mini|Hermann Lismann: Selbstbildnis 1920 mini|Familie des Künstlers Hermann Lismann (* 4. Mai 1878 in München; † April 1943 im KZ Majdanek) war ein deutscher Maler und Hochschullehrer.

Leben Hermann Lismann wurde in München geboren als Sohn des Kunstverein-Mitglieds,Bericht über den Bestand und das Wirken des Münchener Kunstvereins während des Jahres 1867. Gotteswinter & Mößl, München 1868, S. 20 (online) Handelsrichters, Kupferhütten- und WalzwerkbesitzersBayerischer Kurier (München), Nr. 181 vom 4. Juli 1864, S. 1296 (online) Benjamin Lismann (1832–1906)Benjamin Lismann stammte aus Büdingen im Großherzogtum Hessen. – Vgl. Allgemeine Zeitung des Judenthums (Leipzig), Nr. 26 vom 25. Juni 1861, Band 20, S. 368 (online) und seiner Frau Julia, geb. Ganz (1837–1920).

Hermann Lismann besuchte das Münchner Maximiliansgymnasium von der 1. Lateinklasse im Schuljahr 1888/89 bis zur 8. Klasse, zu deren Ende, 1896, er die Schule verließ.Jahresbericht über das K. Maximilians-Gymnasium in München für das Schuljahr 1888/89 bis 1895/96 An welcher Institution er das Abitur ablegte, ist nicht bekannt. Er studierte von 1898 bis 1903 in München und Lausanne Philosophie und Kunstgeschichte, Malerei privat bei Heinrich Knirr und ab April 1903 an der Münchener Akademie in der Malklasse von Franz Stuck.Hermann Lismann (Matrikelnummer 2563) im Matrikelbuch der Akademie. 1903/04 lebte er in Rom, 1904 bis 1914 im Kreis deutscher, dem Fauvismus nahestehender Künstler des Café du Dôme in Paris, so mit Rudolf Levy und Wilhelm Uhde.Reggy Havekes-van Creij, Sabine Fehlemann: Von Waldmüller bis Warhol. Gemälde des 19. Und 20. Jahrhunderts im Von der Heydt-Museum Wuppertal. Stiftung Museum Schloss Moyland, 1998, S. 96. Mit Lodewijk Schelfhout malte Lismann 1911 in Südfrankreich.

1914 ging er nach Frankfurt am Main. Im Ersten Weltkrieg war Lismann vier Jahre lang Soldat und Mitarbeiter des Roten Kreuzes. Erst 1919 beschäftigte er sich wieder mit Malerei. 1921 beteiligte er sich an der Ausstellung Deutsche Kunst in Baden-Baden., Katalog, abgerufen im Portal bad-bad.de am 26. Januar 2014. Lismann schrieb Aufsätze, Gedichte, Feuilletons, Theater- und Musikkritiken. Seit 1922 war er in der Erwachsenenbildung tätig. Für das Volksbildungsheim Frankfurt am Main leitete er Kurse und „Städelaufführungen“. Im Städel hatte er ein eigenes Atelier und eine eigene Malschule,, abgerufen im Portal stadtgeschichte-ffm.de am 26. Januar 2014. wo Mitte der 1920er Jahre der spätere Regisseur Hanuš Burger einer seiner Schüler war.Hanuš Burger: Der Frühling war es wert. Erinnerungen. C. Bertelsmann Verlag, München 1977, S. 33. 1929 bis 1934 war er Lektor für Technik der Malerei und Philosophie der Kunst an der Universität Frankfurt.

1934 erhielt er als Jude Berufsverbot, durfte 1935 aber noch am Institut der Jüdischen Gemeinde lehren. In dieser Zeit hatte der Kulturbund Deutscher Juden ein „Studio für bildende Kunst“ eingerichtet, wo Lismann in einem Atelier Maler fortbildete., Webseite im Portal museumeinharod.org.il (Museum of Art Ein Harod), abgerufen am 26. Januar 2014. 1937 wurden in der Nazi-Aktion „Entartete Kunst“ vierzehn Bilder Lismanns aus dem Städelschen Kunstinstitut und Städtische Galerie Frankfurt/Main, dem Landesmuseum Oldenburg und dem Museum der bildenden Künste Leipzig beschlagnahmt und vernichtet.Datenbank zum Beschlagnahmeinventar der Aktion „Entartete Kunst“, Forschungsstelle „Entartete Kunst“, FU Berlin

