Die Geschichte der Stadt Iserlohn beschreibt den Wandel Iserlohns von einer kleinen Siedlung im nordwestlichen Sauerland über eine Festungsstadt im Mittelalter hin zur größten Stadt des Sauerlands. Erste Siedlungsfunde sind ca. 1500 Jahre alt, die Stadtrechte wurden vor fast 800 Jahren verliehen. Die Stadt in ihren heutigen Ausmaßen besteht seit 1975, als zahlreiche Gebiete eingemeindet wurden und sich die Einwohnerzahl in etwa verdoppelte.
Im Mittelalter war Iserlohn Grenzstadt der Grafschaft Mark und wurde daher zur Festung ausgebaut. Metallfunde im nahen Umland führten zu industriellen Fortschritten in der Neuzeit. Die Industrie war insbesondere im 19. Jahrhundert Wachstumsmotor der Region und brachte Iserlohn an die Spitze der westfälischen Städte.
Allgemeine geschichtliche Entwicklung mini|Stadtansicht um 1750(Kupferstich von J. H. Giese)
Vorgeschichte der Gegend Die ältesten menschlichen Spuren stammen aus der mittleren Altsteinzeit vor etwa 42.000 Jahren. Auf dem Oestricher Burgberg und in der darunter liegenden Martinshöhle wurden Geräte aus Feuerstein und Kieselschiefer entdeckt. Auf der Grürmannsheide gab es Funde aus der Endaltsteinzeit und der Mittelsteinzeit in großer Zahl. Diese Funde lassen aber noch nicht auf eine dauerhafte Besiedlung der Gegend in dieser Zeit schließen. Die Iserlohner Höhlen boten über Jahrtausende Mensch und Tier Schutz, und in vielen Höhlen wurden bei Ausgrabungen Knochen von frühzeitlichen Tieren gefunden, in der nicht mehr zugänglichen Martinshöhle auch menschliche Knochen. Auch in der Grürmannshöhle stieß man auf menschliche Spuren in Form von Mikrolithen.
Ab der Jungsteinzeit (ab 4.500 v. Chr.) war der Iserlohner Raum besiedelt. Neben dem bedeutendsten Fundort Iserlohns, dem Burgberg in Oestrich, sowie auf der Grürmannsheide sind auch Funde in Dröschede, Sümmern, Hennen sowie auf dem Honsel, dem Schälk und dem Stübbeken dieser Epoche zuzuordnen. Geräte für den Ackerbau, Beile aus Grauwackenquarzit und Breitkeile gehörten zu diesen Funden. Aus der Bronzezeit sind Entdeckungen in SümmernBeiträge zur Heimatkunde für Iserlohn und den märkischen Raum. Band 10, S. 219f. (ein Silexdolch), von der Seiler (bronzene Waffen), in der Spaltenhöhle und in der Martinshöhle (Becher) hervorzuheben. Aus der germanischen Zeit sind einige Schmuckfunde zu nennen am Burgberg (5. Jahrhundert) und der Dröscheder Hardt (6./7. Jahrhundert). Ein großer Teil der Funde aus Grürmannsheide, vom Burgberg und aus der Spaltenhöhle sind im Museum für Ur- und Frühgeschichte im Wasserschloss Werdringen in Hagen zu besichtigen.
Siedlungsspuren im Lägertal lassen auf eine dauerhafte Besiedlung des Innenstadtbereichs ab dem 6. Jahrhundert n. Chr. schließen. Das älteste Gebäude der Stadt, die Pankratiuskirche, wurde im späten 10. Jahrhundert erbaut und wahrscheinlich 985 geweiht. 1059 wurde in einer Urkunde des Klosters Liesborn eine Siedlung erwähnt, womit möglicherweise das heutige Iserlohn gemeint war. 1124 wird eine Siedlung namens Yslo in einem päpstlichen Besitzstandsbuch genannt. Die erste zweifelsfreie urkundliche Erwähnung Iserlohns datiert auf das Jahr 1150 als Lon. Die heutigen Stadtteile sind teilweise sogar noch etwas älter: der Ortsteil Genna wurde erstmals 980 erwähnt, Dröschede um 1030, Letmathe 1036, Rheinen um 1050 und Hennen um 1150.
mini|„Alt Iserlohn“ und „Iserlohn“ 1681 getrennt eingezeichnet auf der Karte Le Comte de la Marck des Kartographen S. Sanson (Kartenausschnitt) Der Name Lon stammt vom altsächsischen Begriff lôh, was Wald oder Gehölz bedeutet. Schon rund sechzig Jahre später taucht der Name als Isrlon auf. Das Erstglied Isr- kommt von mittelniederdeutsch īser(e)n = Eisen, was auf die frühe Kenntnis der reichen Eisenerzvorkommen in der Gegend hindeutet. Der Stadtname lässt sich also mit Eisenwald übersetzen. Lôh ist auch Bestandteil des Namens der nördlich gelegenen Wüstung Ortlohn, der aus Nortlon hervorgegangen ist.
