mini|350px|Geographische Lage Krylowo (, deutsch Nordenburg, litauisch Ašvėnai, polnisch Nordembork (Oświn)) ist eine Ortschaft in der russischen Oblast Kaliningrad im Rajon Prawdinsk mit Einwohnern (Stand ). Die Siedlung gehört seit 1. Januar 2016 zum Stadtkreis Prawdinsk (Правдинский городской округ).
Geographische Lage Der Ort befindet sich direkt nördlich der Grenze zu Polen und östlich von Schelesnodoroschny. Er liegt an der Putilowka (weiter in Polen als Oświnka; ehemals deutsch Swine, davor Aschwöne), die gut zwei Kilometer südlich bereits auf polnischem Territorium in den Oświn-See (ehemals Nordenburger See) mündet.
Verkehr In Krylowo treffen die von Kaliningrad kommende Regionalstraße 27A-028 (ex A 196) und die von Bolschakowo über Tschernjachowsk kommende Regionalstraße 27A-042 (ex A 197) zusammen und enden an der Grenze nach Polen.
Vor 1945 war Nordenburg Bahnstation an der Bahnstrecke Königsberg (Preußen) (Kaliningrad)–Löwenhagen (Komsomolsk)–Gerdauen (Schelesnodoroschny)–Angerburg (Węgorzewo). Außerdem endeten in Nordenburg zwei Kleinbahnlinien: die Linie (Insterburg (Tschernjachowsk)–) Warnascheln (1938–1945 Warnheide)–Nordenburg der Insterburger Kleinbahnen und die Linie (Rastenburg (Kętrzyn)–) Barten (Barciany)–Nordenburg der Rastenburger Kleinbahnen. Schienenverkehr gibt es in Krylowo heute nicht mehr.
Der Wasserturm am Bahnhof wurde 2020 renoviert.
An der in südöstlicher Richtung verlaufenden Trasse der ehemaligen Reichsstraße 131 ist die Errichtung eines Grenzübergangs zwischen Krylowo und dem polnischen Perły (ehem. Perlswalde) geplant.
Siedlung Krylowo (Nordenburg) Geschichte Frühgeschichte mini|Kirche von Nordenburg, Jahr 2025
Die Gegend um Nordenburg war bereits in frühgeschichtlicher Zeit besiedelt, wovon Streitäxte, Urnen und Skelette im Stadtgebiet zeugen, sowie ein Gräberfeld bei Werder, südlich der Stadt, am Nordenburger See. Eine prußische Burg befand sich auf dem Hexenberg von der Swine umflossen, etwa ein Kilometer nördlich der Stadt.Geschichte von Nordenburg - Krylowo., auch für den folgenden Inhalt 1336 soll der litauische Fürst Kęstutis in die Gegend eingefallen sein.
Deutschordensstaat Auf dem Schlossberg wurde 1366 erstmals ein Wildhaus erwähnt, ebenfalls als Insel in der Swine. 1368 wurde dort die Burg Nordenburg des Deutschen Ordens errichtet und Kuno von Hattenstein als „Pfleger“ (Burgverwalter) genannt. Diese Burg wurde wahrscheinlich bald danach, noch vor der Schlacht bei Rudau 1370 durch Fürsten Kęstutis zerstört.
Zwischen 1374 und 1383 wurde eine Siedlung mit 30 Hufen durch Marschall Rüdiger von Elner an zehn prußische Freie belehnt. 1405 beauftragte Marschall Ulrich von Jungingen einen Lokator mit der Gründung einer Stadt. Am 24. Juli 1407 wurde das Stadtrecht durch Hochmeister Ulrich von Jungingen an den Schulzen Nitsche Döring verliehen, mit der niederen Gerichtsbarkeit.Die originale Ausfertigung dieser Lokationsurkunde ist nicht überliefert. Ihr Text wurde 2004 zum ersten Mal nach 4 Abschriften aus dem 17. und 18. Jh. aus dem Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz mit der russischen Übersetzung und ausführlichen Kommentar ediert: Рогачевский А.Л. Очерки по истории права Пруссии XIII–XVII вв. (s. Abschnitt «Schrifttum» unten), S. 187–243. Es wurde in diesem Jahr auch ein Dominikanerkloster gegründet, das jedoch 1428 nach Gerdauen verlegt wurde. 1445 wurde der Ort Truntlag auf 60 Hufen gegründet, die die Bürger der Stadt an den Deutschen Orden zurückgegeben hatten.
