mini|Zentrale des BND in Berlin Der Bundesnachrichtendienst (BND) ist der deutsche Auslandsnachrichtendienst. Er hat den Auftrag, Informationen von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung zu sammeln und auszuwerten, ist zugleich ziviler, militärischer und technischer Auslandsnachrichtendienst, beschäftigt rund 6500 Mitarbeiter, hat ein Budget von etwa einer Milliarde Euro und ist als Bundesoberbehörde dem Bundeskanzleramt unmittelbar nachgeordnet. Gegründet wurde er am 1. April 1956 als Nachfolger der Organisation Gehlen und hat seinen Sitz in Berlin (bis Anfang 2019: Pullach). Neben dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) ist er einer der drei deutschen Nachrichtendienste des Bundes und unterliegt deren Kontrolle. Aufgaben und Befugnisse des BND sind im BND-Gesetz (BNDG) geregelt. Seit September 2025 ist Martin Jäger der 13. BND-Präsident.
Aufgaben und Tätigkeit Der BND sammelt zur Gewinnung von Erkenntnissen über das Ausland, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung für die Bundesrepublik Deutschland sind, die erforderlichen Informationen und wertet sie aus. BND-Gesetz Der gesetzliche Auftrag wird durch das Auftragsprofil der Bundesregierung (APB) konkretisiert. Es gliedert sich in Themen sowie Staaten und gibt so die Aufklärungsschwerpunkte für den BND vor. Als einziger das Ausland aufklärender Militärnachrichtendienst Deutschlands ist er zuständig für die militärische Aufklärung fremder Staaten; der MAD hat hingegen für den Geschäftsbereich des Bundesministeriums der Verteidigung und dessen Angehörige abwehrende Aufgaben, wie der Verfassungsschutz im zivilen Bereich. Der BND sichert sich selbst und führt Spionageabwehr durch, sofern sich die Spionage gegen ihn richtet.
Beschaffung Der BND beschafft Informationen aus unterschiedlichen Aufkommensarten. Neben den klassischen Aufkommensarten menschlicher Quellen (HUMINT), Fernmelde- und Elektronische Aufklärung (technische Aufklärung; SIGINT), Abbildende Aufklärung (IMINT) und offene Informationsgewinnung (OSINT) werden auch Informationen durch Computer Network Exploitation (CNE) aus Geodaten (Geospatial Intelligence) sowie aus sozialen Medien (Social Media Intelligence, SOCMINT) gewonnen.
Menschliche Quellen (HUMINT) Der BND wirbt menschliche Quellen an und führt diese mit sogenannten Operateuren oder Verbindungsführern. Er nutzt weder Romeo-Agenten, noch erpresst er Quellen mit Kompromaten.
Technische Aufklärung (SIGINT) Der BND sammelt Informationen durch technische Aufklärung, insbesondere durch (strategische) Fernmeldeaufklärung (SIGINT). Dabei werden Erkenntnisse über das Ausland unter anderem durch Filterung der internationalen Kommunikationsströme gewonnen. Sofern ein Kommunikationsteilnehmer im Inland ist, spricht man von strategischer Fernmeldeaufklärung, die sich nach Artikel 10-Gesetz richtet und mit der sich die G 10-Kommission befasst. Die Aufgabe der technischen Aufklärung lag bis 2022 bei der Abteilung Technische Aufklärung (TA; ehemals Abteilung 2). 2022 kam die Technische Aufklärung bei der Überwachung der Kommunikation auf mehr als 150.000 Erfassungen pro Tag, aus denen über 250 Meldungen herausgearbeitet wurden. Zum täglichen nachrichtendienstlichen Aufkommen trug diese Abteilung etwa die Hälfte bei. Etwa 1500 Mitarbeiter arbeiteten 2013 in diesem Bereich.
2020 führte der BND drei Einzelmaßnahmen zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses nach G 10 durch, die ausschließlich den Bereich des Islamistischen Terrorismus betrafen. Für die strategische Fernmeldeaufklärung, die unter G 10 fällt, waren im Gefahrenbereich Internationaler Terrorismus 2020 im Jahresdurchschnitt 306 Suchbegriffe angeordnet, im Gefahrenbereich Proliferation und konventionelle Rüstung 273 und im Gefahrenbereich Illegale Schleusung 318. Aufgrund dessen wurden 360 Telekommunikationsverkehre erfasst, von denen sich 39 als nachrichtendienstlich relevant erwiesen. 2020 wurde wegen Gefahr für Leib oder Leben einer Person im Ausland gemäß G 10 nur ein Vorgang durchgeführt. In der Regel geht es in solchen Fällen um das Freikommen von entführten deutschen Staatsangehörigen im Ausland.
