Der Neckar-Odenwald-Kreis ist ein Landkreis im Norden des Landes Baden-Württemberg. Er gehört zum Regierungsbezirk Karlsruhe (Nordbaden) und ist Teil der Metropolregion Rhein-Neckar. Er wurde 1973 im Zuge der Kreisreform Baden-Württemberg 1973 durch die Vereinigung der früheren Landkreise Buchen und Mosbach gebildet. Seit der Gründung des Rheinbunds 1806 gehörten viele Orte im heutigen Landkreis zum Großherzogtum Baden. Darin gehörten sie zum Amt Mosbach oder benachbarten Ämtern. 1936 wurde das Amt Mosbach zum Landkreis Mosbach.
Der Verwaltungssitz befindet sich in der Großen Kreisstadt Mosbach. Daher leitet sich das Kfz-Kennzeichenkürzel MOS ab. Geografisch umfasst der Kreis weite Teile des südlichen Odenwaldes, des Neckartals sowie des Baulands. Der nordöstliche Abschnitt mit Kleinstädten wie Adelsheim, Buchen und Walldürn gehört historisch zum fränkischen Kulturraum.
Geographie Lage Der Neckar-Odenwald-Kreis hat Anteil an drei unterschiedlichen Naturräumen: der Mittelgebirgslandschaft des Odenwaldes, dessen höchste Erhebung, der Katzenbuckel (626,8 m), an der westlichen Kreisgrenze liegt (Gemeinde Waldbrunn), dem sich südöstlich anschließenden Bauland sowie dem Neckartal, das das südwestliche Kreisgebiet von Heilbronn kommend nach Norden geologisch durchtrennt. Kurz nach Verlassen des Kreisgebiets fließt der Fluss nach Westen in Richtung Heidelberg/Mannheim weiter, um in Mannheim in den Rhein zu münden.
Geologisch gesehen bildet der Odenwald keine Einheit. Er unterteilt sich in den Kristallinen Odenwald, auch Vorderer Odenwald genannt und den Buntsandstein-Odenwald, der die weitaus größere Fläche einnimmt. Der rote Sandstein ist in allen historischen Gebäuden von Heidelberg über Amorbach bis nach Miltenberg zu finden. Landschaftsprägend im Buntsandstein-Gebirge ist das Neckartal, das den Kleinen Odenwald vom übrigen Odenwald trennt.
Die Landschaft des Baulandes im Südosten wird von Muschelkalkformationen geprägt. Da sich dort Bauern mutmaßlich früher ansiedelten, ist diese Gegend waldärmer.
Das größte Basaltvorkommen ist am Katzenbuckel zu finden. Seine Bergkuppe ist ein vulkanischer Härtling, der Überrest eines nicht mehr aktiven Vulkans.
Der ehemalige Landkreis Buchen mit den Städten und Gemeinden Buchen (Odenwald), Walldürn, Hardheim, Osterburken, Adelsheim, Mudau, Höpfingen, Ravenstein, Seckach und Rosenberg wird historisch zu Franken gezählt. Dies ist bis heute auch ein Einzugsgebiet der Tageszeitung Fränkische Nachrichten.
Nachbarkreise Der Neckar-Odenwald-Kreis grenzt im Uhrzeigersinn im Nordwesten beginnend an den Odenwaldkreis (in Hessen), an den Landkreis Miltenberg (in Bayern) sowie an die Landkreise Main-Tauber-Kreis, Hohenlohekreis, Heilbronn und Rhein-Neckar-Kreis (alle in Baden-Württemberg).
Naturschutz
Der Neckar-Odenwald-Kreis besitzt folgende 27 Naturschutzgebiete. Nach der Schutzgebietsstatistik der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg (LUBW)Schutzgebietsstatistik der LUBW nach Landkreisen stehen 1.069,03 Hektar der Kreisfläche unter Naturschutz, das sind 0,95 Prozent.
