mini|Peter- und Paulskirche in Pfedelbach Die Peter- und Paulskirche ist ein evangelisches Kirchengebäude in Pfedelbach im Hohenlohekreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis 2024 zum Kirchenbezirk Öhringen und gehört seit 1. Januar 2025 als Verbundkirchengemeinde Pfedelbach-Untersteinbach zum Teilgebiet Öhringen im neuen Kirchenbezirk Hohenlohe der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Die örtliche katholische Schwestergemeinde hat mit St. Petrus und Paulus eine Kirche gleichen Namens.
Geschichte mini|Hohenloher Wappen in der Peter und Paulskirche Pfedelbach war ebenso wie Oberohrn und Windischenbach ursprünglich eine Filiale der Stiftskirche Öhringen. Im Jahre 1556 wurde im Zuge der Reformation das Chorherrenstift Öhringen aufgelöst, und das Vermögen stand den Grafen von Hohenlohe für kirchliche Zwecke zur Verfügung. Nun konnte 1567 Pfedelbach zur Pfarrei erhoben und in Pfedelbach ein evangelischer Pfarrer angestellt werden; zur Pfarrei gehörten auch die Orte Oberohrn und Windischenbach. 1577 wurde ein eigenes Konsistorium errichtet, zumal Pfedelbach zur Residenzstadt ausgebaut wurde. 1728 wurde das Konsistorium aufgehoben.
Die evangelische Peter- und Paulskirche in Pfedelbach wurde 1588 bis 1589 an Stelle einer alten gotischen Kapelle durch Gräfinwitwe Agathe von Hohenlohe-Pfedelbach erbaut. Die Geschichte der evangelischen Kirche ist seither eng mit dem Schloss Pfedelbach, das 1568 bis 1572 erbaut wurde, verbunden.
Der letzte evangelische Graf Ludwig Gottfried starb 1728 kinderlos. Vom katholischen Erben Graf Ferdinand zu Hohenlohe-Bartenstein erhielt die evangelische Kirche kaum Unterstützung. Nach dem Aussterben der evangelischen Linie Hohenlohe-Pfedelbach betrieben die Erben aus der seit 1667 katholischen Linie Hohenlohe-Bartenstein entgegen dem Sukzessionsrezess von 1710 eine intensive Rekatholisierung der Herrschaft Pfedelbach. Den Gottesdienst in der neu geschaffenen Pfedelbacher Schlosskirche versahen seit 1732 drei Kapuzinerpatres aus der fränkischen Ordensprovinz. Unterkunft hatten sie zunächst in der alten Kanzlei, dann in einem eigens für sie errichteten Gebäude. Die wirtschaftliche Fundierung des Hospitiums seitens des Hauses Hohenlohe erfolgte 1747. Von 1769 an versahen die hiesigen Kapuziner auch die Seelsorge in Mainhardt. 1776 wurde ihr Konvent um einen vierten Pater vermehrt. Auf Verlangen der württembergischen Regierung mussten sie sich 1810 ins Kloster Neckarsulm zurückziehen.Datenbank Klöster in Baden-Württemberg des Landesarchivs Baden-Württemberg, Kapuzinerhospiz Pfedelbach . Zwischenzeitlich musste man 1730 den Kirchturm mit Eisenklammern stabilisieren. 1749 wurde die Kirche renoviert; die Fundamente hatten sich verlagert. mini|Lotterie 1895 zugunsten des Kirchenneubaus 1890 stand die Kirche vor dem Einsturz und wurde auf Anordnung der Baupolizei geschlossen. Man riss die Kirche mit Ausnahme des Turmes und des Chores ab. Für 105.000 Mark sollte ein vom Stuttgarter Architekten Theophil Frey entworfener Neubau entstehen. Zur Finanzierung wurden zwei Lotterien aufgelegt. In Öhringen entstand dazu ein Hilfskomitee, das u. a. einen Hilferuf für Pfedelbach veröffentlichte. Auch der Staat bewilligte Beiträge. Im Januar 1894 konnte die neue Kirche eingeweiht werden.