Computer Network Exploitation (CNE) Der BND beschafft Informationen durch Zugang zu Computer-Netzwerken im Ausland mittels Computer Network Exploitation (CNE) durch Hacking.
Abbildende Aufklärung (IMINT) Der BND wertet Satellitenbilder und Luftbildfotografien aus. Das in der Entwicklung befindliche Satellitensystem GEORG (Global Electro Optical Reconnaissance System Germany) soll dem BND die weltweite elektro-optische Aufklärung durch zwei Aufklärungssatelliten ermöglichen, die vom Unternehmen OHB in Bremen gebaut werden. Das Projekt hat ein Finanzvolumen von 400 Millionen Euro. Es ist spätestens seit November 2016 öffentlich bekannt. Vor dem GEORG-Projekt gab es Pläne, dass sich der BND am Erdbeobachtungssatelliten HiROS (High Resolution Optical System) beteiligt, bei dem der Dienst 30 Prozent der Kapazitäten hätte nutzen dürfen. Der Start der GEORG-Aufklärungssatelliten ins Weltall war für 2022 geplant. Dieser wurde jedoch insgesamt drei Mal verschoben und verzögerte sich um mehrere Jahre. Inzwischen wird mit einem Start 2026 geplant.
Offene Informationsgewinnung (OSINT) Zur Erfüllung seiner Aufgaben sammelt der BND auch Informationen aus offenen Quellen (Open Source Intelligence (OSINT)) wie Internet, Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen, Fachzeitschriften und Datenbanken.
Auswertung Die gewonnenen Informationen werden im BND ausgewertet, um Lagebilder und Berichte zu erstellen, die für die Lagebeurteilung und Entscheidungen der Bundesregierung von Bedeutung sind. Zu den Informationen, die von außen- und sicherheitspolitischer Bedeutung sind und daher vom BND gesammelt und ausgewertet werden, gehören auch solche über den internationalen Terrorismus, transnationale Organisierte Kriminalität, insbesondere auf den Gebieten Waffen- und Technologietransfers (Proliferation), Geldwäsche, Menschenhandel und Drogenschmuggel, sowie transnationaler Extremismus.
Berichterstattung Der BND unterrichtet das Bundeskanzleramt und die Bundesministerien, die Abnehmer, im Rahmen ihrer Zuständigkeit über gewonnene Erkenntnisse. BND-Gesetz Diese Erkenntnisse erstrecken sich auf viele Themenbereiche: Politik, Wirtschaft, Militär, Wissenschaft und Technik. Die meisten Berührungspunkte bestehen mit dem Bundeskanzleramt, dem Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium des Innern, dem Bundesministerium für Wirtschaft und dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Der BND führt zudem die zentrale Lagebearbeitung für die Bundeswehr durch und unterstützt die Auslandseinsätze der Bundeswehr mit nachrichtendienstlichen Erkenntnissen. In Hintergrundgesprächen informieren Mitarbeiter des BND die Mitglieder des Deutschen Bundestags und nehmen an Sitzungen von Bundestagsausschüssen teil. Der BND erstellt rund 400 Berichte pro Monat und beantwortet etwa 750 Anfragen der Bundesregierung. Außerdem treffen sich Angehörige des BND mehr als 150 Mal pro Monat zu Briefings mit ihren Abnehmern, zum Beispiel aus Bundesministerien. Zur Beschreibung analytischer Wahrscheinlichkeiten dient im BND folgende Terminologie: nahezu ausgeschlossen (1–5 %), unwahrscheinlich (5–20 %), eher unwahrscheinlich (20–50 %), eher wahrscheinlich (50–80 %), wahrscheinlich (80–95 %), nahezu sicher (95–99 %). Hintergrundgespräche finden auch mit Medienvertretern statt.
Nationale und internationale Zusammenarbeit Zusammenarbeit im Inland Der BND arbeitet im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben, Befugnisse und Übermittlungsvorschriften mit anderen deutschen Behörden zusammen, darunter Strafverfolgungsbehörden wie das Bundeskriminalamt und der Generalbundesanwalt beim Bundesgerichtshof. Der BND ist am Gemeinsamen Terrorismusabwehrzentrum (GTAZ), am Gemeinsamen Internetzentrum (GIZ) am Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ), am Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrum illegale Migration (GASIM), am Gemeinsamen Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) und am Nationalen Cyber-Abwehrzentrum beteiligt.
Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten Der BND unterhält Kontakt zu 451 Nachrichtendiensten in 167 Staaten. Hinzu kommen enge Verbindungen zu Institutionen der Europäischen Union und der NATO. Ein Instrument der Kooperation sind die weltweiten Residenturen; rund 80 im Jahr 2022.
Nach der Third Party Rule sind Informationen von ausländischen Nachrichtendiensten und über die Zusammenarbeit mit diesem der parlamentarischen Kontrolle grundsätzlich entzogen. Als weitere allgemein anerkannte Verhaltensregel unter den Nachrichtendiensten gilt das Prinzip Do ut des: Um Informationen zu erhalten, müssen auch eigene geteilt werden. Das Bundesverfassungsgericht hat die Verfassungsmäßigkeit der Zusammenarbeit mit ausländischen Nachrichtendiensten anerkannt.
Unter anderem die National Security Agency arbeitet im Bereich der Fernmeldeaufklärung mit dem BND zusammen.
Im Zusammenhang mit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 teilt der BND nachrichtendienstliche Informationen mit der Ukraine, die jedoch für die unmittelbare Zielplanung nicht geeignet sind. Das Kanzleramt erhielt vom BND Szenarien geliefert, wie sich Putin an Deutschland im Falle eines Alleingangs bei Panzerlieferungen rächen könnte, so z. B. Cyberattacken, Sabotageakte oder gar Nuklearangriffe.
Der Verratsfall Carsten L. Ende 2022 barg nach Ansicht von Experten die Gefahr, die Zusammenarbeit des BND mit westlichen Partnerdiensten zu beeinträchtigen. Carsten L. soll auf deren Informationen Zugriff gehabt und könnte diese möglicherweise in Teilen an Russland verraten haben. Zeitweise sollen etwa die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich weniger Informationen mit dem BND geteilt haben.
mini|Dienstflugzeug des BND (2025) Der BND verfügt über ein eigenes Dienstflugzeug, seit 2022 eine Dassault Falcon 8X mit dem Luftfahrzeugkennzeichen D-AAND und zugelassen auf Zeman Nextgen.
Öffentlichkeitsarbeit Im November 2019 eröffnete der BND im Rahmen seiner Öffentlichkeitsarbeit das BND-Besucherzentrum in der Südbebauung seiner Zentrale (Eingang: Chausseestraße 99A) mit einem Ausstellungsraum und einem Veranstaltungsraum. Ein Besuch war zunächst nur für angemeldete Gruppen möglich. Eine Erweiterung wurde im Juli 2024 eröffnet. Seitdem ist das Besucherzentrum auch für Spontanbesucher zugänglich.
2024 führte der BND eine eigene Wort-Bild-Marke ein, die vom Corporate Design der Bundesregierung abweicht.n-tv: So wollen BND-Spione ihr Image aufpolieren vom 15. März 2024.Süddeutsche Zeitung: BND: Neues Image zum Geburtstag: Geheim, aber sexy. Der BND trug sich diese 2024 als Marken beim Deutschen Patent- und Markenamt ein; eine Bildmarke mit Adlerlogo und die Wortmarke BND.
BND-Werbeartikel können seit Juni 2025 in einem Onlineshop erworben werden, der von einem Privatunternehmen unter Lizenz des BND betrieben wird. Einzelne Artikel können auch im BND-Besucherzentrum in einem Verkaufsautomaten erworben werden. In den 2000er Jahren gab es bereits einen internen Shop,Der Spiegel: Die Schlüpfer der Agenten vom 28. November 2002. in dem der BND unter anderem Herren-Slips mit den Aufdrucken NUR FÜR DEN DIENSTGEBRAUCH, AMTLICH GEHEIMGEHALTEN und VERSCHLUSSSACHE vertrieb, deren Design markenrechtlich geschützt waren.
Im Jahr 2002 gab der BND unter dem Motto Speisen, Spannung und Spione ein internationales Kochbuch mit dem Titel Top(f) Secret: Die „Geheimrezepte“ des Bundesnachrichtendienstes heraus, das neben Rezepten auch landeskundliche Informationen und, laut Verlagsmitteilung, „amüsante Geschichten mit geheimdienstlichem Hintergrund“ enthält.Bundesnachrichtendienst: Top(f) Secret: Die Geheimrezepte des Bundesnachrichtendienstes. 1. Auflage. Varus, 2002, ISBN 3-928475-60-6.