mini|hochkant=1.2|Fresko „Königshof“ in Stift Heiligenkreuz mini|Königshof, Gemälde von Theodor Festorazzo (1800–1862) mini|hochkant=1|Schloss Königshof, um 1900 mini|hochkant=1|Haupteingang zur „Denkmalpflege GmbH.“ von Klaus Wedenig in Bruckneudorf-Königshof Königshof (ungarisch Királyudvar, lateinisch Aula regia) ist eine Ortschaft in der Großgemeinde Bruckneudorf im Bezirk Neusiedl am See im Burgenland (Österreich). Die Siedlung liegt am Nordwestrand des Leithagebirges zwischen Kaisersteinbruch und Wilfleinsdorf, direkt an der Grenze zu Niederösterreich.

Historisch, geografisch und wirtschaftlich besteht eine enge, jahrhundertelange Verbindung zur Nachbarortschaft Kaisersteinbruch. Beide Orte teilen sich heute das Areal des Truppenübungsplatzes Bruckneudorf-Kaisersteinbruch.

Geschichte Das Schloss Königshof war bis 1912 das Verwaltungszentrum der ungarischen Besitzungen des Stiftes Heiligenkreuz. Im Anschluss daran kam es in den Besitz des Österreichischen Bundesschatzes und in Eigenverwaltung der Heeresökonomie Königshof. Das Schloss befindet sich seit 2010 im Privatbesitz und wird seither stückweise restauriert.

Römisches Castrum In der Nähe der Kapellenruine auf der Klosterwiese westlich Kaisersteinbruch leitete der Archäologe und Oberst Maximillian Groller von Mildensee 1903 im Auftrag des Altertumsvereines „Carnuntum“ Ausgrabungen, die bestätigten, dass sich hier Wohnräume der Zisterzienser befunden haben. Der Altertumsverein ließ hier Grabungen veranstalten, weil man vermutete, dass an dieser Stelle ein römisches Castrum bestanden habe. Die Vermutungen bestätigten sich, denn es fanden sich Baureste mit einem gut erhaltenen Hypocaustum (Heizanlage). Erwiesenermaßen führte hier die Straße der Römer vorbei, welche von Carnuntum am Seeufer über Winden, Eisenstadt nach Ödenburg (Scarabantia) führte. Zum Zwecke der Überwachung dieser Straße wurde dieser römische Gutshof (Herrenhaus) errichtet, der Ähnlichkeiten mit dem Eisenstädter Herrenhaus auf den Gölbesäckern zeigt. Es war ein befestigtes Lager für die Wachsoldaten.Alfred Schmeller: Das Burgenland, S. 130Adalbert E. Winkler: Die Zisterzienser am Neusiedlersee, S. 48f.

Epitaphe Die römische Stadt Ulmus befand sich in Oberpannonien, sie wird in der Tabula Peutingeriana, einer römischen Straßenkarte erwähnt. Groller vermutete sie bei Königshof.Max Groller: „Das Kastell Ulmus bei Königshof (Királyudvar) und die Niederlassungen bei demselben“. In Römischer Limes in Österreich VI. 1905, Spalte 5ff Nach ihrer genauen Lage wird noch heute geforscht.Josef Stern: „Die römische Bernsteinstraße und das römische Straßensystem im Burgenland“ in: Die Bernsteinstraße. Evolution einer Handelsroute (WAB Heft 123), Eisenstadt 2008 und „Wege um die Bernsteinstraße“ aus den Burgenländischen Heimatblättern Heft 4/2008. In beiden beschäftigt er sich unter anderem auch mit dem möglichen Standort von Ulmo.

Dieser Ort befindet sich auf dem Truppenübungsplatz Bruckneudorf-Kaisersteinbruch, daher besteht ein Grabungsverbot.

Fränkischer Königshof In karolingischer Zeit wurde quer durch die römischen Grundmauern ein Erdkastell von 109 × 130 m angelegt, ein mit Eckturm und Verschanzungen befestigter Königshof, wie er den Kaisern, die noch über keine feste Residenz verfügten, bei ihren Reisen im Reiche als Quartier und Verpflegungsstätte diente. Später ging das Gebiet in den Besitz der ungarischen Könige über.