Im Jahre 1469 wurde die Stadt „freierblich und ewiglich“ an die Brüder Georg und Christoph von Schlieben gegeben, als Ausgleich für bestehende Schulden des Orden.8. Mai 1469, Königsberg: Der Hochmeister-Statthalter Heinrich Reuß von Plauen verschreibt den Brüdern Georg und Christoph von Schlieben Gerdauen (Schloß, Stadt und Mühle) sowie Nordenburg (Stadt und Mühle) und mehrere Dörfer etc. Diese benannten Christian von Schlieben als Lehnspatron. 1523 gab es einen Stadtbrand, der Ort ging in diesem Jahr an Dietrich von Schlieben, der auf dem Schlossberg ein Herrenhaus errichtete.Einzelheiten zur genealogischen Folge und der wirtschaftlichen Entwicklung des Herrschaftsgebietes, In: Wulf D. Wagner: Kultur im ländlichen Ostpreußen. Geschichte, Güter und Menschen im Kreis Gerdauen. Band 2. Husums Verlag, Husum 2009, S. 896 ff.
Herzogtum Preußen Im Jahre 1564 gab es einen weiteren Stadtbrand. Im Jahre 1611 wurde ein Hospital durch Katharina von Schlieben, Ehefrau von Eustachius von Schlieben gestiftet, das bis 1945 existierte. Um 1631 ging nach deren Tod und dem Erlöschen des Nordenburger Zweiges der Familie der Besitz an die Stadt über.
Im Jahre 1695 beschädigte ein großes Unwetter Felder und Dächer, auch das der Kirche. Im Jahre 1705 brannte bei einem weiteren Stadtbrand auch die Kirche nieder. 1710 starben durch eine Pestepidemie etwa die Hälfte der Bevölkerung. Im Jahre 1714 wurde eine Garnison in die Stadt verlegt. Im Jahre 1718 wurde ein Streit um die Fischereigerechtigkeit zwischen der Stadt Nordenburg und Ernst Sigmund Graf von Schlieben-Birkenfeld gütlich beigelegt. Fortan durften die Nordenburger tagsüber, nicht jedoch nachts, in der Swine und auf dem Nordenburger See fischen.
Im Jahre 1757 wurde Nordenburg im Siebenjährigen Krieg durch russische Truppen besetzt.
In der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1820 zerstörte ein Großbrand in Nordenburg 60 Häuser, darunter das Rathaus samt den Räumen des Magistrats mit allen Akten und des Stadtgerichts, dem Gefängnis und der Wohnung des Gefängniswärters, sowie 40 Wirtschaftsgebäude. Im Jahr darauf brannte es erneut, wobei 46 Wirtschaftsgebäude den Flammen zum Opfer fielen. Eine Choleraepidemie forderte 1852 in der Stadt 200 und 1861 noch einmal 150 Tote.
Deutsches Reich Im Jahre 1898 wurde Nordenburg an die Eisenbahnstrecke nach Königsberg und Angerburg angeschlossen. Seit 1905 betrieb Fritz Jensen eine Dampfmühle als eine der ersten Werke, die Elektrizität in Ostpreußen erzeugten. Einige Haushalte wurden mit 110 Volt beliefert. Im August 1914 wurde Nordenburg gleich zu Beginn des Ersten Weltkrieges von russischen Truppen besetzt. Ein großer Teil der Bevölkerung floh. Vom 10. bis 13. September wohnten dann der deutsche General von Hindenburg und Generalstabschef von Ludendorff im Postgebäude von Nordenburg.
