Der Erzberg ist ein Berg in der steirischen Stadt Eisenerz in der Gebirgsgruppe der Eisenerzer Alpen.

Mindestens seit dem 11. Jahrhundert wird am Erzberg Eisenerz abgebaut, hauptsächlich Siderit. Es handelt sich dabei um den größten Eisenerztagebau Mitteleuropas und das größte Sideritvorkommen weltweit. Der auch „Steirischer Brotlaib“ genannte Berg stellt damit auch heute noch die wichtigste wirtschaftliche Grundlage in einer sonst strukturschwachen Region dar.

Dem Erzberg verdanken wichtige österreichische Institutionen wie die Voestalpine mit ihren Stahlwerken in Linz und Leoben-Donawitz sowie die Montanuniversität Leoben ihre Existenz. Er war auch Grundlage des wirtschaftlichen Aufschwungs der Region Eisenwurzen und der östlichen Obersteiermark vom 16. bis zum 20. Jahrhundert.

Geologie Der Erzberg gehört zur Grauwackenzone. Er gilt als das größte Sideritvorkommen (FeCO3) der Welt. Neben Siderit besteht das abgebaute Material etwa aus Ankerit und eisenreichem Dolomit (Rohwand). Aufgrund dieser Durchmischung mit weniger eisenreichen Mineralien beträgt der Eisengehalt nur zwischen 22 und 40 %, im Durchschnitt etwa 33,5 %.

Mit insgesamt 250 Mitarbeitern werden im etagenförmigen Tagebau jährlich etwa 12 Millionen Tonnen Gestein gewonnen und zu drei Millionen Tonnen Feinerz verarbeitet, die per Eisenbahn nach Linz und Leoben-Donawitz transportiert werden.Eisenerz – der wichtigste Rohstoff für die Eisen- und Stahlindustrie (PDF; 89 kB) bei VOESTALPINE abgerufen am 8. Februar 2013

Nutzungsgeschichte Gründungslegenden mini|Der Erzberg mit der Stadt Eisenerz im Vordergrund mini|Die Anlagen zur Aufbereitung des Erzes Vermutlich wurde bereits zur Zeit der Römer hier (in kleinerem Rahmen als am Hüttenberger Erzberg in Kärnten) Erzgestein abgebaut. Das norische Eisen (Ferrum Noricum) war ein geschätzter Rohstoff für Waffen des Römischen Heeres. Ob Plinius der Ältere (gest. 79 n. Chr.) den steirischen Erzberg meinte, als er vom „norischen Erz“ sprach, kann nicht mit Sicherheit beantwortet werden. Auf der heutigen Feistawiese konnten drei Schmelzöfen aus römischer Zeit nachgewiesen werden. Münzfunde und Tongefäße zeigen, dass hier zur Zeit Kaiser Konstantins Handel betrieben wurde.

Seit etwa 400 Jahren wird dem Erzabbau in der Stadt Eisenerz das wahrscheinlich legendenhafte Gründungsdatum 712 zugeschrieben. Die heutige Einschätzung reicht von „reiner Gelehrtenerfindung“ bis zur Annahme eines Bergbaubetriebes in der Slawenzeit. Historische Flurnamen und Funde von Resten historischer Schmelzen mit Eisenschlacken im Bereich der Eisenerzer Alpen lassen darauf schließen, dass bereits die Karantaner hier Erzabbau und Schmelzöfen betrieben haben.

In der im Jahr 1512 eingeweihten Eisenerzer Oswaldikirche soll sich früher eine Inschrift befunden haben, die die Gründung des Erzabbaues mit dem Jahr 712 dokumentierte. Das sonderbar genaue Datum könnte durch eine Verwechslung mit der Jahreszahl der Kircheneinweihung zu erklären sein, da die spätgotischen Ziffern 5 und 7 sehr ähnlich geschrieben wurden und damals die Tausenderzahl meist weggelassen wurde. Der Innerberger Hauptgewerkschaft kam dies gelegen, so dass sie im Jahre 1712 feierliche Millenniumsfeiern abhalten konnte. Inwieweit die damals vorhandenen Geschichtsquellen falsch aufgefasst oder bewusst erweitert wurden, ist heute nicht mehr eindeutig zu klären.Dr. Josef Hasitschka: Die Erfindung des Steirischen Erzberges um das Jahr 712 in „res montanarum Sonderband 2012 Montanhistorischer Verein Österreich“ S11ff. S. 11

Erzabbau seit dem Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Erzberg im Jahr 1171.

Im 14. Jahrhundert wurden durch Verfügung des Landesfürsten der Abbau des Eisenerzes am steirischen Erzberg, die Erzeugung des Roheisens und die Weiterverarbeitung klar geordnet. Die obere Berghälfte wurde vom südlich gelegenen Vordernberg aus erschlossen, während der untere Teil von Innerberg, dem heutigen Eisenerz, ausgebeutet wurde. Eine waagerechte Linie in 1186 m Seehöhe, die sogenannte Ebenhöhe, unterteilte ab dem 25. Juli 1524 den Berg. Eine Eisenordnung, erlassen 1448, führte auch zu einer Teilung der Absatzgebiete. Nordeuropa wurde von Innerberg aus beliefert, während Südosteuropa, über Venedig bis in die Levante, Eisen aus Vordernberg erhielt.

