miniatur|hochkant|Kurt Wintgens Kurt Wintgens (* 1. August 1894 in Neustadt in OberschlesienKurt Wintgens wurde in Neustadt in Oberschlesien (Neustadt O.S.), Preußen und NICHT in Neustadt an der Saale (Neustadt a.S. oder Neustadt a.d.S.), Bayern geboren. Dieser Fehler taucht in der Sekundärliteratur zwar wiederholt auf, zeitgenössische Originalquellen geben aber immer Neustadt in Oberschlesien als Wintgens' Geburtsort an. (Vgl. z. B. Volkszählung vom 1. Dezember 1900 in der Stadt Minden, Band I, Seite 549).; † 25. September 1916 bei Villers-Carbonnel) war ein deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg.
Leben Wintgens, dessen verstorbener Vater als Oberstleutnant gedient hatte, trat nach seinem Abitur 1913 als Fahnenjunker in das Telegraphen-Bataillon Nr. 2 der Preußischen Armee ein. Er besuchte die Kriegsschule in Hersfeld.
Er rückte mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs als Leutnant und Zugführer an der Ostfront ins Feld und wurde mit dem Eisernen Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Wintgens, der Mitglied des Vereins für Luftfahrt war und Flugzeugmodelle konstruiert hatte, meldete sich bereits frühzeitig zur Fliegertruppe. Das gelang ihm erst 1915, als er zur Flugschule der AHG Fokker Aeroplanbau in Schwerin gelangte. Wintgens erhielt eine Ausnahmegenehmigung, die ihm als Brillenträger gestattete, unter seiner Schutzbrille eine Brille mit spezialgehärteten Gläsern zu tragen.
mini |Fokker E.I von Kurt Wintgens, 1915 Anschließend kam er zur Fliegerabteilung 67, die an der Front in Lothringen eingesetzt war. Dort gelang ihm am 1. Juli 1915 als erstem Kampfflieger bei Lunéville der Abschuss eines feindlichen Flugzeuges mit dem neuen Jagdeinsitzer Fokker E.I, der dank synchronisiertem Maschinengewehr durch den Propellerkreis schießen konnte. Dem verwundeten französischen Piloten, Capitaine Paul du Peuty, und seinem Beobachter Sous-lieutenant de Boutiny gelang es jedoch, deren Morane-Saulnier-Parasol auf alliierter Seite zur Landung zu bringen, so dass Wintgens der Luftsieg nicht bestätigt wurde. miniatur|Wintgens mit abgeschossenem Flieger Mitte Juli wurde Wintgens nach einem weiteren unbestätigten Luftsieg zur Feld-Flieger Abteilung 48 bei Mülhausen im Elsass versetzt, wo er seinen ersten bestätigten Luftsieg, erneut gegen einen Morane-Saulnier Schirmeindecker, erzielte. Später kam Wintgens zum Kampfeinsitzer-Kommando (KEK) Vaux, wo er als Kampfflieger weitere Luftsiege errang. Am 24. Juni 1916, Wintgens flog vermutlich eine Halberstadt D.II, schoss er die Nieuport 16 des amerikanischen Fliegers Victor Chapman, der als Kriegsfreiwilliger in der Escadrille La Fayette diente, ab und erzielte damit den ersten Luftsieg gegen einen amerikanischen Piloten.
Wintgens, mit 14 anerkannten Luftsiegen der bis zu diesem Zeitpunkt nach Oswald Boelcke und Max Immelmann erfolgreichste deutsche Jagdflieger, wurde nach acht Luftsiegen am 1. Juli 1916 mit dem Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und kam Ende August 1916 zu der ersten neuaufgestellten deutschen Jagdstaffel, der Jasta 1.
Bei einem Einsatz am 25. September 1916, bei dem er auf einem veralteten Fokker Eindecker als Rottenflieger mit seinem Freund und Staffelkameraden Walter Höhndorf den Begleitschutz für deutsche Aufklärungsflugzeuge übernahm, wurde er gegen 11 Uhr vormittags über Villers-Carbonnal an der Somme vermutlich von Alfred Heurteaux’ SPAD S.VII der französischen Escadrille SPA.3 abgeschossen.
Kurt Wintgens erzielte vermutlich 22 Luftsiege, von denen 19 offiziell bestätigt worden waren.
Gedenken Kurt Wintgens wurde unter Anteilnahme des Kommandierenden Generals und zahlreicher Fliegeroffiziere in St. Quentin bestattet. Über seinem Grab warfen Kampfflieger im Tiefflug Blumen ab und schossen mit MG-Salven einen Ehrensalut.vgl. Bericht der Lowell Sun, Massachusetts/USA – vom 17. November, 1916 Später wurde sein Leichnam exhumiert, nach Minden überführt und dort beigesetzt.
Bei der Lufthansa trug die Junkers Ju52/3m, Werknummer 4036, D-ALUN seit Anfang 1934 bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs den Beinamen „Kurt Wintgens“. Nachdem die Maschine 1939 an die Luftwaffe abgegeben wurde, übernahm die Junkers Ju52/3m, Werknummer 5489, D-AQUI bei der Lufthansa im September 1940 den Beinamen. Auch diese Maschine wurde bereits Anfang 1941 an das Reichsluftfahrtministerium zurückgegeben. Weitere Junkers Ju52/3m mit dem Beinamen „Kurt Wintgens“ sind nicht bekannt.
Siehe auch Liste deutscher Jagdflieger im Ersten Weltkrieg
Literatur Karl-Friedrich Hildebrand, Christian Zweng: Die Ritter des Ordens Pour le Mérite des I. Weltkriegs. Band 3: P–Z., Biblio Verlag, Bissendorf 2011, ISBN 3-7648-2586-3, S. 548–549. Werner von Langsdorff (Hrsg.): Flieger am Feind. Einundsiebzig deutsche Luftfahrer erzählen. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1934 Hanns Möller: Geschichte der Ritter des Ordens pour le mérite im Weltkrieg. Band II: M–Z. Verlag Bernard & Graefe, Berlin 1935, S. 512–513.
Weblinks
Abschussliste „Zum Heldentod des Fliegerleutnants Wintgens“ im deutschen Heeresbericht vom 26. September 1916
Einzelnachweise
Kategorie:Leutnant (Preußen) Kategorie:Jagdpilot im Ersten Weltkrieg (Deutsches Reich) Kategorie:Ritter des Königlichen Hausordens von Hohenzollern Kategorie:Träger des Pour le Mérite (Militärorden) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1894 Kategorie:Gestorben 1916 Kategorie:Person (Prudnik) Kategorie:Mann