Die Carl Bechem GmbH mit Hauptsitz in Hagen ist ein international tätiges Unternehmen im Bereich Spezialschmierstoffe und wurde 1834 von Carl Bechem (1806–1891) als erste deutsche Ölfabrik gegründet.o. V. (1934): Oelfabrik und Raffinerie Carl Bechem G.m.b.H., Hagen-Westfalen, S. 29, Stadtarchiv Hagen, Inv.-Nr. 764 mini|links|hochkant|Firmengründer Carl Bechem mini|Carl Bechem GmbH in Hagen-Vorhalle BECHEM entwickelt, produziert und vertreibt weltweit Schmierstoffe, wie Schmierfette, Schmieröle, Kühlschmierstoffe und Gleitlacke, für industrielle Anwender vielfältiger Branchen und Anwendungsfelder. Zu den Kernmärkten gehören u. a. die Branchen Automotive, Elektromobilität, Bahn, Lebensmittel, Pharma, Armaturen, Textil, Zellstoff- und Papier, Zement, Tagebau, Eisen und Stahl. BECHEM bietet Produkte für spezielle Anwendungsfelder in der Metallbearbeitung, wie die Massivumformung, das Tiefbohren, die Zerspanung, den Drahtzug, die Blechumformung, das Kaltfließpressen oder für Kettenantriebe, Pelletpressen, offene Antriebe, Krane, mobile Hebe- und Erdbewegungsmaschinen. Zum Portfolio gehören wassermischbare und nichtwassermischbare Kühlschmierstoffe für die spanende Metallbearbeitung, Reiniger und Korrosionsschutzprodukte. Heute gehören Bioschmierstoffe, die auf nachwachsenden Rohstoffen basieren, zu den Geschäftsfeldern des Unternehmens. Tätigkeitsschwerpunkt in der Produktentwicklung ist neben biologisch abbaubaren Schmierstoffen auch der Ersatz traditioneller mineralölbasischer Schmierstoffe durch moderne wasserbasierte Produkte und durch Schmierstoffbeschichtungen.Klieber, Harald (2008): Dickes Wasser zum Schleifen, Special Tooling, 2008, Nr. 3, S. 50–51
Das Stammwerk und die Produktentwicklung befinden sich in Hagen (Nordrhein-Westfalen). Weitere deutsche Produktionsstätten sind in Gardelegen (Sachsen-Anhalt) und Kierspe (Nordrhein-Westfalen). Ausländische Produktionsstandorte hat BECHEM in China, Indien und in den USA. Über ein Vertriebsnetz mit über 70 Standorten auf 6 Kontinenten beliefert BECHEM mehr als 90 Länder.
BECHEM Tochterunternehmen befinden sich in China, Frankreich, Indien, Italien, Mexiko, Schweiz, USA und Joint Ventures in China, Schweden, Spanien und Südafrika.
Heute führt Christoph Hundertmark, direkter Nachfahre Carl Bechems, das Unternehmen BECHEM in der sechsten Generation.
Geschichte 1834–1900 Die 1834 im Handelsregister mit der Nummer 6 eingetragene Firma Bechem & Middelmann beschäftigte sich mit dem Handel von Ölen und Fetten. Zum Einsatz kamen pflanzliche Öle wie Rüb- und Rapsöl sowie tierische Öle, etwa Lardöl, Spermöl oder Tran. Teilweise wurden auch Speckschwarten zur Schmierung verwendet. In den Anfangsjahren gehörte zusätzlich der Import von Arzneipflanzen dazu. Schon nach kurzer Zeit firmierte der Betrieb nur noch unter dem Gründernamen Carl Bechem.
Durch die Dampfmaschine und die Lokomotive entwickelte sich Ende der 1820er Jahre die stark wachsende Industrie rund um Hagen zu einem großen Verbraucher von Schmierstoffen. Von diesem schnellen Wachstum profitierte auch Carl Bechem. Sein Unternehmen gewann zunehmend an Bedeutung. Durch ihren hohen Schmierstoffbedarf wurde die Eisenbahn erster Großkunde von Carl Bechem. Weitere wichtige Kunden waren die Drahtziehereien im nahe gelegenen Altena, der Hochburg des Drahtzugs, die Rüböl für ihre Ziehprozesse benötigten.
Carl Bechem versorgte in der Mitte des 19. Jahrhunderts einen immer größer werdenden Kundenkreis. Die Textilindustrie, der Bergbau, der sich entwickelnde Maschinenbau wie auch die Eisen- und Stahlindustrie waren auf große Mengen Schmieröle und Schmierstoffe angewiesen. Die Ölfabrik von Carl Bechem entwickelte sich in dieser Zeit zum industriellen Schmierstoffhersteller.
