duum|Friedrich Hölderlin, Pastell vun Franz Karl Hiemer, 1792 rahmenlos|rechts|Ünnerscjrift vun Hölderlin Johann Christian Friedrich Hölderlin (* 20. März 1770 in Lauffen an’ Neckar; † 7. Juni 1843 in Tübingen) tellt to de bedüüdendst düütsch Lyriker. Sien Wark nimmt in de düütsch Literatur üm 1800 en sülvstännig Stellung neben Weimarer Klassik un Romantik in.

Leven duum|Gebortshuus vun Hölderlin,Tekner nich bekannt (um 1840) duum|Öllernhuus vun Hölderlin,Lauffen an’ Neckar (Januar 2009) School- un Universitätsjohren Hölderlin wurr 1770 in Lauffen an’ Neckar as Söhn vun den Klosterpleger Heinrich Friedrich Hölderlin (1736–1772) un de sien Ehefru, de Pfarrerdochter Johanna Christiana, boren Heyn (* 8. Juli 1748 in Frauenzimmern; † 17. Februar 1828 in Nürtingen), boren. As Hölderlin twee Johr old weer, is sien Vader storven. Hölderlin sien Moder Johanna Christiana Gok, verw. Hölderlin, boren Heyn weer en Nahfohrin vun de „Schwäbischen Geistesmutter“, Regina Bardili, boren Burckhardt (1599–1669), de gliekfalls as Ahnin vun Schelling, Uhland, Ludwig Hofacker, Ottilie Wildermuth, boren Rooschüz, un völ anner spraakmächtig Persönlichkeiten gellt. hett 1774 Johann Christoph Gok (1748–1779), Wienhändler un later ok Börgermeester in Nürtingen heiraadt.

De Familie truck in den so nömmt „Schweizerhof”, en stattlich Wahnhuus an de Neckarsteige, dat de Familie bit 1798 bewahnt hett. Friedrich un sien Süster Heinrike (* 15. August 1772) kreegen noch en Bröer, Karl Gok (* 29. Oktober 1776). Aber ok dit Glück hull nich lang an: As Hölderlin negen Johr old weer, is ok de Steefvader storven († 13. März 1779). In dat hüüd Hölderlinhaus nömmt Huus hett Hölderlin sien Kindheit un Jöögd verbrocht.

Den Wunsch vun sien Mutter nah den Pfarrersberop folgend, hett Hölderlin de Latienschool in Nürtingen un denn, nah de Konfirmatschoon, de evangeelsch Klosterschoolen (Gymnasien) in Denkendorf (Württemberg) un Maulbronn besöcht. Wiels dat Studium an de Universität Tübingen, as Stipendiat in’ Tübinger Stift, hett he mit de tokünftig Philosophen Hegel un Schelling Früendschap slooten. Dorneben wurr Hölderlin in disse Johren düchtig vun sien Lehrer Nathanael Köstlin präägt, de he as en Vader verehrt hett.

„Der Mutter Haus“ in de Nürtinger Neckarsteige bleev ok wiels de Studienjohren Upenholt för de Vakanzen un in de dorup in de folgend Johren immer weer Tofluchtsoort för den nah en Stellung in de Sellschoop sökend Hölderlin. Hier schreev he ok an sien „Hyperion“, wobi hüm sien Bröer Karl unterstütten dee.

Huuslehrerjohren Wegen de begrenzt Middel vun de Familie un sien Wiegern, en karklich Loopbahn intoslahn, weer Hölderlin tonächst as Huuslehrer för Kiner vun wohlhabend Familien tätig. So wurr he 1793/94 Huuslehrer bi Charlotte von Kalb in Waltershausen im Grabfeld. Nah Forschen ünner annern vun Adolf Beck un Ursula Brauer sall he tosommen mit Wilhelmine Kirms, en Anstellte vun Charlotte von Kalb, en Kind harrt hemm. 1794 hett he de Universität Jena besöcht, um dor Vörlesungen vun Johann Gottlieb Fichte to hörrn. Wiels dissen Upenholt hett he denn ok Johann Wolfgang von Goethe un den vun hüm besünners verehrten Friedrich Schiller kennen lernt. He hett ok de Bekanntschap vun Friedrich von Hardenberg (Novalis) un, in’ Mai 1794, vun Isaac von Sinclair maakt, mit de tosommen he af April 1795 en Gordenhuus in Jena bewahnen deee. In’ Mai 1795 hett he de Universitätsstadt fluchtoordig verlaaten, wiel he glööv, dat he sien groot Vörbild Schiller enttäuscht to hemm, un sück neben hüm nichtig as en lütt Schöler föhlen dee. Dörnanner un mit Teken vun Verwohrlosung düük he weer in Nürtingen up.

