mini|hochkant|Rainer Maria Kardinal Woelki (2019) rahmenlos|rechts|Unterschrift von Rainer Maria Woelki mini|hochkant|Wappen als Erzbischof von Köln Rainer Maria Kardinal Woelki (* 18. August 1956 in Köln) ist ein deutscher Theologe, Kardinal der römisch-katholischen Kirche und seit 2014 Erzbischof von Köln sowie Metropolit der zugehörigen Kirchenprovinz.

Im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln entstand infolge von Fehlern Woelkis nach 2018 eine Vertrauenskrise im Erzbistum. Dies bestätigte eine von Papst Franziskus angeordnete Visitation, die konstatierte, Woelki habe „vor allem auf der Ebene der Kommunikation auch große Fehler gemacht“, und dies habe „wesentlich dazu beigetragen, dass es im Erzbistum zu einer Vertrauenskrise gekommen ist, die viele Gläubige verstört“. Am 2. März 2022 wurde mitgeteilt, dass Woelki Papst Franziskus seinen Amtsverzicht angeboten habe. Die kirchenrechtliche Frist von drei Monaten verstrich, ohne dass es zu einer öffentlich kommunizierten Entscheidung durch den Papst kam. 2024 verlor das von Woelki geführte Erzbistum Köln infolge einer überdurchschnittlich hohen Zahl an Kirchenaustritten nach mehreren Jahrzehnten seinen Rang als das mitgliederstärkste Bistum im deutschsprachigen Raum an das Bistum Münster.

Seit 2012 ist er Kardinalpriester von San Giovanni Maria Vianney.

Werdegang Bis zum Jahr 2003 Rainer Maria Woelki wurde als Sohn des Elektrikers Alfons Woelki (1928–2014) und seiner Frau Elisabeth in Köln-Mülheim geboren. Seine Eltern waren ostpreußische Heimatvertriebene, gebürtig aus Frauenburg im Ermland, die im Jahr 1945 in den Westen Deutschlands flohen. Woelki wuchs mit einem jüngeren Bruder und einer jüngeren Schwester in der Kölner Bruder-Klaus-Siedlung im Stadtteil Mülheim auf, die durch eine auf Initiative eines Kölner Pfarrers entstandene Siedlergemeinschaft für Kriegsflüchtlinge und Ausgebombte errichtet worden war; Bauherr war das Siedlungswerk der Erzdiözese Köln. Woelki entstammt einem „katholischen Milieu“; er habe nach eigener Aussage in seiner Pfarrgemeinde eine „geschlossene, heilige, katholische Welt“ erlebt, die ihm Halt und Orientierung vermittelt habe. In seiner Heimatpfarrei war Woelki Messdiener und Jugendgruppenleiter und feierte 1985 hier auch seine Primiz. Das Vorbild eines Kaplans seiner Gemeinde hatte in ihm bereits im Grundschulalter den Wunsch geweckt, Priester zu werden. Nach einer zwischenzeitlichen festen Beziehung entschied sich Woelki erst in der Wehrdienstzeit endgültig für den geistlichen Beruf.

Nach seinem Abitur am Städtischen Hölderlin-Gymnasium in Köln-Mülheim 1977 leistete er seinen Wehrdienst im Panzerartillerielehrbataillon 95 in Munster und studierte dann von 1978 bis 1983 Katholische Theologie und Philosophie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg unter anderem bei Karl Lehmann, dem späteren Kardinal und Bischof von Mainz. In Bonn gehörte er 1979 zu den Wiederbegründern der Aktivitas der Studentenverbindung katholischer Theologen St.V.k.Th. Rhenofrankonia Bonn.

2000 wurde Woelki an der Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz in Rom mit einer Dissertation zum Thema Die Pfarrei – ein Beitrag zu ihrer ekklesiologischen Ortsbestimmung zum Doktor der Theologie promoviert.

Woelki war 1983 Praktikant und 1984 Diakon in der Pfarrgemeinde St. Katharina in Gerresheim im Osten Düsseldorfs. Er empfing am 14. Juni 1985 durch Erzbischof Joseph Kardinal Höffner im Kölner Dom die Priesterweihe. Nach seelsorgerischer Tätigkeit als Kaplan an St. Marien in Neuss, Präses der Kolpingsfamilie Neuss-Zentral, Militärpfarrer in Münster-Handorf und Kaplan an St. Joseph in Ratingen wurde er 1990 Erzbischöflicher Kaplan und Geheimsekretär von Joachim Kardinal Meisner. Von 1997 bis 2003 war Woelki Direktor des Theologenkonviktes Collegium Albertinum in Bonn. Papst Johannes Paul II. verlieh ihm am 21. November 1999 den Päpstlichen Ehrentitel Kaplan Seiner Heiligkeit (Monsignore).

