mini|Japanisches Filmplakat zu „Godzilla“ von Ishirō Honda. Die japanische Filmindustrie gehört zu den ältesten und größten der Welt und produziert derzeit die fünftmeisten Spielfilme. Ein japanischer Regisseur, der im Ausland größtes Renommee erwarb, ist Akira Kurosawa; er trat sowohl mit visuell eindrucksvollen Samurai-Filmen hervor als auch mit Werken, die sich mit der zeitgenössischen japanischen Gesellschaft auseinandersetzen. Die Godzilla-Reihe von Ishirō Honda fand auch im Westen Verbreitung.
Das Tokyo International Film Festival, auf dem der Tokyo Sakura Grand Prix vergeben wird, ist eines der bedeutendsten Filmfestivals in Asien.
Geschichte des japanischen Films Japanischer Stummfilm Die Anfänge des japanischen Kinos Bereits 1896 wurden in Japan die Projektoren von Lumière und Thomas Alva Edison vorgeführt. 1897, zwei Jahre nach der weltweit ersten Kinovorführung in Paris, brachte der Spinnereibesitzer Katsutaro Inahata, ein Schulfreund Auguste Lumières, einen Filmprojektor nach Japan, wo am 15. Februar in Osaka die erste öffentliche Kinovorführung stattfand.Birte Meyer-Wülfing: Universität Bremen, SoSe 2006, abgerufen am 7. November 2009.Keiko I. McDonald: Reading a Japanese film: cinema in context, 2006, University of Hawai'i Press, abgerufen am 7. November 2009. In Japan war Kino von Anfang an ein kostspieliges Vergnügen, das meist im vornehmen Ambiente eines Kabuki-Theaters stattfand. 1903 wurde in Tokio das erste Lichtspieltheater errichtet, in dem Filme und Kabuki-Aufführungen miteinander kombiniert wurden. Der Film galt in Japan lange als etwas Vergängliches, er war bloßes Konsumgut, für den Moment bestimmt, aber nicht zur Aufbewahrung. Daher ist auch zu erklären, dass Japan eine der niedrigsten Erhaltungsquoten von Filmkopien weltweit hat.
Wie in Deutschland waren die Anfänge des Kinos stark mit dem Theater verbunden. Die ersten japanischen Filme entstanden 1899 und waren abgefilmte Szenen aus Kabuki-Theateraufführungen. Bis in die 30er Jahre gehörten im japanischen Kino der (Stumm-)Film und der Erzähler, genannt, untrennbar zusammen. Der Benshi interpretierte und kommentierte die Bilder. Jedes der drei Spielfilmkategorien – historischer Film (), zeitgenössischer Film (), und westlicher Film () – hatte ihr eigenes Publikumssegment und ihren eigenen Erzählstil. Der Benshi hatte häufig ähnlichen Starstatus wie ein beliebter Kabuki-Schauspieler und genoss hohes Ansehen. Die westliche Praxis, Stummfilme mit Zwischentiteln zu versehen, setzte sich in Japan kaum durch. Erst der Tonfilm verdrängte den Benshi nach und nach, bis er in den 1950er Jahren gänzlich verschwand.
Eine Kinovorführung in den 20er Jahren bestand meist aus drei Hauptfilmen und entsprach damit der Dreiteilung einer Kabuki-Aufführung. Der Benshi saß während der Vorführung schräg links vor der Leinwand, oft in einer Art Kanzel, an einem Pult. Er beschrieb das Geschehen auf der Leinwand, sprach Dialoge und innere Gedanken, gab interpretierende oder erklärende Kommentare, las oder übersetzte Zwischentitel (falls vorhanden) und fasste den emotionalen Effekt der Filmbilder und des Filmgeschehens in Worte. Mit seinem Körper, seiner Gestik und Mimik war der Benshi auch ein visuelles Element der Aufführung. Eigentlich brauchte ein Benshi gar keinen Film, sein Vortrag funktionierte auch als Hörspiel. Filmerzählungen () auf Platten und als Radiosendungen waren sehr beliebt.
Es wurden nicht nur traditionelle Kabuki oder Nō-Theaterstücke mit der Kamera festgehalten, sondern auch moderne Theaterformen mit eher realistischer Schauspieltechnik und moderneren Themen. Das erste japanische Filmstudio wurde 1908 gebaut, um moderne Theaterszenen aufzunehmen. Eine interessante Mischform von Theater und Film war das („Kettentheater“), das um 1917 sehr beliebt war. Man führte ein normales Theaterstück auf und die Szenen, die sich nicht auf der Bühne darstellen ließen, wurden als vorproduzierter Film eingespielt, dabei sprachen die Schauspieler den Dialog des Stummfilms direkt auf der Bühne mit.
