mini|Eisenerz um 1820, Lith. J.F. Kaiser mini|Eisenerz um 1900 mit Blick auf den Pfaffenstein mini|hochkant|Altes Rathaus, später Bezirksgericht, seit 2011 ist das Stadtmuseum hier untergebracht
Eisenerz ist eine Stadt mit Einwohnern (Stand ) im Gerichtsbezirk bzw. Bezirk Leoben im Norden der Steiermark, rund 25 km nordwestlich der Bezirkshauptstadt Leoben.
Der frühere Name der Gemeinde war Innerberg.
Geografie Eisenerz liegt am Erzbach inmitten der aufragenden Felsen der Eisenerzer Alpen im Südwesten und des Hochschwab im Nordosten. Die vier Felsformationen von Eisenerzer Reichenstein, Wildfeld, Kaiserschild und Pfaffenstein dominieren das Stadtbild. Dazu kommen die rötlich gefärbten Stufen des Erzbergs, der der größte Eisenerz-Tagbau Mitteleuropas ist.
Im Norden des Gemeindegebietes liegt der Leopoldsteiner See.
Gemeindegliederung Die Stadtgemeinde Eisenerz besteht aus vier Katastralgemeinden (Fläche Stand ): Eisenerz () Krumpental () Münichthal () Trofeng ()
Einzige Ortschaft ist die Stadt Eisenerz. Stadtteile sind: Krumpental, Münichtal und Trofeng. Eisenerz ist auch in zahlreiche Ortsteile gegliedert, die bedeutendsten sind: Blumau, Galleiten, Geyeregg, Großfölz, Gsoll, Münzboden, Paigler, Prossen, Schlingerweg, Seeau und Seestraße.
Nachbargemeinden Zwei der sieben Nachbargemeinden liegen im Bezirk Liezen (LI), eine im Bezirk Bruck-Mürzzuschlag (BM).
Geschichte 1230 wurde das Gebiet zum ersten Mal in einer Urkunde unter dem Namen Aerze erwähnt, 1293 dann im innern Eisenärzt. 1453 ist die Verleihung des Marktrechts dokumentiert. Die Abbaurechte am Erzberg gehörten ab dem Mittelalter den Eisenerzer und Vordernberger Radmeistern. Bis Ende des 16. Jahrhunderts blühte der Erzabbau am Erzberg. Um 1500 hatte das Erz aus Eisenerz einen Anteil am europäischen Exportvolumen von 16 Prozent, um 1550 waren es rund 20 Prozent.
1529, als die Türken Wien belagerten, wurde die Wehranlage der Oswaldikirche verstärkt. Ab 1519 breitete sich in der Steiermark der Protestantismus aus und entwickelte sich auch in Eisenerz bis Mitte des 16. Jahrhunderts zur mehrheitlichen Glaubensrichtung. An dem mit missverstandenen lutherisch-religiösen Forderungen vermischten Bauernaufstand im Jahr 1525 nahmen auch die Knappen, Blähhausarbeiter und die Bürgerschaft aus Eisenerz teil. Aus Aufzeichnungen zum Brucker Winkellandtag im Jahr 1572 geht hervor, dass Eisenerz neben weiteren 14 Städten und Märkten öffentlich seine Zugehörigkeit zum Augsburger Bekenntnis erklärte. Zahlreiche Gebäude in Eisenerz zeugen von der Hochblüte des Radmeistertums in dieser Zeit, so etwa der Schichtturm und der Schwarzer Hof.
Im Zuge der Gegenreformation verschanzte sich der protestantische Teil der Bürger und Radmeister 1599 in der Kirchenfestung vor Johann Hoffmann, dem Abt von Admont, der sie auf Geheiß von Landesfürst Ferdinand II. mit den ihn begleitenden Landsknechten sowie 316 zusätzlich aufgebotenen Schützen und Hellebardenträgern zur Aufgabe zwang. Regierungsmaßnahmen wie Beschlagnahmungen, Zwang zum Verkauf der Radwerke an katholische Übernehmer und Vertreibung jener, die dem Augsburger Bekenntnis weiterhin treu blieben, Verbrennungen von sektischen Büchern oder 50 der Bevölkerung „ins Quartier gelegte Soldaten“ konnten die überwiegende Mehrheit wieder zum Katholizismus bekehren. Zumindest 14 Radmeister samt ihren Familien standen auf der endgültigen Ausweisungsliste.
