Einer flog über das Kuckucksnest (englischer Originaltitel One Flew Over the Cuckoo’s Nest) ist ein US-amerikanischer Film von Miloš Forman aus dem Jahr 1975, der in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt spielt und davon handelt, wie ein Neuankömmling (Jack Nicholson) die dort herrschende repressive Ordnung in Frage stellt, wodurch sie letztlich aus den Fugen gerät.

Die auf Ken Keseys gleichnamigem Roman basierende Tragikomödie war einer der größten Erfolge in der US-amerikanischen Filmgeschichte. Bei der Oscarverleihung 1976 gewann er alle fünf Hauptpreise, die Big Five, in den Kategorien Bester Film, Beste Regie, Bestes (adaptiertes) Drehbuch, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin. Gleiches gelang bisher nur zwei anderen Filmen.

1993 wurde Einer flog über das Kuckucksnest durch die Kongressbibliothek in den Bestand der National Film Registry aufgenommen, in den „kulturell, historisch oder ästhetisch bedeutende“ und daher besonders erhaltenswerte US-amerikanische Filme Eingang finden.

Handlung Der wegen Gewalt- und Sexualdelikten straffällig gewordene 38-jährige Häftling Randle McMurphy hat eine psychiatrische Erkrankung vorgetäuscht, um der harten Zwangsarbeit im Gefängnis zu entgehen, und wird zur Überprüfung seines Geisteszustandes in eine Nervenheilanstalt verlegt.

Er kommt auf eine von der repressiven Oberschwester Ratched in „eisiger Herrschaft“ geführte geschlossene Männerstation, wo er einer von 18 Insassen ist.Sean Axmaker: One Flew Over the Cuckoo’s Nest’ on Paramount. In: streamondemandathome.com, 17. Juli 2023. McMurphy nimmt als neunter Teilnehmer an den ebenfalls von Ratched geleiteten Gruppensitzungen teil, in denen sie zunächst einen Lebensaspekt eines Patienten als Problem zur Diskussion stellt und dann reihum nach Antworten bohrt, bis die Gefragten nicht mehr weiterwissen oder durch Sticheleien gegeneinander aufgebracht werden. Bald wird klar, dass es in diesen Gruppensitzungen keineswegs um konstruktive Therapie oder Problemlösung geht, sondern um die Festigung von Blockaden, Abhängigkeitsstrukturen und Ängsten, womit Ratched ihre Macht über die Gruppe festigt und die einzelnen Patienten in ein Abhängigkeitsverhältnis zu ihr bringt.

Der selbstbewusste, extrovertierte McMurphy stört vom ersten Moment an durch nonkonformes Verhalten. Er weigert sich als einziger, die verordneten Medikamente einzunehmen, und animiert seine Mitinsassen zu Aktivitäten, die er selbst liebt – Basketball, Kartenspiele, Wetten. Als er am Versuch scheitert, einen schweren marmornen Hydrotherapietisch vom Boden abzureißen, mit dem er einen Weg nach draußen schlagen will, um in einer Bar die Baseballendspiele sehen zu können, betont er, er habe es wenigstens versucht. Seine Halsstarrigkeit beeindruckt die anderen: den naiv-ehrlichen, von Wutanfällen heimgesuchten Charlie Cheswick, den komplexbeladenen Stotterer Billy Bibbit und den baumlangen, als taubstumm geltenden Indianer „Häuptling“ Bromden. Der sich stets abseits haltende, schwerfällig wirkende Bromden solidarisiert sich erstmals mit McMurphy bei dessen zweitem Anlauf, die Fernseherlaubnis für die Baseballendspiele per Mehrheitsvotum durchzusetzen. Ratched schmettert auch diesen Versuch ab, und McMurphy kontert mit einer improvisierten Phantasiereportage, die die anderen zu Begeisterungsstürmen mitreißt, als würden sie das Spiel tatsächlich sehen. Später entführt er die gelegentlichen „Ausflügler“ unter ihnen mit einem Trick zu einem Abenteuer, indem er erst ihren Bus und dann ein fremdes Schiff kapert, um nach einem halben Tag gemeinsamen Hochseeangelns mit kapitaler Beute heimzukehren.

McMurphys widerborstiges Naturell untergräbt Ratcheds Autorität, die Spannung zwischen den beiden wird immer bedrohlicher. Als Cheswick verzweifelt die Herausgabe seiner konfiszierten Zigaretten verlangt und Ratched dies verweigert, holt ihm McMurphy seine Zigaretten mit Gewalt, wobei er Ratched auch heftig würgt. In die daraufhin ausgebrochene Schlägerei mit Pflegern greift auch Bromden ein. Ratched, fortan eine medizinische Stützmanschette um den Hals tragend, setzt ihre Arbeit trotzdem mit steifer Haltung fort. Zuvor hatte sie bei den Ärzten noch dafür plädiert, McMurphy auf der Station zu belassen, sorgt aber nun dafür, dass ihm und zwei weiteren Insassen Elektroschocks verabreicht werden.