Die 1910er Jahre In den 1910er Jahren gab es Bestrebungen den Film als eigenständige Kunstform zu betrachten und nicht als bloßes Abbildungsmedium von Theaterszenen. Kaeriyama Norimasa, Gründer der Filmzeitschrift Kinema Records, plädierte 1913 für ein (reines Filmtheater), mit einem realistischen, natürlichen Schauspielstil und weiblichen Darstellerinnen (zuvor wurden auch Frauenrollen von Männern gespielt). Außerdem setzte er sich für die Einführung von Zwischentiteln und die Abschaffung des Benshis ein.
Die 1920er Jahre mini|links|Die Schäden in Yokohama nach dem großen Kanto-Erdbeben von 1923. Nach dem großen Kanto-Erdbeben von 1923, das das alte Tokio fast komplett zerstörte (und mit ihm die alte Kultur), verstärkte sich der Wunsch der Filmemacher eine neue Art von Kino zu schaffen. Neue Regisseure wie Kenji Mizoguchi reagierten darauf mit einer Orientierung an europäischen Vorbildern und entwickelten neue thematische Konzepte. Immer mehr japanische Regisseure lernten ihr Handwerk in Hollywood und drehten erste Komödien im Westernstil, wie Yasujiro Ozu. Es entstanden Filme, die sichtlich vom deutschen Expressionismus beeinflusst waren. Ende der 1920er Jahre entstanden die sogenannten „Tendenzfilme“ (), die sich mit den wachsenden sozialen und politischen Problemen der Zeit auseinandersetzten und meist von Menschen niedriger Klassen beziehungsweise Arbeitern handelten. Der realistische Stil orientierte sich sowohl am deutschen als auch vor allem am sowjetischen Kino. Die Themen kreisten um die Probleme des Individuums in der Gesellschaft. Tendenzfilme wurden nur innerhalb einer kurzen Zeit hergestellt, ungefähr in dem Zeitraum vom Ende der 1920er bis Anfang der 1930er Jahre. Danach wurde aufgrund der strenger werdenden Zensurauflagen kaum ein Film mehr freigegeben.
Ende des Jahres 1927 bestanden in Japan rund 850 Kinos. Hinzu kamen etwa 2000 Schaubühnen, auf denen ebenfalls regelmäßig Filme vorgeführt wurden. In 14 großen Ateliers wurden Ende der 20er-Jahre jährlich etwa 400 Filme hergestellt, womit der heimische Bedarf weitgehend gedeckt werden konnte. Japan war zudem die einzige Kinonation der Welt, die sich der US-amerikanischen Filmflut ab Beginn der 20er-Jahre verwehren konnte. Es gelang ihnen noch deutlich besser als Deutschland, wo immerhin noch 50 % der gezeigten Filme aus nationaler Produktion waren, den amerikanischen Film vom Heimmarkt fernzuhalten. Wesentlicher Grund dafür waren die anderen Sehgewohnheiten der Japaner, die im Gegensatz zu den Amerikanern und den Europäern nicht viel von einem obligatorischen Happy End hielten. Nur wirklich gute ausländische Produktionen hatten in Japan eine Chance. Daher war trotz allem Charles Chaplin der populärste Darsteller und Meisterwerke des Stummfilms waren auch in Japan keinesfalls unbekannt.L'Estrange Fawcett: Die Welt des Films, übersetzt von C. Zell, ergänzt von S. Walter Fischer. Amalthea-Verlag, Zürich/Leipzig/Wien 1928, S. 34, 79 und 151.
Japanischer Tonfilm Die 1930er Jahre mini|Filmplakat von Ninjō Kamifūsen Während mit Fujiwara Yoshie no Furusato () von Kenji Mizoguchi aus dem Jahr 1930 der erste teilweise und mit Madamu to Nyōbō () von Heinosuke Gosho im Jahr 1931 Japans erster vollständiger Tonfilm erschien und der Tonfilm in den folgenden Jahren langsam den Stummfilm ablöste, orientierten sich die japanischen Studios immer mehr an dem Vorbild des „Hollywood-Systems“. 1936 wurde die Tōhō-Produktionsgesellschaft gegründet. Tōhō und die anderen vier großen Filmfirmen Shōchiku, Nikkatsu, Tōei und Teikine kontrollierten fast den gesamten japanischen Markt. Außerdem gewannen realistische Darstellungen des japanischen Alltagslebens an Bedeutung, wie Yamanaka Sadaos Ninjō Kamifūsen (, 1937). In dieser Zeit wurde das Kino zum beliebtesten Unterhaltungsmedium. Die Zuschauerzahl kletterte von 158 Millionen im Jahr 1930 bis auf 405 Millionen Besucher im Jahr 1940.
