Die Brooklyn-Klasse war eine Schiffsklasse Leichter Kreuzer der United States Navy. Die in den 1930er Jahren entwickelten Schiffe, die ab 1937 im Dienst bei der US-Marine standen, waren die ersten modernen Leichten Kreuzer und legten die Grundlage für viele nachfolgende Schiffsklassen. Fünf der sieben gebauten Schiffe wurden nach ihrer Außerdienststellung bei der US Navy an andere Nationen verkauft, das bekannteste Schiff hierbei war die Phoenix, die in der argentinischen Marine als General Belgrano eingesetzt und 1982 während des Falklandkrieges vom britischen U-Boot Conqueror versenkt wurde.

Geschichte Entwicklung und Bau Die Leichten Kreuzer der Brooklyn-Klasse wurden 1930 nach Abschluss des Londoner Flottenvertrages als Antwort auf die japanische Mogami-Klasse entwickelt. Durch die Beschränkung der Zahl der Schweren Kreuzer konzentrierten sich die amerikanischen Marineplaner darauf, Leichte Kreuzer zu konstruieren, die durch starke Panzerung und eine hohe Zahl von 15,2-cm-Geschützen einem Schweren Kreuzer mindestens ebenbürtig sein konnten.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, S. 133 Die Brooklyn-Klasse waren die ersten Schiffe einer neuen Schiffsarchitektur, die für alle weiteren Kriegsschiffneubauten vor und während des Zweiten Weltkrieges angewandt wurde.

Gegenüber älteren Schiffsklassen wurde beim Rumpf und den Aufbauten durch die Verwendung neuer, leichter Materialien und moderner Fertigungstechniken wie Elektroschweißen und Längsrahmenträger Gewicht eingespart, das dann wiederum dem Schutz des Schiffes zugutekam. Durch die verstärkte Panzerung besaßen die Kreuzer der Brooklyn-Klasse einen sehr großen sogenannten Immunitätsbereich gegen 20,3-cm-Geschosse. Innerhalb dieses Bereichs, der sich auf Kampfentfernungen zwischen 13.700 und 20.100 Metern erstreckte, konnten 20,3-cm-Granaten Schwerer Kreuzer aufgrund des Auftreffwinkels und der Durchschlagskraft weder Seiten- noch Deckpanzerung durchschlagen.globalsecurity.org: CL-40 Brooklyn, Stand: 11. Dezember 2009

Im Auftrag des Bureau of Ships untersuchte das Naval War College die Unterschiede zwischen einer Bewaffnung mit zwölf und 15 Sechs-Zoll-Geschützen, besonders in Hinsicht auf die neuen japanischen Kreuzer. Eine Bewaffnung der Leichten Kreuzer mit 15 Geschützen in fünf Türmen stellte sich dabei als optimal in Bezug auf Feuerrate und Durchschlagskraft heraus und wurde in den endgültigen Entwurf übernommen.globalsecurity.org: CL-40 Brooklyn Design, Stand: 11. Dezember 2009

1933 wurde der Bauauftrag für die ersten vier Schiffe erteilt, im folgenden Jahr folgten drei weitere Einheiten. Zwei Kreuzer wurden im New York Naval Shipyard in Brooklyn gebaut, drei Schiffe baute New York Shipbuilding in Camden, New Jersey, jeweils ein Kreuzer wurde im Philadelphia Naval Shipyard und bei Newport News Shipbuilding auf Kiel gelegt. Alle sieben Schiffe wurden zwischen Mai 1934 und September 1935 auf Kiel gelegt, die Stapelläufe erfolgten zwischen November 1936 und März 1938. Bis Mitte 1938 waren alle Schiffe bei der US-Marine in Dienst gestellt.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 324ff Zwei weitere Kreuzer, die ursprünglich auch noch nach diesem Entwurf gebaut werden sollten, wurden 1935 als St. Louis-Klasse genehmigt, die einige Verbesserungen gegenüber der Brooklyn-Klasse beinhalteten.

Modifikationen Auf Basis der Brooklyn-Klasse wurden zwei weitere Kreuzerklassen entwickelt: Am 28. Oktober 1935 wurde die Wichita beim Philadelphia Naval Shipyard auf Kiel gelegt. Das Einzelschiff erhielt eine Hauptbewaffnung neun 20,3-cm-Geschütze und die modernen 12,7-cm-L/38-Zwillings-Geschütze. Die Wichita war der letzte in Dienst gestellte Schwere Kreuzer der United States Navy, der nach den Vorgaben des Londoner Flottenvertrags konstruiert wurde und somit eine Tonnage von unter 10.000 Tonnen besitzen sollte, was mit der geplanten Bewaffnung aber nicht eingehalten werden konnte. Eine zweite Variante des Brooklyn-Entwurfs war die St. Louis-Klasse (bestehend aus USS St. Louis und USS Helena), die sich äußerlich in der Anordnung der Aufbauten sowie der Verwendung der modernen 12,7-cm-Zwillings-Geschütze mit 38 anstelle von 25 Kaliberlängen als Mehrzweckartillerie zur Bekämpfung kleiner Schiffs- und Luftziele von der ursprünglichen Brooklyn-Klasse unterschied. Wesentliche Änderung waren modernere Hochdruck-Kessel und die abwechselnde Anordnung von Kessel- und Maschinenräumen, um die Gefahr des Totalausfalls der Maschinenanlage durch einen Treffer zu reduzieren. Die St. Louis entstand ab Dezember 1936 bei Newport News Shipbuilding, das Schwesterschiff Helena gleichzeitig beim Brooklyn Navy Yard.