Die Eisenbahn löste in den 1850er-Jahren ein immenses Wirtschaftswachstum aus. Die Nachfrage nach Schmierstoffen stieg damit weiter an. Die Produktionsanlagen der Elbers Textilfabriken in Hagen wurden durch den Bau einer Baumwollspinnerei und -weberei deutlich vergrößert. Der Bedarf an Spindelölen nahm zu. Die aufstrebende Industrie im Ruhrgebiet hatte einen großen Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg von Carl Bechem und das Wachstum des Unternehmens setzte sich fort. Räumliche Enge und ein Brand in der Stadt Ende der 1860er-Jahre, dem auch die Firmengebäude zum Opfer fielen, machten einen Umzug erforderlich: Neuer Standort war die Elberfelder Straße.
Bis zur Einführung der Mineralöle waren von Carl Bechem pflanzliche Öle und tierische Fette als Schmiermittel eingesetzt worden, die er zur Raffination und Weiterverarbeitung aus einer Ölmühle in Rathenow bezog. Die Anforderungen an Schmierstoffe wurden immer differenzierter, so dass neue Produkte entwickelt werden mussten. 1870 markierte die Gründung der Standard Oil Co. Inc. in Ohio durch John D. Rockefeller und Henry Morrison Flagler den Beginn des „Ölzeitalters“. Nun stand den Schmierstoffherstellern ein neuer, wichtiger Rohstoff zur Verfügung: Mineralöl. Carl Bechem begann mit Mineralöl, das ab 1861 in Fässern nach Europa gebracht wurde, zu laborieren, zu experimentieren und vorhandene Rohstoffe mit den neuen zu vermischen und sie zu verbessern. Die jahrelangen Erfahrungen mit pflanzlichen Schmierstoffen versetzten den Erfinder Carl Bechem in die Lage, Erfolge mit neuen mineralölbasierten Produkten zu erzielen. Zeitweise trug das Unternehmen BECHEM nun auch den Namen „Hagener Vaselinen- und Fettfabrik“. Diese gehörte zu den ersten deutschen Unternehmen, die neben Wagen- und Achsfetten auch Schmierfette nach Art der Staufferfette für langsam laufende Maschinenteile herstellten. Gegen Ende der 1880er-Jahre wurden die pflanzlichen Schmiermittel weitgehend verdrängt, wenngleich sie oft Legierungsbestandteil der Mineralölprodukte blieben.
Die Erfindung der Kugelfräs- und Kugelschleifmaschine durch Friedrich Fischer ermöglichte 1883 die Massenproduktion von Wälzlagern. In Schweinfurt entstand die Wälzlagerindustrie, die eine Modernisierung von Maschinen und Produkten bewirkte, in denen zu schmierende Wälzlager verbaut wurden. Carl Bechem belieferte auch diese Industrie mit Schmierfetten.
1900–1945 Mitte der 1920er Jahre zählten unter anderem viele Maschinenfabriken, Betriebe der Textil- und Papierindustrie sowie der Eisen- und Stahlerzeugungsindustrie zu den Kunden. Einen deutlichen Zuwachs verzeichnete die Nachfrage seitens der Automobilhersteller und -zulieferer. Es wurden immer mehr Produkte für das Auto entwickelt, die es zu schmieren galt, wie z. B. Schlösser, Scharniere, Gelenke, Wischer, mechanische Winker – die Vorläufer des Blinklichts – und Anlasser. Für die Herstellung von Motoren und Komponenten und deren Zerspanungsprozesse wurden verstärkt Bohr- und Maschinenöle nachgefragt.
In den 1930er Jahren waren Öle für die Schmierung großer Aggregate, für Hochdruckkompressoren sowie für Anwendungen in der Textilindustrie die wichtigsten Bechem Produkte. Spezialöle und -fette für die Papierindustrie, eisenverarbeitende Industrie sowie Bechem Rhusfette, die für die Zapfenschmierung in Kalt- und Warmwalzwerken eingesetzt wurden, zählten ebenso dazu.
Mit Kriegsbeginn im September 1939 verschlechterte sich die Lage für das Unternehmen und die Versorgung mit Rohstoffen wurde deutlich schwieriger. Am 1. Oktober 1943 wurde Hagen vom ersten großen Luftangriff getroffen. Der Betrieb in der Elberfelder Straße 76 kam mit leichten Schäden davon. Das Haus in der damaligen Göringstraße 4, in dem sich das Bechem Rhus-Werk befunden hatte, brannte vollkommen aus.
Am 2. Dezember 1944 erfolgte der zweite Großangriff auf Hagen, durch den die großen Eisenbahnanlagen zerstört wurden. Der Angriff auf Hagen-Eckesey am 28. Februar 1945 legte den Bahnversand vollkommen lahm. Der letzte und schwerste Angriff fand am 15. März 1945 statt. Hierbei wurden die restlichen Bechem Gebäude vernichtet.