Das Ausweisen und Ersetzen eines Teils der untereinander versippten Radmeister durch Ortsfremde sowie der beginnende Dreißigjährige Krieg stürzten die Radmeister in finanzielle Probleme. Im Jahr 1625 übernahm der Landesfürst den Bergbau im Innerberger Teil des Erzberges einschließlich Verarbeitung und Handel. Die Radwerke und Abbaurechte wurden zwangsvergesellschaftet und die Innerberger Hauptgewerkschaft gegründet, die den Eisenerzer Teil des Erzberges bis 1881 verwaltete und bewirtschaftete. Die Abbaurechte der Vordernberger Radmeister wurden von diesen bis zum Ende des 19. Jahrhunderts genutzt. Zur Innerberger Hauptgewerkschaft gehörten auch die Hammerwerke im Ennstal und die Eisenhändler der Stadt Steyr. Im 17. Jahrhundert entwickelte sich die Innerberger Hauptgewerkschaft zum größten Eisen produzierenden Unternehmen der Welt.
Selbst Frauen und Kinder waren im Bergbau beschäftigt. Ab 1750 wurde mehrmals und von verschiedenen höheren Stellen, zuletzt per Hofdekret aus Wien vom 15. Februar 1772, versucht, das Spinnereihandwerk für Frauen und Kinder in Eisenerz einzuführen. Doch alle diese Versuche scheiterten, auch ein 1765 erlassenes Patent über die Einführung von Spinnschulen bewirkte nichts. 1768 lehnte die Radmeisterkommunität eine Anordnung vom Hof in Wien mit der Begründung ab, dass die Frauen und Kinder bei der Bergwerksarbeit für niedere Arbeiten benötigt würden und obendrein aufgrund der Einführung der freien Heiratserlaubnis Wohnungsmangel herrsche. Das neuerliche Ansinnen im Jahr 1772 beantwortete man seitens der Radmeisterkommunität mit einem Verweis auf diesen Bericht und der Bemerkung, dass „die Verwirklichung des allerhöchsten Antrages von jeder Seite betrachtet untunlich sei“, ebenso reagierte das Oberkammergrafenamt ablehnend. Per Hofdekret vom 4. September desselben Jahres verzichtete man schließlich auf die Einführung der Spinnerei in Eisenerz.
Im Jahre 1881 wurde die Oesterreichisch-Alpine Montangesellschaft gegründet, die nach und nach die Abbaurechte für den ganzen Erzberg erwarb und den Etagenabbau am Erzberg begann, welcher dem Berg die heute so charakteristische Form gegeben hat. In dieser Zeit wurde auch die als Erzbergbahn bekannte Zahnradbahn über den Präbichl nach Vordernberg und Leoben gebaut.
1931/32 stand der Bergbaubetrieb praktisch vor dem Ruin. Während der Herrschaft des Nationalsozialismus erlebte Eisenerz durch die Rohstoff- und Rüstungswirtschaft und Zwangsarbeit einen neuerlichen Aufschwung. Mit 1,8 Millionen Tonnen kam fast ein Viertel der Produktion im Deutschen Reich vom Erzberg. Im Dezember 1939 kamen die ersten 300 polnischen Zwangsarbeiter am Erzberg an, es folgten tausende Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen aus unterschiedlichen Ländern sowie Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge aus KZ Mauthausen.
Am 7. April 1945 verübten Einheimische als Volkssturm-Leute am Präbichl ein Massaker an etwa 250 ungarischen Juden, die sich auf einem Todesmarsch in Richtung KZ Mauthausen befanden.Daniel Blatman: Die Todesmärsche 1944/45. S. 357. 1946 wurden 15 der 18 verantwortlichen Männer von britischen Militärgerichten in den Eisenerz-Prozessen verurteilt. Die Gerichte sprachen zwölf Todesurteile, einer dieser Täter wurde danach begnadigt. Weil es sich dabei um einen der ersten Fälle eines NS-Massenmordes handelte, der von Gerichten aufgearbeitet wurde, erregten diese Verfahren große Aufmerksamkeit. Solche Kriegsverbrecher-Prozesse blieben in Österreich jedoch die Ausnahme.
1948 wurde der Gemeinde aufgrund des damals noch florierenden Bergbaus und der zahlenmäßigen Größe (13.000 Einwohner) das Stadtrecht verliehen. Durch technische Neuerungen im Abbaubereich selbst, aber auch durch die weltweite Krise in der Eisen- und Stahlindustrie in den 1980er Jahren schrumpfte die Bevölkerung im Verlauf eines halben Jahrhunderts auf ein Drittel; allein von 2015 bis 2025 sank die Einwohnerzahl um 22,29 %.
Sage Der Sage nach verdanken die Ureinwohner des Erzbachtals die Entdeckung des Erzberges einem Wassermann aus dem Wassermannsloch am Talausgang des Münichtals. Der Wassermann wurde von den Dörflern mit einem mit Pech bestrichenen Mantel eingefangen, für seine Freilassung bot er ihnen dann Folgendes an: Gold für 10 Jahr’, Silber für Hundert Jahr’ oder Eisen für immerdar!
Die klugen Bewohner entschieden sich für das Eisen.