Solche Königshöfe, die keine militärische Notwendigkeit mehr besaßen, wurden vielfach der Kirche übergeben.Eduard Benninger: Germanischer Grenzkampf, 1939. S. 121

Ödes Kloster Der Landstrich zwischen Leitha und dem Nordufer des Neusiedler Sees wurde 1203 von König Imre dem Stift Heiligenkreuz als Kolonisationsgebiet zugewiesen. Dieser, beinahe das ganze Gemeindegebiet von Kaisersteinbruch umfassende Grundbesitz war einst das Jagdrevier ungarischer Könige. Das Jagdschloss selbst lag damals auf einer Anhöhe beim so genannten Öden Kloster und wurde kurz Königshof benannt. Es sollte unverkäuflich sein und nur der höheren Ehre Gottes und dem Wohle der Untertanen dienen. „Wir verleihen für ewige Zeiten dem Kloster Heiligenkreuz den Landstrich, welchen einst die Bissener besessen hatten.“Archiv Stift Heiligenkreuz: Schenkungsurkunde von 1203

Abt Clemens Schäffer bestimmte 1673 monatliche Messen und Seelenämter für die größeren Wohltäter des Stiftes Heiligenkreuz. Im July für Emerik, König von Ungarn, welcher im Einverständnisse mit seiner Gemahlin Konstanze von Aragón dem Stift das Gut Königshofen gab.Malachias Koll: Das Stift Heiligenkreuz, S. 72

Das Kloster war durch Stiftungen in Ungarn reicher begütert als in Österreich, so erwog es 1206 bis 1209 eine Übersiedlung nach Westungarn. Die Mönche formten getreu ihrer Ordensregel „ora et labora“ („bete und arbeite!“) die damals um den Neusiedler See herrschende Wildnis zu einer Kulturlandschaft um. Tatarenzerstörungen sind für die Zeit um 1300 dokumentiert (1272, 1317). Die großangelegte Königshofer Kirche blieb unvollendet. Von dieser Anlage stammen sechs Joch des Langhauses ohne Querhaus und Ostchor.Harald Prickler: Zisterzienser als Grundherren im burgenländisch-westungarischen RaumHermann Watzl: Der Plan einer Verlegung der Cisterce Heiligenkreuz vom Wienerwald nach Westungarn in den Jahren 1206 bis 1209. in: Jahrbuch für Landeskunde von Niederösterreich. Neue Folge 34, 1958–1960, S. 106–119 (). Nachdruck in: Hermann Watzl: „… in loco, qui nunc ad sanctam crucem vocatur …“ Quellen und Abhandlungen zur Geschichte des Stiftes Heiligenkreuz. Heiligenkreuz 1987, S. 431–444.

Urkundlich erwähnte Mönche des Stiftes Heiligenkreuz in Königshof Als Konverse in dieser Grangie sind 1239 und 1248 die Brüder Ulrich, Wulfing, Konrad Suevus und Heinrich urkundlich genannt. Das dortige Leben bezeugen die Hofmeister Rudolf (1278, 1285), Thomas (1326), Seyfried (1338), Dietrich (1348), Leopold (1352), Albert (1366) und Andreas (1371, 1372).Florian Watzl: Die Cistercienser von Heiligenkreuz, 1898 Die Königshofer Mühle errichteten die Zisterzienser, diese wird in einer Urkunde des Jahres 1285 erstmals erwähnt.Josef Grubmüller: Heimatbuch, S. 414

Die bruchsteingemauerte Kapellenruine aus dem 14. Jahrhundert mit Fenstern und Strebepfeilern sowie Grundfesten einer dritten Anlage, die das Erdkastell zum Teil ausnützte, gehörten zu einem Klosterbau, den die Zisterzienser von Heiligenkreuz zu errichten begannen. Dieser alte Königshof wurde 1529 von den Türken zerstört, auch die daneben liegende Ansiedlung beim Waldbruch ausgeplündert und niedergebrannt. Einer größeren Anzahl der Bewohner gelang es, in den Einsiedlerbruch zu flüchten.Geologische Bundesanstalt: Das Stift geriet in solche Not, dass Abt Johann V. 1531 das Gut auf 50 Jahre verpfändete. In dieser Zeit verfiel die Niederlassung bis auf die erwähnte Kirchenruine.

Klause beim Öden Kloster Beim Öden Kloster bei Kaisersteinbruch gab es eine Einsiedelei, die mit dem Stift Heiligenkreuz in Verbindung stand. Der jeweilige Eremit wurde von der Abtei mit Lebensmitteln und Brennmaterial versorgt.

Die Klause erbaute Johann Baptist Regondi. Sie befand sich in der Nähe einer Johanneskapelle, in der jährlich einige Male Messen gefeiert wurden. Nach der Aufhebung der Eremiten unter Joseph II. ließ sich in der Klause ein alter Mann nieder, ein Bettler, der dort mit seinem Weibe hauste. Historisches Wirtschaftsareal – heutige Denkmalpflege GmbH mini|hochkant=1.3|Klaus Wedenig bei Restaurierungsarbeiten an den Barockengeln aus dem Stift Kremsmünster in den Werkstätten von Königshof. Das heutige Betriebs- und Firmengelände des Restaurators und Bildhauers Klaus Wedenig umfasst wesentliche Teile des historischen Guts- und Wirtschaftshofes von Königshof. Die modernen Werkstättenhallen und Arbeitsbereiche der Denkmalpflege-Betriebe sind in den einstigen Stallungen, Remisen und Wirtschaftsgebäuden des Stifts Heiligenkreuz untergebracht, die für den Betrieb umgebaut wurden.