Der Eisenhandel konzentrierte sich in Steyr und Leoben, die sich diesbezüglich als privilegierte Zentren durchsetzen konnten. Schon im Jahre 1287 erhielt Steyr vom Landesfürsten das Große Privileg für den Handel mit Innerberger Eisen und 1314 Leoben für den Handel mit dem Vordernberger Eisen.

Ab 1625 betrieb die Innerberger Hauptgewerkschaft den Erzabbau im Eisenerzer Revier.

Ab dem 19. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert erlebte die Eisengewinnung durch die Initiativen von Erzherzog Johann – selbst Besitzer eines Radwerkes in Vordernberg – einen großen Aufschwung, von dem die gesamte Region profitierte.

Nachdem die Innerberger Hauptgewerkschaft in der Österreichisch-Alpinen Montangesellschaft (ÖAMG) aufgegangen war, übernahm und forcierte diese den Abbau am Erzberg. Der Bergbau wechselte gemeinsam mit der ÖAMG mehrfach den Besitzer und stand zeitweilig unter dem Einfluss von Managern wie Karl Wittgenstein oder Hugo Stinnes, nachdem der zur Mannschaftsbeförderung dienende Hugo Stinnes-Aufzug benannt worden war.

Nach dem Beginn der NS-Herrschaft in Österreich ging die Alpine-Montangesellschaft in den Reichswerken Hermann Göring auf. Diese errichteten in Linz ein Stahlwerk und intensivierten den Abbau am steirischen Erzberg, wobei auch mehrere hundert Zwangsarbeiter zum Einsatz kamen. Ein eigenes Konzentrationslager (KZ-Außenlager Eisenerz) als Außenstelle des KZ Mauthausen wurde errichtet. Zu Spitzenzeiten im Sommer 1944 arbeiteten 469 KZ-Häftlinge am Erzberg, sie wurden zu Arbeiten im Bergbau, Bauarbeiten und zu Schneeräumarbeiten auf der Erzbergbahn eingesetzt. Auf dem Präbichl befindet sich eine Gedenkstätte für die bei einem Todesmarsch umgekommenen Häftlinge.

Nach dem Kriegsende kam es zu Requirierungen der sowjetischen Besatzungsmacht, der u. a. neben Maschinen und Gerätschaften auch relativ neue elektrische Lokomotiven der Gruben- und Förderbahnen zum Opfer fielen. Es begann unter schwierigsten Bedingungen – Material, Personal, Rohnstoff und Energiemangel – der Wiederaufbau des Betriebes. 1947 mussten sogar zeitweise italienische Arbeitskräfte als Aushilfe eingestellt werden, im März dieses Jahres begann man wieder damit, Erz in die Stahlwerke nach Linz und Donawitz zu versenden. In der Nachkriegszeit erlebte der Bergbau eine große Blütezeit, es folgten schrittweise die Modernisierung des Bergbaus sowie die Reduktion der Arbeitszeit auf zunächst 45 Stunden (1958).

Noch in den 1970er Jahren waren rund 4.000 Menschen am Erzberg beschäftigt, 1975 erfolgt die Einführung der 40-Stunden-Woche. In den folgenden gut zwei Jahrzehnten kam es jedoch aufgrund der Krise der verstaatlichten Industrie sowie der Stahlkrise zu einem schleichenden Niedergang des Bergbaus. Die Förderung wurde auf gleislosen Betrieb mit Haulys umgestellt, der Erzverkehr auf der Erzbergbahn beendet und eine neue Verladeanlage in Münichtal errichtet. Der Verwaltungsapparat der ÖAMG bzw. der 1973 daraus entstandenen Voestalpine war jedoch so aufgeblasen, dass die Personalkosten mit der Zeit die Einnahmen aus dem Bergbau übertrafen. Es kam zu Massenentlassungen und in den 1980er und 1990er Jahren herrschte ein Aufnahmestopp am Erzberg, die Schließung des Bergbaus zeichnete sich ab. Daher wurde der Betrieb 1989 aus dem Verbund der VOEST-ALPINE AG ausgegliedert und in die eigens gegründete VOEST-ALPINE Erzberg GmbH (VA Erzberg) überführt. 1991 erfolgte die Umstellung auf einen flexiblen Betrieb, die vollständige Auserzung war nicht mehr Ziel der Abbauplanung. 1999 wurden rund 2 Millionen Tonnen Erz abgebaut. Dennoch schien das Ende des traditionsreichen Betriebes gekommen, 2002/03 war alles für die Schließung des Bergbaus und die Entlassung der verbliebenen 150 Mitarbeiter vorbereitet.

