alternativtext=Farbfotografie im Porträt von Annalena Baerbock, die links an der Kamera vorbei schaut und lächelt. Sie trägt ein schwarzes Oberteil. In der Bildunterschrift ist noch eine Handsignatur von Baerbock.|mini|Annalena Baerbock (2024) rahmenlos|zentriert|klasse=skin-invert-image|Unterschrift von Annalena Baerbock (2021)
Annalena Charlotte Alma Baerbock (* 15. Dezember 1980 in Hannover) ist eine deutsche Politikerin (Bündnis 90/Die Grünen). Sie war von 2021 bis 2025 Bundesministerin des Auswärtigen im Kabinett Scholz; ein Amt, das sie als erste Frau innehatte.
Nach ihrem Ausscheiden aus dem Amt der Außenministerin war Baerbock von 2025 bis 2026 Präsidentin der 80. Sitzungsperiode der Generalversammlung der Vereinten Nationen. Von 2013 bis 2025 war sie Mitglied des Deutschen Bundestages und trat bei der Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidatin von Bündnis 90/Die Grünen an. Von Januar 2018 bis Februar 2022 war sie gemeinsam mit Robert Habeck Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und bekleidete von 2009 bis 2013 das Amt der Vorsitzenden des brandenburgischen Landesverbands ihrer Partei.
Leben Herkunft und Jugend Annalena Baerbock wurde 1980 in Hannover als Tochter eines Maschinenbauingenieurs und einer Sozialpädagogin geboren.. Ihr Vater war später Manager und Personalvorstand bei der deutschen Niederlassung des US-amerikanischen Automobilzulieferers WABCO. Ihr aus Landsberg an der Warthe stammender Großvater Waldemar Baerbock (1913–2016), den sie in öffentlichen Reden wiederholt erwähnt hat, war ebenfalls Ingenieur und führte im Zweiten Weltkrieg als Kriegsoffizier eine Flakinstandsetzungseinheit an der Ostfront. Ihre Großeltern mütterlicherseits waren 1958 als Aussiedler mit zwei Kindern aus dem oberschlesischen Kandrzin-Cosel (heute Kędzierzyn-Koźle) nach Niedersachsen gekommen.Marcel Görmann: Annalena Baerbock macht furchtbaren Todesfall in der Familie erstmals öffentlich, derwesten.de, 18. Juni 2021.
In ihrer frühen Kindheit lebte Baerbock eine Zeit lang in Nürnberg. 1985 zog ihre Familie nach Pattensen bei Hannover, wo Baerbock mit zwei jüngeren Schwestern und zwei Cousinen in einem Haus im Ortsteil Schulenburg aufwuchs. Ihre Eltern nahmen sie in den 1980er-Jahren mit zu Menschenketten gegen das Wettrüsten und zu Anti-Atomkraft-Demos. Im Alter von 16 Jahren absolvierte sie ein Austauschjahr im US-Bundesstaat Florida.„Ankommen ist das eine, Heimischwerden das andere“. In: Zeitmagazin Nr. 11/2018, 7. März 2018, abgerufen am 18. November 2019. Ihre schulische Ausbildung schloss sie im Jahr 2000 mit dem Abitur an der Humboldtschule Hannover ab. In ihrem letzten Schuljahr schrieb sie für das Schülerprojekt ZiSch (Zeitung in der Schule) der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung.
Baerbock betrieb während ihrer Kindheit und Jugend Trampolinturnen als Leistungssport. Sie nahm für den TSV Pattensen an Deutschen Meisterschaften teil und gewann dreimal Bronze im Doppel-Mini-Tramp; erstmals 1994 im Nachwuchsbereich, zuletzt 1999 bei den Damen. 1994 war sie Teil der Delegation des Deutschen Turner-Bunds bei den Trampolin-Weltjugendspielen in Portugal. Des Weiteren spielte sie im Alter von 15 bis 18 Jahren Fußball bei den Juniorinnen des TuS Jeinsen.