Religionen
Römisch-katholisch 66,9 % Evangelisch 4,2 % Islamisch 1,5 % Ohne rel. Bekenntnis 24,6 % Andere 2,8 %
Bevölkerungsentwicklung
Eisenerz ist mit einem Altersdurchschnitt von 56,2 Jahren die älteste Stadt Österreichs. (Stand 2025)
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Leopoldstein
Bauwerke
Stadtmuseum im Alten Rathaus, Bergmannsplatz 1. Postmuseum im Kammerhof, dem ehemaligen Sitz der Innerberger Hauptgewerkschaft. Krippenmuseum, mit Krippen aus der Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. Gerbereimuseum Gerberei Salzer. Katholische Pfarrkirche St. Oswald: Die gotische Kirche, dem Oswald von Northumbria gewidmet, aus dem 15.–16. Jahrhundert ist die größte Kirchenburg der Steiermark (Befestigungsanlagen von 1532 bis 1534). Katholische Marktkirche Eisenerz Unsere Liebe Frau Mariä Geburt Erzbergbahn: Museumsbahn, die von Vordernberg über den Präbichl bis zur Station Erzberg führt. Schwarzer Hof: Er gilt als eines der letzten, annähernd original erhaltenen, mittelalterlichen Radmeisterhäuser der Steiermark. Schloss Leopoldstein: Zwischen 1666 und 1670 ließ Kammergraf Leopold Freiherr von Neidthardt zu Spathenbrunn das sogenannte „Saurießlgut“ zu einem Schloss ausbauen und gab zu Ehren Kaiser Leopold ihm den Namen „Schloss Leopoldstein“. Unter dem Besitzer Johann G. Ledermayer brannte es im Jahr 1706 zum Großteil ab. Nachdem um 1880 das Anwesen in den Besitz von Prinz Arnulf von Bayern gelangte, ließ dieser nach dem Vorbild der bayrischen Königsschlösser es zwischen 1890 und 1895 im historisierenden Stil umbauen., Eisenstrasse.co.at, abgerufen am 11. Juli 2015. Petruskapelle Der Schichtturm im Renaissancestil läutet seit dem Jahr 1581 die Bergarbeiter zur Schicht. Schloss Geyeregg von 1621/22 Schmiede und Blähhaus „Zainhammerl“: Das beinahe abgerissene Objekt in der Krumpentalerstraße 13 erwies sich als die letzte Schmiede der Stadt, die auch im Inneren noch original erhalten ist. Wahrscheinlich ist sie auch die letzte Zainschmiede der Steiermark.
mini|Nordwestansicht des Leopoldsteiner Sees mini|ErzbergRodeo, Start-Areal mini|eisenerZ*ART 2012: Montanistische Performance GANGART von lawine torrèn am Erzberg
Naturdenkmäler Das Wassermannsloch ist eine Karstquelle, die sich nördlich des Ortes befindet. Sein Höhlensystem wurde auf mehr als 1000 m vermessen. Das tiefe Quellbecken steht vermutlich mit dem Leopoldsteiner See in Verbindung. Das Wassermannloch ist der zentrale Schauplatz der Wassermannsage, in der es um die Auffindung des Erzberges geht. Frauenmauerhöhle: Tropfsteinhöhle mit einer Eiskammer und sehenswerten Steingebilden (644 m lang) Leopoldsteiner See: Bergsee mit ausgezeichneter Wassergüte, 1 km lang, 500 m breit, die tiefste Stelle etwa. 31 m
Regelmäßige Veranstaltungen Sommerfestival: jährliches Festival im Juli, mit Musik, Bildender Kunst und den Klangvisionen am Leopoldsteiner See ErzbergRodeo: seit 1995 jährlich am Wochenende nach Fronleichnam (Mai/Juni) stattfindendes Motorradrennen, die größte Enduro-Veranstaltung Europas Erzberglauf: Der seit 2003 jährlich stattfindende Erzberglauf ist ein Lauf- und Nordic-Walk-Bewerb bei dem auf einer Streckenlänge von 12,5 km 745 Höhenmeter überwunden werden. Der Erzberglauf ist ein internationaler Bewerb, der im Durchschnitt jährlich mehr als 1000 Sportler anzieht. Annakirtag: Seit 1981 wird in der Eisenerzer Ramsau von den Naturfreunden der Annakirtag veranstaltet. Im Gegensatz zum Oswaldikirtag gibt es beim Annakirtag kaum Verkaufsstände, der Schwerpunkt liegt bei volkstümlicher Musik, Tanz und lokalen kulinarischen Spezialitäten. eisenerZ*ART: Seit 2010 wird die Stadt im Rahmen des Kunst- und Kulturprojekts eisenerZ*ART zu wechselnden Terminen im Jahresverlauf künstlerisch bespielt. Zu den verschiedenen künstlerischen und kulturellen Angeboten gehören unter anderem Kunstausstellungen, Installationen, Performances und andere Kunstaktionen, Kunstwettbewerbe, Theater- und Amateurfilm-Produktionen sowie Künstler- und Buchpräsentationen.