duum|Stammbookindrag vun Hölderlin in dat Stammbook vun den Studenten Johann Camerer, Jena, März 1795 1796 wurr Hölderlin Huuslehrer vun de Kinner vun Jakob Gontard, wat en Franforter Bankier weer. Hier is he up de sien Fru Susette drapen, de sien groot Leev wurr. Susette Gontard is dat Modell för de Diotima vun sien Breefroman Hyperion.

duum|left|Hölderlin-Denkmal in’ Bad Homburger Kurpark As Gontard dat Verhältnis vun sien Fru un Hölderlin mitkreeg, muss Hölderlin sien Tätigkeit bi den Bankier gau upgeven. He is denn nah Homburg to sien Studienfrüend Isaac von Sinclair flücht. Hölderlin befaunn sück in en schlecht finanziell Situatschoon (sülvst as gelegentlich eenig vun sien Gedichte mit Hülp vun sien Gönner Schiller verapenlicht wurrn) un weer up de materiell Stütt dör sien Moder anwiest. All dormals wurr bi hüm dat Leeden an en swoor „Hypochondrie” faststellt, en Tostand, de sück nah sien letzt Drapen mit Susette Gontard 1800 verschlechtern sull.

In’ Januar 1801 is he in de Swiez nah Hauptwil gahn, um de jüngere Süster vun den Koopmann Emanuel von Gonzenbach to ünnerrichten. He bleev dor dree Maand, bit hüm künndigt wurr un he weer nah Huus fohren muss.

Anfang 1802 funn he Arbeit as Huuslehrer vun de Kinner vun dan Hamborger Konsul un Wienhändler Meyer in Bordeaux un is to to Foot henreist. Nah wenig Maand keem he ut nich klärt Grünnen torüch nah Württemberg. Nah den Indrag in sien Pass hett he an’ 7. Juni 1802 de Rhienbrügg bi Kehl överquert, keem aber eerst Enn’ vun den Maand in Stuttgart an und dat in en so verwohrlosten un verwirrten Tostand, dat Früenden hüm tonächst meest gor nich weerkennt hebbt. Latestens hier reck hüm ok de Nahricht vun den Dood vun Susette, de kört tovör in Frankfort an de Röteln storven weer. De Ereignisse in dissen Juni 1802 sünd historsch nich klor un Gegenstand vun divergeerend Interpretatschonen (so vun Adolf Beck, Pierre Bertaux und D. E. Sattler).

Hölderlin kehr torüch to sien Moder nah Nürtingen un hett sück in Arbeit störrt, he hett Sophokles översett un Pindar, nach de sien Vörbild he ok sien eegen Gesänge (oder Hymnen) konzipeeren dee. Sien Früend, de Hessen-Homburger Regeerenschef Sinclair, hett hüm 1804 en Stäe as Hoffbibliothekar verschafft, dat Gehalt hett Sinclair ut eegen Tasch betahlt. För den Homburger Landgrafen Friedrich V. entstunn ünner annern de Gesang Patmos; en Kompositschooon „von überirdischem Maß“ (Fried Lübbecke). De weer Deel vun en groot anleggten Zyklus' vaterländischer Gesänge, vun de dat berühmt Homburger Foliobook tüügt (dorin ünner annern Entwürfe to: Der Ister, Griechenland, Die Titanen, Kolomb, Mnemosyne). 1805 wurr mit sien Nachtgesängen ok dat berühmte kört Gedicht Hälfte des Lebens verapenlicht.