Studium Baerbock studierte von 2000 bis 2004 im Diplomstudiengang Politikwissenschaft an der Universität Hamburg und legte dort das Vordiplom ab. Im Nebenfach belegte sie Öffentliches Recht/Europarecht. Anschließend wechselte sie an die London School of Economics and Political Science (LSE) und schloss dort 2005 einen einjährigen Postgraduierten-Studiengang mit einem Master in „Public International Law“ (LLM) mit „besonderer Auszeichnung“ (Distinction) ab. Möglich wurde das Masterstudium ohne ersten Studienabschluss dadurch, dass die LSE ihr Vordiplom mit der Note 1,3 in Verbindung mit zwei Hauptseminarscheinen als inhaltlich gleichwertig mit einem britischen Bachelor einstufte. An der Universität Hamburg gab es damals noch keinen Bachelor-Abschluss. Während ihres Studiums arbeitete sie von 2000 bis 2003 als freie Mitarbeiterin der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung und absolvierte ein Praktikum bei der Europaabgeordneten Elisabeth Schroedter (Bündnis 90/Die Grünen). Nach dem Studium betreute sie von 2005 bis 2006 deren Website, leitete im Jahr 2007 für mehrere Monate deren Büros in Berlin und Potsdam und war danach Ansprechpartnerin im Parlamentsbüro in Brüssel bzw. Straßburg.
2005 war sie zusätzlich als Trainee des British Institute of International and Comparative Law (BIICL) tätig. Anschließend war sie von 2008 bis 2009 Referentin für Außen- und Sicherheitspolitik der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen.
Im Jahr 2009 begann Baerbock an der Freien Universität Berlin eine von der Heinrich-Böll-Stiftung geförderte Dissertation zum Thema Naturkatastrophen und humanitäre Hilfe im Völkerrecht. Nach ihrer Wahl als Abgeordnete der Grünen und dem Einzug in den 18. Deutschen Bundestag im Jahr 2013 gab sie an, ihr Promotionsvorhaben sei „in den letzten Zügen“, ruhe jedoch aufgrund ihrer politischen Tätigkeit.Katrin Schulze, Sarah Kramer, Thorsten Metzner und weitere: Annalena Baerbock, Grüne. Der 18. Deutsche Bundestag. Wer sind die Neuen? In: Der Tagesspiegel, 23. Oktober 2013. Später brach sie das Vorhaben ab; nach eigenen Angaben, um sich auf ihr Mandat konzentrieren zu können.
2011 absolvierte Baerbock das Fellowship-Programm des transatlantischen German Marshall Fund.
Politische Funktionen mini|hochkant|alternativtext=Farbfotografie von Baerbock mit einem Tischmikrofon. Sie blickt in die Kamera und ihre rechte Handinnenfläche zeigt nach oben. Ihr Haar ist hellbraun und führt im natürlichen Look gestylt bis zur Brust. Baerbock trägt eine feine ovale Brille und ein weiß gepunktetes Shirt.|Annalena Baerbock als Landesvorsitzende in Brandenburg (2012)
Aufstieg in der Partei Baerbock trat den Grünen 2005 bei. Von 2008 bis 2013 war sie Sprecherin der Bundesarbeitsgemeinschaft Europa (kurz BAG Europa). Als solche wirkte sie inhaltlich, konzeptionell und strategisch an der Europapolitik ihrer Partei mit.
Im Oktober 2009 wurde Baerbock vom Council der Europäischen Grünen Partei, dem Zusammenschluss grüner Parteien in Europa, zum Mitglied des Parteivorstands (Committee) gewählt, dem sie bis 2012 angehörte. Der Vorstand ist u. a. zuständig für das Tagesgeschäft und die ständige Repräsentation der europäischen Partei.
Ab Oktober 2008 gehörte sie dem Brandenburger Landesvorstand der Partei an. Am 14. November 2009 wählte der Landesparteitag Baerbock neben Benjamin Raschke zur gleichberechtigten Vorsitzenden des Landesverbands Brandenburg; beide wurden am 3. Dezember 2011 wiedergewählt. Nach ihrem Einzug in den Bundestag kandidierte sie im November 2013 entsprechend der Trennung von Parteiamt und Mandat nicht erneut für das Amt.
Von 2012 bis 2015 gehörte Baerbock dem 16-köpfigen Parteirat von Bündnis 90/Die Grünen an. Das Gremium berät u. a. den Bundesvorstand der Grünen und dient als Schnittstelle zwischen dem Bundesverband, den Landesverbänden und Abgeordneten der Partei.
Mitglied des Bundestages (2013–2025) mini|hochkant|Annalena Baerbock im Bundestag (2020) Bei der Bundestagswahl 2009 kandidierte Baerbock vergeblich als Direktkandidatin im Bundestagswahlkreis Frankfurt (Oder) – Oder-Spree sowie auf Platz 3 der Landesliste der brandenburgischen Grünen.
