Richard Andreas Werner (* 5. Januar 1967 in Landau an der Isar) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler.

Leben Richard Werner erhielt 1989 den B.Sc. (Economics) mit First Class Honours von der London School of Economics (University of London) und wurde in VWL an der Universität von Oxford promoviert. Ferner studierte er u. a. an der Universität von Tokyo. Er lehrt an der Fudan-Universität in Shanghai.

Werner war von 2011 bis 2019 Mitglied des EZB-Schattenrats.Handelsblatt EZB Schattenrat Für fünf Semester war er in den Jahren von 2009 bis 2012 Vertretungsprofessor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main. Er ist auch Mitgründer und Vorstand von LocalFirst CIC, einer gemeinnützigen Firma, die anstrebt, Lokalbanken nach dem Vorbild der deutschen Sparkassen und Genossenschaftsbanken in England einzuführen.BBC Dokumentarfilme, ausgestrahlt im BBC1 am 6., 7. und 8. Oktober 2013

Werner hat praktische Erfahrung im Finanzsektor, z. B. als Senior Managing Director und Senior Portfolio Manager bei Bear Stearns Asset Management Ltd. in London. Ab 1994 war er vier Jahre lang Chefökonom von Jardine Fleming Securities (Asia) Ltd. in Tokio, arbeitete dann für die Asiatische Entwicklungsbank in Manila, bevor er 1998 eine Investmentberatungsfirma gründete (Profit Research Center Ltd.) und später ins Fondsmanagement einstieg, u. a. für Providence Asset Management Ltd. mit Sitz im Vereinigten Königreich von Großbritannien und Nordirland.Webseite von Providence Asset Management Ltd. Von 1997 bis 2004 unterrichtete Werner an der Sophia-Universität, Tokio, zuletzt als Assistant Professor (tenured) in Monetary Economics, International Economics und Development Economics. Er folgte 2004 einem Ruf an die Universität von Southampton, wo er von 2005 bis 2018 den Lehrstuhl für International Banking innehielt. Werner verließ die Universität 2018 und verklagte seinen ehemaligen Arbeitgeber, weil er sich als Christ und Deutscher sowie als Befürworter von dezentralisierten Banksystemen diskriminiert fühlte. Ein Richter verhängte zunächst im Rahmen eines Versäumnisurteils Schadensersatz in Höhe von 2,5 Mio. Pfund gegen die Hochschule, weil diese sich nicht rechtzeitig zur Klage geäußert hatte.https://www.bbc.com/news/uk-england-hampshire-48628394 Southampton university to fight £3.5m tribunal ruling, 13. Juni 2019 Auf die Berufung der Universität wurde das Urteil jedoch wenig später aufgehoben.https://www.wessexscene.co.uk/news/2019/07/17/southampton-university-overturn-discrimination-payout/

Werner warnte 1991 vor dem Zusammenbruch des japanischen Banksystems.Richard A. Werner: The Great Yen Illusion, Oxford Institute of Economics and Statistics Discussion Paper no. 129 (1991) Ausgehend von der klassischen Quantitätsgleichung entwickelte er 1992 die Quantitätstheorie des disaggregierten Kredits (Quantity Theory of Credit),Quantitative Easing and the Quantity Theory of Credit, Royal Economic Society Newsletter, Juli 2013. mit der er die Fehlentwicklungen der japanischen Wirtschaft in den Jahren 1980–2003 erklären konnte, was in bisherigen Modellen nicht gelungen war.Richard A. Werner (2007), Neue Wirtschaftspolitik, München: Vahlen Verlag, ISBN 978-3-8006-3247-3 Werner war mit seinem 2001 veröffentlichten Buch Princes of the Yen – Japan’s Central Bank and the Transformation of the Economy sowie seinem 2003 erschienenen Buch New Paradigm in Macroeconomics (auf Englisch 2005 erschienen) ein Bestseller-Autor in Japan. In seinem 2007 erschienenen Buch Neue Wirtschaftspolitik warnte er vor den „wiederkehrenden Bankenkrisen“Handelsblatt: In der Krise zeigt sich, wer ein guter Ökonom ist – Richard Werner: Der Krisenexperte, 28. Dezember 2011. und schlug Wege vor, Kredit- und Vermögenswerteblasen zu vermeiden und nach deren Zerplatzen ohne Kosten für die Steuerzahler die Krise zu beenden.Richard A. Werner (2007), Neue Wirtschaftspolitik, München: Vahlen Verlag, ISBN 978-3-8006-3247-3. Siehe auch Vortrag in Berlin auf Einladung von Bündnis 90/Die Grünen, mit EZB-Direktor Jörg Asmussen (Minuten 35:33 bis 49:00) auf youtube.de

