ça ira-Verlag ist ein 1985 von der Initiative Sozialistisches Forum (ISF) gegründeter Buchverlag in Freiburg und Wien, der vom Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e. V.Die Initiative Sozialistisches Forum (Freiburg / Wien) Das Institut für Sozialkritik Freiburg (ISF) e.V. Der ça ira-Verlag betrieben wird. Der Name des Verlages geht auf das französische Revolutionslied Ah! Ça ira zurück.

Der Verlag Der mit der ISF eng verbundene Verlag der Kritik möchte einen Beitrag zur Weiterentwicklung materialistischer Kritik und Aufklärung in der Tradition kritischer Theorie Marxens, Freuds und Adornos leisten, um „die Etablierung der staaten- und klassenlosen Weltgesellschaft zu befördern, d. h. die Intentionen kritischer Theorie verwirklichen zu helfen, auch und gerade gegen Deutschland.“ça ira Verlag: Erklärung zu der Auseinandersetzung mit der Erbengemeinschaft Johannes Agnoli Darüber hinaus konzentriert sich die ISF auf eine Kritik des Staates: „Sie will helfen, einen gesellschaftlichen Zustand zu revolutionieren, in dem, wie früher alle Wege nach Rom, so heute alle hinein in den Staat führen.“ Weiter hat sie sich zur Aufgabe gemacht, linken Antisemitismus und Antizionismus zu kritisieren, was sich nicht nur im ça-ira-Verlagsprogramm niederschlägt, sondern auch in der dezidierten Parteinahme für den Zionismus. Darum stehen im Zentrum des Verlags ideologiekritische Arbeiten von Autorinnen und Autoren, die seit den 1990er Jahren der antideutschen Strömung zugerechnet werden, darunter Veröffentlichungen von Joachim Bruhn, Stephan Grigat, Uli Krug und Gerhard Scheit. Joachim Bruhn, der am 28. Februar 2019 verstarb, und Manfred Dahlmann, der am 24. Dezember 2017 ebenfalls verstarb, gehören zu den wichtigsten Vordenkern und Autoren des Verlags. Der Verlag schien ihnen immer mehr Notlösung als tatsächliches Verlagsgeschäft zu sein, versteht er sich doch als „Bergungsunternehmen.“

2003 veröffentlichte der Verlag ein Buch des Bahamas-Autoren Karl Selent, in dem der Autor die Kosovo-Albaner als „Kosovo-Palästinenser“ bezeichnet, denen er „gerne mal Arkan, den Tiger, zeigen“ würde. Der Journalist Bernhard Schmid bezeichnete dies in einer Rezension als „Gewaltphantasien, die man getrost als rechtsradikal bezeichnen darf“ und als Ergebnis einer Unterscheidung zwischen „guten“ und „bösen“ Völkern.

Spätestens seit 2015 professionalisierte sich der einstige Nischenverlag: Er übernimmt die Herausgabe gesammelter Schriften, erarbeitet eine eigenständige Gestaltung und wurde im November 2019 in den Freundeskreis der Kurt Wolff Stiftung aufgenommen.

Dessen ungeachtet verlegt ça ira Autoren aus einem breiten Spektrum materialistischer Kritik, bis hin zu ausgesprochenen Kritikern antideutscher Positionen. So gehören neben dem mehrbändigen Gesamtwerk des linkskommunistischen 68er-Vordenkers Johannes Agnoli Werke so unterschiedlicher Autoren wie die von: Hans-Georg Backhaus Cajo Brendel Willy Huhn Matthias Küntzel Georg Lukács Anton Pannekoek Eugen Paschukanis Moishe Postone Roman Rosdolsky Alfred Sohn-Rethel Gerhard Stapelfeldt

Einige davon können der rätekommunistischen Bewegung zugerechnet werden, in deren Tradition sich der Verlag in seiner Kritik am Marxismus-Leninismus sieht, den Rätekommunismus aber auch kritisch diskutiert. Die erste Veröffentlichung unter eigenem Verlagstitel war Stefan Breuers Aspekte totaler Vergesellschaftung (1985). Daneben vertreibt ça ira Schriften der ISF sowie Bücher von Autoren wie Ilse Bindseil und Ulrich Enderwitz, die später in das eigene Verlagsprogramm übernommen wurden, doch durch einen Streit über das Verhältnis zu Israel auf Abstand mit dem Verlag gingen.

Lange Zeit war ça ira Teil der Assoziation Linker Verlage (aLiVe), einem Zusammenschluss kleiner linker Verlage, der seit 1994 besteht. Von März 2018 bis November 2022 nahm ça ira die Leistungen der sozialistischen Verlagsauslieferung (sova) in Anspruch, um den Buchhandel zu beliefern, und hat in Deutschland und Österreich Vertreter. Nachdem im November 2022 die sova Insolvenz anmelden musste, ist der Verlag zur Werkstatt Verlagsauslieferung (Werkstatt VA) gewechselt. Der Verlag ist auf der Leipziger Buchmesse sowie auf den Linken Buchtagen Berlin und den Kritischen Literaturtagen in Wien regelmäßig vertreten. Der Verlag unterhält seit 2015 eine Dependance in Wien.

