Östringen (südfränkisch: Eschdringe) ist eine Stadt im Landkreis Karlsruhe in Baden-Württemberg. Die Stadt fasst eine Gemarkungsfläche von 5322 ha. Östringen liegt im Norden des Kreisgebietes am westlichen Rand des Kraichgaus zwischen den Ballungsräumen Karlsruhe und Heidelberg/Mannheim. Bis zur Kreisreform am 1. Januar 1973 gehörte Östringen zum Landkreis Bruchsal. Aufgrund seiner zentralörtlichen Funktionen für das Umland wurde Östringen 1981 von der Landesregierung zur Stadt ernannt.
Geographie und Stadtgliederung Stadtteile Zu Östringen gehören neben der Kernstadt Östringen die Stadtteile Odenheim, Tiefenbach und Eichelberg.
Geographie Etwa ein Drittel der Gemarkungsfläche nehmen ausgedehnte Laubwälder ein. Durch die Kernstadt Östringen fließt der Freibach, die Stadtteile Tiefenbach und Odenheim werden vom Katzbach durchflossen. Höchste Erhebungen sind die Gewanne Kasperhäusel und Tannenbaum bei Östringen, der Kapellenberg bei Eichelberg, der Schindelberg bei Odenheim und der Kreuzberg bei Tiefenbach. Die Gesamtgemarkung liegt zwischen 155 und 302 Metern über NN. Sie beherbergt vollständig die Flächen des Naturschutzgebiets Apfelberg sowie des Bannwalds Greifenberg. mini|NSG Apfelberg, September 2017 In Teilen liegen die Naturschutzgebiete Östringer Erlenwald und Kleiner Kraichbach auf dem Stadtgebiet. Der 48 ha große Östringer Erlenwald wird mit der Gemeinde Ubstadt-Weiher geteilt. Das NSG Kleiner Kraichbach mit der Stadt Kraichtal.
Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Östringen, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Osten genannt: Eppingen (Landkreis Heilbronn), Kraichtal, Ubstadt-Weiher, Bad Schönborn (alle Landkreis Karlsruhe), Mühlhausen, Angelbachtal und Sinsheim (alle Rhein-Neckar-Kreis).
Geschichte
Frühe Geschichte Erstmals urkundlich erwähnt wurde Östringen im Jahre 768 im sogenannten Codex Laureshamensis des Klosters Lorsch. 769 fand in diesem Codex auch Odenheim als Otemheim seine Erstnennung.
Während der Zeit der Stammesherzogtümer gehörte der Ort zum Herzogtum Franken.
Im 10. und 11. Jahrhundert war die Großmotte Wigoldesberg bei Eichelberg der Verwaltungssitz der Kraichgaugrafen. Während ihrer Amtszeit als Gaugrafen verlegten die Grafen von Lauffen den Verwaltungssitz wohl nach 1103 auf die Gaugrafenburg bei Bretten, und Bischof Bruno von Trier gründete um 1110 bis 1118 mit der Zustimmung seines Bruders Boppo (III.) von Lauffen auf Wigoldesberg ein Kloster mit Hirsauer Statuten. Sie garantierten den Grafen von Lauffen vererbbare Vogteirechte. Vor der Mitte des 12. Jahrhunderts wurde das Kloster an seinen endgültigen Ort in ein zwei Kilometer entferntes Tal verlegt.
Die Geschichte der Siedlungen ist eng verknüpft mit dem Kloster. In seinem Zusammenhang wurden im Jahre 1122 die Siedlung Tiefenbach als Tiephenbach und im Jahre 1161 die Siedlung Eichelberg erstmals urkundlich erwähnt. Für die wirtschaftliche Entwicklung spielte der Weinbau, den die Mönche hier einführen, eine große Rolle. Im Jahre 1496 wurde das Kloster in ein weltliches, freiadliges Ritterstift umgewandelt.
Urkundlich erwähnt ist auch die Wüstung Eberhardsweiler, südöstlich vom heutigen Östringen, aus dem Jahr 1337https://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/25907/Eberhardsweiler+-+W%C3%BCstung. Im Schrifttum wird für diese Zeit eine St. Ulrichskapelle erwähnt, die um 1400 bereits nicht mehr existiert. Mit dem Jahr 1803 wird Östringen badisch, seit 1807 ist Bruchsal zuständiger Amtssitzhttps://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/5433/%C3%96stringen.
19. und 20. Jahrhundert Im 19. Jahrhundert entwickelte sich in Östringen und Odenheim eine florierende Zigarrenindustrie. In Eichelberg und Tiefenbach blieb weiterhin überwiegend die Landwirtschaft, insbesondere der Weinbau, vorherrschend.