"Princes of the Yen: Japan's Central Bankers and the Transformation of the Economy" Im Buch „Princes of the Yen“ erläutert Richard Werner, wie die Zentralbank (BoJ) die riesige Spekulationsblase sowie die Rezession ab 1990 herbeiführte. Es war kein 'nach dem Plaza Accord hatten wir kein Glück - und dann kam auch noch Pech hinzu.' Der Plaza-Accord (Plaza-Abkommen) war eine historische Vereinbarung zur Dollar-Abwertung gegenüber dem Yen und der D-Mark. Das Abkommen unterzeichneten am 22. September 1985 im Plaza Hotel in New York die Finanzminister und Zentralbankchefs der USA, Japan, der BRD, Frankreich und Großbritannien. Damals war der US-Dollar extrem überbewertet. Die Exportwirtschaft der USA verlor ihre Wettbewerbsfähigkeit. Das Handelsbilanzdefizit der USA wuchs rasant. Japan und Deutschland erzielten riesige Exportüberschüsse. Die US-Regierung wollte daher den Dollar schwächen. Durch den massiven Verkauf von US-Dollar und den Kauf von Yen und Mark wurde der Dollar-Kurs nach unten gedrückt. In 24 Monaten verlor der US-Dollar 50 % des Wertes gegenüber Yen und Mark. Die USA erreichten ihr Ziel, doch stürzte der Vertrag Japan in ein Dilemma, das Richard Werners Thesen bildet: Der extrem steigende Yen-Kurs verteuerte japanische Produkte im Ausland schlagartig. Japans Exportwirtschaft fiel ab 1986 in eine Rezession. Daher senkte die Zentralbank die Leitzinsen drastisch und flutete den Markt mit billigem Geld. Man erhielt über Jahrzehnte riesige Kredite zu unnormal niedrigen Zinssätzen. Da das viele billig verzinste Geld zumeist nicht in die Realwirtschaft floss, sondern in Aktien- und Immobilien, entstand eine gigantische Wertpapier-Spekulationsblase, deren Platzen Japan in eine jahrzehntelange Krise stürzte. Der von den USA durchgesetzte Plaza-Accord zwang die Zentralbank Japans zu jener extremen Politik, die Werner kritisiert. Die Zentralbank Japans zog die Krise in die Länge, um radikale neoliberale Strukturreformen durchzusetzen.

Kernthesen: 1. Künstliches Aufblasen der Wirtschaft. Die Zentralbank drängte in den 1980er-Jahren Geschäftsbanken über ein informelles Kreditquoten-System dazu, exzessiv Kredite zu vergeben. Dies pumpte extrem viele Yen in Aktien und Immobilien und schuf eine riesige Spekulationsblase. 2. Absichtliche Verlängerung der Rezession. Nach dem Platzen der Blase um 1990 weigerte sich die Zentralbank bewusst, die Wirtschaft mit genug Liquidität zu versorgen, um den Abschwung zu beenden. Man erhöhte den politischen Druck auf Regierung und Gesellschaft, bis diese das traditionelle Wirtschaftssystem aufgeben. 3. Die Umwandlung des Wirtschaftssystems: Werner nennt die Notenbanker die „Prinzen des Yen“, die im Verborgenen das staatlich koordinierte, auf Arbeitsplatzsicherheit ausgerichtete System Japans in die neoliberale, angelsächsische Marktwirtschaft umformten. In der langen Krise waren Privatisierungen, Deregulierungen und Strukturreformen politisch durchsetzbar. 4. Kritik der Zentralbank-Unabhängigkeit: Werner fordert statt der Unabhängigkeit von Notenbanken aufgrund ihrer immensen makroökonomischen Macht ihre demokratische Legitimation oder Kontrolle.