Stadtentstehung und Wachstum (12.–18. Jahrhundert) Der Iserlohner Raum lag zur Jahrtausendwende im Einflussbereich des Erzbistums Köln, das im Sauerland viele Lehen hatte, um das Volk zu christianisieren. Weltliche Herrscher waren u. a. die Grafen von Werl, die aber im 11. Jahrhundert Gebiete an die Herzöge von Berg verloren, die bald ein großes zusammenhängendes Gebiet im westlichen Sauerland bis an den Rhein beherrschten. 1160/1161 spalteten sich die Grafen von Altena von den Herzögen von Berg ab und teilten sich Anfang des 13. Jahrhunderts in die Grafschaften Mark und Limburg. Die Siedlung Lon lag seitdem im märkischen Gebiet. Ab 1180 waren auch die Kölner Erzbischöfe Landesherren in der Gegend und besaßen das nordöstlich gelegene Herzogtum Westfalen, das bis Menden reichte.
Iserlohn lag somit nahe den Grenzen der Grafschaft Mark zur Grafschaft Limburg bei Letmathe und dem kurkölnischen Herzogtum Westfalen bei Menden. Da das Herzogtum Westfalen Menden zur Festung ausbaute, waren die märkischen Grafen bestrebt, ebenfalls eine starke Grenzbefestigung in diesem Bereich zu errichten, die sich auch gegen die Grafschaften Arnsberg und Limburg behaupten konnte. Obwohl die Herzöge von Westfalen sich dagegen wehrten, versuchten die märkischen Grafen, die kein Recht zur Befestigung einer Stadt besaßen, immer wieder auf dem Bilstein, einem kahlen Massenkalkfelsen oberhalb der alten Siedlung Iserlohn, eine Festung zu errichten und mit Stadtmauer und Graben zu umgeben.
Mitte des 13. Jahrhunderts wurden nahe der Marienkirche („Oberste Stadtkirche“) eine landesherrliche Zitadelle und Burgmannshäuser erbaut. Die erste Stadtmauer war ein Holz-/Erdwall. Der Wall begann auf dem Bilstein und reichte ostwärts zum Mühlentor. Vom Mühlentor aus reichte sie nach Nordwesten zum heutigen „Alten Rathausplatz“, wo das Nordtor stand. Westlich schloss sie dann in einem Bogen zurück zur Klippe an der Marienkirche, wo das Kirchtor stand. Um 1300 wurde zwischen Mühlentor und dem westlichen Ende der Wall inklusive Nordtor aufgegeben und eine teilweise doppelte Steinmauer nach Norden und Osten ausgebaut. Dadurch vervierfachte sich die befestigte Stadtfläche. Reste der Mauer sind noch heute im Bereich der Marienkirche zu sehen. Neben Mühlen- und Kirchtor entstanden das Westertor, das Unnaer und das Wermingser Tor. Im Norden lag das Judenviertel, der Judenfriedhof zwischen den beiden Mauern.
Schon 1214 war Iserlohn Sitz des gleichnamigen Dekanats. Die Stadtrechte wurden wahrscheinlich unter Adolf I. 1237 verliehen, der um 1240 auch erste Münzprägungen vornahm. Die Bestätigung der Stadtrechte durch Engelbert I. ist für 1278 belegt. Die Grafen bauten die Stadt verwaltungstechnisch weiter aus. In Urkunden von 1309 ist die Rede von einer befestigten Stadt mit eigenem Richter und Bürgermeister, 1326 wurde erstmals ein Stadtrat erwähnt. Iserlohn war eine der sechs wichtigen Städte der Grafschaft Mark neben der Haupt- und Residenzstadt Hamm sowie Kamen, Lünen, Unna und Schwerte. Die Grafen von der Mark blieben Landesherren bis 1609, ab 1392 in Personalunion mit den Grafen von Kleve. 1447 wurde Kleve ein Herzogtum (Kleve-Mark), und ab 1521 gehörte die Stadt zu den Vereinigten Herzogtümern Jülich-Kleve-Berg, zu denen auch die Grafschaft Mark gehörte. Iserlohn war ein Mitglied der Hanse als eine Beistadt, wie zahlreiche andere westfälische Orte. Man hatte kein Mitspracherecht, konnte aber von den Handelsprivilegien profitieren.
Nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit (1609–1614) wurde die Grafschaft Mark vom Kurfürstentum Brandenburg übernommen und gehörte seitdem zu Preußen. Die Brandenburger wurden später auch die preußischen Könige.
mini|„Mühlentor“ mini|„Alter Rathausplatz“ Mit ursprünglich etwa 10 Hektar Grundfläche gehörte Iserlohn zu den mittelalterlichen Kleinstädten. Sie war zunächst durch ihren Festungscharakter und ihre relativ schlechte Verkehrslage gekennzeichnet.Carl Haase: Die Entstehung der westfälischen Städte. 4. Auflage. Münster 1984, S. 87. Die Trennung der Verwaltungseinheiten Alt-Iserlohn um die Pankratiuskirche sowie Festungsstadt und Zitadelle nahe der Marienkirche (heute Oberste Stadtkirche) bestand noch bis Anfang des 19. Jahrhunderts.
Die Entwicklung Iserlohns hängt eng mit der industriellen Entwicklung zusammen. In der Anfangszeit der Metallverarbeitung im Spätmittelalter wurde Eisenerz ringsum an den Berghängen abgebaut und über Holzfeuern und später in Öfen geschmolzen. Brennholz lieferten die umliegenden Wälder. Ab dem 14. Jahrhundert entstanden die ersten von Wasserkraft betriebenen Eisenhämmer im Grüner Tal und am Baarbach. Osemundeisen von hoher Qualität wurde hergestellt. Im Innenstadtbereich wurde vom 15. bis zum 19. Jahrhundert zudem das Zinkmineral Galmei gefördert.
Wie die meisten Städte im Mittelalter und der frühen Neuzeit wüteten auch in Iserlohn mehrere Stadtbrände, von denen sich die Stadt jeweils nur langsam wieder erholte. Mindestens neun große Brände sind überliefert: von 1448, 1510, 1530, 1616, 1635, 1665, 1677, 1685, 1712. Eine Ursache für die Brände waren neben der dichten Bebauung von Fachwerkhäusern auch die metallverarbeitenden Betriebe in der Stadt, die mit Feuer arbeiteten. Die Betriebe zogen nach und nach in das Umland, und in der Innenstadt siedelten vermehrt Kaufleute, Handwerker und Kleingewerbe.
Iserlohn als Industriemetropole (18.–19. Jahrhundert) mini|Nadelmuseum Barendorf
Ab dem 18. Jahrhundert stieg Iserlohn zu einer der wichtigsten Industriestädte Preußens auf. 1690 wurden erstmals Nadeln produziert, und im Lauf der folgenden Jahrzehnte entwickelten sich die Nadel- und die Drahtherstellung zu den wichtigsten Industriezweigen (siehe auch: Iserlohner Panzerwaren). Auch Produkte der Bronze- und Messingindustrie zählten zu den bedeutenden Gütern der Stadt. Die großen Metallverarbeitungsbetriebe wurden vermehrt am Stadtrand angesiedelt, während in der Innenstadt viele Kaufmannshäuser entstanden. Die Iserlohner Kaufleute trieben Handel mit Städten in ganz Europa und teilweise darüber hinaus.
Um 1800 bildete der Raum Iserlohn mit seiner Draht-, Nadel-, Messing-, Bronze- und Seidenindustrie, zusammen mit der südlich angrenzenden Region um Altena und Lüdenscheid, eines der weltweit größten Industriegebiete. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war Iserlohn die größte Industriestadt Westfalens und eine der reichsten Handelsstädte Preußens. Dabei war auch die Produktion von Rüstungen von großer Bedeutung, wie ein in Iserlohn hergestelltes Panzerhemd im Londoner Tower belegt. Die Iserlohner Nadeln waren ein weltweiter Exportschlager mit einem Marktanteil von ca. 66 %.
Die Wirtschaft wurde durch die zahlreichen Kriege Preußens negativ beeinflusst, was zu vorübergehenden Exporteinbußen führte. Auch die französische Besetzung Anfang des 19. Jahrhunderts und die damit einhergehende Kontinentalsperre hemmten das wirtschaftliche und städtische Wachstum. Von 1808 bis 1813 gehörte Iserlohn zum Ruhrdepartement im Großherzogtum Berg. Danach fiel es wieder an Preußen und kam nun zur Provinz Westfalen in den Regierungsbezirk Arnsberg. Iserlohn wurde 1817 Sitz des damaligen Kreises Iserlohn. Es folgte noch einmal eine wirtschaftliche Blütezeit von etwa zwanzig Jahren.
mini|links|hochkant|Gründungsdokument der Gemeinde Iserlohn des ADAV von 1865