, das bis in den Dreißigjährigen Krieg hinein bestand. Die Reformation von 1517 brachte auch für Seyda große Veränderungen. So besuchten Luther und seine Gefolgsleute die Wittenberger Umgebung, um die Umsetzung der Reformation auf den Dörfern zu beobachten und zu steuern. Die Visitatoren schrieben in ihren Visitationsberichten zu der Situation der Pfarrstelle in Seyda:

mini|Amtshaus Nach Ende des Schmalkaldischen Krieges 1547 kamen das Amt Seyda und der Ort selbst zum albertinischen Teil Sachsens und wurde nun von Dresden aus regiert.

Das Aussehen der Burg Seyda veränderte sich im Verlaufe der Jahrhunderte. So wurden nur die Gebäude instand gehalten, während die Verteidigungsanlagen verfielen. Die Anlage wurde daher ab 1500 als Schloss Seyda bezeichnet. Kurfürst August von Sachsen ließ die baufällige alte Burg ab 1573 vollständig abtragen und zwischen dem Dorf Mügeln und Zellendorf ein neues kurfürstliches Lust- und Jagdhaus errichten, das den Namen Glücksburg erhielt. Ein Teil des Baumaterials wurde auch verwandt, um das Amtshaus Seyda und die umliegenden Gehöfte zu bauen, nachdem die Wohnverhältnisse auf dem Schloss immer ungünstiger geworden waren, und der damalige Amtmann vom Kurfürsten Christian II. die Genehmigung, sich ein geeignetes Wohnhaus mit Verwaltungsfunktion bauen zu dürfen erbeten hatte.Bärbel Schiepel: Seyda und Umgebung - Heimatgeschichte(n). S. 15 Das Amtshaus, das im Jahre 1605 errichtet wurde, ist heute das älteste Gebäude in Seyda. Es steht an der Stelle der ehemaligen Vorburg. An der Stelle der eigentlichen Burg wurden sechs Bürgerhäuser errichtet. Der Bau ist es ein für die Zeit typischer Bau mit einem massiv verputzten Untergeschoss. Der obere Teil besteht aus Fachwerk. mini|Abbildung von Seyda um 1629Federzeichnung von Wilhelm Dilich Hier wohnte und arbeitete der kurfürstlich-sächsische Amtsmann, das Amtshaus war Sitz der Verwaltung für Seyda und die umliegenden Dörfer. In diesem Amtshaus wurden alle Amtsgeschäfte abgewickelt. Das Amtshaus diente auch als Speicherraum für die Abgaben, die dann zur Lichtenburg in Prettin transportiert wurden.

Am 30. Mai 1605 wütete ein erster großer Stadtbrand, bei dem 43 Häuser und viele Scheunen und Ställe vernichtet wurden. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben und zwei weitere Frauen erlitten schwere Verbrennungen.

Während des Dreißigjährigen Krieges wurde auch Seyda, wie viele Orte in dieser Gegend, abwechselnd von kaiserlichen und schwedischen Truppen geplündert. Das für Seyda schlimmste Jahr in diesem Krieg war 1637. Im Jahre 1697 zählte die Stadt 70 Häuser, von denen 67 mit 300 Einwohnern bewohnt waren. Bei einem zweiten großen Stadtbrand am 28. August 1708 gingen 22 Häuser und die Kirche in Flammen auf. mini|Abbildung der Kirche in Seyda um 1800. Erbaut wurde sie 1709, nachdem die vorherige im Großen Stadtbrand desselben Jahres abgebrannt war

Zu Beginn des Siebenjährigen Krieges (1756 bis 1763) wurde Seyda bereits am 2. Tage (30. August 1756) von preußischen Truppen besetzt (I.R. 35 Prinz von Preußen), die von Trebbin kommend am Vortage die preußisch-sächsische Grenze überschritten hatten und auch am Folgetag bei Morxdorf und Mellnitz kampierten. Gleichzeitig hielt sich Friedrich II. der Große, von Beelitz (28. August 1756) und Jüterbog kommend (29. August 1756), während dieser beiden Tage in Seyda auf.Friedrich II: Politische Korrespondenz XIII S 310 bis 320; Rödenbeck, Karl Heinrich Siegfried: Tagebuch oder Geschichtskalender aus Friedrich’s des Großen Regentenleben. Berlin 1840 S. 295, Henckel von Donnersmarck, Victor Amadeus: Tagebuch des Feldzuges von 1756, hrsg. v. Zabeler, Karl. Leipzig 1858 S. 17.