1945 wurde die Kirche durch Artilleriebeschuss schwer beschädigt und zunächst nur behelfsmäßig repariert. 1960 fand eine Innensanierung statt. Im Jahre 1963 baute man einen neuen Glockenstuhl ein und ersetzte die schweren Stahlglocken durch leichtere Bronzeglocken.
Im Mai 2008 wurde die Peter- und Paulskirche durch ein Unwetter mit starkem Hagelschlag beschädigt.
Ausstattung Emporenbilder Die Apostel- und Prophetenbilder an der Empore sind wahrscheinlich Werke des Malers Joachim Georg Creutzfelder.
Glasgemälde Wolf-Dieter Kohler entwarf 1960 die Farbverglasung für die drei Chorfenster, die in der Stuttgarter Glaswerkstatt Gaiser gefertigt wurden.Oliver Kohler (Hrsg.): Licht und Farbe - Wolf-Dieter Kohler 1928-1985. Herausgegeben im Selbstverlag, Stuttgart 1988. Im linken Fenster wird die alttestamentliche Geschichte von Josef und seinen Brüdern erzählt. Das Ostfenster in der Mitte enthält von unten nach oben die drei Bildthemen Abendmahl, Kreuzigung Jesu und Christi Auferstehung, und ganz oben das himmlische Jerusalem. Rechts werden einzelne Stationen der Passion Jesu dargestellt.
Grabmal In alten Kirchenbüchern ist zu lesen: 1724 am Festtag Allerheiligen entschlief in Herrn nach ausgestandener schmerzlicher Krankheit endlich sanft und Stille die hochgeborene Gräfin Christina Juliana v. Hohenlohe-Pfedelbach, unseres gnädigen Grafen und Herrn Gräfin Schwester und wurde nach dero Wunsch und Begehren in hiesiger Kirche hinter dem Altar, den 8. November nach einem Leichzermon beerdigt … Die Gruft der Gräfin Christina Juliana, deren Epitaph sich an der Nordseite des Chores befindet, wurde im Jahre 1999 bei der Renovierung der Heizungsanlage hinter dem Altar wieder aufgefunden.
Orgel Die Orgel des Orgelbauers Peter Plum wurde 1992 eingeweiht.
Die evangelischen Pfarrer in Pfedelbach seit 1562 Provisorium 1562 bis 1565 1562 – 1563: M. Wolfgang Kühn 1563 – 1565: Sebastian Huber Lorenz Keller, erster evangelischer Hofprediger und Superintendent, 1565 bis 1585 mini|Epitaph des Pfarrers Lorenz Keller Pfarrer Lorenz Keller, Hofprediger und Superintendent (Dekan), wirkte 20 Jahre lang in der Gemeinde Pfedelbach von 1565 bis 1585. Weil Pfedelbach zur Residenz ausersehen war, trug dies zur Verselbstständigung der Kirchengemeinde bei. Pfarrer Keller war zugleich auch Hofprediger und in seiner Eigenschaft als Dekan übte er die Aufsicht über Sindringen, das Ohrntal, Mainhardt und Unterheimbach im Rahmen des herrschaftlichen Konsistoriums aus. Seine Aufgabe bestand in der Aufsicht über Lehre und Gottesdienst, Kirche und Schuldiener und Handhabung der Kirchenzucht. Auch die Schulaufsicht unterstand ihm. Sein Epitaph befindet sich auf der Empore, rechts von der Orgel.
Hofprediger und Superintendenten 1586 bis 1634 1567 – 1585: Lorenz Keller aus Niedernhall 1586 – 1616: Johan Roesler aus Gemmrigheim 1616 – 1634: Hieronymus Schumeyer aus Höchstädt
Pfarrer Leonhard Käs, 1634 bis 1664 mini|Epitaph des Pfarrers Leonhard KäsSuperintendent Leonhard Käs war 30 Jahre (1634 bis 1664) lang Pfarrer in Pfedelbach gewesen. Nach seinem Tode wurde er unter der Kanzel begraben. Sein Epitaph zeigt eine düstere Todeslandschaft. Darin sehen wir ihn selbst mit seinen Frauen und vielen verstorbenen Kindern. Der Tod hatte damals eine reiche Ernte. Hunger und Pest rafften in Pfedelbach in den Jahren 1634 bis 1637 380 Menschen hinweg, auch zwei der Pfarrer. Nur langsam erholte sich Deutschland vom Dreißigjährigen Krieg, die Bevölkerung war auf die Hälfte geschwunden. Das Epitaph des Pfarrers Leonhard Käs befindet sich links von der Orgel auf der Empore.