Die drei betroffenen Werften bauten mit der Philadelphia (CL-41) bzw. mit Boise (CL-47) sowie Brooklyn (CL-40) und Honolulu (CL-48) schon Kreuzer des Ausgangstyps. Aus den abweichenden Bauten wurden dann die Leichten Kreuzer der Cleveland-Klasse und die Schweren Kreuzer der Baltimore-Klasse entwickelt, die dann im Krieg in großen Stückzahlen entstanden.

Einheiten der Brooklyn-Klasse und Halbschwestern KennNr. Name In Dienst Reserve Verbleib/Schicksal CL-40 BrooklynDANFS: Brooklyn III (CL-40) 1937–1951 30.09.1937 30.01.1947 1951 an Chile als O'Higgins, 14. Januar 1991 außer Dienst, nahe Pitcairn Island am 3. November 1992 im Schlepp zum Abbruch in Indien gesunken. CL-41 PhiladelphiaDANFS: Philadelphia V (Light Cruiser) 23.09.1937 3.02.1947 1951 an Brasilien als Barroso, Mai 1973 außer Dienst CL-42 Savannah 10.03.1938 3.02.1947 am 1. März 1959 gestrichen, am 25. Januar 1966 zum Abbruch verkauft CL-43 NashvilleDANFS: Nashville II (CL-43) 1938-1951 6.06.1938 24.06.1946 1951 an Chile als Capitán Prat, Mai 1982 außer Dienst, April 1983 zum Abbruch nach Taiwan verkauft CL-46 Phoenix3.10.1938 3.07.1946 1951 an Argentinien als 17 de Octubre, 1956 General Belgrano, am 2. Mai 1982 durch Conqueror versenkt CL-47 Boise 12.08.1938 1.07.1946 1951 an Argentinien als Nueve de Julio, Oktober 1977 außer Dienst, 1983 Abbruch in Japan CL-48 Honolulu 15.06.1938 3.02.1947 am 17. November 1959 zum Abbruch verkauft St. Louis-Klasse CL-49 St. LouisDANFS: St. Louis IV (CL-49) 1939–1951 19.05.1939 20.06.1946 1951 an Brasilien als Tamandare, 1980 zum Abbruch verkauft und im Schlepp nach Taiwan vor Südafrika am 24. August gesunken.CL-50 Helena 18.09.1939 VERLUST in der Schlacht im Kula-Golf am 6. Juli 1943 torpediert und gesunken Schwerer Kreuzer Wichita CA-45 Wichita 16.02.1939 3.02.1947 1. März 1959 gestrichen und im August 1959 zum Abbruch verkauft.

Beschädigungen mini|Treffer der Fritz-X-Gleitbombe auf der USS Savannah am 11. September 1943 Keines der sieben Schiffe der Klasse ging während des Zweiten Weltkriegs verloren, vier Schiffe wurden aber zum Teil schwer beschädigt. Die Boise wurde am 11. Oktober 1942 während der Schlacht von Cape Esperance von japanischer Artillerie getroffen und schwer beschädigt.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, S. 145

Am 11. September 1943 trafen deutsche Bomber vom Typ Dornier Do 217K-2 des Kampfgeschwaders 100 mit einer Fritz-X-Gleitbombe die Savannah vor der Küste Salernos und zerstörte den mittleren Geschützturm sowie Teile des Schiffsrumpfs. Das Sinken des Schiffs konnte aber verhindert werden.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, S. 137Jürgen Rohwer, Gerhard Hümmelchen: Chronik des Seekrieges 1939–1945. September 1943, abgerufen am 30. Oktober 2022

Die Nashville wurde am 13. Dezember 1944 vor Mindoro von einem Kamikazeflugzeug getroffen, dabei wurden 319 Besatzungsmitglieder verwundet oder getötet.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, S. 140–141

Am 13. Juli 1943 wurde die Honolulu während der Schlacht bei Kolombangara von einem japanischen Torpedo getroffen, dabei wurde ihr Bug nahezu abgerissen. Nach der Beseitigung der Schäden wurde sie wieder eingesetzt und am 20. Oktober 1944 vor Leyte von einem Flugzeugtorpedo getroffen.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach, S. 146–148

Verbleib Alle sieben Kreuzer der Klasse wurden zwischen Juni 1946 und Februar 1947 außer Dienst gestellt. Nach der Streichung aus den Schiffslisten der US-Marine wurden fünf Schiffe 1951 verkauft, je zwei gingen an Chile und Argentinien, eins an Brasilien, wo sie zum Teil bis in das Jahr 1990 hinein eingesetzt wurden. Bis auf die ehemalige Phoenix, die im Falklandkrieg sank, wurden alle Schiffe nach Ablauf ihrer Dienstzeit verschrottet.