1945–1970
Unmittelbar nach Kriegsende begann Karl Hundertmark (Ehemann von Edith Bechem) mit dem Wiederaufbau der Fabrik, die fast völlig zerstört war, und übernahm die Werksleitung. Aus den Trümmern wurden Maschinen, Werkzeuge und Fettstoffbestände geborgen und durch Steineklopfen wurde Baumaterial gewonnen. Karl Hundertmark ging in dieser Zeit täglich mit seinem Pkw auf Beschaffungstour, um unter sehr schwierigen Bedingungen Baumaterialien wie Zement, Holz, Sand und Nägel zu organisieren. Kraftstoff wurde zum Teil noch aus im Sauerland zurückgelassenen Wehrmachtsfahrzeugen beschafft.
Nach schweren Nachkriegsjahren ging es im Anschluss an die Währungsreform mit der Wirtschaft bergauf. Die als das Wirtschaftswunder bezeichnete Ära begann und das behelfsmäßig aufgebaute Werk in der Elberfelder Straße wurde zu eng. Deshalb erfolgte ab 1951 Schritt für Schritt der Umzug nach Hagen-Vorhalle in die Weststraße.
Ende der 1950er-Jahre präsentierte BECHEM erstmalig einen Überblick über das Produktsortiment in einem kleinen Katalog. Der Technische Dienst und der Außendienst arbeiteten mit Referenzbüchern, in denen große Marken und Kunden außerhalb des Hagener Raums genannt wurden. Sie enthielten auch Technische Datenblätter und Freigabelisten von Industriemaschinen und -anlagen, in denen BECHEM Produkte neben anderen großen Markenprodukten aufgeführt waren, die in Konkurrenz mit BECHEM standen.
BECHEM profitierte von der Massenmotorisierung und offerierte Handelserzeugnisse im Bereich Motor- und Getriebeöle, die unter den Marken Star-Oil und Unitol, einer Marke des deutschen Mineralölgroßhandels, vertrieben wurden.
Einen Schwerpunkt des Sortiments bildeten in den 1960er Jahren Produkte für den Bausektor, wie Schalungstrenn- und Verfahrenshilfsstoffe. Auch die „BECHEM Hexenspucke“, ein flüssiges Reinigungskonzentrat zur Entfernung von Betonresten und Flugrost war ein umsatzstarkes Produkt.
In der gesamten Stahlindustrie kamen BECHEM Schmierfette mittlerweile in großem Umfang zum Einsatz. Kunden wie Hoesch, Klöckner, Thyssen und Krupp bezogen regelmäßig große Mengen Schmierfett. 1974 produzierte Bechem für die Stahlindustrie die ersten Ureaschmierfette für Hochtemperaturanwendungen – ein Meilenstein in der Schmierstoffentwicklung.
1970–1990 Der Automobilsektor hatte in den 1970er Jahren noch nicht die Bedeutung, die er heute für Bechem hat. Ein absatzstarkes Produkt war Berulit S, das in den Zündschlössern des VW Käfer eingesetzt wurde. BECHEM lieferte in dieser Zeit Fimitol Räumöle für die Fertigung der Saturn-Transportvorrichtung, von der die Saturn V zum Apollo-Mondprogramm startete. Später produzierte BECHEM Schmierstoffe für die Steuerdüsen von Ariane-Raketen und die Drahtzugmedien für die Fertigung des ersten Marsmobils.
1972 nahm die neue Fettfabrik den Betrieb auf und die Anlagenkapazität wurde deutlich ausgeweitet. Der neue Anlagenkomplex war für BECHEM eine wichtige Maßnahme für den weiteren Ausbau der Position in der Stahlindustrie. Der Schwerpunkt beim Produktsortiment lag nun auf Schmierfettprodukten für die Schwerindustrie, Bauindustrie und Industrieölen, beispielsweise Kompressorenöle und Öle für die Maschinenschmierung, Umlaufschmierung sowie Ölflutlager.
1976 wurde die Sonderschmierstoffabteilung für hochspezielle Industrieanwendungen aufgebaut. Neben Klassikern wie Schmierstoffen für die Schwerindustrie und Prozessmedien für die Metallbearbeitung umfasste das Programm Produkte für neue Anwendungen wie Elektrokontakte, Armaturen, die Lebensmittelindustrie oder die Kunststoffschmierung. Im Automobilbereich erhielt BECHEM ab den 1980ern zunehmend Herstellerfreigaben für „unsichtbare“ Schmierstoffe, die die Funktionssicherheit von Bauelementen und Zubehörteilen erhöhten.