In einer der folgenden Gruppensitzungen erfährt McMurphy fassungslos, dass die meisten seiner Mitpatienten freiwillig auf der Station sind, während er zu den wenigen gehört, die auf unbestimmte Zeit dort festgehalten werden können. Er plant eine Flucht mit „Chief“ Bromden, der ihm anvertraut hat, seine Taubstummheit nur zu simulieren: Er schmuggelt zwei Freundinnen, Candy und Rose, mit reichlich Alkohol in die Station, um während der Party zu verschwinden. Als der junge Billy Gefallen an Candy findet, drängt McMurphy ihn dazu, sofort mit ihr ins Bett zu gehen, was die geplante Flucht letztlich verhindert, da sie während des Wartens alkoholisiert einschlafen.

Am nächsten Morgen findet Ratched die Station verwüstet vor, und die meisten Patienten schlafend auf dem Boden, unter ihnen McMurphy und Bromden. Zuletzt entdeckt sie Billy im Bett mit Candy. Als sie ihn vor allen zur Rede stellt, antwortet er zunächst ohne Stottern, das aber in dem Moment wieder einsetzt, in dem sie ihm ankündigt, seine Mutter über das Vorgefallene in Kenntnis zu setzen. Wenige Minuten später findet man ihn tot in einer Blutlache; er hat sich mit einer Scherbe die Kehle durchgeschnitten. Ratched treibt die hinzugeströmten Insassen aus dem Raum und sagt, dass es das Beste sei, mit dem normalen Tagesablauf weiterzumachen („The best thing we can do is go on with our daily routine“). Das löst in McMurphy einen Wutanfall aus, in dem er Ratched zu erwürgen versucht, bis er von einem Pfleger niedergeschlagen und dann fortgeschafft wird. Tage später bringt man ihn, nur bemerkt von „Chief“ Bromden, mitten in der Nacht auf die Station zurück. Er ist nicht mehr ansprechbar, auf seiner Stirn sind vernähte Schnitte einer Lobotomie zu erkennen. Um ihm weiteres Leid zu ersparen, erstickt ihn Bromden mit einem Kissen, dann reißt er den schweren Hydrotherapietisch aus dem Boden, wirft ihn durch eines der vergitterten Fenster und entschwindet in die Nacht.

Titel und Bedeutung Der Titel basiert auf einem englischen Kinderreim: Vintery, mintery, cutery, corn, Apple seed and apple thorn; Wire, briar, limber lock, Three geese in a flock. One flew east, And one flew west, And one flew over the cuckoo’s nest. Der Witz des Abzählreims besteht darin, dass Gänse (geese) in einem Schwarm (flock) nicht in verschiedene Richtungen (east, west) fliegen können, und dass der Kuckuck kein Nest baut.

Da „cuckoo“ in US-amerikanischer Umgangssprache „verrückt“ bedeutet, liegt es nahe, „cuckoo’s nest“ mit der Nervenheilanstalt zu assoziieren. „Einer“ kann man auf den Protagonisten beziehen, und den Titel als Ganzes auf dessen Illusion, aus freien Stücken gekommen zu sein und als freier Mann wieder gehen zu können. Formans Werk ist eine Anklage gegen die Bevormundung von Schwächeren und Nonkonformisten. Es stellt unter anderem die Frage, wer das Recht hat, über andere Menschen zu bestimmen und sie in Gruppen einzuteilen. Der Zuschauer ist aufgefordert, aus seiner freiwilligen Gefangenschaft zu fliehen und ein freies Leben zu wagen.

Entstehung Kirk Douglas und sein Sohn Michael waren diejenigen, die die ersten und entscheidenden Weichen für die Verfilmung von Ken Keseys Einer flog über das Kuckucksnest stellten. Kirk, der im Besitz einer Druckfahne war, gehörte zu den ersten Lesern und Bewunderern des Romans, erwarb die Theater- und Filmrechte und brachte die Bühnenfassung auf den Weg, in deren erster Inszenierung er 1963/64 selbst die Hauptrolle spielte. Bei einem Aufenthalt in Prag traf er dann den jungen tschechischen Regisseur Miloš Forman, bot ihm den Stoff für eine Verfilmung an und versprach, ihm das Buch zu schicken. Danach hörten beide zehn Jahre lang nichts mehr voneinander. Bei ihrer Wiederbegegnung machten sie sich Vorwürfe: Forman beschwerte sich über Douglas’ Vergesslichkeit, und dieser wiederum beklagte Formans Unhöflichkeit. Beides beruhte auf einem Missverständnis: Das Buch war von den tschechischen Behörden konfisziert worden.The Making of One Flew Over the Cuckoo's Nest, basierend auf Charles Kislyak: Completely Cuckoo, 2002 (englisch).

