mini|hochkant=1.4|Späte Liang-Dynastie (gelb) und Nachbarkönigreiche, 923 n. Chr. Die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Reiche () von 907 bis 960 war eine Zeit des politischen Umsturzes in China, nach dem Ende der Tang-Dynastie bis zur Gründung der Song-Dynastie. In kürzester Zeit folgten fünf Dynastien aufeinander, und mehr als ein Dutzend unabhängige Staaten entstanden im Süden des Landes, wobei traditionell nur zehn davon Erwähnung finden (daher auch der Name „Zehn Reiche“).
Überblick Die Fünf Dynastien: Spätere Liang-Dynastie (907–923) Spätere Tang-Dynastie (923–936) Spätere Jin-Dynastie (936–947) Spätere Han-Dynastie (947–951) Spätere Zhou-Dynastie (951–960)Die Zehn Reiche: Wu-Reich Wuyue-Reich Min-Reich Chu-Reich Südliches Han-Reich Früheres Shu-Reich Späteres Shu-Reich Jingnan-Reich Südliches Tang-Reich Nördliches Han-ReichAndere Reiche: Yan-Reich Qi-Reich Chengde Jiedushi (auch bekannt als Zhao) Yiwu Jiedushi Dingnan Jiedushi Wuping Jiedushi Qingyuan Jiedushi Yin-Reich Ganzhou-Reich Shazhou-Reich Liangzhou-Reich
Vorgeschichte Diese Zeit war ein direktes Ergebnis der politischen Unterschiede am Ende der Tang-Dynastie. Die Macht wanderte immer mehr aus den Händen der kaiserlichen Regierung hin zu regionalen Militärgouverneuren (Jiedushi). Die Huang-Chao-Rebellion (875–884), die große Gebiete verwüstete, bedeutete einen schweren Schlag gegen die Zentralregierung. Der machtlose Tang-Kaiser kehrte wieder in die Hauptstadt zurück, stand aber unter der Herrschaft seiner Eunuchen und Militärs. Im frühen 10. Jahrhundert verlor die Zentralregierung fast jede Macht über die mächtigen Jiedushi, sodass diese quasi unabhängig walten konnten.
Der Norden mini|hochkant=3|Ausschnitt des Gemäldes Die nächtlichen Vergnügungen des Han Xizai von Gu Hongzhong, 10. Jahrhundert Zu der Zeit war Zhu Wen der mächtigste Kriegsherr im Norden Chinas. Ursprünglich ein Mitglied der Rebellenarmee des Huang Chao, wechselte er die Seiten und erwies sich für die Tang-Dynastie als ausschlaggebend in der Niederschlagung der Rebellion. Dafür erhielt er den Titel Xuanwu Jiedushi. Innerhalb weniger Jahre gelang es ihm, seine Macht zu konsolidieren, seine Nachbarn zu erobern und eine Verlegung der kaiserlichen Hauptstadt nach Luoyang innerhalb seines Machtbereichs zu erzwingen. 904 ließ er Kaiser Zhaozong ermorden und ersetzte ihn durch dessen 13-jährigen Sohn, der drei Jahre als Marionette regierte, bis er ihn 907 zwang, zu seinen Gunsten abzudanken. Damit begründete er die Spätere Liang-Dynastie mit sich selbst als erstem Kaiser.
Inzwischen hatten mehrere seiner Rivalen ebenfalls unabhängige Reiche ausgerufen, und nicht alle unter ihnen akzeptierten die neu-gegründete Dynastie als Oberhaupt. Besonders Li Cunxu und Liu Shouguang forderten das neue Regime heraus und kämpften um die Vormacht in Nordchina – Li Cunxu mit Erfolg: Nach dem Sieg über Liu Shouguang erklärte sich Li Cunxu 923 selbst zum Kaiser, fegte die Spätere Liang-Dynastie hinweg und ersetzte sie durch die Spätere Tang-Dynastie. Unter seiner Herrschaft wurde ein Großteil des Nordens wiedervereint, und um 925 gelang es Li Cunxu sogar, das Gebiet der frühen Shu im Süden Chinas (Provinz Sichuan) zu erobern.