Alte Ziegelei Höpfingen: 5,3 ha, Gemeinden Höpfingen und Hardheim Auweinberge-Fuchsenloch: 30,3 ha; Stadt Mosbach und Gemeinde Neckarzimmern Brünnbachtal: 132,2 ha; Stadt Adelsheim Dallauer Tal: 103,0 ha; Gemeinde Elztal Geisrain: 6,4 ha; Gemeinde Elztal Hamberg: 13,6 ha; Stadt Mosbach Henschelberg: 45,7 ha; Stadt Mosbach Hinterer See: 5,8 ha; Gemeinden Aglasterhausen und Neunkirchen Hochhausener Weinberge: 23,1 ha; Gemeinde Haßmersheim Kirnautal: 87,0 ha; Stadt Osterburken und Gemeinde Rosenberg Klingheumatte Schloßau: 6,5 ha; Gemeinde Mudau Landschaft um den Heppenstein: 48,0 ha; Stadt Mosbach und Gemeinde Elztal Lappen und Eiderbachgraben: 62,6 ha; Städte Buchen und Walldürn Laubertal: 25,1 ha; Gemeinde Hardheim Margaretenschlucht: 5,1 ha; Gemeinde Neckargerach Neckarhochufer: 29,9 ha; Gemeinde Haßmersheim Nüstenbachtal, Hessental und Masseldorn: 144,1 ha; Stadt Mosbach Roberner See: 22,8 ha; Stadt Mosbach und Gemeinde Fahrenbach Schönhelden: 10,1 ha; Gemeinde Rosenberg Schreckberg: 16,3 ha; Stadt Mosbach Schwanne-Wald: 12,5 ha; Gemeinden Limbach und Waldbrunn Seckachtal: 61,5 ha; Stadt Buchen und Gemeinde Seckach Unteres Heimental: 42,0 ha; Gemeinden Schefflenz und Elztal Wacholderheide Wurmberg und Brücklein: 51,5 ha; Gemeinde Hardheim Waldstetter Tal: 33,6 ha; Gemeinde Höpfingen Wengert: 10,9 ha; Gemeinde Aglasterhausen Zwerrenberg: 59,5 ha; Gemeinden Neunkirchen und Zwingenberg
Geschichte Im Rahmen einer Kreisreform in Baden-Württemberg wurde er zum 1. Januar 1973 unter dem Namen Odenwald-Kreis gebildet und zum 10. September 1974 in Neckar-Odenwald-Kreis umbenannt.
Das Gebiet des Neckar-Odenwald-Kreises stand bis zur territorialen Neuordnung Deutschlands Anfang des 19. Jahrhunderts im Wesentlichen unter drei verschiedenen Landeshoheiten: der Kurpfalz, des Kurfürstentums Mainz und des Hochstifts Würzburg. Daneben gab es in ihm auch noch kleinere fürstliche und reichsritterschaftliche Besitzungen. Nach der Zerschlagung der Kurpfalz und der Säkularisierung geistlicher Territorien im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 fielen die ehemals kurmainzischen und würzburgischen Gebiete sowie das pfälzische Oberamt Mosbach an die aus dem nordöstlichen Pfälzerwald stammenden Adelsfamilie der Leininger als Ersatz für ihre linksrheinischen Verluste. Unter badische Landeshoheit kamen Orte im Kleinen Odenwald und am Neckar. Die Rheinbundakte 1806 mediatisierte das kurzlebige Fürstentum Leiningen, das dem Großherzogtum Baden zugeschlagen wurde. Auch die Territorien der Fürsten zu Salm-Krautheim, der Fürsten und Grafen von Löwenstein-Wertheim sowie der Reichsritterschaften wurden schließlich badisch.
1809 gliederte die Regierung in Karlsruhe das Großherzogtum in zehn ihr unmittelbar unterstehende Kreise. Den Kreisen nachgeordnet waren die im gleichen Jahr eingerichteten landes- und standesherrlichen Bezirksämter. Das Gebiet des heutigen Landkreises teilten sich der Odenwälder Kreis und der Main- und Tauberkreis. Es gehörte nach Auflösung des nur kurzzeitig bestehenden Odenwälder Kreises zum Neckarkreis und zum (damaligen) Main-Tauber-Kreis. 1863 wurden die bisherigen Kreise aufgelöst und ihre Zuständigkeiten auf die Bezirksämter und auf das Ministerium des Inneren aufgeteilt. Die mit Wirkung zum 1. Oktober 1864 eingerichteten und mehrere Amtsbezirke umfassenden Kreisverbände waren Selbstverwaltungskörperschaften. Im Gebiet des Kreises Mosbach lagen die Amtsbezirke Adelsheim, Boxberg, Buchen, Eberbach, Mosbach, Walldürn, Tauberbischofsheim und Wertheim.
Die Kreisverbände blieben auch nach Ende des Großherzogtums Baden erhalten. Die Zahl der Amtsbezirke wurde jedoch verkleinert. Nach der Verwaltungsreform 1924/25 bestanden auf dem Gebiet des heutigen Neckar-Odenwald-Kreises die drei Bezirksämter Adelsheim, Buchen und Mosbach, bis auch 1936 das Bezirksamt Adelsheim aufgehoben wurde und dessen Gebiet im Amtsbezirk Buchen aufging. Mit der badischen Landkreisordnung von 1939 erfolgte die Auflösung der Kreisverbände. Die Bezirksämter als untere staatliche Verwaltungsbehörden mit ihren bereits ab 1938 als „Landkreise“ bezeichneten Amtsbezirken wurden gleichzeitig Selbstverwaltungskörperschaften. Von 1939 bis 1972 bestanden die zwei Landkreise Mosbach und Buchen.
