Der VW Vento (Typ 1H2) wurde im Januar 1992 in Brüssel als Nachfolger des Jetta II vorgestellt. Mit dem neuen Namen erhoffte sich der Hersteller besonders für den deutschen Markt einen Imagewechsel des Fahrzeugs und einen Anstieg der Verkäufe. In den außereuropäischen Ländern (vor allem in den USA) wurde das neue Modell weiterhin unter der Bezeichnung VW Jetta angeboten, da sich der Name dort bewährt hatte. In den USA hießen Golf und Jetta intern gleichermaßen 1HM, wobei das M für Mexiko, den Produktionsstandort für den US-Markt, stand.
Modellgeschichte Allgemeines mini|links|Heckansicht Das Fahrzeug war in technischer Hinsicht baugleich mit dem Golf III und – wie die Vorgängermodelle – eine Stufenheck-Variante des Golf. Abgesehen von der 36 cm längeren Karosserie unterscheidet sich der Vento vom Golf III durch eckige Frontscheinwerfer, einen anders gestalteten Kühlergrill, ein leicht modifiziertes Armaturenbrett (bis einschließlich Modelljahr 1994), eine bessere Serienausstattung (mit unter anderem lackierten vorderen und hinteren Schürzen, 14"-Rädern, weißen Blinkleuchtengläsern vorne sowie einer anderen Türinnenverkleidung).
Der Vento wurde ausschließlich als Viertürer produziert. Eine zweitürige Modellvariante wie bei den beiden vorhergegangenen Jetta-Modellen war verworfen worden, da seit Ende der 1980er-Jahre auf den Hauptabsatzmärkten kaum mehr Bedarf für einen solchen Fahrzeugtyp vorhanden war. Auch eine Syncro genannte Allradversion wurde nicht mehr angeboten.
Anfangs waren vier Ottomotoren (1,8 l mit , 1,8 l mit , 2,0 l mit und 2,8-l-VR6 mit ) und zwei Dieselmotoren (1,9 l mit und 1,9 l mit ) lieferbar. Der 1,6 l mit folgte im Sommer 1992. Der 1,4-l-Basismotor des Golf III mit und der 2,0-l-16V-Motor mit waren für Vento/Jetta III nicht erhältlich.
Sechs Ausstattungsversionen wurden angeboten: Vento CL/CLX als Basisversionen, GL/GLX komfortbetont, GT sportlich, GTD sportlich mit einem Dieselmotor und VR6 mit Sechszylinder-Motor. In den USA hießen die sportlicheren Versionen wie in Europa ebenfalls GT (vorher GLI). Der VR6 war dort in einer luxuriös-komfortableren Variante als GL und in einer sportlichen als GT bestellbar. Erstmals gab es den Motor des GT mit 115 PS optional auch für die GL-Version, hier außerdem in Verbindung mit einer neuen Vierstufen-Getriebeautomatik. Die meistbestellte Version war der Vento GL; der meistgefragte Motor der 1,8 l mit .
Trotzdem blieb die Nachfrage in Europa auch bei diesem Modell wieder relativ bescheiden, in Nordamerika aber war der Jetta erneut ein Erfolg. Der Kofferraum mit einem Fassungsvermögen von 550 Liter und das Platzangebot zählen zu den Pluspunkten dieses Modelltyps.
Überblick Im Laufe der sechsjährigen Bauzeit ergaben sich zahlreiche Änderungen:
1992 Januar: Vorstellung des Modells mit den Motoren: 1,8 bzw. 2,0 2,8 VR6 1,9 D 1,9 TD August: Neuer 1,6-Liter-Benzinmotor mit .
1993 Vorstellung des Jetta III in den USA. Zum Modelljahr 1994 kleine Modellpflege mit neuem Kombi-Instrumententräger, neuen Sicherungsknöpfen, abgedunkelten Heckleuchten bei der VR6-Version, neuem, dreispeichigen, in Wagenfarbe lackiertem Kühlergrill, sowie der Einführung eines serienmäßigen Einklemmschutzes bei den elektrischen Fensterhebern und/oder dem Schiebedach. November: Neuer 1,9-Liter-TDI-Turbodieselmotor mit und direkter Einspritzung.
