Das Gymnasium Adolfinum (kürzer: Adolfinum) befindet sich in der Innenstadt von Moers in Nordrhein-Westfalen und hat über 1.000 Schülerinnen und Schüler. Die Schwerpunkte des 1582 als schola illustris gegründeten, vormals altsprachlichen Gymnasiums sind alt- und neusprachliche Fremdsprachen (Latein, Französisch, Altgriechisch, Chinesisch und Hebräisch) und der mathematisch-naturwissenschaftliche Bereich.

Schulprogramm Das Schulprogramm hat einen modularen Aufbau (Leitsätze, Individualisierung, Einzelkonzepte). In ihm wird die Ausrichtung der Schule auf Fremdsprachen unter Berücksichtigung der Tradition eines humanistischen, altsprachlichen Gymnasiums und zurückgehend auf den Schwerpunkt des ehemals integrierten Aufbaugymnasiums auf Naturwissenschaften als Bildungsanforderung einer auf die modernen Ansprüche eines zeitgemäßen Unterrichts ausgerichteten Schule festgelegt. Neben den üblichen Leitsätzen zur Bildung und pädagogischen Erziehung ist die Förderung besonders begabter Schüler ein Kernelement. Hier wird in einem Erweiterungsprojekt für ausgewählte Schüler der Sekundarstufe I Betreuung bei der Bearbeitung ergänzender, teilweise parallel zum Unterricht durchgeführter Projekte angeboten. Schüler der Sekundarstufe II erhalten die Möglichkeit, parallel zum Unterricht Vorlesungen an der Universität zu besuchen. Bei diesem Projekt arbeitete die Schule mit dem Projekt für Begabtenförderung der Universität Nimwegen, dem Stedelijk Gymnasium Nimwegen und der regionalen Schulberatungsstelle in Duisburg zusammen. In der Jahrgangsstufe 5 wurde eine besondere Freiarbeitsklasse nach Maria Montessori eingerichtet, die jeweils bis in die Jahrgangsstufe 8 fortgeführt wird. Das Schulprogramm und die pädagogischen Konzeptionen werden in Arbeitskreisen fortgeschrieben. Es bestehen Arbeitskreise zu den Themen Schulprogramm, Schulentwicklung, Oberstufe, Mittelstufe, Multimedia, Begabtenförderung, Freiarbeit und Latein plus. In die vom Lehrerkollegium getragenen Arbeitskreise werden auch Schüler und Eltern eingebunden. Insbesondere zu Fragen der Begabungsförderung wurden Kontakte zum Gymnasium Nimwegen genutzt.

Denkmal für ehemalige jüdische Schüler mini|Erinnerungstafel für die ehemaligen jüdischen Schüler des Adolfinum (Gesamtansicht) Seit Mitte der 1990er Jahre gab es Anstöße seitens der damaligen Schulleitung, in einer besonderen Form der ehemaligen jüdischen Schüler des Adolfinums, von denen der letzte 1939 von der Schule verwiesen wurde, zu gedenken. Aus Anlass seines 75-jährigen Bestehens gab der Verein ehemaliger Adolfiner (VeA) im Jahre 1998 eine Schrift „Gymnasium Adolfinum 1988–1998“ heraus. In einem Aufsatz „Jüdische Schüler am Adolfinum in der Zeit von 1900–1939“ waren die Namen von 45 Schülern aufgeführt, die anhand der glücklicherweise erhaltenen Schülerkartei mit der Religionszugehörigkeit „israelitisch“ ermittelt werden konnten. In mehreren Projekttage-Arbeitsgruppen und in einem internationalen Geschichtsunterrichtsprojekt mit Schülern der Jahrgangsstufe 12 wurde im Jahr 1999 die Schulgeschichte zur NS-Zeit aufgearbeitet und dokumentiert. Als Ergebnis dieser Arbeit entstand zuletzt eine Gedenktafel für die jüdischen Schüler, die in einer Schulfeier am 27. November 2000 in Anwesenheit von Vertretern der oberen Schulbehörde und des 2006 verstorbenen Präsidenten des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, auf dem Gelände des Schulhofes als Mahnmal feierlich enthüllt wurde. Paul Spiegel betonte in seiner Rede: „Nicht wir Juden benötigen dieses Denkmal, sondern Sie als Schulgemeinschaft, um die Erinnerung an den Holocaust dauerhaft wach zu halten.“

