Star Trek: Nemesis ist ein US-amerikanischer Science-Fiction-Film des Regisseurs Stuart Baird aus dem Jahr 2002. Es handelt sich um den zehnten Star-Trek-Kinofilm sowie den vierten und letzten Film, der auf der Fernsehserie Star Trek: The Next Generation basiert. Im Film entdeckt die Enterprise-Crew einen Prototyp des Androiden Data und muss gegen einen jungen Klon von Captain Picard kämpfen, der die Macht auf dem Planeten Romulus an sich gerissen hat und die Föderation mit einer Massenvernichtungswaffe bedroht.

Handlung Nach einem Anschlag auf den Senat von Romulus, dem Heimatplaneten der Romulaner, bei dem der Großteil der Senatoren getötet wird, ergreift Shinzon, ein Bewohner des unwirtlichen Bruderplaneten Remus, die Macht im Romulanischen Imperium. Während die Crew der Enterprise-E sich auf dem Weg nach Betazed befindet, um nach der Zeremonie auf der Enterprise die Hochzeit zwischen Troi und Riker auch dort zu feiern, fangen die Sensoren von einem Planeten im Föderationsterritorium, nahe der Grenze zur neutralen Zone, positronische Signale auf, die auf eine künstliche Lebensform hindeuten, die Data ähnlich sein müsste. Dort finden Picard, Data und Worf schließlich Androiden-Einzelteile und lassen sie auf der Enterprise zusammensetzen.

Der Android nennt sich B-4 und erweist sich als Prototyp von Data (im Englischen ergibt sich hier ein Wortspiel, da B-4 = be-four wie before (dt. vorher) ausgesprochen wird). Daraufhin erhält die Enterprise eine Transmission von Admiral Janeway, welche Picard mitteilt, dass das Sternenflottenkommando die Enterprise in einer diplomatischen Mission nach Romulus entsendet, da Shinzon einen Gesandten der Föderation erbeten hat und die Enterprise das nächste Schiff ist. Dort trifft die Crew auf Shinzon, der enthüllt, dass er kein Remaner oder Romulaner ist, sondern ein Klon von Jean-Luc Picard. Er war im Rahmen eines Projektes der Romulaner geschaffen worden, in dem der Captain der Enterprise (Picard) ersetzt werden sollte, um einen Spion im Herzen der Föderation zu haben und die Sternenflotte zu unterwandern. Das Projekt war aber schließlich fallen gelassen und Shinzon als Zwangsarbeiter auf Remus geschickt worden.

Shinzon gibt vor, sein „Vorbild“ Picard näher kennenlernen und Frieden mit der Föderation schließen zu wollen. Jedoch verfolgt er eigene Ziele und beamt Picard gegen dessen Willen auf sein Schiff, da er eigentlich Picards Körperzellen benötigt – deren DNS mit seiner logischerweise identisch ist –, um zu überleben. Sein Schiff Scimitar – ein stark umgebautes und verbessertes remanisches Raumschiff und der Enterprise taktisch überlegen – ist mit einer Thalaron-Matrix ausgestattet, einer Waffe, die Thalaron-Strahlung erzeugt, die tödlich für jegliche Lebensform ist. Der Senat von Romulus wurde mit einer kleineren Version ausgelöscht; die Thalaron-Matrix der Scimitar ist in der Lage, das Leben auf einem ganzen Planeten auszulöschen. Größenwahnsinnig geworden und um sich aus dem politischen Schatten seines „DNS-Spenders“ Picard zu befreien, will Shinzon das Weltall auf ewig verändern. So beabsichtigt er, die Erde mit dieser Waffe auszulöschen und die Föderation später für das romulanische Reich zu erobern. Shinzon hat B-4 so programmiert, dass er diesen kontrollieren kann. B-4 dient daher – ohne es selbst zu wissen – Shinzon als Handlanger und Spion auf der Enterprise. Da LaForge dies rechtzeitig bemerkt, gelingt es Data, an B-4s Stelle zu treten und Picard zu retten. Die Enterprise flieht schließlich in Richtung Föderationsgebiet, wo bereits andere Schiffe zur Verstärkung warten. In einem Nebel, der die Langstreckenkommunikation blockiert, wird sie von Shinzons Schiff angegriffen, wodurch der Warp-Antrieb außer Funktion gesetzt wird.