Anschließend herrschte einige Jahre relativer Frieden.
Bald jedoch brachen wieder Unruhen aus: 934 erklärte sich Sichuan wieder für unabhängig, 936 rebellierte Shi Jingtang, Kriegsherr (Jiedushi) in Taiyuan, mit Hilfe des Chitan-Kaisers der Mandschurei. Als Gegenleistung versprach Shi Jingtang den Chitan 16 Präfekturen im Gebiet des Youyun (heute Hebei und Peking) sowie einen jährlichen Tribut. Die Rebellion war erfolgreich, und Shi Jingtang wurde im selben Jahr Kaiser von China und Begründer der Späteren Jin-Dynastie. Die Chitan allerdings betrachteten mit der Zeit die Späteren Jin immer weniger als Verbündete, sondern immer mehr als ihre Stellvertreter in China. 943 beschlossen sie, die Regierung selbst in die Hand zu nehmen und drangen innerhalb von drei Jahren bis in die Hauptstadt Kaifeng vor, was das Ende der Späteren Jin-Dynastie bedeutete.
Danach jedoch konnten oder wollten die Chitan die eroberten Gebiete in China nicht halten und zogen sich bereits Anfang des folgenden Jahres zurück. Der Jiedushi Liu Zhiyuan füllte das so entstandene Machtvakuum und rief 947 die Spätere Han-Dynastie aus – die kurzlebigste der fünf Dynastien, denn ein Putsch brachte bereits 4 Jahre später General Guo Wei auf den Thron, den Begründer der Späteren Zhou-Dynastie. Ein Mitglied der Späteren Han allerdings, Liu Chong, gründete als Nördliche Han ein Gegenreich in Taiyuan und rief im Kampf gegen die Späteren Zhou wieder die Chitan zu Hilfe. Nach Tod von Guo Wei 951 übernahm dessen Adoptivsohn Chai Rong den Thron und verfolgte eine Politik der Expansion und Wiedervereinigung. 954 besiegte er die vereinigte Streitmacht der Chitan und der Nördlichen Han; zwischen 956 und 958 fügte er den südlichen Tang – zu der Zeit die mächtigste Gruppierung in Südchina – schwere Niederlagen zu und zwang sie, alle Gebiete nördlich des Jangtsekiang abzutreten. 959 griff Chai Rong das Kaiserreich der Chitan an, mit dem Ziel, die von den Späten Jin abgetretenen Gebiete zurückzuerobern. Nach einer Reihe von Siegen fiel er allerdings einer Krankheit zum Opfer.
960 endete die Zeit der Fünf Dynastien und Zehn Königreiche mit dem Putsch und der Machtübernahme durch General Zhao Kuangyin (Nördliche-Song-Dynastie). In den folgenden zwei Jahrzehnten gelang es Zhao Kuangyin und seinem Nachfolger Zhao Kuangyi, alle übrigen Reiche in China zu unterwerfen, und nach der Niederlage der Nördlichen Han 979 China vollständig wieder zu vereinen.
Der Süden Im Gegensatz zu Nordchina, wo die Dynastien in rasantem Wechsel aufeinander folgten, bestanden die unterschiedlichen Reiche in Südchina mehr oder weniger nebeneinander auf verschiedenen abgegrenzten geographischen Gebieten: So bestand um 920 das Reich Wu auf dem Gebiet der heutigen Provinzen Jiangsu, Anhui, und Jiangxi. Wuyue dagegen belegte die heutige Provinz Zhejiang, Min die Provinz Fujian, das südliche Han bedeckte Guangdong, Chu lag in Hunan, Jingnan erstreckte sich über Jiangling Provinz Hubei und das frühe Shu lag im heutigen Sichuan. Sichuan fiel 925 unter die Kontrolle des Nordens, erlangte aber 934 seine Unabhängigkeit als Spätes Shu wieder.
mini|A Literary Garden, Gemälde von Zhou Wenju, Südliche-Tang-Dynastie
Wenngleich der Süden stabiler war als der Norden, wurde doch auch Südchina von Kriegen erschüttert. Wu kämpfte mit allen Nachbarn, ein Kampf, der sich fortsetzte, als die Südlichen Tang das Gebiet 937 eroberten. Um 940 nutzen die Südlichen Tang die internen Krisen der Min und Chu, um sich beide Reiche der Reihe nach einzuverleiben. Damit waren sie zum mächtigsten Regime in Südchina aufgestiegen. Dennoch konnten sie den Einfall der Späten Zhou-Dynastie nicht abwehren und verloren zwischen 956 und 958 alle Gebiete nördlich des Jangtsekiangs.
