mini|Constantin Meunier, porträtiert von Max Liebermann
Constantin Émile Meunier (* 12. April 1831 in Etterbeek bei Brüssel; † 4. April 1905 in Ixelles) war ein belgischer Bildhauer und Maler. Sein Werk ist dem Naturalismus, aber auch dem Realismus zuzuordnen.
Leben und Werk mini|La Glèbe, 1872, Pastell auf Papier, 55 × 80 cm, Sammlung Maus, Musée d’Ixelles mini|Im schwarzen Land, um 1893, Öl auf Leinwand, 81 × 94,5 cm, Musée d’Orsay, Paris mini|Grauwvuur (Grubengas) Constantin Meunier studierte 1845 bis 1854 an der Académie royale des Beaux-Arts in Brüssel und am Atelier libre Saint-Luc. 1848 besuchte er den Kurs des Kupferstechers Luigi Calamatta in Brüssel. Damit folgte er dem Beispiel seines älteren Bruders Jean-Baptiste Meunier.
Er war drei Jahre lang Gehilfe des Bildhauers Charles Auguste Fraikin und absolvierte eine fast achtjährige Ausbildung beim Maler François-Joseph Navez. Die Malerei eröffnete eine künstlerische Berufslaufbahn, die weniger vorbestimmt war als jene der Bildhauerei, weshalb er sich ab 1851/1853 und für die nächsten 30 Jahre ausschließlich der Malerei und dem Zeichnen widmete. Als Maler schuf er zunächst vornehmlich Bilder mit religiösen Themen.
1868 gründete er mit weiteren belgischen Avantgardisten – darunter Charles de Groux und Félicien Rops – die Société Libre des Beaux-Arts in Brüssel, um sich von den Zwängen der akademischen Malerei und ihres vorgeschriebenen Themenkatalogs zu befreien. Wegweisend war für sie die Kunst von Gustave Courbet.
1878 lud ihn Daniel de Groux nach Herstal ein, wo er sich erstmals bewusst mit der Situation der Arbeiter konfrontierte. 1880 stellte Meunier im Salon in Gent aus und hatte 1896 großen Erfolg in Paris. Auf Ersuchen der belgischen Regierung ging er nach Sevilla, wo er von Oktober 1882 bis April 1883 blieb. Dort musste er eine Kopie von Pedro de Campañas Abstieg vom Kreuz anfertigen. Meunier skizzierte und malte in Andalusien eine Vielzahl von farbenfrohen Szenen und Volksbildern. Im spanischen Süden lernte er Théo van Rysselberghe, Frantz Charlet und den einheimischen Maler Darío de Regoyos kennen, die zusammen nach Marokko reisten.
Er war Freimaurer (17. Januar 2010) und gehörte der Loge Les Amis Philanthropes in Brüssel an. 1881 bis 1886 schuf er Holzschnitte für die französische Wochenzeitschrift Le Tour du monde (1888 in den Band La Belgique integriert). Camille Lemonnier beauftragte ihn, den 1882 erschienenen Roman Un Mâle zu illustrieren. Meunier besuchte die metallverarbeitende Industrie in den Cockerill-Werken in Seraing, die Glashütten im Kloster Val-St-Lambert und die Kohlebergwerke in der Region Borinage. Diese industrielle Welt und die harte Arbeit der Kohlearbeiter haben ihn tief beeindruckt, ganz im Einklang mit dem Aufkommen der sozialen Bewegung in dieser Zeit. Von nun an widmete er sich der Darstellung des Arbeiters. Er entwickelte sich von seinen Historienbildern zum sozialen Realismus. Im Jahr 1880 stellte er auf dem Salon in Gent mit großem Erfolg eine Reihe von Gemälden über die harten Lebensbedingungen der Arbeiter in Kohlebergwerken und Hochöfen aus.
Im Jahr 1885 kehrte er zur Bildhauerei zurück. Er fand, dass diese Ausdrucksform besser geeignet war, um die Arbeiter in den Blick zu rücken. Ein Besuch im Hafen von Antwerpen hatte ihn davon überzeugt, dass er nur in dieser Disziplin die Stärke und Härte ihres Daseins ausreichend zum Ausdruck bringen konnte. Eine seiner bekanntesten Skulpturen, „De Buildrager“ (1885), die Hafenarbeiter symbolisiert, steht in der Suikerrui-Straße in Antwerpen.
1887 wurde er vom Rat der Stadt Löwen (Leuven, Louvain) zum Lehrer an der Academie Louvain ernannt. Bis 1896 war er Professor. Ebenfalls 1887 illustrierte er Le Mort von Lemonnier. Die Stadt Löwen stellte ihm einen Wohnsitz und ein Atelier zur Verfügung: das ehemalige anatomische Amphitheater, das 1744 von Rektor Rega der Universität Löwen errichtet wurde. Diese Einrichtungen und das mit seiner Lehrtätigkeit verbundene regelmäßige Einkommen ermöglichten es ihm, sich intensiv der Malerei und Bildhauerei zu widmen. So entstanden während seines Aufenthalts in Löwen zahlreiche wichtige Werke.