Hofprediger und Superintendenten 1664 bis 1781 1664 – 1668: Michael Baumann aus Crailsheim 1669 – 1676: Georg Laub aus Augsburg 1677 – 1699: Johann Heinrich Holl aus Wertheim 1699 – 1702: Friedrich Apin 1702 – 1713: Joachim Albrecht Wagner aus Döttingen 1708 – 1718: Johann Georg Unkauf aus Göppingen 1718 – 1725: Johann Balthasar Bernhold aus Burgsalach 1721 – 1743: Johann Jakob Knapp aus Langenbeutingen 1728 – 1763: Ludwig Gottfried von Olnhausen aus Pfedelbach 1764 – 1781: Christof Friedrich Merkel aus Erbstetten
1781 verschwand die Superintendentur; die folgenden Amtsträger waren Pfarrer mit dem Titel Oberpfarrer.
Oberpfarrer 1781 bis 1922 1781 – 1800: Philipp Ernst Albert Hiller aus Öhringen, Diakon und Präzeptor seit 1761 in Pfedelbach 1801 – 1828: Johannes Mugler aus Niedernhall 1830 – 1865: Georg Friedrich Mugler aus Pfedelbach 1866 – 1872: Wilhelm Schiller aus Biberach/Heilbronn 1872 – 1883: Robert Dietrich aus Weikersheim 1884 – 1904: Christian Friedrich Ehemann aus Freetown / Afrika 1905 – 1920: Adolf Schiller aus Pfedelbach
Zwischen 1920 und 1922 war die Stelle nicht besetzt.
Pfarrer seit 1922 1922 – 1928: Hermann Streitberger aus Niederstetten 1929 – 1935: Otto Jäger aus Heilbronn 1935 – 1942: Theodor Stern aus Nsaba/Goldküste 1943 – 1958: Johannes Kienemann aus Rothau/Elsass 1958 – 1974: Heinz Müller aus Stuttgart 1974 – 1991: Sven Jacobsen aus Aufhausen 1991 – 2012: Wolfram Wild aus Öhringen 2001 – 2018: Klaus Mödinger 2013 – 2017: Claudia Kook 2018 – heute: Konrad Köhnlein 2019 – heute: David Mayer
Von 1617 bis 1905 gab es daneben noch einen zweiten Pfarrer (Diakon) und für kurze Zeit um 1700 sogar noch einen dritten Pfarrer und Konsistorialrat in Pfedelbach.
Literatur Heinz Müller, Erich Fritz: Festschrift zum 400jährigen Bestehen der Evangelischen Kirchengemeinde Pfedelbach 1565 - 1965. (Hrsg.) Evangelisches Pfarramt Pfedelbach, 1965. Gerhard Taddey (Red.): Pfedelbach 1037–1987. Aus Geschichte und Gegenwart (= Forschungen aus Württembergisch-Franken. Bd. 30). Herausgegeben von der Gemeinde Pfedelbach. Thorbecke u. a., Sigmaringen u. a. 1987, ISBN 3-921429-30-7. Ulrich Gräf: Kirchen des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts in Württembergisch-Franken. In: Peter Schiffer (Hrsg.): Die Kirche im Dorf. Beiträge einer Arbeitstagung [...] und des Historischen Vereins für Württembergisch Franken. Sigmaringen 1998, S. 109–144 [Nr. 29].
Weblinks
Die Kirchen auf der Website der Verbundkirchengemeinde Pfedelbach-Untersteinbach
Einzelnachweise
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