Die Berichterstattung zum Einfluss des Buches Die Financial Times Deutschland widmete Werner im August 2003 ein ausführliches Porträt und ordnete ihn als einen der „101 Köpfe, auf die Sie achten sollten“ ein. Das Porträt (verfasst von Martin Kölling in Tokio) hob Werners kompromisslose Haltung hervor. Der Artikel beschrieb Werners Arbeitsweise an der Sophia-Universität in Tokio: „‚Die Wahrheit ist immer ganz einfach‘, sagt Richard Werner. [...] Schließlich hat der 36-jährige Wirtschaftsprofessor [...] eine neue Theorie des Geldes entworfen – und die gilt international.“ Die FTD bezog sich dabei auf seine Thesen zum Missbrauch der bewussten Kreditmengenverknappung als politisches Druckmittel.https://www.profitresearch.com/e/press/media_quotes/media_german/PortraitFTDeutschland19Aug03.pdf Martin Kölling: 101 Köpfe, auf die Sie achten sollten: Richard Werner In The Financial Times (Globale Ausgabe) galt das Buch als Gegenentwurf zur Standardberichterstattung. Als Leitmedien liberale Wirtschaftsreformen forderten, hielt Werner dagegen: „Die gängige Meinung unter vielen Ökonomen, Zentralbankern, Finanzjournalisten und Politikern besagt, dass Japan ‚dringend notwendige Strukturreformen‘ umsetzen muss (um aus der Financial Times zu zitieren). [...] Das Buch wirft einen beunruhigenden neuen Blick darauf, wer diese Reformen wirklich erzwingt.“https://www.researchgate.net/publication/304986014_A_Third_Decade_of_Low_Growth_Lessons_from_Japan_on_Financial_Management_and_Economic_Growth A Third Decade of Low Growth? Lessons from Japan on Financial Management and Economic Growth Januar 2015 doi:10.1057/9781137478757_2 Auch in den USA hinterließ die Analyse nachhaltigen Eindruck. Neoklassische Ökonomen reagierten eher skeptisch auf Werners Machttheorie, doch die Beschreibung der Window Guidance (Fensterführung) wurde als wegweisend anerkannt. In makroökonomischen Analysen (unter anderem in der New York Times) hieß es über das Buch: „Es ist faszinierend. Es erklärt den Aufstieg der japanischen Nachkriegsindustrie als Ergebnis dessen, was die Bank of Japan ‚Fensterführung‘ nannte. [...] Die Politik änderte sich in den 80er Jahren mit einer kompletten Kehrtwende der BoJ hin zu einer Zentralbank nach amerikanischem Vorbild – was bedeutete, Kredite für Spekulationen statt für produktive Unternehmen zu vergeben.“https://krugman.blogs.nytimes.com/2016/08/09/murky-macroeconomics/#permid=19439774/ Kommentar zu Paul Krugmans Text: Murky Macroeconomics, 10. August 2016

Auszeichnungen „Global Leader for Tomorrow“ – Weltwirtschaftsforum 2003Press Release: "The World Economic Forum Designated 100 New Global Leaders for Tomorrow: Richard A Werner Selected for Class of 2003"

Schriften (Auswahl) Can banks individually create money out of nothing? — The theories and the empirical evidence, in: International Review of Financial Analysis, Bd. 36, Dezember 2014, S. 1–19. zusammen mit Josh Ryan-Collins, Tony Greenham und Andrew Jackson: Where Does Money Come From? 2. Auflage. New Economics Foundation, London 2012. ISBN 978-1-908506-54-2. New Paradigm in Macroeconomics. Solving the Riddle of Japanese Macroeconomic Performance. Palgrave Macmillan, Basingstoke 2005, ISBN 978-0-230-50607-7.

Weblinks

Profit Research Center – Media Archive Presse-Artikel zu Richard A. Werner (englisch, deutsch), 1993–2003

Einzelnachweise

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