Das Historische Lexikon Bayerns (HLB) ist ein epochenübergreifendes, ausschließlich online zugängliches Sachlexikon zur Geschichte Bayerns. Es wird von der Bayerischen Staatsbibliothek in Zusammenarbeit mit der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Konferenz der Landeshistoriker an den bayerischen Universitäten getragen. Die Inhalte decken die Geschichte Altbayerns, Frankens, Schwabens und der Pfalz ab und richten sich an ein breites Zielpublikum. Der Zugang erfolgt ohne Anmeldung.
Das Lexikon gliedert sich in epochenbasierte Module, die in Projektphasen realisiert werden. Neben Sachartikeln enthält das Lexikon eine wachsende Zahl an Bildmaterialien, Karten und multimedialen Inhalten. Redaktion, Projektleitung und technische Betreuung sind an der Bayerischen Staatsbibliothek angesiedelt. Zum Jahreswechsel 2024/25 waren knapp über 1.400 Artikel publiziert.
Aufbau und Zielsetzung mini|Sitz der Redaktion in der Kaulbachstraße 19 in München
Das Historische Lexikon Bayerns ist als wissenschaftliches Sachlexikon zur bayerischen Geschichte von den Anfängen bis zur Gegenwart konzipiert. Ein zentrales Merkmal des Lexikons ist seine konsequente digitale Ausrichtung; schon seit Projektbeginn 2005 wurde eine rein webbasierte Umsetzung verfolgt,Lediglich zum zehnjährigen Jubiläum am 23. Juni 2016 wurde eine gedruckte, 19-Bändige Einzelausgabe der bereits publizierten Artikel in sehr kleiner Auflage angefertigt, um die mittlerweile erreichte Größe des Lexikons zu veranschaulichen; Matthias Bader, Daniel Rittenauer, Bernhard Graf von Zech-Kleber: 10 Jahre Historisches Lexikon Bayerns, online auf historisches-lexikon-bayerns.de, Juni 2016 [Zugriff am 10. September 2026]. was einen Unterschied zu vergleichbaren Projekten wie dem Historischen Lexikon der SchweizDieses ist dreisprachig konzipiert, wobei Teile des Artikelbestandes auch ins Rätoromanische übersetzt und als zweibändige Teilausgabe erschienen sind. Der online verfügbare Artikelbestand wird im Rahmen der Möglichkeiten fortlaufend ergänzt und aktualisiert. – gewissermaßen das Vorbild des Projekts –, dem Erlanger Stadtlexikon und dem Nürnberger Stadtlexikon darstellt, welche auch nicht nur in Web- sondern auch in Druckform vorliegen.Ellen Latzin: Bayerische Geschichte im Internet. Das Historische Lexikon Bayerns. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006), S. 993–1004, hier: S. 999; Bernhard Graf von Zech-Kleber: Das Historische Lexikon Bayerns. Ein Nachschlagewerk für die Landesgeschichte in (Main-)Franken. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 72 (2020), S. 337–51, hier: S. 339. Die konsequent digitale Form des HLB ermöglicht eine direkte Verknüpfung mit externen Inhalten wie Bibliothekskatalogen oder digital zugänglicher Fachliteratur. Darüber hinaus können ergänzende Materialien – etwa Bildquellen, audiovisuelle Medien oder digitale Objekte aus bavarikon – integriert werden.Bernhard Graf von Zech-Kleber: Das Historische Lexikon Bayerns. Ein Nachschlagewerk für die Landesgeschichte in (Main-)Franken. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 72 (2020), S. 337–51, hier: S. 337.