1806–1843: De Johren in den Tübinger Toorn In’ Februar 1805 wurr Sinclair up Andrag vun den Kurfürsten Friedrich II. vun Württemberg verhaft un en Hoochverratsperzess tegen hüm anstrengt, de aber ahn Ergevnis bleev. De Ermittlungen gegen den angevlich dorin verwickelten „württembergischen Untertanen” Hölderlin wurrn bald instellt, nahdem de Homburger Dokter un Hoff-Aftheker Müller in en Gootachten van’ 9.April 1805 schreeven hett, dat Hölderin zerrütt weer un sien Wahnsinn in Raseree övergahn weer. In’ August 1806 schreev Sinclair an Hölderlin sien Moder, dat he för sien Früend nich mehr sörgen kunn. An’ 11. September wurr Hölderlin toeerst ünner den Vörwand, Böker för de landgräfliche Bibliothek to koopen, denn toletzt mit Gewalt vun Homburg nah Tübingen in dat vun Johann Heinrich Ferdinand Autenrieth leit Universitätsklinikum schafft. Latestens vun dissen Tietpunkt an gull Hölderlin för de Lüüd ut sien Tiet as wahnsinnig. In dat Tübinger Klinikum kreeg he en 231 Daag lang düern, för dormalige Verhältnisse as fortschrittlich ansehn (Dwangs-)Behandlung, offenbar ünner de Diagnose vun Autenrieth, de en „Manie als Nachkrankheit der Krätze“ faststellt harr. Jann E Schlimme, Uwe Gonther. Hölderlins Behandlung im Tübinger Klinikum. in: Uwe Gonther. Jann E. Schlimme (Hrsg.). Hölderlin und die Psychiatrie. Schriften der Hölderlin-Gesellschaft Bd. 25. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010: S.51–110; hier S. 62ff. Över de nipp un nau Behandlung, mit deren Dörführen Autenrieth den Medizinstudenten Justinus Kerner beupdragen dee, is man blots wenig bekannt. Seker is aber, dat Hölderlin mindestens eenmal, vermootlich aber mehrfak veer Week düernd Zyklen vun medikamentöös Behanneln över sück ergahn laaten muss. De hebbt de neben möglich Phasen vun Sedeeren un Beruhigen insbesünnere intensive, seker mit Pien verbunnen un anhollend (to’n Deel blödig) Dörfälle veroorsakt. Ut de eerst Behannelnsweeken stammt ok de eenzig Överleefern, de Inblick in de Behannelnssituatschoon gewährt: „Uhland studiert izt Schelling, und Autenrieth hilft dem gefallenen Titanen Hölderlin laxieren und macht ihm einen bösen Kopf.“ (Breef vun Gustav Schoder ut de Krankenstuuv vun dat Tübinger Klinikum an’ 3. Oktober 1806 an sien Früend Immanuel Hoch) Uwe Jens Wandel. 500 Jahre Eberhard-Karls-Universität Tübingen 1477–1977. Universitätsbibliothek Tübingen 1977, S. 175. In’ historschen Rückblick schient de Behanneln in völ Phasen en grad weg traumatisch Qualität upwiest to hemm, so dat se dat wiedere psychische Befinnen Hölderlin seker nicht verbetert hett. Jann E Schlimme, Uwe Gonther. Hölderlins Behandlung im Tübinger Klinikum. in: Uwe Gonther. Jann E. Schlimme (Hrsg.). Hölderlin und die Psychiatrie. Schriften der Hölderlin-Gesellschaft Bd. 25. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010: S.51–110; hier S. 104ff. Över de nipp un nau medizinisch Bestimmuen vun sien geistig „Verrückung” wurr insbesünnere siet 1900 1900 tüschen Literaturwetenschaplern un Psychiatern düchtig streeden. Uwe Gonther. Hölderlins "Wahnsinn" als Teil der Rezeptionsgeschichte. Grundlagen der Kontroverse. In: Uwe Gonther. Jann E. Schlimme (Hrsg.). Hölderlin und die Psychiatrie. Schriften der Hölderlin-Gesellschaft Bd. 25. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010: S.132–139. Ok wenn disse Fraag in’ historschen Rückblick nie nich seker kläärt wurrn kann, is de vun Pierre Bertaux vertreden Upfaaten, dat Hölderlin sien Wahnsinn blots simuleert, in hör Vereenfaken ut hüdig Sicht aftolehnen. Georg Wolfgang Wallner, Uwe Gonther. Hölderlin in Tübingen. Symptomatik und Versuch einer Analyse. in: Uwe Gonther. Jann E. Schlimme (Hrsg.). Hölderlin und die Psychiatrie. Schriften der Hölderlin-Gesellschaft Bd. 25. Psychiatrie-Verlag, Bonn 2010: S.111–129. Insbesünnere aber besteiht hüüd Eenigkeit, dat ok de genaueste Bestimmen vun en medizinisch Diagnose de Fraag apen laaten muss, wu sien latere un laatste Gedichte intoschätzen sünd, tomal en ingahn Beschäftigung mit dat Laatwark – entgegen de Stimmen, de de wassen Ick-Verleugnung as Symptom "schizophrener Ich-Auflösung" verstaht – Interpretatschonsansätze erloovt, de vun en bewusst, sück vun den Subjektivismus vun sien Zeit Afstand nehmen "Entichungswillen" utgahn, de mitünner en parodistisch Afreken mit de herkömmlichen Ichlyrik upschienen lett.Jacky Carl-Joseph Paul. "Arm ist der Geist Deutscher. Geheimerer Sinn." Hölderlin: Eine Gegendarstellung. Athena-Verlag/Oberhausen 2011. S. 242f.

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