Weihbischof in Köln mini|hochkant|Wappen als Weihbischof von Köln Papst Johannes Paul II. ernannte Woelki am 24. Februar 2003 zum Titularbischof von Scampa und zum Weihbischof im Erzbistum Köln. Joachim Kardinal Meisner spendete ihm am 30. März 2003 im Kölner Dom die Bischofsweihe; Mitkonsekratoren waren sein Amtsvorgänger Weihbischof Klaus Dick und der damalige Kölner Weihbischof Norbert Trelle.

Sein damaliges Bischofswappen war zweigeteilt. Es zeigte oben ein geständertes (geteiltes) Kreuz auf silbernem Grund, das Wappen des Erzbistums Köln. Unten befand sich das Attribut des schweizerischen Heiligen Klaus von der Flüe (Patrozinium der Heimatpfarrei in Köln-Mülheim), ein Rad, bestehend aus zwei konzentrischen silbernen Ringen, aus deren Mitte sechs goldene Nägel erwachsen. Hinter dem Wappenschild das Kreuz, darüber der grüne Galero mit jeweils sechs grünen Quasten. Im Schriftband der Wahlspruch Bischof Woelkis Nos sumus testes („Wir sind Zeugen“); dieser entstammt der Apostelgeschichte .

Joachim Kardinal Meisner ernannte Weihbischof Woelki zum Bischofsvikar für die Fragen der Glaubenslehre und Ökumene und beauftragte ihn mit dem Pastoralbezirk Ost des Erzbistums. 2003 wurde er zum residierenden Domkapitular gewählt. Seit dem 1. Januar 2005 war Woelki Bischofsvikar für den Ständigen DiakonatAb 1. Juli 2011 umbenannt in „Bischofsvikar für die Ausbildung der Ständigen Diakone“ (Amtsblatt des Erzbistums Köln, 151. Jahrgang, 1. August 2011, Stück 9 Nr. 124). und seit dem 1. Januar 2006 für den Pastoralbezirk Nord mit den Großstädten Düsseldorf und Wuppertal zuständig.

Erzbischof von Berlin mini|hochkant|Wappen Kardinal Woelkis als Erzbischof von Berlin

Woelki wurde am 27. August 2011 in der St.-Hedwigs-Kathedrale in das Amt als Erzbischof von Berlin eingeführt. Papst Benedikt XVI. hatte am 2. Juli 2011 Woelkis Wahl durch das Berliner Metropolitankapitel bestätigt und ihn zum Erzbischof von Berlin ernannt. Am 16. August 2011 legte Woelki als erster Erzbischof den nach dem Reichskonkordat vom 20. Juli 1933 vorgeschriebenen Treueid vor dem Senat von Berlin ab.

Sein Amtswappen verbindet die Wappen der vorreformatorischen Diözesen Brandenburg, Havelberg, Cammin und Lebus, auf deren Grund das Erzbistum Berlin errichtet wurde, mit einem fünften Feld im Schildfuß, das auf goldenem Grund ein blaues Rad mit sechs roten Keilen als Speichen zeigt, die abwechselnd nach außen oder innen gerichtet sind: das Meditationsbild des heiligen Niklaus von Flüe, des Patrons der Heimatpfarrei Woelkis in Köln-Mülheim. Hinter dem Wappenschild stehen die Attribute eines Erzbischofs im Kardinalsrang, ein Doppelkreuz und ein Galero mit 15 Quasten.

Die Ernennung führte zu öffentlichen Spekulationen um mögliche Positionen und Haltungen Woelkis. Aufgrund seiner Promotion an der Opus-Dei-geführten Päpstlichen Universität vom Heiligen Kreuz und einer Predigt zu Josemaría Escrivá bei einem Festakt des Opus Dei 2008 in der Kölner Kirche St. Pantaleon wurde ihm eine persönliche Verbindung mit, gerüchteweise auch die Mitgliedschaft in dieser Personalprälatur unterstellt. Woelki führte in seinen Reaktionen aus, er sei kein Mitglied dieser Organisation: „Ich bin immer Diözesanpriester gewesen und gehöre weder dem Opus Dei noch einer anderen kirchlichen Gemeinschaft an.“

Woelki hatte als Weihbischof in Köln in einem Personalgespräch mit Georg Schwikart, einem damaligen Kandidaten für den Ständigen Diakonat, Homosexualität als Verstoß gegen die „Schöpfungsordnung“ bezeichnet. Die Ernennung Woelkis zum Berliner Erzbischof rief deshalb unter anderem beim Arbeitskreis „Lesben und Schwule in der SPD“ wie auch bei Berliner Bundestagsabgeordneten aus CDU, Grünen und SPD Kritik hervor. In einer Pressekonferenz nach seiner Ernennung erklärte Woelki, dass er „allen Menschen an seiner neuen Wirkungsstätte mit Respekt und Achtung begegnen“ und auch Gesprächsangebote des Lesben- und Schwulenverbands annehmen wolle. Zu dem Gespräch kam es am 16. September 2011.