Im Zuge der Gemeindegebietsreform in Baden-Württemberg wurden am 1. Januar 1972 die beiden Gemeinden Eichelberg und Tiefenbach eingemeindet. Am 1. Januar 1974 erfolgte die Eingemeindung von Odenheim. Am 11. Juli 1981 wurde Östringen vom damaligen Innenminister von Baden-Württemberg und späteren Bundespräsidenten Roman Herzog in den Stand einer Stadt erhoben. In der Kernstadt Östringen leben rund 7200 Einwohner auf 1624 ha.
Seit 1998 fährt die Stadtbahn der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft vom Karlsruher Hauptbahnhof über Bruchsal nach Odenheim.
Odenheim
75px|links|Wappen Odenheim mini|Odenheim 2001 Odenheim zählt rund 3700 Einwohner auf rund 2100 ha Fläche und gehört seit dem 1. Januar 1974 zu Östringen.
Odenheim liegt im Katzbachtal mitten im Kraichgauer Hügelland. In Urkunden wird Odenheim erstmals im Jahre 769 erwähnt. Der Ort liegt an einer alten Römerstraße und war wohl bereits in germanischer Zeit Versammlungsort für Gauversammlungen. In der fränkischen Siedlungszeit gingen von Odenheim als Zentralort verschiedene Siedlungsgründungen aus, die jedoch bis auf Tiefenbach und Eichelberg heute wieder abgegangen sind.Hodecker 1962, S. 48–65. Ab dem 12. Jahrhundert war die Geschichte Odenheims eng verknüpft mit dem in der Nähe gegründeten Benediktinerkloster Wigoldsberg, dem späteren Ritterstift Odenheim. Die Ermordung Siegfrieds könnte der Nibelungensage nach bei dem in Odenheim befindlichen Siegfriedsbrunnen stattgefunden haben.
Odenheim kam aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses und der Auflösung des Hochstiftes Speyer 1803 an Baden und wurde von 1803 bis 1807 Sitz des Amtes Odenheim.
Das heutige Ortsbild Odenheims wird geprägt von der auf dem Kirchberg stehenden St. Michaelskirche und dem alten Rathaus mitten im Ort.
Odenheim verfügt als einziger Ortsteil der Gemeinde Östringen über einen Bahnhof. Die Linie S 31 des Karlsruher Verkehrsverbundes (KVV) verkehrt stündlich auf der Strecke Odenheim-Karlsruhe. Zu den Hauptverkehrszeiten alle 20 Minuten.
mini|Tiefenbach vom Aufstieg zur Kreuzbergkapelle aus gesehen
Tiefenbach
75px|links|Wappen Tiefenbach Der Weinort Tiefenbach wurde am 1. Januar 1972 nach Östringen eingemeindet. Er liegt eingebettet in der Kraichgauer Hügellandschaft zwischen Mischwald, Rebflächen und Ackerland. Urkundlich erwähnt wurde Tiefenbach erstmals im Jahre 1123 in Zusammenhang mit dem Kloster Wigoldesberg, dem nahegelegenen heutigen Stifterhof. Tiefenbach ist mit einer Gesamtfläche von ca. 917 ha und über 1300 Einwohnern der drittgrößte Teil der Gesamtstadt Östringen. Die höchste Erhebung ist der Kreuzberg mit 290 Metern. Das Ortsbild wird geprägt durch die Kath. Pfarrkirche St. Johannes. Neben dem Wein- und Obstanbau ist der Ort hauptsächlich bekannt durch eine vielseitige Gastronomie, einer Golfanlage und den idealen Naherholungsmöglichkeiten. So lädt der idyllisch gelegene Kreuzbergsee zum Wandern und Entspannen ein. Durch ein gut ausgebautes Radwegenetz ist Tiefenbach ein beliebtes Ziel für Familien und Hobbysportler. Seit 1990 wird in zweijähriger Folge das „Tiefenbacher Dorffest“ veranstaltet. mini|Weinort Eichelberg, Willkommensgruß
Eichelberg
75px|links|Wappen Eichelberg Die Gemeinde Eichelberg wurde am 1. Januar 1972 nach Östringen eingemeindet. Davor war Eichelberg dem Landkreis Sinsheim zugeordnet. Vor Ort leben 674 Einwohner auf ca. 673 ha (Stand: 30. September 2020)Stadtinfo Östringen. Wie Tiefenbach ist Eichelberg eine vom Kloster Odenheim erfolgte Siedlungsgründunghttps://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/5427/Eichelberg+-+Altgemeinde~Teilort. In der Ortslage wird aufgrund der guten Bodenverhältnisse traditionell Weinbau betrieben. Ein sehenswertes Keltereigebäude existiert bereits seit dem 16. Jahrhundert.
Konfessionen Östringen ist traditionell römisch-katholisch geprägt. So hat auch heute noch jeder der vier Teilorte seine eigene katholische Kirche. Darüber hinaus gibt es in Östringen und Odenheim auch je eine evangelische Gemeinde.