Eingemeindung Amtsbezirk Truntlack Im Jahre 1928 wurden wie in fast allen preußischen Provinzen durch eine neue Kommunalgesetzgebung Dörfer und vormals eigenständige Gutsbezirke zusammengelegt. Regional betraf dies im genannten Jahr die Ortschaften Truntlack und Werder. Der bisherige Amtsbezirk Truntlack, bestand seit 1874, wurde nach Nordenburg eingemeindet. Mittelpunkt war das Dorf Truntlack mit seinem alten 459 ha großen Gutsbezirk,Hans Wehner: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Domänen, Rittergüter, Güter und Höfe in der Provinz Ostpreußen. . In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band III, 5. Auflage, Selbstverlag der Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1932, S. 285. Elbinger Stadtbibliothek PDF, In: GenWiki / Hrsg. CompGen Berlin. Reprint: ISBN 978-3-88372-345-7. einer frühen Begüterung der Familien von Schlieben, von Wernsdorff und zuletzt der Barone von Heyking und deren Verwandtschaft.Wulf D. Wagner: Das Rittergut Truntlack 1446–1945. 449 Jahre Geschichte eines ostpreußischen Rittergutes. 2 Bände., Band 2, Husum Verlag, Husum 2014, ISBN 978-3-89876-705-7, S. 487.
Volksrepublik Polen Die Stadt blieb im und auch nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst unzerstört und fiel der Sowjetarmee am 25. Januar 1945 auch nahezu unbeschädigt in die Hände. Zunächst wurde die Stadt von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen; die polnische Zivilverwaltung verwaltete sie unter dem polnischen Namen Nordembork (Oświn). Im Spätsommer bzw. Frühherbst des Jahres 1945 änderte die Sowjetunion ihre ursprünglichen Pläne und vorschob die Grenze in Richtung Süden, so dass die Stadt unter sowjetische Verwaltung kam. Die bereits zugewanderten polnischen Neusiedler sowie die polnische Zivilverwaltung wurden kurzfristig wieder ausgewiesen.Historia - Wyzynaelblaska.pl.: Granica-Polsko-Radziecka-w-b.-Prusach-Wschodnich. Die Grenzkorrektur geschah offenbar, weil die sowjetischen Militärs auf die Kontrolle der strategisch wichtigen Kreuzung der ehemaligen Reichsstraßen 131 und 139 nicht verzichten wollten. Der südlichste Punkt des jetzigen Kaliningrader Gebietes befindet sich tatsächlich gerade einmal gut sechs Kilometer westlich der Stadt. Nach erfolgter Grenzkorrektur zündeten die zugewanderten und wieder ausgewiesenen polnischen Siedler oder Soldaten die ganze Altstadt an und vernichteten diese.Wulf D. Wagner: Gerdauen. Band I, S. 237.
Oblast Kaliningrad Aufgrund dieser umfassenden Zerstörungen verlor Nordenburg im weiteren Verlauf auch den Status einer Stadt. Die Reste der Häuser der Altstadt wurden bald abgetragen. Ein Wiederaufbau erfolgte nicht, da sich die Altstadt größtenteils im direkten polnisch-sowjetischen Grenzgebiet befand und damit im auch zu Warschauer-Pakt-Zeiten stark militärisch gesicherten Bereich lag. Nur die Turmruine der Ordenskirche ist zurzeit noch erhalten.
Nach der Ausweisung der polnischen Verwaltung Ende 1945 wurde der polnische Name Nordembork (Oświn) wieder geändert und zunächst in Норденбург (Nordenburg) zurückbenannt. Im Jahr 1950 erfolgte die Umbenennung in Krylowo.Указ Президиума Верховного Совета РСФСР от 5 июля 1950 г., №745/3, «О переименовании населённых пунктов Калининградской области» (Verordnung 745/3 des Präsidiums des Obersten Rats der RSFSR "Über die Umbenennung der Orte des Gebiets Kaliningrad" vom 5. Juli 1950) Es ist offenbar unklar, ob diese Umbenennung nach dem russischen Fabeldichter Iwan Andrejewitsch Krylow oder dem sowjetischen Marschall Nikolai Iwanowitsch Krylow erfolgte. Zunächst gehörte die Siedlung zum Dorfsowjet Podlipowski (Hohenlindenberg) im Rajon Schelesnodoroschny. Später (vor 1967) wurde Krylowo Sitz dieses Dorfsowjets, der seit 1963 zum Rajon Prawdinsk gehörte. Seit 2004 gehört Krylowo zur städtischen Gemeinde Schelesnodoroschnoje.
Demographie