Am 14. August 1795 fand in Seyda die letzte Hinrichtung eines des Totschlages überführten Schmiedes statt. Die Hinrichtungsart war dabei das Rädern (von unten). 1806 zählte Seyda 105 Häuser und 800 Einwohner. Nach der Niederlage der Franzosen im Russlandfeldzug von 1812 und der beginnenden Befreiung von der Fremdherrschaft wurde auch Seyda kurzzeitig ins Kampfgeschehen verwickelt.

Die ersten russischen Kosaken erschienen am 7. März 1813 in Seyda, am 12. März die ersten preußischen Husaren. Von Anfang März 1813 bis Ende Juli waren fast täglich russische oder preußische Truppen in Seyda zu verpflegen. Am 3. September 1813 rückten 6 bis 7.000 Preußen in das sächsische Seyda ein und nahmen hier und in den umliegenden Orten Quartier. Am 5. September fand das Gefecht bei Zahna (oder auch „Treffen bei Gadegeast“) zwischen Franzosen und Preußen statt, dessen Schlussakt sich in und bei Seyda abspielte. In der folgenden Nacht befand sich das Hauptquartier der Franzosen auf den Höhen südlich von Naundorf bei Seyda, fünf Kilometer nördlich von Seyda. Dorthin hatten die Bewohner Seydas und alle umliegenden Dörfer Abgaben zu liefern. Am Morgen des 6. September durchzog das XII. Korps des französischen Heeres Seyda. Die Schlacht bei Dennewitz begann. Den ganzen Tag hörte man in Seyda den Kanonendonner, bis die Dunkelheit anbrach. Dann zogen wieder viele Franzosen in größter Unordnung durch den Ort. Von Blücher und Tauentzien geschlagen, flohen sie zum Teil nach der Elbfestung Wittenberg zurück, woher sie gekommen waren. Am 12. September verlegte Bernadotte, der Oberbefehlshaber der siegreichen preußischen Truppen, kurzzeitig sein Hauptquartier nach Seyda, um sich dann weiter nach Coswig zu wenden, womit auch die Verwicklung Seydas in diesen Krieg ein Ende fand.

Seyda in der preußischen Provinz Sachsen (1815–1944/45) Nach den Befreiungskriegen kamen das Amt und die Stadt Seyda im Ergebnis des Wiener Kongresses von 1815 an Preußen, als Teil der Provinz Sachsen. Das Amt Seyda wurde aufgelöst und Teil des Kreises Schweinitz. Das Amtsgebäude wurde Dienstgebäude eines Königlich Preußischen Gerichts. Eine Kursächsische Postdistanzsäule stand noch 1833/34 auf dem Markt.Landesarchiv Merseburg: Acta die Abschaffung der Saechsischen Postsaeulen betreffend, 1833/34, Herzberg (Elster) Nr. 1565, 23 Blatt.

Der Ort profitierte wirtschaftlich von der Anbindung an die Handelsstraße, die von Frankfurt (Oder) über Dahme nach Leipzig führte. So bildeten sich hier einige Gasthäuser mit großen Stallungen. Dazu kamen Radmacher und Schmiede. Weiterhin prägten Anfang des 19. Jahrhunderts Bockwindmühlen den Ort, die zu der Zeit ihre Blütezeit hatten. Um 1950 gab es noch 7 dieser Mühlen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts kam es zu einem stetigen Anstieg der Bevölkerung, so dass sich die Stadt nach Osten erweiterte. Seyda zählte im Jahre 1825 113 Häuser und hatte 1.000 Einwohner.