Am 4. März 1887 kamen bei einer Tiefdruckexplosion in der Kohlengrube La Boule in Quaregnon 113 Bergleute ums Leben. Meunier war Zeuge des erschütternden Moments, als eine Mutter ihren Sohn unter den Toten erkannte. Diese Tragödie hat ihn tief beeindruckt und er hat sie mit großer Eindringlichkeit in der Skulptur „Grauwvuur (Grubengas)“ dargestellt (Original aus Gips im Museum Löwen, Inv. Nr. C/252, die Bronzeversion im Königlichen Museen der Schönen Künste, Brüssel). 1889 wurden Skulpturen für das Denkmal der Arbeit geschaffen, das nach seinem Tod auf der Van-Praet-Brücke in Laeken aufgestellt wurde. Für Louis Delmer illustrierte er den Roman Der Sohn des Streikenden (Brüssel 1889), dabei half ihm der Sohn Karl, der die Zeichnungen in Holzschnitte übertrug. Karl und sein zweiter Sohn Georges starben 1894.
1895 ließ er sich wieder in Brüssel nieder. Ein Jahr später stellte er seine Werke in Paris aus. Constantin Meuniers Ruhm als Bildhauer übertraf seinen Ruf als Maler oder Grafiker, obwohl er in beiden Disziplinen jeweils Meisterwerke des sozialen Realismus schuf.
Der Galerist Siegfried Bing ermöglichte 1896 eine Einzelausstellung mit guten Verkäufen seiner Werke. 1897 stellte er mit seinem Künstlerfreund Henry van de Velde an der Internationalen Kunstausstellung in Dresden aus. Meunier wurden im Ausstellungspalast zwei große Säle für eine Gesamtschau seines Schaffens zur Verfügung gestellt, das vom Publikum begeistert aufgenommen wurde. Auf der Rückreise von Dresden besuchten sie van de Veldes Freund Curt Hermann in Berlin. 1899 wurde er zum Mitglied der Königlichen Akademie von Belgien gewählt. Ab 1900 wohnte er in einem eigens gebauten Atelierhaus in Ixelles, im selben Jahr starb sein Bruder Jean-Baptiste. Die idealisierte Darstellung von arbeitenden Menschen wurde im 20. Jahrhundert im sozialistischen Realismus weitergeführt. Er gilt als der bedeutendste belgische Bildhauer des 19. Jahrhunderts neben George Minne.
Nachleben In seinem von ihm selbst entworfenen Wohnhaus in Ixelles (Brüssel) befindet sich das 1939 gegründete Musée Meunier, das seine Werke bewahrt. 1931 wurde in seinem Heimatort Etterbeek ein Denkmal Meuniers von Edmond de Valériola aufgestellt. Von 1982 bis 1998 war die 500 Francs-Banknote in Belgien Meunier gewidmet.500-BEF-Banknote Abgerufen am 13. August 2022
Der Asteroid (10079) Meunier wurde nach ihm benannt.
Werke mini|hochkant|Der Hafenarbeiter, 1890 mini|hochkant|Der Sämann im Botanischen Garten von Brüssel
Der Puddler (Wien, Österreichische Galerie, Inv. Nr. 8078), 1887, Bronze, 48,2 cm Der Hafenarbeiter, Frankfurt am Main, Friedensbrücke, 1890, BronzeDer stolze Malocher vom Main in: FAZ vom 18. Januar 2012, Seite 37 Der Sämann, Frankfurt am Main, Günthersburgpark, 1890, Bronze Der Sämann, Berlin, Nationalgalerie, 1896, Bronze Monument au Travail, Brüssel (1930 errichtet) Der Schnitter, Brüssel, Parc du Cinquantenaire Pferd an der Tränke, 1899, Brüssel, Square Ambiorix Der Lastträger (Wien, Österreichische Galerie, Inv. Nr. 764), 1905, Bronze, 225 cm Lastenträger, Bronze, seit 1901 Albertinum, Dresden, aufgestellt im Neustädter Hafen in Dresden
Literatur Walther Gensel: Constantin Meunier. In: Velhagen & Klasings Monatshefte. Jg. 17 (1902/03), Bd. 1, Heft 5, Januar 1903, S. 545–560. Konstantin Meunier. In: Der Wahre Jacob. Nr. 755 vom 25. Juni 1915, S. 8710–8712 (Digitalisat). Constantin Meunier 1831–1905. Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen. Ausstellungskatalog. Ernst-Barlach-Haus, Hamburg 1998.
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