Von Anfang an war eine breite thematische Ausrichtung des Projekts vorgesehen.Matthias Bader, Daniel Rittenauer, Bernhard Graf von Zech-Kleber: Das Historische Lexikon Bayerns. Wissenschaftlich fundierte Landesgeschichte aus dem Internet. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 75 (2015), S. 295–304, hier: S. 299. Technisch basiert das Lexikon seit dem Relaunch 2015 auf Semantic MediaWiki. Diese semantische Strukturierung ermöglicht im Vergleich zum älteren System eine systematische Erschließung, bessere Suchmöglichkeiten und die dynamischere Verknüpfung von Artikeln. Auch Bilder können nun besser im Text platziert werden. Über 10.000 Bilder, Karten, Audio- und Videoelemente von verschiedenen Partnern ergänzen die Texte. Für die Medien ist eine eigene Bildredaktion zuständig.Matthias Bader, Daniel Rittenauer, Bernhard Graf von Zech-Kleber: Das Historische Lexikon Bayerns. Wissenschaftlich fundierte Landesgeschichte aus dem Internet. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 75 (2015), S. 295–304, hier: S. 297, 302; Irmtraut Heitmeier, Daniel Rittenauer, Stefan Schnupp: 15 Jahre Historisches Lexikon Bayern. Eine Erfolgsgeschichte. In: Bibliotheksforum Bayern 16/1 (2022), S. 24–27, hier: S. 26f. Teilweise greift das HLB auch auf Medien aus Wikimedia Commons zurück.Datei: Wertheim, Grafen von – Historisches Lexikon Bayern, online auf historisches-lexikon-bayerns.de [Zugriff am 10. September 2026].
Das HLB ist modular aufgebaut. Die thematisch und zeitlich begrenzten Einheiten werden in eigenständigen Projektphasen bearbeitet. Inhaltlich reicht das Spektrum von politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen bis zu regionalgeschichtlichen Themen. Damit greift das Projekt ein bereits lange bestehendes Desiderat systematisch erschlossener landesgeschichtlicher Darstellung auf,Ellen Latzin: Bayerische Geschichte im Internet. Das Historische Lexikon Bayerns. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006), S. 993–1004, hier: S. 994. denn obwohl die Geschichtsforschung zu Bayern auf eine Vielzahl von Nachschlagewerken – teils erarbeitet von der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften – zurückgreifen konnte, fehlte zuvor ein umfassendes Sachlexikon zur bayerischen Geschichte.Die bis zur Gründung des HLB existierenden Nachschlagwerke sind überwiegend geographischer und biographischer Natur. Dazu kommen Spezialenzyklopädien und verschiedene Handbücher; Ellen Latzin: Bayerische Geschichte im Internet. Das Historische Lexikon Bayerns. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006), S. 993–1004, hier: S. 993f.; Florian Sepp: Das Historische Lexikon Bayerns. Ein Internet-Lexikon zur bayerischen Geschichte. In: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2006 (2007), S. 109–14, hier: S. 109, 113, Anm. 7–12. Auf biographische und topographische Artikel wird bewusst verzichtet, da diese Inhalte durch spezialisierte Referenzwerke bereits hinreichend erschlossen sind.Florian Sepp: Das Historische Lexikon Bayerns. Ein Internet-Lexikon zur bayerischen Geschichte. In: Jahrbuch der historischen Forschung in der Bundesrepublik Deutschland 2006 (2007), S. 109–14, hier 119.