Am 18. Februar 2012 wurde Woelki von Benedikt XVI. zum Kardinal ernannt und im feierlichen Konsistorium mit der Titelkirche San Giovanni Maria Vianney in das Kardinalskollegium aufgenommen. Am 29. Juni 2012 wurde Woelki von Benedikt XVI. im Petersdom das Pallium verliehen, ein Amtsabzeichen der Metropoliten. Seine Titelkirche nahm er am 30. Juni 2012 formell in Besitz. Nach Benedikts Rücktritt am 28. Februar 2013 nahm Woelki am Konklave 2013 teil. mini|Pressekonferenz zur Ernennung von Kardinal Woelki zum Erzbischof von Köln am 12. Juli 2014. Rainer Maria Kardinal Woelki, Diözesanadministrator Stefan Heße (links) und Dompropst Norbert Feldhoff Am 7. September 2014 wurde Woelki in einem Pontifikalamt als Erzbischof von Berlin verabschiedet.

Woelki setzte verschiedene Zeichen der Veränderung: Er nahm bewusst seinen Wohnsitz im Arbeiterbezirk Wedding, bemühte sich um Hilfe für Flüchtlinge und berief zahlreiche Frauen in leitende Funktionen,Daniel Deckers: Der vermeintliche Hardliner aus dem Rheinland. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. September 2014, S. 3. so mit Ulrike Kostka erstmals eine Frau als Direktorin des Diözesan-Caritasverbandes. Er leitete im Erzbistum Berlin eine tiefgreifende Strukturreform mit dem Titel „Wo Glauben Raum gewinnt“ ein, deren Ziel ist, bis 2020 die Zahl der rechtlich selbständigen Pfarreien auf 30 zu reduzieren. Bereits von seinem Vorgänger wurde die Neugestaltung des Innenraums und des Umfeldes der St.-Hedwigs-Kathedrale in Berlin ins Auge gefasst. Sie wurde im November 2013 mit der Ausschreibung eines Architekten-Wettbewerbs begonnen.„Es ist an der Zeit.“ Dompropst Rother zur Sanierung von Sankt Hedwig. In: Katholische Sonntagszeitung Erzbistum Berlin. Unser Erzbistum. 119. Jg., Nr. 44, 2./3. November 2013, S. I.

Erzbischof von Köln mini|Rainer Maria Woelki (2014) mini|Der emeritierte Erzbischof von Köln Joachim Kardinal Meisner überreicht den Petrusstab an seinen Nachfolger Rainer Kardinal Woelki mini|hochkant|Staatlicher Treueeid in der Staatskanzlei NRW mini|Beurkundung des Treueeides mit NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und der Chefin der Staatskanzlei Rheinland-Pfalz Jacqueline Kraege (18. September 2014)

Am 11. Juli 2014 wurde Woelki von Papst Franziskus zum Erzbischof von Köln ernannt. Er ist der 95. Bischof dieses Bistums. Die Amtseinführung fand am 20. September 2014 im Rahmen eines Pontifikalamtes im Kölner Dom statt. Als Geschenk an Woelki wurde eine Motette des Düsseldorfer Kirchenmusikers Klaus Wallrath zum Wahlspruch des Erzbischofs Nos sumus testes uraufgeführt.

Sein neues Amtswappen besteht aus einem zweigeteilten Schild. Über dem Schild ein goldenes Doppelkreuz. Auf der linken Schildseite zeigt es das schwarze Kreuz des Erzbistums Köln, im rechten Schildteil das Meditationsrad des Nikolaus von Flüe. Bruder Klaus war der Patron seiner Heimatpfarrei in der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln-Mülheim. Unter dem Wappenschild das Pallium und das Schriftband mit seinem Wahlspruch.

Kardinal Woelki nahm auch am Konklave 2025 teil, aus dem Papst Leo XIV. als neuer Pontifex hervorging.

Wirken Umgang mit sexualisierter Gewalt an Kindern Erstes Gutachten zu sexualisierter Gewalt