Technik Rumpf und Panzerung mini|Seitenansicht der Phoenix 1939 Der Rumpf eines Kreuzers der Brooklyn-Klasse hatte eine Länge über Alles von 185,4 Metern, die größte Breite betrug 18,8 Meter. Bei einem Tiefgang von 6,9 Metern betrug die Standardverdrängung 9.767 Tonnen, die Einsatzverdrängung lag bei 12.207 Standardtonnen. Die Decksaufbauten erstreckten sich über das mittlere Drittel der Schiffslänge und waren geprägt vom Brückenturm mit Hauptmast und Feuerleitanlagen, den beiden Schornsteinen und dem hinteren Deckhaus mit den Feuerleitanlagen für die achteren Türme. Bei Indienststellung besaßen die Schiffe noch Bullaugen auf dem ersten und zweiten Unterdeck, diese wurden aber noch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs verschlossen. Der Bug befand sich 8,2 Meter über der Wasserlinie, das Heck 7,0 Meter. Der Schornstein ragte 20,4 Meter auf, bis zur Mastspitze maßen die Schiffe 35,4 Meter.Terzibaschitsch: Kreuzer der U.S. Navy. Von der Omaha-Klasse bis zur Long Beach. S. 320

Die Maximalstärke der vertikalen Panzerung betrug 127 mm auf Höhe der lebenswichtigen Maschinenanlagen, die restliche Rumpfpanzerung war 102 mm stark. Die Decks waren 76 mm stark, die Geschütztürme waren durch 127 mm Panzerung geschützt, der Kommandoturm durch 165 mm.

Antrieb Angetrieben wurden die Kreuzer durch vier Westinghouse-Getriebeturbinen mit insgesamt 100.000 shp Leistung. Diese trieben insgesamt vier Propeller an. Der Dampf wurde in acht Babcock & Wilcox-Express-Type-Dampfkesseln erzeugt. Die Höchstgeschwindigkeit lag bei 32,5 Knoten, der Brennstoffvorrat von maximal 1.982 Tonnen ermöglichte bei 15 Knoten Marschgeschwindigkeit eine Reichweite von 10.000 Seemeilen.

Bewaffnung Hauptartillerie mini|Blick auf die vorderen drei Türme der Brooklyn Die Hauptbewaffnung der Kreuzer bestand aus fünf Geschütztürmen mit je drei Geschützen im Kaliber 15,2 cm (6 Zoll), Kaliberlänge 47. Drei Geschütztürme befanden sich vor den Aufbauten, wobei der dritte Turm auf dem Hauptdeckniveau „rückwärts“ zwischen dem zweiten Turm und den Brückenaufbauten eingebaut war, was den Feuerbereich stark einschränkte. Achtern befanden sich zwei weitere Drillingstürme. Die jeweils etwa 170 Tonnen schweren Geschütztürme hatten eine Besatzung aus drei Offizieren und 53 Mannschaften. Alle Geschütztürme besaßen ursprünglich einen optischen Entfernungsmesser, diese wurden aber im Laufe der Einsatzzeit teilweise entfernt.

Die halbautomatisch geladenen Geschütze mit einem Rohrgewicht von 6,6 Tonnen hatten eine Kadenz von acht bis zehn Schuss pro Minute. Die maximale Reichweite lag bei fast 24 Kilometern, abhängig vom Granatentyp und der Rohrüberhöhung. Die Mündungsgeschwindigkeit betrug, abhängig von der Größe der Treibladungen, zwischen 625 und 812 m/s. Die maximale Rohrüberhöhung betrug 60 Grad, die minimale minus fünf Grad. Der Schwenkbereich der Türme betrug 300 Grad, die Schwenkrate 10 Grad pro Sekunde.

Die Schiffsgeschütze waren in der Lage, überschwere panzerbrechende Granaten zu verschießen, die gegenüber den Granaten der Geschütze der Omaha-Klasse eine doppelt so hohe Penetrationswirkung besaßen. Die 59 kg schweren Granaten konnten auf Entfernungen bis fünf Kilometer 20 cm Panzerung durchschlagen, bei Steilfeuer auf große Entfernungen bis zu 80 mm Deckspanzerung.navweaps.com 6"/47 (15.2 cm) Mark 16; Stand: 11. Dezember 2009

Mehrzweckbatterie und leichte Bewaffnung