1938 emigrierte Lismann über Paris nach Tours.Alfred Werner: Lismann, Hermann. Webseite (nach Angaben der Encyclopaedia Judaica) im Portal jewishvirtuallibrary.org, 2008, abgerufen am 26. Januar 2014. In Frankreich wurde er 1939 im Lager Gurs interniert, konnte jedoch 1940 nach Montauban fliehen. 1942 wurde er von Behörden des Vichy-Regimes verhaftet und am 4. März 1943 in das KZ Majdanek deportiert.The Holocaust Chronicle Hier starb er im April 1943.Martin Papenbrock: Entartete Kunst, Exilkunst, Widerstandskunst in westdeutschen Ausstellungen nach 1945. Eine kommentierte Bibliographie. (Schriften der Guernica-Gesellschaft, Band 3). Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 1996, ISBN 3-932124-09-X, S. 491.

mini|Stolperstein für Hermann Lismann in Frankfurt am Main Anlässlich des 100. Geburtstags der Universität Frankfurt ist am 17. Oktober 2014 ein Stolperstein für ihn am Untermainkai 68–72 verlegt worden.

Malerei Lismanns Malerei wurde durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg teilweise zerstört. 1959 und 1968 wurden in Frankfurt am Main Ausstellungen seiner erhaltenen Bilder durchgeführt.Die vom Frankfurter Kunstverein 1959 durchgeführte Ausstellung zeigte 132 seiner Werke. - Vgl. Alfred Werner (jewishvirtuallibrary.org). In seinen Bildern setzte er sich mit den zeitgenössischen, insbesondere post-impressionistischen Strömungen der Malerei auseinander. Er schuf vor allem Bildnisse (u. a. Die Frau des Malers, 1908, Badende Knaben, um 1920Academic Nudes of the 19th Century, Webseite vom 17. Dezember 2012 im Portal academicnudes19thcentury.blogspot.de, abgerufen am 26. Januar 2014.) und mediterrane Landschaften.

1937 als „entartet“ beschlagnahmte und vernichtete Werke Tafelbilder Liebespaar im Garten (Öl auf Leinwand, 111,5 × 98 cm, 1918 oder früher), 1937 aus dem Städel beschlagnahmt, im März 1939 vernichtet. Bildnis einer Frau (Öl auf Leinwand, 68 × 54,2 cm, 1921), 1937 aus dem Städel beschlagnahmt, im März 1939 vernichtet. San Gimignano (Öl auf Leinwand, 70 × 85 cm, 1923), 1937 aus dem Städel beschlagnahmt, im März 1939 vernichtet. Frauenbildnis (Öl auf Leinwand, 59 × 64,2 cm, 1923)

Holzschnitte Hiob Ecce Homo Verlobung

Aquarelle Haus mit Pflanze Parenzo Badende Frauen Mädchen im Wald Frauen bei der Ernte

Zeichnungen Häuser am Berg Bäume und Häuser Haus mit Palme

Werk in öffentlichen Sammlungen (Auswahl) Cambridge, MA, USA, Harvard Art Museum / Busch-Reisinger Museum Crouching Nude, Zeichnung 1915

Frankfurt am Main, Städelsches Kunstinstitut und Städtische Galerie Liebespaar im Garten, Ölgemälde Bildnis Frau Prof. V., 1921 Ölgemälde Straße in Villeneuve, Tuschezeichnung 1911 Villeneuve-les-Avignon, Tuschezeichnung 1911 Perugia, 1923, Aquarell / Gouache Pitigliano, 1924, Aquarell / Gouache San Marino, 1924, Aquarell / Gouache Soriano, 1924, Aquarell / Gouache Junges Mädchen, 1926, Ölgemälde St. Guilhem-le-Désert, 1928, Aquarell / Gouache Stilleben in Weiß, 1929, Ölgemälde