Es kommt zu einem Kampf, bei dem die Enterprise Unterstützung von zwei romulanischen Warbirds (Valdore-Klasse) erhält, deren Kommandeure offenbar zur Opposition gegen Shinzon gehören. Shinzons Schiff ist weit überlegen. Nachdem die Warbirds ausgeschaltet, die Schilde der Enterprise nahezu außer Funktion gesetzt und die letzten Photonentorpedos verschossen worden sind, rammt die Enterprise schließlich als letzte Möglichkeit Shinzons Schiff frontal, wobei beide Schiffe schwer beschädigt werden, jedoch bleibt die Primärwaffe der Scimitar einsatzbereit und soll nun gegen die Enterprise eingesetzt werden. Captain Picard lässt sich schließlich auf Shinzons Schiff beamen, wobei die Transporter der Enterprise durch Überlastung zerstört werden. Data springt daher durch den Weltraum hinüber zu Shinzons Schiff. Auf der Scimitar kommt es zu einem Showdown zwischen Picard und Shinzon, wobei Letzterer den Tod findet. Die Waffe ist aktiviert und würde in wenigen Sekunden jegliches Leben auf der Enterprise auslöschen. Data, der Picard inzwischen erreicht hat, schickt ihn mit dem Prototyp eines mobilen Ort-zu-Ort-Transporters zurück auf die Enterprise und opfert sich, indem er mit einem Phaser auf die Waffe feuert und somit eine Explosion auslöst, die Shinzons Schiff und ihn selbst völlig zerstört. Am Ende wird angedeutet, dass B-4 den Platz von Data einnehmen könnte, aber aufgrund seines geringeren Entwicklungsstandes kann er zunächst kein gleichwertiger Ersatz für Data sein.

Entstehung Für Stuart Baird, der hauptsächlich als Filmeditor bekannt ist, war es die dritte Regiearbeit nach Einsame Entscheidung und Auf der Jagd.

Baird zufolge entschloss sich Brent Spiner, Data in Übereinkunft mit den Drehbuchschreibern sterben zu lassen. Spiner begründete dies damit, dass er die Rolle des Androiden zwar gern gespielt habe, aber es schwer sei, die Spuren seines Alters mit Schminke zu vertuschen. Eigentlich sollte Data laut Roddenberrys Vorstellungen nie altern. Zuerst überlegten sich Spiner und die Drehbuchschreiber, ob Data möglicherweise altern und man dies in den Film einbauen könne, doch entschied man sich für Datas Tod. Die Autoren räumten Spiner jedoch ähnlich wie Spock in Star Trek II eine theoretische Rückkehrmöglichkeit ein, indem Data ein Backup seines Gedächtnisses auf B-4 transferiert.

Whoopi Goldberg wird – traditionell – nicht im Abspann erwähnt. Kate Mulgrew tritt in der Rolle von Admiral Kathryn Janeway (aus Star Trek: Voyager) via Bildschirm auf. Hollywood-Regisseur Bryan Singer hat einen Kurzauftritt. Er erscheint als Sternenflottenoffizier auf der Brücke der Enterprise.

Mit Star Trek: Nemesis komponierte Jerry Goldsmith zum fünften und letzten Mal den Soundtrack für einen Star-Trek-Kinofilm. Dieser war auch eines seiner letzten Werke vor seinem Tod. Im Vergleich zu früheren Arbeiten weist die Komposition eine eher düstere und dramatische Grundstimmung auf. Dabei kombiniert er orchestrale Elemente mit elektronischen Klängen. Elf Jahre nach der Erstveröffentlichung erschien 2014 eine erweiterte Deluxe Edition mit zusätzlichem Material.

Veröffentlichungen Der offizielle Werbespruch zum Film lautete „Die letzte Reise einer Generation beginnt“ („A Generation's Final Journey Begins“).

Der Film startete am 13. Dezember 2002 in Nordamerika und am 16. Januar 2003 in den deutschen Kinos.

Er spielte an den Kinokassen etwa 67,3 Millionen US-Dollar ein bei Produktionskosten von etwa 60 Millionen US-Dollar und galt als finanzieller Misserfolg.

Passend zum Film wurde im Februar 2003 das Videospiel Star Trek: Nemesis von Mforma veröffentlicht, bei dem der Spieler in der Rolle von Captain Picard das Kommando über die Enterprise-E übernimmt.