Im Zuge der Kreisreform 1973 und der sie begleitenden Gemeindereform wurden aus 67 Gemeinden des Landkreises Buchen und 53 Gemeinden des Landkreises Mosbach 27 zumeist vergrößerte Kommunen im badischen Odenwaldkreis gebildet. Einige Gemeinden der alten Landkreise wurden in die Nachbarlandkreise eingegliedert. So kam vom ehemaligen Landkreis Mosbach die Gemeinde Lindach zum Rhein-Neckar-Kreis, die Gemeinden Heinsheim, Neudenau, Herbolzheim, Stein am Kocher, Ruchsen, Korb und Unterkessach zum Landkreis Heilbronn. Der ehemalige Landkreis Buchen gab Krautheim, Winzenhofen, Gommersdorf, Klepsau, Horrenbach, Neunstetten und Oberndorf an den Hohenlohekreis ab. Schillingstadt, Berolzheim, Hohenstadt, Eubigheim und Buch am Ahorn gingen an den Main-Tauber-Kreis. Da es mit dem hessischen Odenwaldkreis zu Verwechslungen kommen konnte, wurde der neue Landkreis zum 10. September 1974 in Neckar-Odenwald-Kreis umbenannt.
Um den zukünftigen Kreissitz gab es ein heftiges Tauziehen. Am 23. Juli 1971 entschied sich der Landtag mit 60 zu 40 Stimmen bei 13 Enthaltungen für Mosbach, das zum 1. Juli 1976 Große Kreisstadt wurde und bis heute, gefolgt von der Stadt Buchen, die einwohnerstärkste Kommune im Landkreis ist. Weitere Städte sind Adelsheim, Osterburken, Ravenstein und Walldürn. Zwingenberg am Neckar ist die kleinste Gemeinde des Landkreises.
Im Mittelalter gehörte das heutige Kreisgebiet zum fränkischen Gau Wingarteiba. Für die an Bildstöcken reiche Region zwischen Main, Tauber und Neckar prägte der Heimatschriftsteller Hermann Eris Busse den Namen „Madonnenländchen“. Besonders das Gebiet des ehemaligen Landkreises Buchen, das bis Anfang des 19. Jahrhunderts zu den Fürstbistümern Mainz und Würzburg gehörte, war zu einem Zentrum der Marienverehrung geworden. Der frühere Landkreis Mosbach wurde stärker vom Protestantismus geprägt. Der Landstrich zwischen Neckar und Tauber wird seit dem 19. Jahrhundert umgangssprachlich auch „Badisch Sibirien“ genannt. Die ursprünglich abwertende Fremdbezeichnung, die sich aus dem Blick von der Karlsruher Residenz auf das nordostbadische Hinterland ergab, hat mittlerweile seine Bedeutung verloren und wird nur noch humorvoll und selbstbewusst im Sinne einer eigenen regionalen Identität gebraucht.
Einwohnerentwicklung rechts|mini|400x400px|Bevölkerungspyramide für den Neckar-Odenwald-Kreis (Datenquelle: Zensus 2011.Datenbank Zensus 2011, Neckar-Odenwald-Kreis, Alter + Geschlecht)
Die Einwohnerzahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamts Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Datum Einwohner 31. Dezember 1973 132.673 31. Dezember 1975 131.159 31. Dezember 1980 129.735 31. Dezember 1985 128.675 25. Mai 1987¹ 130.656 31. Dezember 1990 138.525 Datum Einwohner 31. Dezember 1995 146.782 31. Dezember 2000 149.424 31. Dezember 2005 150.628 31. Dezember 2010 147.006 31. Dezember 2015 142.936 31. Dezember 2020 143.797
Politik Der Landkreis wird vom Landrat verwaltet.
Kreistag Der Kreistag des Neckar-Odenwald-Kreises hat 42 Sitze, dazu kommen häufig Ausgleichssitze. Die Mitglieder werden von den Wahlberechtigten im Landkreis auf fünf Jahre gewählt, jeweils gleichzeitig mit den Gemeinderatswahlen.
Landrat mini|Landratsamt des Neckar-Odenwald-Kreises in Mosbach Der Landrat wird vom Kreistag für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Dieser ist gesetzlicher Vertreter und Repräsentant des Landkreises sowie Vorsitzender des Kreistags und seiner Ausschüsse. Er leitet das Landratsamt und ist Beamter des Kreises. Zu seinem Aufgabengebiet zählen die Vorbereitung der Kreistagssitzungen sowie seiner Ausschüsse. Er beruft Sitzungen ein, leitet diese und vollzieht die dort gefassten Beschlüsse. In den Gremien hat er kein Stimmrecht. Lediglich in beschließenden Ausschüssen darf der Landrat in Vorberatungen abstimmen. Sein Stellvertreter ist der Erste Landesbeamte.
Die Landräte des Neckar-Odenwald-Kreises seit 1973:
Amtszeit Name 1973–1981 Hugo Geisert 1981–1997 Gerhard Pfreundschuh 1997–2005 Detlef Piepenburg (parteilos) seit 2005 Achim Brötel (CDU)
Wappen und Flagge Blasonierung: gespalten: vorne Silber und Blau schräggerautet, hinten in Rot ein sechsspeichiges silbernes Rad (Wappen-Verleihung am 5. November 1975)
Bedeutung: Die Wappenbilder sind das Mainzer Rad des ehemaligen Erzstifts Mainz und die kurpfälzischen Rauten. Diese Herrschaften teilten sich das überwiegende Kreisgebiet bis Anfang des 19. Jahrhunderts, bevor es an Baden fiel.
Die Flaggenfarben des Neckar-Odenwald-Kreises sind Weiß-Blau.
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