Die Nördliche Song-Dynastie, begründet um 960, hatte sich die Wiedervereinigung Chinas als oberstes Ziel gesetzt: Jingnan und Wuping wurden 963 überrannt; die Späten Shu folgten 965, die Südlichen Han um 971, die Südlichen Tang 975. Schlussendlich mussten auch Wuyue und Qingyuan ihr Land an die Nördlichen Song abtreten. Damit war 978 der gesamte Süden Chinas in den Händen einer Zentralregierung.
Herrscher der Fünf Dynastien und der Zehn Reiche Tempelname() Postumer Name() Persönlicher Name Regierungszeit Ära () und entsprechende Jahre Fünf Dynastien Spätere Liang-Dynastie 907–923 Tài Zǔ – Zhū Wēn oder
Zhū Huàng 907–912 Kāipíng (907–911) Qiánhuà (911–912) – Mò Dì Zhū Zhèn 913–923 Qiánhuà (913–915) Zhēnmíng (915–921) Lóngdé (921–923) Spätere Tang-Dynastie 923–936 Zhuāng Zōng – Lǐ Cúnxù 923–926 Tóngguāng Míng Zōng – Lǐ Sìyuán oder Lǐ Dǎn 926–933 Tiānchéng (926–930) Chángxīng (930–933) – Mǐn Dì Lǐ Cónghòu 933–934 Yìngshùn – Mò Dì Lǐ Cóngkē 934–936 Qīngtài Spätere Jin-Dynastie 936–947 Gāo Zǔ – Shí Jìngtáng 936–942 Tiānfú – Chū Dì Shí Chóngguì 942–947 Tiānfú (942–944) Kāiyùn (944–947) Spätere Han-Dynastie Hòu Hàn 936–947 Gāo Zǔ – Liú Zhīyuǎn 947–948 Tiānfú (947) Qiányòu (948) – Yǐn Dì Liú Chéngyòu 948–950 Qiányòu Spätere Zhou-Dynastie 951–960 Tài Zǔ – Guō Wēi 951–954 Guǎngshùn (951–954) Xiǎndé (954) Shì Zōng – Chái Róng 954–959 Xiǎndé – Gōng Dì Chái Zōngxùn 959–960 Xiǎndé Zehn Reiche Wuyue-Reich 904–978 Tài Zǔ Wǔsù Wáng Qián Liú 904–932 Tiānbǎo (908–923) Bǎodà (923–925) Bǎozhèng (925–932) Shìzōng Wénmù Wáng Qián Yuánquàn 932–941 – Chéngzōng Zhōngxiàn Wáng Qián Zuǒ 941–947 – – Zhōngxùn Wáng Qián Zōng 947 – – Zhōngyì Wáng Qián Chù 947–978 – Min-Reich 909–945 mit Yin-Reich 943–945 Tàizǔ Zhōngyì Wáng Wáng Shěnzhī 909–925 – – – Wáng Yánhàn 925–926 – Tàizōng Huìdì Wáng Yánjūn 926–935 Lóngqǐ 933–935 Yǒnghé 935 Kāngzōng – Wáng Jìpéng 935–939 Tōngwén Jǐngzōng – Wáng Yánxī 939–944 Yǒnglóng – Tiāndé Dì (als Kaiser von Yin) Wáng Yánzhèng 943–945 Tiāndé Jingnan- oder Nanping-Reich 906–963 – Wǔxìn Wáng Gāo Jìxīng 909–928 – – Wénxiàn Wáng Gāo Cónghuì 928–948 – – Zhēnyì