Am 26. Januar 2013 wurde Baerbock zur Direktkandidatin für den Bundestagswahlkreis Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II und am 2. März 2013 bei einer Delegiertenkonferenz in Potsdam mit 87,9 % der Stimmen auf Platz 1 der Landesliste von Bündnis 90/Die Grünen Brandenburg gewählt. Sie erhielt bei der Bundestagswahl 2013 7,2 % der ErststimmenBundestagswahl 2013: Wahlkreis 61: Ergebnisse Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II. Bundeswahlleiter, abgerufen am 17. Dezember 2017. und zog über die Landesliste in den 18. Deutschen Bundestag ein.
In ihrer ersten Legislaturperiode im Bundestag (2013–2017) war Baerbock klimapolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied des Ausschusses für Wirtschaft und Energie und des Ausschusses für die Angelegenheiten der Europäischen Union sowie stellvertretendes Mitglied im Umweltausschuss und im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Zudem war Baerbock Mitglied der deutsch-polnischen Parlamentariergruppe und stellvertretende Vorsitzende des Freundeskreises Berlin–Taipeh und stellvertretendes Mitglied der Parlamentarischen Versammlung des Europarates. In der folgenden Legislaturperiode war sie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie.
Am 26. November 2016 wurde Baerbock mit 99,0 % auf der Delegiertenkonferenz der Bündnisgrünen in Potsdam zur brandenburgischen Spitzenkandidatin ihrer Partei für die Bundestagswahl 2017 gewählt und am 23. Januar 2017 wieder zur Direktkandidatin in ihrem Wahlkreis. Baerbock erzielte 8,0 % der ErststimmenBundestagswahl 2017: Wahlkreis 61: Ergebnisse Potsdam – Potsdam-Mittelmark II – Teltow-Fläming II. Bundeswahlleiter, abgerufen am 17. Dezember 2017. und zog erneut über die Landesliste in den Bundestag ein.
Bei den Jamaika-Sondierungsgesprächen zwischen CDU, CSU, FDP und den Grünen saß Baerbock 2017 am Verhandlungstisch. In Brandenburg war sie nach der Landtagswahl 2019 an den Verhandlungen für die rot-schwarz-grüne Regierungskoalition beteiligt. Im Bundestag war Baerbock Ordentliches Mitglied in den Ausschüssen für die Angelegenheiten der Europäischen Union und für Wirtschaft und Energie sowie stellvertretendes Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.
Im März 2025 kündigte Baerbock an, aus privaten Gründen im 21. Deutschen Bundestag keine führende Rolle in der Bundestagsfraktion der Grünen einnehmen zu wollen und sich „erst einmal“ aus der Spitzenpolitik zurückzuziehen. Ende Juni 2025 legte sie ihr Bundestagsmandat nieder.Brief an Fraktion: Baerbock will aus privaten Gründen nicht Fraktionschefin werden, Mittelbayerische Zeitung vom 5. März 2025. Für sie rückte Andrea Lübcke nach.
Bundesvorsitzende der Grünen (2018–2022) Baerbock wurde am 27. Januar 2018 auf einer außerordentlichen Bundesdelegiertenkonferenz in Hannover – zusammen mit Robert Habeck – zur Parteivorsitzenden gewählt. Sie setzte sich gegen Anja Piel vom linken Parteiflügel mit 64,5 % der Stimmen durch. Die „Realo“-Doppelspitze stellt nach Jahrzehnten eines zwischen den beiden Lagern aufgeteilten Parteivorsitzes ein Novum dar.Ileana Grabitz und Katharina Schuler: Ich muss nicht den SUV-Fahrer bekehren. In: Zeit Online, 2. Januar 2020.Neue Doppelspitze der Grünen. In: taz.de, 27. Januar 2018. Die Wahl von Habeck und Baerbock wurde daher auch als Anzeichen für das Ende des Flügelsystems betrachtet. Beide streben eine pragmatische Positionierung unabhängig von dieser Flügellogik an. Auf dem Parteitag am 16. November 2019 wurde das Duo für zwei weitere Jahre im Amt bestätigt, Baerbock mit 97,1 %. Im Februar 2022 wurden sie und Robert Habeck von Ricarda Lang und Omid Nouripour in dieser Position abgelöst.
Kanzlerkandidatin zur Bundestagswahl 2021 mini|Baerbock und Robert Habeck im Wahlkampf, kurz vor der Bundestagswahl 2021