Das HLB versteht sich als öffentlich zugängliches Referenzwerk, das gleichermaßen die wissenschaftliche Forschung, den akademischen Unterricht, die schulische Vermittlung historischer Inhalte sowie das historisch interessierte Laienpublikum adressiert. Die Artikel werden ausschließlich von eingeladenen Fachautorinnen und Fachautoren verfasst, die als ausgewiesene Expertinnen und Experten auf ihrem jeweiligen Gebiet gelten. So verfasste Matthias Becher die Beiträge Treueide (Frühmittelalter) (2024) und Sturz Herzog Tassilos (2019), während Dieter Weiß unter anderem die Artikel Templer (2010), Ritterorden (2010) sowie Franken (Begriff) (2015) erarbeitete. Walter Ziegler steuerte maßgebliche Arbeiten zur Geschichte des frühen Nationalsozialismus bei, darunter Versuchte Ausweisung Adolf Hitlers aus Bayern (2006; aktualisierte Fassung 2018), Staatsbürgerschaft Adolf Hitlers (2006) sowie Hitlerputsch (8./9. November 1923) (2006; aktualisiert 2024). Uwe Israel zeichnete für den Beitrag Fondaco dei Tedeschi (2015) verantwortlich, und Roman Deutinger liefert mit seinem Artikel Agilolfinger (2018) eine grundlegende Darstellung der frühmittelalterlichen Dynastie.In der Frühphase wurde nicht jeder Artikel unter Nennung des Autorennamens veröffentlicht; diese Beiträge sind mittlerweile aus dem Bestand entfernt worden; vgl. etwa den Artikel Bayerischer Rundfunk vom Juli 2005, abrufbar über bavarikon [Zugriff am 10. September 2026]. Der thematische Horizont reicht von Politik-, Rechts- und Sozialgeschichte bis hin zu Kultur-, Technik- und Religionsgeschichte. Ergänzend werden auch übergeordnete Konzepte wie Föderalismus oder Naturschutz aufgegriffen.Ellen Latzin: Bayerische Geschichte im Internet. Das Historische Lexikon Bayerns. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006), S. 993–1004, hier: S. 1000f. Die Redaktion an der Bayerischen Staatsbibliothek sichert Qualität durch internes Lektorat und externe Begutachtung durch einen wissenschaftlichen Beirat. Im Unterschied zu gedruckten Lexika ist eine kontinuierliche Aktualisierung und Erweiterung möglich.Bernhard Graf von Zech-Kleber: Das Historische Lexikon Bayerns. Ein Nachschlagewerk für die Landesgeschichte in (Main-)Franken. In: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 72 (2020), S. 337–51, hier: S. 344.
Artikelstruktur Die Artikel des HLB sind nach wissenschaftlichen Standards verfasst und konsequent für die digitale Nutzung konzipiert. Jeder Beitrag beginnt mit einem Abstract, dem ein ausführlicher Haupttext folgt, der die historische Einordnung und eine kritische Bewertung des Themas bietet. Ergänzend finden sich strukturierte Informationen in Form von Tabellen, Datenfeldern oder Listen. Multimediale Inhalte – darunter digitalisierte Quellen, Abbildungen, Karten und Audiodateien – werden separat zur Verfügung gestellt. Verlinkungen zum Kulturportal bavarikon ermöglichen weiterführende Recherchen. bavarikon integriert unter anderem eine von der Bayerischen Landesbibliothek Online (BLO) übernommene Ortsdatenbank sowie Zugriffsmöglichkeiten auf mehrere biographische Nachschlagewerke und eine Personensuchfunktion. Im Lexikon genannte Personen sind über die ihnen zugeordneten Normdaten der Deutschen Nationalbibliothek eindeutig identifizierbar. Eine kombinierte Volltext-, Titel- und alphabetische Suche ermöglicht einen schnellen und gezielten Zugriff auf die Inhalte. Sämtliche Artikel lassen sich als PDF-Dateien speichern oder ausdrucken. Sie werden bei Bedarf aktualisiert; sowohl das Veröffentlichungs- als auch das Überarbeitungsdatum sind jeweils ausgewiesen.Ellen Latzin: Historisches Lexikon Bayerns im Internet. In: Jahrbuch für fränkische Landesforschung 65 (2005), 325–28, hier: S. 326f.; dies.: Bayerische Geschichte im Internet. Das Historische Lexikon Bayerns. In: Zeitschrift für bayerische Landesgeschichte 69 (2006), S. 993–1004, hier: S. 1000f. In der Regel enthalten die Artikel des HLB ausschließlich ein Quellen- und Literaturverzeichnis am Ende. In einigen Fällen finden sich Quellen- und Literaturbelege direkt im Fließtext, wobei der Umfang stark variieren kann.Besonders ausgeprägt etwa bei: Matthias Becher: Treueid (Frühmittelalter). In: Historisches Lexikon Bayerns, Februar 2024 [Zugriff am 10. September 2026].
Entstehung und Entwicklung
Konzeption und institutionelle Verankerung