Durch die expansive Erhöhung der chinesischen Stahlproduktion war jedoch ein steigender Bedarf an Erz wieder gegeben, so dass eine Schließung verhindert werden konnte. Die Abbaumenge stieg wieder auf rund 3 Millionen Tonnen jährlich (2019), die zum Großteil weiterhin in die Stahlwerke Donawitz und Linz verfrachtet werden. Zu einem weiteren wichtigen Faktor entwickelte sich der Tourismus, für 2019 waren rund 50.000 Besucher am Erzberg verzeichnet.

Der Abbau und das touristische Angebot wird heute (2023) von der Voestalpine unter dem Namen VA Erzberg GmbH betrieben.

2021 und seit 2023 wird die deutsche Reality-Show Das große Promi-Büßen jährlich am Erzberg gedreht.

Abbau Ursprünglich erfolgte der Abbau im reinen Tagebau und wurde im sogenannten Pingenbau betrieben.

Untertagebau mini|hochkant|Stolleneingang um 1910

Im 16. Jahrhundert wurde auf kaiserliche Anordnung der Stollenbau eingeführt. Bis zur Einführung der Pulversprengung im Jahre 1720 erfolgte der Erzabbau in Stollen, die mit Schlägel und Eisen händisch im Berg vorgetrieben wurden. Zuerst machte man die Sprengungen mit Schwarzpulver und nach der Erfindung des Dynamit ab 1870 mit diesem wesentlich stärkeren Sprengmittel. Heute werden moderne Emulsionssprengstoffe verwendet, die erst nach dem Einpumpen scharf gemacht werden.

1899 wurde der Untertagebau eingestellt, jedoch 1932 wieder aufgenommen. 1986 wurde der untertägige Erzabbau endgültig eingestellt, zwei Jahre später wurde in einem Stollen ein Schaubergwerk eingerichtet.

In einigen der alten Stollen errichtete die Montanuniversität Leoben unter dem Namen Zentrum am Berg (ZaB) spätestens ab 2017 ein Zentrum für Tunnelsicherheit und Tunnelforschung., abgerufen am 1. Mai 2017, 27. Mai 2023 nicht abrufbar. Dort werden Forschungsarbeiten der Universität und von Firmen zum Thema Tunnelsicherheit (für Bahn und Straße) sowie zur Erprobung neuer Materialien und Verfahren für Tunnelbau ermöglicht, die Eröffnung des Tunnelforschungszentrums fand im Mai 2020 statt, zusätzlich zu den bestehenden wurden auch neue Tunnelröhren in den Erzberg gesprengt. Im Sommer 2021 wurde dort die Reality-Show Das große Promi-Büßen gedreht. Mit Stand Mai 2023 betreibt das ZaB 4 km Tunnel und Stollen.

Tagebau mini|Erzberg, Etage – Abwurf der Wintervorräte, um 1910 mini|Der Erzberg vom Pfaffenstein gesehen|links mini|Abbau am Erzberg (1957)

Im 19. Jahrhundert wurde vom Wiener Professor Franz Xaver Riepl erneut der Tagebau angeregt und 1820 aufgenommen.

Die Sprenglöcher mussten bis 1908 händisch gebohrt werden, erst ab dann wurden pneumatisch betriebene Stoßbohrmaschinen eingesetzt und ein Pressluft-Leitungsnetz im Bergbau installiert. 1930 wurden erste Versuche mit Bohrkränen unternommen, und seit 1970 kommen ausschließlich selbstfahrende Bohrgeräte mit einem Bohrungsdurchmesser von 15 cm zum Einsatz.

Etagenbau Die markante Pyramidenform des Erzberges entstand ab 1890, als der stufenförmige Tagebau eingeführt wurde. 1907 waren es 60 Stufen mit 12 Metern Höhe, 1928 halbierte man die Anzahl auf 30 Stufen – die nach Heiligen oder verdienten Bergleuten benannt sind. Mit 24 Metern Höhe je Stufe verleihen sie dem Erzberg sein heutiges Aussehen.

Die Namen der Etagen (mit Angabe der Höhenmeter): Emil (1464,4), Thekla (1456,2), Altenberg (1431,4), Rosina (1407,3), Eva (1383,1), Achazi (1359,0), Ferdinand (1334,8), Volleritsch (1314,7), Pauli (1290,7), Zauchen (1270,7), Elisabeth (1254,1), Maschin (1227,9), Mariahilf (1208,1), Christof (1186,6), Rothballer (1160,2), Hell (1133,4), Johann (1120,0), Schuchart (1108,1), Dreikönig (1085,1), Kunigunde (1071,0), Ignazi (1062,1), Rudolfi (1050,1), Vorauer (1037,7), Wegstollen (1025,0), Polster (1001,2), Leitner (988,9), Elias (971,8), Schiller (944,2), Antoni (917,7), Liedemann (901,4), Palmer (878,9), Etage5* (856,0), Etage4* (844,1), Etage3 (831,9), Etage1 (806,7), Peter Tunner (787,0), Sybold (765,3), Etage3 (740,0), Etage4* (720,0), Etage5* (700,0)