Wáng Gāo Bǎoróng 948–960 – – Shìzhōng Gāo Bǎoxù 960–962 – – – Gāo Jìchōng 962–963 – Chu-Reich 897–951 – Wǔmù Wáng Mǎ Yīn 897–930 – – Héngyáng Wáng Mǎ Xīshēng 930–932 – – Wénzhāo Wáng Mǎ Xīfàn 932–947 – – Fèidì 废帝 Mǎ Xīguǎng 947–950 – – Gōngxiào Wáng Mǎ Xī'è 950 – – – Mǎ Xīchong 950–951 – Wu-Reich 904–937 Tài Zǔ Xiàowǔ Dì Yáng Xíngmì 904–905 Tiānyòu Liè Zōng Jǐng Dì Yáng Wò 905–908 Tiānyòu Gāo Zǔ Xuān Dì Yáng Lóngyǎn 908–921 Tiānyòu (908–919) Wǔyì (919–921) – Ruì Dì Yáng Pǔ 921–937 Shùnyì (921–927) Qiánzhēn (927–929) Dàhé (929–935) Tiānzuò (935–937) Südliches Tang-Reich 937–975 Xiān Zhǔ oderLiè Zǔ – Lǐ Biàn 937–943 Shēngyuán () Zhōng Zhǔ oderYuán Zōng – Lǐ Jǐng 943–961 Bǎodà (943–958) Jiāotài (958) Zhōngxīng (958) Hòu Zhǔ Wǔ Wáng Lǐ Yù 961–975 – Südliches Han-Reich 917–971 Gāo Zǔ Tiān Huáng Dà Dì Liú Yán 917–925 Qiánhēng (917–925) Báilóng (925–928) Dàyǒu (928–941) – Shāng Dì Liú Fēn 941–943 Guāngtiān Zhōng Zōng – Liú Chéng 943–958 Yìngqián (943) Qiánhé (943–958) Hòu Zhǔ – Liú Cháng 958–971 Dàbǎo Nördliches Han-Reich (Bei) 951–979 Shì Zǔ Shén Wǔ Dì LiúMín 951–954 Qiányòu 951–954 Ruì Zōng 睿宗 Xiào Hé Dì 孝和帝 LiúChéng Jūn 劉承鈞 954–970 Qiányòu 乾祐 954–957 Tiānhuì 天會 957–970 Shào Zhǔ 少主 – LiúJì Ēn 劉繼恩 970 – – Yīng Wǔ Dì 英武帝 LiúJì Yuán 劉繼元 970–982 Guǎngyùn 廣運 970–982 Früheres Shu-Reich (Qian) 907–925 Gāo Zǔ 高祖 – Wáng Jiàn 王建 907–918 Tiānfù 天復 907 Wǔchéng 武成 908–910 Yǒngpíng 永平 911–915 Tōngzhèng 通正 916 Tiānhàn 天漢 917 Guāngtiān 光天 918 Hòu Zhǔ 後主 – Wáng Yǎn 王衍 918–925 Qiándé 乾德 918–925 Xiánkāng 咸康 925 Späteres Shu-Reich (Hou) 934–965 Gāo Zǔ 高祖 – Mèng Zhī Xiáng 孟知祥 934 Míngdé 明德 Hòu Zhǔ 後主 – Mèng Chǎng 孟昶 938–965 Míngdé 明德 934–938 Guǎngzhèng 廣政 938–965
Quellenausgaben Yin Shu (chin. 尹洙), Frühling und Herbst der Fünf Dynastien Wudai Chunqiu (chin. 五代春秋) in 2 Kapiteln in Zhou Guangpei, Lidai biji xiaoshuo jicheng (chin. 历代笔记小说集成), Verlag Hebei Jiaoyu Chubanshe, Shijiazhuang 1994, ISBN 7-5434-2092-9.
Literatur Frederick W. Mote: Imperial China 900–1800. Harvard University Press, Cambridge (Mass.) 1999, ISBN 0-674-44515-5.
Weblinks
Funf Dynastien Und Zehn Reiche