Die Auseinandersetzung mit dem Holocaust ist auch weiterhin ein wichtiges Thema der Schulgemeinschaft, zu dem auf Initiative einzelner Lehrer und Schüler verschiedene Projekte bestehen. Unter anderem besuchten 98 Schüler der Jahrgangsstufe 10 im Juni 2010 erstmals für eine Woche das ehemalige KZ Auschwitz.Adolfiner in Auschwitz. Rheinische Post, 29. Januar 2011, abgerufen am 25. Juni 2026 Die einwöchige „Polenfahrt“ nach Auschwitz und Krakau wird seitdem am Ende eines jeden Schuljahres mit der gesamten Jahrgangsstufe 10 durchgeführt. Schüler früherer Fahrten unterstützen als ausgebildete Teamer die verantwortlichen Lehrer des jeweiligen Jahrgangs und begleiten die Schüler bei ihrer Erinnerungs- und Trauerarbeit.Polenfahrt. Auschwitzprojekt Adolfinum. Facebookseite, abgerufen am 25. Juni 2026

Auslandskontakte Im Rahmen des Französischunterrichts fahren interessierte Schüler der 9. Klasse in die Moerser Partnerstadt Bapaume, die sich im Département Pas-de-Calais befindet. Besonders gefördert werden individuelle Auslandsaufenthalte, die meistens in der Jahrgangsstufe 11 über einen Zeitraum bis zu einem Jahr wahrgenommen werden. Im Jahre 2010 begann eine Schulpartnerschaft mit dem Lycée François Couperin in Fontainebleau.

Die Schule beteiligte sich in den zurückliegenden Jahren am Comenius-Programm, das von der EU wegen der internationalen Schulzusammenarbeit gefördert wird. Die schulformübergreifenden Einzelprojekte und gegenseitigen Besuche durch Lehrerdelegationen erfolgten mit Partnerschulen in Madrid (Collegio-Vilcavaro-Grundschule), in Iași (Colegiul-National-Gymnasium, im Nordosten Rumäniens gelegen) und in Eger (Egri Szilágyi Erzsébet Gimnázium és Kollégium – Ungarn).

Arbeitsgemeinschaften Traditionell wird am Adolfinum ergänzend zum regulären Unterricht eine Vielzahl von Arbeitsgemeinschaften angeboten. Beispiele aus den letzten Jahren sind: Künstlerischer Bereich: Bläsergruppe; Schulband; Unter-, Mittel- und Oberstufenchöre; Vororchester „Adolfonium“; Theater-AG (seit mehr als zehn Jahren besteht ein Kooperationsvertrag mit dem Schlosstheater Moers) Mathematisch-naturwissenschaftlicher Bereich: Chemie-AG; Science-teaching-AG (stAG); „Olympinum“ für junge Forscher; Roboter-Workshop; EMR-Team (Engineering and Mathematical Research) Gesellschaftswissenschaften: Online-Zeitungs-AG („viewpoint@GAM“) Sport: Fußball; Volleyball Bootsbau-AG Website-/WikiFinum-AG M.U.T.-AG (Einsatz für Menschenrechte und Toleranz) Aus einem Projekt der Projekttage 2006 entstand der Schulsanitätsdienst (SSD). Er besteht aus einer Gruppe von Schülern der Jahrgangsstufen 8 bis 12, die während der morgendlichen Schulzeit oder bei Sonderveranstaltungen verletzte Mitschüler betreuen und Erste Hilfe leisten.

Freunde und Förderer der Schule Bereits im 17. Jahrhundert haben die Moerser Bürger mit Schenkungen zum Bestand und zur Ausstattung des Adolfinum in wesentlichem Umfang beigetragen. Herausragend ist die Peter-Hartzingh-Stiftung von 1680, die auch noch nach einer sehr wechselvollen Geschichte der Schule im Jahr 2000 ein Vermögen von ca. 20.000 € und einiges Grundvermögen aufwies.

Seit 1921 gibt es den Verein ehemaliger Adolfiner e. V., der neben einer Kommunikation der Ehemaligen untereinander auch die Förderung des Schulbetriebs zum Gegenstand hat. Die Eltern der Schüler sind vor allem in der Gesellschaft der Freunde und Förderer des Gymnasium Adolfinum e. V. aktiv. Die Vereine ermöglichen insbesondere eine gute Ausstattung der Schule im Bereich Multimedia und Internet (u. a. Selbstlernzentrum), aber auch mit musikalischen und naturwissenschaftlichen Geräten. Der Förderverein verwaltet auch das Vermögen der Wilhelmine-Heiming-Stiftung, in die eine ehemalige Lehrerin fast ihr gesamtes Vermögen eingebracht hat.

Wegen des teilweise eingeführten Ganztagsbetriebs zu Beginn des Schuljahres 2008/09 wurde die Schulkantine für die Bereitstellung von kalten und warmen Speisen an einen kommerziellen Caterer verpachtet. Bis dahin bot der von engagierten Eltern gegründete „Cafeteria-Verein des Gymnasium Adolfinum e. V.“ regelmäßig ein gesundes Pausenfrühstück an sowie Buffets bei Elternsprechtagen und anderen Schulveranstaltungen wie Theateraufführungen. Der Cafeteria-Verein wird als „Elternverein des Gymnasium Adolfinum e. V.“ fortgeführt und sorgt für Bewirtungen außerhalb des Caterer-Angebots.