Besonders beliebt waren beim Publikum Verfilmungen melodramatischer Unterhaltungsliteratur, die mit tragischen Liebesgeschichten und hohem ethischen Anspruch das Publikum zu Tränen rührten. Einer der wichtigsten Regisseure dieser humanistischen Melodramen war Kenji Mizoguchi (1898–1956). Er stellte in seinen Filmen besonders das Schicksal von Frauen in ärmlichen Verhältnissen dar, die dem Konflikt zwischen persönlichem Glück und den traditionellen Normen der japanischen Gesellschaft ausgesetzt sind.
Zwei weitere Meister des „Kleine-Leute-Films“ der 1930er Jahre waren Yasujirō Ozu (1903–1963) und Mikio Naruse (1905–1969), von welchen im Westen vor allem die Nachkriegs-Werke bekannt sind. Yasujirō Ozu, der seinen ersten Film 1927 drehte, zeigt die japanische Familie als Mikrokosmos der japanischen Gesellschaft. Für Ozu spielt die Natur dabei eine sehr wichtige Rolle, seine Figuren stehen im Kontext zur Natur und dem Wandel der Jahreszeiten und sind untrennbar mit ihnen verbunden. Zeit wird nicht linear, sondern zyklisch wahrgenommen, wie die wiederkehrenden Jahreszeiten. Das Prinzip des Immer-Wiederkehrenden steht über dem einzelnen Mensch und seinem individuellen Handeln. Mikio Naruse begann 1930 seine filmische Laufbahn zunächst mit verschiedenen Komödien und konzentrierte sich dann, wie Mizoguchi, auf Probleme von Frauen in Arbeiterfamilien oder in kleinbürgerlichem Milieu.
Anfang der 1930er Jahre wurden neben den Melodramen auch Filme, die offensichtlich rechter Propaganda dienten, immer populärer. Nachdem die Produktion linker Tendenzfilme unterbunden wurde, entstanden Filme, die Krieg und nationalistische Ideologien propagierten und die expansionistische Politik Japans in der Mandschurei befürworteten.
Obwohl das Land vor dem Zweiten Weltkrieg eine der produktivsten und ästhetisch interessantesten Filmindustrien hatte, sind heutzutage kaum noch Filme erhalten. Zum einen liegt das natürlich an kriegsbedingten Zerstörungen, zum anderen aber daran, dass der Film als Medium in Japan keinen hohen Stellenwert besitzt. Filme galten und gelten noch immer als reine Unterhaltung und deshalb nicht als besonders bewahrungswürdig. So gibt es im Land erst seit den 1990er Jahren ernstzunehmende Bemühungen, historische Filme zu erhalten. Beispiele für seitdem restaurierte japanische Stummfilme sind Jûjiro (Im Schatten von Yoshiwara, 1928) von Teinosuke Kinugasa und Shigeyoshi SuzukisNani ga Kanojo o sō Saseta ka (Das Mädchen Sumiko – Warum hat sie das getan) von 1929, der 1997 restauriert wurde.
Das japanische Kino während des Zweiten Weltkriegs 1937 kam es unter dem Einfluss des radikalen ultranationalistischen Militärs, das eine Expansion in die Republik China und Südostasien anstrebte, zu blutigen Kämpfen, die im Massaker von Nanking mündeten, was zur Folge hatte, dass Japan aus dem Völkerbund austrat. Das Ziel Japans war es, Asien vom europäischen Kolonialismus zu „befreien“. Der Krieg gegen China weitete sich immer mehr nach Südostasien aus, dabei war Japan bei seinen Kriegshandlungen sehr erfolgreich und eroberte ein Land nach dem anderen. Überzeugt von seiner militärischen Macht und der göttlichen Kraft des Tennō (der japanische Kaiser), wagte es Japan schließlich auch die USA anzugreifen. Mit dem Angriff auf Pearl Harbor 1941 wurden die pazifischen Kriegshandlungen mit dem europäischen Krieg verknüpft.