1994 Zum Modelljahr 1995 kleine technische Änderungen: Serienmäßige elektronische Wegfahrsperre bei gleichzeitigem Entfall des Werkstattschlüssels. Handschuhfach mit Klappe, jetzt auch in Verbindung mit Beifahrerairbag. Beim 47-kW-Saug- und 55-kW-Turbodiesel entfällt der mechanische Kaltstartzug am Fahrerplatz. Oktober: Neuer 1,6-Liter-Benzinmotor mit .
1995 Juli: Neuer 1,9-Liter-Saugdieselmotor mit und direkter Einspritzung. September: Zum Modelljahr 1996 kleine Modellpflege mit geänderten Stahlrädern, serienmäßig abgedunkelten Heckleuchten, einem neuen, in Wagenfarbe lackierten „Happy-Face“-Kühlergrill im Stil des Passat, schwarz lackierten Stahlrädern (vorher in Silber) und Radvollblenden, neuen Aluminiumrädern, sowie elektrisch verstellbaren Außenspiegeln und elektrischen Fensterhebern, vollflächig lackierten Stoßstangen, ab Version CL eine Lackierung aller äußeren Plastikteile (außer Türgriffen) in Wagenfarbe, abgerundeten, seitlichen Blinkleuchten, Armaturenbrett des Golf III. Neue Modellbezeichnungen: CLX (vorher CL) und GLX (vorher GL), alle anderen wie zuvor. Die GTD-Version entfällt, stattdessen Einführung des GT TDI und zusätzlichen neuen Lackierungen, sowie serienmäßigen Kopfstützen für die Rücksitze. mini|VW Vento in der Ausstattungsvariante GT (85 kW/115 PS)
1996 Januar: Neue Motoren: Modernisierter 1,6-Liter-Motor mit . Neuer Turbodieselmotor mit Direkteinspritzung (1,9 Liter mit 110 PS (GT(I) TDI, Unterscheidungsmerkmal Rotes "I" in TDI). Die Ausstattungslinien heißen nun CLX, GLX, GT und VR6. September: Kleine Änderungen für das Modelljahr 1997: Kühlflüssigkeit jetzt G 12 (rosa) statt G 11 (blaugrün). ABS jetzt bei allen Modellvarianten (vorher nur VR6) serienmäßig. Die Ausstattungsvarianten wurden in Trendline, Comfortline und Highline (wie Passat B5 und Golf IV) umbenannt.
1997 Geänderter Kabelbaum. Serienmäßig zusätzlich zwei Seitenairbags.
1998 Juli: Die Produktion wird mit Ende des Modelljahres 1998 eingestellt. Als Nachfolger erschien im September 1998 für das Modelljahr 1999 der VW Bora, auf dem VW Golf IV basierend.
Aus Plänen für einen Kombi der Modellreihe, die Vento Variant heißen sollte, wurde schließlich mit dem Golf zugehörigen Frontdesign der Golf Variant entwickelt. Ein Vento Cabriolet entstand bei Hofele-Design in Einzelstücken auf Basis des Golf III Cabrios, es wurde im September 1994 auf der Automechanika in Frankfurt am Main vorgestellt. Es war geplant, einen Umbau anzubieten – nicht zuletzt wegen des Kofferraumgewinns und der gefälligeren Optik. Angepeilt war dabei ein Umrüstungspreis von etwa 8000 DM. Dazu kam es jedoch nicht, es entstanden aber einige wenige Vorserienmodelle.