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat hat 22 ehrenamtliche Mitglieder, die für fünf Jahre gewählt werden. Die Gemeinderäte führen die Bezeichnung Stadtrat. Hinzu kommt der Bürgermeister als stimmberechtigter Gemeinderatsvorsitzender.Stadt Östringen: ; abgerufen am 9. Juli 2019.
Die Kommunalwahl 2024 führte zu folgendem Ergebnis (in Klammern: Unterschied zu 2019):Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Gemeinderatswahlen 2024, Stadt Östringen; abgerufen am 15. Juni 2024.Ergebnisse der Kommunalwahl 2024 in Östringen. In: bnn.de, abgerufen am 15. Juni 2024.
Gemeinderat 2024 Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 32,4 % (+1,0) 8 (+1) SPD 18,7 % (−10,4) 4 (−2) Unabhängige Liste (ULi) 17,4 % (+0,4) 4 (±0) AfD 14,8 % (+14,8) 3 (+3) Freie Bürgerliste 10,6 % (−3,4) 2 (−1) Grüne 6,1 % (−2,4) 1 (−1) Wahlbeteiligung: 61,4 % (+4,8)
Bürgermeister 1949–1959: Ferdinand Bender 1959–1979: Hermann Kimling (CDU) 1979–2003: Erich Bamberger (CDU) 2003–2011: Walter Muth (CDU) seit Juni 2011: Felix Geider
Wappen Blasonierung des Stadtwappens von Östringen: „In Blau ein silberner Kesselring, darin ein facettierter, sechsstrahliger, goldener Stern.“
Flagge: blau-silbern (weiß); die Verleihung der Flagge durch Innenminister Viktor Renner erfolgte am 16. Oktober 1958.
Städtepartnerschaften Abergavenny, Wales (seit 1968) Rozenburg, Niederlande (seit 1974) Thiviers, Frankreich (seit 1989) Den Stadtteil Odenheim verbindet eine Partnerschaft mit Itter in Tirol.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Stadtbahnwagen der S31 im Bahnhof Odenheim Verkehr Bahnverkehr Im Jahr 1911 wurde im Badischen Landtag in Karlsruhe eine Petition des Gemeinderats Östringen bezüglich des Baus einer Bahnlinie von Langenbrücken nach Östringen vorgelegthttps://www.leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/DOKUMENT/labw_findmittel_02/labw-4-1165596/Petition+des+Eisenbahnkomitees+und+des+Gemeinderats+%C3%96stringen+den+Bau+einer+Bahn+von+Mingolsheim+nach+%C3%96stringen+betr+und. Zum Bau einer direkten Anbindung an die Badische Hauptbahn (Heidelberg – Karlsruhe) kam es aber nicht.
Die Katzbachbahn (nach Ubstadt und von dort weiter nach Bruchsal), auf der die S 31 des Karlsruher Verkehrsverbundes fährt, verbindet den Ortsteil Odenheim mit dem Schienennetz. Bis zur Stilllegung führte die Bahn über Tiefenbach (bis 1975) und Eichelberg (bis 1960) weiter nach Hilsbach.
Fernstraßen Östringen ist durch die Bundesstraße 292 (Bad Schönborn – Lauda-Königshofen) an die Bundesstraße 3 und das überregionale Straßennetz angebunden.
Radverkehr Durch Östringen verläuft als Landes-Radfernweg der Badische WeinradwegBadischer Weinradweg auf www.schwarzwald-tourismus.info. Er führt von Grenzach-Wyhlen am Hochrhein nach Laudenbach im Rhein-Neckar-Kreis, dabei werden sieben der neun badischen Weinanbaugebiete untereinander verbunden. Die Route verläuft dabei in großen Schleifen durch die Weinanbaugebiete von Bruchsal nach Wiesloch, insbesondere von den Kraichtaler Ortsteilen Bahnbrücken und Landshausen in die Östringer Stadtteile Tiefenbach und Odenheim. Weiter verläuft er über Ubstadt-Weiher (Ortsteile Zeutern und Stettfeld) und Bad Schönborn (Langenbrücken) in die Kernstadt von Östringen und über den Mühlhausener Ortsteil Rettigheim nach Malsch.
Ansässige Unternehmen Wichtigste Arbeitgeber sind: das 1963 errichtete größte Nylonfaserwerk Europas der Firma Invista (ehemals DuPont und ICI), das Ende 2010 geschlossen wurde, und der Faserverbundwerkstoff-Hersteller Cytec. Das Nylonfaserwerk der ICI war der weltweit erste Anwender und zugleich Entwicklungsplattform für die Unternehmenssoftware der Firma SAP.
Weinbau Nach wie vor spielt auch der Weinbau eine große Rolle. Auf ca. 230 ha Rebfläche werden bekannte Lagen wie Östringer Ullrichsbruch, Odenheimer Königsbecher, Tiefenbacher Stiftsberg oder Eichelberger Kapellenberg angebaut.
Bildung