Geschichte Die Gründung mini|Graf Adolf zu Neuenahr und Moers Die Entstehung des Adolfinum geht auf den Grafen Hermann von Neuenahr-Moers (1520–1578) zurück, der in der Grafschaft seit 1560 die Einführung der Reformation betrieben hatte. Nach längeren Auseinandersetzungen hatte er 1573 das Moerser Karmeliterkloster aufgelöst und suchte danach eine rechtliche Begründung zur Vereinnahmung des Klostervermögens, um gegenüber dem Kölner Erzbischof und dem Ordensprovinzial der Karmeliter zumindest eine formale Grundlage zur Abweisung von Regressansprüchen zu haben. Hierzu suchte er den Rat des 1572 vom Landfermann-Gymnasium in Duisburg nach Homberg in die Moerser Grafschaft gewechselten Gelehrten Heinrich Castritius Geldorp. Er beauftragte Geldorp kurz vor seinem Tod (4. Dezember 1578), ein Gutachten zu erstellen, in dem sowohl die Frage der Auflösung des Mönchsvermögens als auch die Gründung einer schola illustris behandelt wurden. Zur Berichterstattung an Graf Hermann kam es aber nicht mehr. Dessen Schwager und Erbe, Graf Adolf, forderte dann 1579 die Übergabe des wohl weitgehend fertigen Gutachtens, das so für Graf Hermann ausgestellt und nur in einem Zusatz an Adolf gerichtet war.

mini|links|Deckblatt des Gutachtens zur Errichtung des Adolfinum von 1580

Geldorp führte in dem lateinisch verfassten Gutachten aus,Ausgeführt im Widmungsbrief an Graf Adolf von Neuenahr vom 1. Oktober 1578, verfasst in Homberg am Rhein, in Heinrich Castritius Geldorp: Scholarvm ex monasticis opibus institvtio. Leiden 1580 (Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek München), (Google-Books). dass der Moerser Graf Friedrich bei Errichtung des Klosters 1446 die Auflage einer wahren christlichen Lebensführung gemacht hatte. Ansonsten sollte das Vermögen an die Grafen zurückfallen. Da es nun im Kloster zu Auseinandersetzungen über die protestantischen Lehren gekommen sei, hätten die Mönche ihr Asylum zerstört und der Graf habe das Recht, das Vermögen wieder zurückzunehmen. Dies umso mehr als das Vermögen ja nicht zum Eigennutze eingezogen werde, sondern zum Wohl des Gemeinwesens, nämlich zur Gründung einer Schule. So müssten als Lehrer geeignete Diener der Kirche herangezogen werden und die bisherigen Einnahmen des Klosters aus Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen sollten für die Schule verwendet werden. Denn die Einrichtung einer Schule gehöre zur Pflicht einer jeden Obrigkeit, die so ihre Pflicht zur zeitgemäßen Verkündigung des Evangeliums auch gegenüber den Bedürftigen (pauperes), hier den Bürgern, erfülle. Die Gründungsurkunde, Matrikel und die ersten Schulgesetze des Adolfinums sind – vermutlich während des Stadtbrandes von 1605 – verlorengegangen. Seit 1574 gab es eine Lateinschule im calvinistischen Geist, die bereits in den Räumen des ehemaligen Klosters untergebracht war. Hier sollten die begabten Jungen in der Grafschaft Moers u. a. die biblischen Sprachen lernen. Noch heute bietet die Schule neben Latein und Griechisch auch Hebräisch als Fremdsprache an. Die Lateinschule umfasste fünf Klassen. Die Einrichtung der zweiklassigen Oberstufe und damit der Beginn der schola illustris im Jahr 1582 ist belegt durch die Anstellung von Johannes Sniekelius Reidanus, einem Doktor der Jurisprudenz, als Rektor und mit Johannes Piscator als Konrektor sogar einem Professor der Philosophie. Diese hielten Vorlesungen zur Vorbereitung auf die Universität. Themen waren formale Logik, Reden Ciceros und die Auslegung des Römerbriefs durch Piscator. Die beiden erfahrenen und prominenten Pädagogen verließen jedoch wegen der Unruhen durch den Truchsessischen Krieg die Stadt schon 1584/1585.

Niederländische Blütezeit Von 1586 bis 1597 wurde die Stadt Moers während des Achtzigjährigen Kriegs durch Spanien besetzt, der Schulbetrieb wurde eingestellt und erst nach der Einnahme der Stadt 1601 durch die Niederländer im Jahre 1603 wieder aufgenommen. Es ist jedoch fraglich, ob das gleich wieder in Form einer Lateinschule geschah.