Technische Daten mini|Vierzylinder mit 66 kW (90 PS; MKB: ADZ)
Ottomotoren 1,6 1,8 2,0 2,8 VR6 Bauzeitraum 08/1992–09/1994 09/1994–07/1995 08/1995–07/1998 08/1994–10/1995 11/1995–07/1998 01/1992–07/1998 01/1992–09/1994 10/1994–07/1998 01/1992–09/1994 10/1994–07/1995 08/1995–07/1998 01/1992–07/1998 MotorkennbuchstabenVW Vento Motorcodes / Motorenübersicht / Motornummern / Motorenkennziffern ABU AEA AEE AEK AFT AAM ABS ADZ 2E ADY AGG AAA Motorkenndaten Motortyp R4-Ottomotor VR6-Ottomotor Anzahl Ventile pro Zylinder 2 Ventilsteuerung OHC, Zahnriemen Gemischaufbereitung Mono-Motronic Mono-Motronic 1.3 MPI Marelli 1AV Motronic M2,9 Simos Mono-Motronic Digifant Simos Motronic M2,9 Motoraufladung — Kühlung Wasserkühlung Bohrung × Hub 76,5 mm × 86,9 mm 81,0 mm × 77,4 mm 81,0 mm × 86,4 mm 82,5 mm × 92,8 mm 81,0 mm × 90,3 mm Hubraum 1598 cm³ 1595 cm³ 1781 cm³ 1984 cm³ 2792 cm³ Verdichtungsverhältnis 9,3:1 9,8:1 10,3:1 9,0:1 10,0:1 10,4:1 10,0:1 9,6:1 10,0:1 max. Leistung bei min−1 55 kW(75 PS)/5200 55 kW(75 PS)/4800 74 kW(100 PS)/5800 55 kW(75 PS)/5000 66 kW(90 PS)/5500 85 kW(115 PS)/5400 128 kW(174 PS)/5800 max. Drehmoment bei min−1 126 Nm/2600 128 Nm/2800 135 Nm/2800–3600 135 Nm/4400 140 Nm/3500 140 Nm/2500 145 Nm/2500 166 Nm/3200 166 Nm/2600 235 Nm/4200 Kraftübertragung Antrieb Vorderradantrieb Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional — 4-Stufen-Automatikgetriebe Messwerte Höchstgeschwindigkeit 168 km/h 188 km/h(185 km/h) 168 km/h(164 km/h) 178 km/h(174 km/h) 178 km/h(175 km/h) 196 km/h(194 km/h) 196 km/h(193 km/h) 224 km/h(220 km/h) Beschleunigung, 0–100 km/h 14,4 s 14,0 s 11,7 s(13,6 s) 14,8 s(18,2 s) 12,7 s(14,5 s) 12,7 s(15,3 s) 10,4 s(11,9 s) 10,6 s(12,2 s) 8,0 s(9,3 s) Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert) 7,6 l N 7,0 l S k. A. 7,7 l S(8,3 l S) 7,2 l N(8,5 l N) 7,9 l S(8,3 l S) 7,5 l S(8,1 l S) 7,5 l S(8,2 l S) 7,6 l S(8,2 l S) 9,0 l S(9,5 l S) CO2-Emission (kombiniert) k. A. 195 g/km(237 g/km) k. A. 197 g/km(237 g/km) 200 g/km(232 g/km) 256 g/km(282 g/km) Fahrwerk Radaufhängung vorn MacPherson-Federbeine, Dreieckslenker Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse, Schraubenfedern Bremsen vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, auf Wunsch ABS, beim VR6 sowie alle Modelle ab September 1996 war ABS Serienausstattung (GL, GLX mit 85 kW, GT und VR6: vorn belüftete Scheibenbremsen, hinten Scheibenbremsen) Lenkung Zahnstangenlenkung, servounterstützt Karosserie Stahlblech, selbsttragend Maße Spurweite vorn/hinten 1464/1448 mm 1450/1434 mm Länge 4380 mm Breite 1695 mm Höhe 1425 mm 1415 mm 1425 mm 1415 mm 1405 mm Radstand 2475 mm Gewichte Leergewicht 1105 kg 1105 kg(1135 kg) 1115 kg(1145 kg) 1160 kg(1190 kg) 1265 kg(1295 kg) Zulässiges Gesamtgewicht 1590 kg 1610 kg 1590 kg 1630 kg 1725 kg Zulässiges Anhängelast ohne/mit Bremsen 500/1000 kg 500/1200 kg 600/1200 kg Ausstattungsvarianten CL, CLX, GL, GLX CL, CLX, GLX, GT CL, CLX, GL, GLX CL, CLX, GL, GLX, GT VR6
Die Verfügbarkeit der Motoren war von Modell, Ausstattung und Markt abhängig.