2005 erschien die Special-Collector’s-Edition-Doppel-DVD mit zahlreichen geschnittenen Szenen als Bonusmaterial: Wesley Crusher berichtet auf der Hochzeit, dass er auf die Titan versetzt wurde. Picard und Data unterhalten sich bei einem Glas Wein über Menschlichkeit, Veränderung und Lebensentscheidungen. Riker, Troi und Worf beobachten in Zehn Vorne Data und B-4. Shinzon unterhält sich mit dem Vizekönig über die Pläne zur Eroberung der Föderation. Es findet ein Dialog über diplomatische Vorgehensweisen statt. Die Unterhaltung zwischen Picard und Shinzon über die Möglichkeit des Friedens wird erweitert. Das Gespräch zwischen Picard und Crusher über den jungen Picard und Shinzon wird erweitert. Die Telepathie-Szene, in der Shinzon Troi im Turbolift angreift, wird erweitert. In der Krankenstation gibt es zusätzliche Vorbereitungen auf den bevorstehenden Kampf. Geordi und Worf räumen nach Datas Tod dessen Quartier aus und entdecken persönliche Gegenstände. Beverly Crusher erhält einen neuen Posten bei Starfleet Medical, was ihrer Beziehung zu Picard einen gewissen Abschied verleiht. Bevor Riker sein neues Kommando auf der Titan übernimmt, spielt er seinem Nachfolger einen Streich, und Picard begrüßt seinen neuen Ersten Offizier Martin Madden. Es gibt eine kurze Einführung zu den gelöschten Szenen durch den Produzenten Rick Berman.

Besetzung und Synchronisation Die deutschsprachige Synchronisation wurde von der Berliner Synchron hergestellt. Das Dialogbuch stammt von Lutz Riedel, der auch die Dialogregie führte. rahmenlos|150x150pxrahmenlos|150x150pxrahmenlos|150x150pxalternativtext=Dina Meyer|rahmenlos|150x150pxrahmenlos|150x150pxPatrick StewartBrent SpinerTom HardyDina MeyerRon Perlman

Rolle Darsteller Synchron­sprecher Captain Jean-Luc Picard Patrick Stewart Rolf Schult Commander William Riker Jonathan Frakes Tom Vogt Lieutenant Commander Data / B4 Brent Spiner Michael Pan Counselor Deanna Troi Marina Sirtis Eva Kryll Lieutenant Commander Geordi La Forge LeVar Burton Bernd Vollbrecht Lieutenant Commander Worf Michael Dorn Raimund Krone Dr. Beverly Crusher Gates McFadden Rita Engelmann Shinzon Tom Hardy Torsten Michaelis Commander Donatra Dina Meyer Andrea Solter Remanischer Vizekönig Ron Perlman Karl Schulz Commander Suran Jude Ciccolella Lutz Riedel Admiral Kathryn Janeway Kate Mulgrew Gertie Honeck Guinan Whoopi Goldberg Regina Lemnitz Prätor Hiren Alan Dale Joachim Kerzel Wesley Crusher Wil Wheaton Kritiken Die Kritiken von Star Trek: Nemesis fielen überwiegend negativ aus. In der Fangemeinschaft stieß der Film auf ein geteiltes Echo. Einerseits begeisterten die düstere Atmosphäre, die actionreiche Inszenierung und die Verwendung des Romulaner-Volkes zahlreiche Fans, andererseits kritisierten viele die Logikfehler, das atypische Verhalten der Stammfiguren und die oberflächliche Handlung. Der Film wurde als ein guter Sci-Fi-Film bezeichnet, der aber kaum Star-Trek-typische Eigenheiten enthalte.

Das Science-Fiction-Portal SF-Fan.de kritisierte, dass die Versprechungen von John Logan und Rick Berman, wonach der Film ein würdiges Fest für Fans werden sollte, nicht eingehalten wurden. Zwar biete er anständige Schauspieler, nette Spezialeffekte und schöne Aufnahmen, scheitere jedoch am eigenen Anspruch und der langweiligen und unlogischen Handlung und sei zurecht ein finanzieller Flop. Prophezeit wurde auch, dass dies der letzte Star-Trek-Film für die nächsten Jahre sei.

Auch Filmkritiker Roger Ebert zeigte sich enttäuscht: Star Trek sei früher „ziemlich grandios“ gewesen, nun aber „eine Kopie einer Kopie einer Kopie“

Für das Lexikon des internationalen Films ist Star Trek: Nemesis ein „ohne erkennbare oder gar nachvollziehbare Begeisterung inszeniertes Science-Fiction-Abenteuer“, das sowohl die „Attraktivität der Bilder“ als auch die „Überzeugungskraft des Drehbuchs“ und die „Leistung mancher Darsteller“ sträflich vernachlässige.

Prisma bemängelt, dass Bairds Weltraumabenteuer sich eher wie eine erweiterte TV-Episode mit akzeptablen Darstellern und einer wenig spannenden Geschichte anfühle, die mit ihren Nebensträngen nur Star-Trek-Fans anspreche. Gelungen seien zumindest die finsteren Weltraum-Bilder.

Positiver ist die Bewertung von Cinema, wo der Film als „besser als Der Aufstand, aber schwächer als Der erste Kontakt“ eingeordnet wurde. Kritisiert wird „eine arg zerredete erste Hälfte“, auf die jedoch ein „umso furioseres Finale“ folge.