Frankfurt am Main, Historisches Museum Bildnis der Frau des Künstlers, Ölgemälde; sign. >H.Lismann. 08.< Knabenhaftes Mädchenbildnis Grete Appelt, 1926, Olgemälde auf Sperrholzplatte, 70,8 × 48,5 cm Bildnis eines Knaben, 1926, Ölgemälde Mädchen mit Zopf, 1928 Stilleben mit Gipsen und Pflanzen, 1929, Öl auf Holz, 58,5 × 90 cm

Kassel, Staatliche Kunstsammlungen Gelbes Haus in Montauban, 1942

München, Städtische Galerie In Bad Tölz, 1911, Tuschezeichnung

München, Staatliche Graphische Sammlung Weiblicher Halbakt, 1902, Kreide, Tempera und Bleistift Sitzendes Mädchen, 1908, Tuschezeichnung, laviert Sitzendes Mädchen, 1908, Tuschezeichnung, laviert Paris, Blick über Häuser, 1908, Tuschezeichnung, laviert San Gimignano, 1923, Tuschezeichnung, laviert, über Bleistift

Saarbrücken, Saarlandmuseum; Stiftung Saarländischer Kunstbesitz Tänzerinnen im Tabarin, 1905, Gouache Zwei Kellner, 1905, Gouache Pariser Vorort, 1911 Cività castellana, 1924, Gouache

Wuppertal, von der Heydt-Museum Apfelernte, 1909 Apfelernte, 1910 Badende am Fluss, 1910 Badende Mädchen, 1910 Damenbildnis, 1909

Salzburg, Museum Kunst der Verlorenen Generation Die Familie des Künstlers (Öl auf Leinwand, 80,5 × 64 cm, 1922)

Schriften Die Schule des Malers. In: Kunst für Alle. Band 20, S. 202, Verlag F. Bruckmann, München 1905. Wege zur Kunst. Betrachtungen eines Malers. München u. a. 1920 (digitalisierte Ausgabe) Gustave Flaubert: Die Versuchung des Heiligen Antonius. Übersetzt von Hermann Lismann. Mit 14 Original-Holzschnitten von Hermann Lismann. F. Schmidt, München, Berlin und Leipzig 1921 Die Elemente der bildenden Darstellung und Grenzen der Künste (im Nachlass)

Schüler Hans Scheil

Literatur

Joseph Walk (Hrsg.): Kurzbiographien zur Geschichte der Juden 1918–1945. Hrsg. vom Leo Baeck Institute, Jerusalem. Saur, München 1988, ISBN 3-598-10477-4. Lismann, Hermann. In: Große Bayerische Biographische Enzyklopädie. K. G. Saur Verlag, München, Verlag Walter de Gruyter, Berlin 2005, S. 1193. Johannes Weisbecker (Hrsg.): Hermann Lismann 1878–1943. Gedächtnisausstellung zum 80. Geburtstag. Frankfurt am Main 1959. (Ausstellungskatalog) Christina Uslular-Thiele (Hrsg.): Hermann Lismann 1878–1943. Ein Frankfurter Maler. Frankfurt am Main 1979. (Ausstellungskatalog, Tagungsband) Annette Gautherie-Kampka: Hermann Lismann. Deutsche Maler des Café du Dôme. In: Weltkunst. 66 (1996) 19, S. 2248 f. Siegfried Weiß: Berufswunsch Kunst. Maler, Grafiker, Bildhauer. Ehemalige Schüler des Münchner Maximiliansgymnasiums der Jahre 1849 bis 1918. Allitera Verlag, München 2012. ISBN 978-3-86906-475-8, S. 514–521 (Abb.) Siegfried Weiß: Der Handelsmann und Vorsteher der jüdischen Gemeinde zu Büdingen Heinemann Lismann und seine Nachkommen. In: Büdinger Geschichtsverein (Hrsg.): Büdinger Geschichtsblätter, Band XXIV, bearbeitet und herausgegeben von der Geschichtswerkstatt Büdingen Joachim Cott, 2016, S. 133–175 (Abb.)

Weblinks

Auktionsresultate zu Hermann Lismann auf artnet.com BUNDESARCHIV - Zentrale Datenbank Nachlässe In: nachlassdatenbank.de. Abgerufen am 30. August 2016 (Informationen über den Nachlass Hermann Lismanns im Institut für Stadtgeschichte Frankfurt). Matrikelbuch Akademie München

Einzelnachweise

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