Dieselmotoren 1,9 D 1,9 SDI 1,9 TD 1,9 TDI 1,9 TDI Bauzeitraum 01/1992–07/1998 08/1995–07/1998 01/1992–07/1998 11/1993–06/1996 07/1996–07/1998 06/1997–07/1998 01/1996–07/1998 Motorkennbuchstaben 1Y AEY AAZ 1Z AHU ALE AFN Motorkenndaten Motortyp R4-Dieselmotor Anzahl Ventile pro Zylinder 2 Ventilsteuerung OHC, Zahnriemen Gemischaufbereitung Wirbelkammereinspritzung Direkteinspritzung Wirbelkammereinspritzung Direkteinspritzung Motoraufladung — Turbolader (0,7 bar) Turbolader (0,95 bar) und Ladeluftkühler Kühlung Wasserkühlung Bohrung × Hub 79,5 mm × 95,5 mm Hubraum 1896 cm³ Verdichtungsverhältnis 22,5:1 19,5:1 22,5:1 19,5:1 max. Leistung bei min−1 47 kW(64 PS)/4400 47 kW(64 PS)/4200 55 kW(75 PS)/4200 66 kW(90 PS)/4000 66 kW(90 PS)/3750 81 kW(110 PS)/4150 max. Drehmoment bei min−1 124 Nm/2000–3000 125 Nm/2200–2800 150 Nm/2400–3400 202 Nm/1900 210 Nm/1900 235 Nm/1900 Kraftübertragung Antrieb Vorderradantrieb Getriebe, serienmäßig 5-Gang-Schaltgetriebe Getriebe, optional — 4-Stufen-Automatikgetriebe Messwerte Höchstgeschwindigkeit 156 km/h 165 km/h(162 km/h) 178 km/h(175 km/h) 193 km/h(190 km/h) Beschleunigung, 0–100 km/h 18,3 s 15,5 s(18,1 s) 13,2 s(15,3 s) 11,2 s(12,9 s) Kraftstoffverbrauch auf 100 km (kombiniert) 5,9 l D 5,1 l D 6,1 l D(k. A. l D) 5,0 l D(6,8 l D) k. A. l D 5,0 l D(6,4 l D) CO2-Emission (kombiniert) 167 g/km 144 g/km 172 g/km(k. A.) 137 g/km(177 g/km) k. A. l D 142 g/km(179 g/km) Fahrwerk Radaufhängung vorn MacPherson-Federbeine, Dreieckslenker Radaufhängung hinten Verbundlenkerachse, Schraubenfedern Bremsen vorn Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen, auf Wunsch ABS, bei allen Modelle ab September 1996 war ABS Serienausstattung (110PS TDI: vorn belüftete Scheibenbremsen, hinten Scheibenbremsen, 90 PS vorn belüftete Scheibenbremsen, hinten Trommelbremsen) Lenkung Zahnstangenlenkung, servounterstützt Karosserie Stahlblech, selbsttragend Maße Spurweite vorn/hinten 1464/1448 mm Länge 4380 mm Breite 1695 mm Höhe 1425 mm 1415 mm Radstand 2475 mm Gewichte Leergewicht 1150 kg 1160 kg(1190 kg) 1205 kg(1235 kg) Zulässiges Gesamtgewicht 1630 kg 1640 kg 1685 kg Zulässiges Anhängelast ohne/mit Bremsen 500/850 kg 500/1200 kg Ausstattungsvarianten CL, CLX, GLX CL, CLX, GLX, GTD CL, CLX, GL, GLX, GT
Die Verfügbarkeit der Motoren war von Modell, Ausstattung und Markt abhängig.
Literatur VW Golf III/VW Vento. So wird’s gemacht. Band 79. Delius Klasing, Bielefeld 1992, 2006, ISBN 3-7688-0761-4. VW Golf III/VW Vento Diesel. So wird’s gemacht. Band 80. Delius Klasing, Bielefeld 1992, 2002, ISBN 3-7688-0762-2. Kittler, Eberhard: Deutsche Autos seit 1990. Band 5: Audi, BMW, Smart, VW und Kleinserien. Motorbuch Verlag, Stuttgart 2001, ISBN 3-613-02052-1. ADAC special Gebrauchtwagen Ratgeber 2002. München, 2002, ISBN 3-89905-055-X. VW Vento. Betriebsanleitung. Wolfsburg, Juli 1992. 931.551.1H2.00 VW Vento. Betriebsanleitung. Wolfsburg, Januar 1994. 941.551.1H2.00