An diesem Standort wird die jahrhundertelange Tradition des Steinmetz- und Bildhauerhandwerks der Region Königshof-Kaisersteinbruch im 21. Jahrhundert fortgeführt. Neben den Werkstätten ist auf dem Areal das Projekt einer eigenen Fachakademie für Bildhauer und Restauratoren angesiedelt, die der handwerklichen Weiterbildung und Fachkräfteförderung im Denkmalschutz dient.

Schloss Königshof

Das heutige Schloss Königshof wurde zu Beginn des 17. Jahrhunderts in der Nähe einer bestehenden Mühle bei Wilfleinsdorf am Ufer der Leitha errichtet. Bereits 1621 wurde die Anlage im Zuge des Aufstandes von Gábor Bethlen durch aufständische Truppen weitgehend niedergebrannt und verwüstet.

Nach den Zerstörungen leitete das Stift Heiligenkreuz den Wiederaufbau und die Erweiterung des Gutshofes ein. Unter der Leitung von Abt Clemens Schäffer (1658–1693) wurde die Anlage barockisiert. Im Jahr 1676 beauftragte Schäffer den Bau der Dreifaltigkeits-Schlosskapelle.Archiv des Stiftes Heiligenkreuz: Rubrik 49 Königshof Bauakten und Korrespondenzen zum Wiederaufbau unter Abt Clemens Schäffer. Das Schloss diente in der Folgezeit bis zum Verkauf im Jahr 1912 als zentraler Verwaltungssitz für die ungarischen Besitzungen und Gutshöfe des Stiftes.

Stiftsverwaltung in Königshof bis 1912

Vom 1. Jänner 1601 bis 1912 befand sich im Schloss Königshof die herrschaftliche Verwaltung für die umliegenden Besitzungen des Stiftes Heiligenkreuz, der Verwalter handelte als Vertreter des Abtes. Die Namen sämtlicher Verwalter von 1. Jänner 1601 bis 7. Jänner 1913 sind im Stiftsarchiv dokumentiert.Auch in der „Kleinen Chronik“ von Helmuth Furch, Vom Heiligenkreuzer Steinbruch zu Kaisersteinbruch, Kaisersteinbruch 1981, ISBN 978-3-9504555-0-2 zu lesen.

Ehrensäule für Elias Hügel 1740

Nach dem Tod des herrschaftlichen Verwalters zu Königshof Pater Raymund Vitali am 13. September 1740 war die Kaisersteinbrucher Bruderschaft von einem schweren Druck befreit. Er handelte im Sinne eines Inquisitors und hatte Elias Hügel unehrenhaft als Richter abgesetzt. Johann Paul Schilck veranlasste als Zechmeister der Steinmetzhandwerkes die Errichtung einer Ehrensäule für Meister Elias Hügel. Durch die Kriegsereignisse, der Auflassung der Gemeinde Kaisersteinbruch, steht diese Säule nicht an ihrem ursprünglichen Platz im Bereich der Steinbrüche, sondern vor dem Schloss Königshof. Es ist nur mehr in Resten erhalten, nach einer vorhandenen Zeichnung wurde in Gemünden am Main, der Geburtsstadt Hügels, 1996 eine genaue Kopie aufgestellt. 2016 wurde die Säule auf dem Kirchenplatz in Kaisersteinbruch aufgestellt, Restaurator Klaus Wedenig Königshof.

1789 Errichtung einer Indigo-Fabrik Der Gutshof mit den an der Leitha gelegenen Auen, Wiesen und Feldern sollte im Jahre 1789 an eine Interessengruppe zwecks Errichtung einer Fabrik verkauft werden.Allgemeine Landestopographie des Burgenlandes, Verwaltungsbezirk Neusiedl am See, Landesarchiv 1954, Die Anteile der Stiftsherrschaft Heiligenkreuz, S. 77f. Und der noch verbleibende größere Teil des Besitzes, in der Hauptsache aus Wiesen, Wald und fruchtbarem Ackerboden bestehend, sollte an die Gemeinden Kaisersteinbruch und Winden aufgeteilt werden. Die Idee des Merkantilismus, das Streben nach Autarkie, ließ auch in Österreich und Ungarn viele Fabriken aus dem Boden wachsen. So entstand die erste Indigo-Fabrik unter den Grafen Rumpf, Kurzböck und Friedrich Kaut. Nachdem die Leitha-Auen bei Königshof als vorzüglicher Boden für die Indigopflanze erkannt worden war, traten die Unternehmer 1789 an Kaiser Joseph II. mit dem Ersuchen heran, vom Stift Heiligenkreuz das Gut Königshof für diese Zwecke zu fordern. Wozu der Kaiser umso eher bereit war, da er ohnehin beabsichtigte, das Kloster zu säkularisieren.