In der Zwischenzeit hatte Kirk Douglas die Filmrechte an seinen Sohn abgetreten. Michael Douglas stieg selbst als Produzent ein, obwohl er noch ebenso unerfahren war wie Saul Zaentz, den er als Partner gewann.Sylvia Townsend: . In: World Cinema Paradise. 19. Dezember 2014 (englisch), abgerufen am 18. Mai 2018. Dass beide sich dann für Forman entschieden, hatte mehrere Gründe. Der tschechische Emigrant wider Willen war (noch) kein Starregisseur und schonte daher ihr knapp bemessenes Budget; anders als die Kandidaten vor ihm spielte er mit offenen Karten und äußerte Vorstellungen über den Film, die ihr Interesse weckten. Er habe, so Forman später, einen Film vor Augen gehabt, der für ihn insofern „tschechisch“ war, als er eine Gesellschaft beschrieb, in der er 20 Jahre gelebt hatte, mit Menschen, von denen er wusste, wie sie sich fühlten.

Das erste Drehbuch, das von Lawrence Hauben verfasst worden war, war aus Saul Zaentz' Sicht wenig brauchbar, weil es zu eng an die Romanvorlage angelehnt war. Das zweite Angebot ging an den Autor des Romans persönlich, Ken Kesey, führte künstlerisch nicht weiter und stattdessen in einen „langwierigen, schmerzvollen“ Streit um Geld.Phil Hoad: How we made One Flew Over the Cuckoo's Nest. In: The Guardian. 11. April 2017 (Interviews mit Michael Douglas und Louise Fletcher, englisch), abgerufen am 18. Mai 2018. Erfolg hatte das Produzentenduo erst mit dem Engagement von Bo Goldman, der als Drehbuchschreiber noch keinerlei Meriten vorweisen konnte, aber mit Forman auf Anhieb harmonierte. Beide gingen in täglichen Treffen das vorhandene Skript Szene für Szene durch und entwickelten so gemeinsam die Fassung, die dann auch beim Dreh zum Einsatz kam. Goldman tat sich lange schwer mit Bromdens letztem Satz, der ja zugleich der Schlusssatz des Films sein sollte. Sein „Oh, no“ angesichts von McMurphys Narben war ihm zu melodramatisch. Als ihm dann „Let's go“ (Lass uns gehen) einfiel, stimmte Forman sofort zu. Es sei die beste Zeile, die er je geschrieben habe, so Goldman später, und fasse die ganze Geschichte noch einmal zusammen.

Besetzung und Synchronisation R. P. McMurphy Jack Nicholson Manfred Schott Mildred Ratched Louise Fletcher Judy Winter Billy Bibbit Brad Dourif Horst Sachtleben Chief Bromden Will Sampson Kurt E. Ludwig Harding William Redfield Paul Bürks Taber Christopher Lloyd Hartmut Neugebauer Charlie Cheswick Sydney Lassick Donald Arthur Martini Danny DeVito Mogens von Gadow Jim Sefelt William Duell Erich Ludwig Dr. John Spivey Dean R. Brooks Harald Leipnitz Aufseher Warren Mwako Cumbuka Michael Gahr Aufseher Washington Nathan George Fred Klaus Orderly Turkle Scatman Crothers Herbert Weicker Oberaufseherin Kay Lee Alice Franz Colonel Matterson Peter Brocco Bruno W. Pantel

Den Findungsprozess für ihren Hauptdarsteller rekonstruieren Regisseur und Produzent nicht ganz übereinstimmend. Michael Douglas meint, sie hätten sich zuerst, ohne Erfolg, um Gene Hackman und Marlon Brando bemüht, wobei Formans Favorit ohnehin ein Dritter, Burt Reynolds, gewesen wäre. Forman erinnert sich anders: Erste Wahl sei für ihn zu keiner Zeit ein anderer gewesen als der von Hal Ashby, einem der früheren Regie-Kandidaten, empfohlene Jack Nicholson; und nur weil der für ein halbes Jahr anderweitig gebunden war, habe auch er andere Lösungen erwogen.