Seit Oktober 2012 verlegt ça ira die neu gegründete, von Manfred Dahlmann (1951–2017) und Gerhard Scheit bis 2017 gemeinsam herausgegebene „Zeitschrift für Ideologiekritik“ sans phrase. Im Jahr 2014 nahm der Verlag die Zeitschrift Pólemos – Zeitschrift wider den gesunden Menschenverstand in sein Programm auf und vertreibt sie über die Website.

Des Weiteren ist der ça ira für seine Kritik am linken Antisemitismus bekannt und verlegte dazu Schriften von Léon Poliakov Vladimir Ze’ev Jabotinsky Michael Landmann Binjamin Segel Alexander Stein Nathan Weinstock Von traditionellen Linken wird der Verlag dafür immer wieder angefeindet. Schriften, die sich kritisch mit dem antisemitischen Pamphlet der Protokolle der Weisen von Zion auseinandersetzen, werden bei ça ira ebenso verlegt, zum Beispiel von den Autoren Alexander Stein und Binjamin Segel.

Seit 2018 erscheinen bei ça ira die Gesammelten Schriften des philosophischen Marxisten und einstigen Leiters des Frankfurter Instituts für Sozialforschung Friedrich Pollocks, die von Philipp Lenhard herausgegeben werden und auf sechs Bände angelegt sind. Der erste Band erschien im Juni 2018, der zweite Band im Februar 2021. Seit 2012 erscheinen die Gesammelten Schriften Alfred Sohn-Rethels bei ça ira und werden herausgegeben von Carl Freytag, Oliver Schlaudt und Françoise Willmann. Außerdem wird seit 2022 die erste Alfred Sohn-Rethel-Biographie von Carl Freytag angekündigt.

Weitere ideologiekritische Bücher, die als Weiter- und Engführung der Themen kritischer Theorie verstanden werden können, finden ebenso bei ça ira Veröffentlichung. So seien die Schriften von Joachim Bruhn (Was deutsch ist), Gerhard Scheit (Der quälbare Leib, Kritik des politischen Engagements), Thorsten Fuchshuber (Rackets), Carl Wiemer (Krankheit und Kriminalität), Manfred Dahlmann (Freiheit und Souveränität), Devi Dumbadze und Christoph Hesse (Unreglementierte Erfahrung), Stephan Grigat (Feindaufklärung und Reeducation, Postnazismus revisited), Renate Göllner (Freiheit und Trieb) und Renate Göllner und Ljiljana Radonic (Mit Freud) an dieser Stelle exemplarisch erwähnt.

Seit 2020 erscheinen die Werke des Religionsphilosophen Klaus Heinrich, die davor bei Stroemfeld verlegt wurden, bei ça ira.

Im September 2022 erschien eine Ausgabe des ersten Bandes des Kapitals von Karl Marx, wobei es sich um einen fotodigitalen Faksimiledruck der Erstauflage handelt. In einer Nachbemerkung führt die Initiative Sozialistisches Forum Wien an, der Text der Erstauflage sei antiquarisch nur schwer erhältlich und die am weitesten verbreitete dritte Auflage enthalte zahlreiche Popularisierungen, welche Schaden anrichteten. Dieser Mangel solle durch die eigene Ausgabe behoben werden.

Die Insolvenz der Sova Ende 2022 brachte den Verlag, neben anderen Problemen wie der Teuerung von Papier, in finanzielle Nöte und führte zu einem Verlust in Höhe von 12.000 Euro. In der Folge entstand Anfang 2023 ein Spendenaufruf.

Streit um das Erbe Johannes Agnolis Die Gesammelten Werke von Johannes Agnoli wurden ab 1990 mit dem Einverständnis von Johannes Agnoli und auch aufgrund des persönlichen Kontaktes zu Joachim Bruhn und Manfred Dahlmann im ça ira-Verlag herausgegeben. Der Verlag veröffentlichte nach Agnolis Tod (2003) einen von Stephan Grigat herausgegebenen Sammelband mit einem Beitrag von Johannes Agnoli. Mit der Veröffentlichung des Beitrages war seine Witwe Barbara Görres-Agnoli, die bis zu ihrem Tod die Verwertungsrechte am Werk Johannes Agnolis hatte, nicht einverstanden und klagte auf den Rückzug des posthum erschienenen Bandes.literaturkritik.de: „Die Witwe gegen den Verlag“ In einem offenen Brief monierte sie, der posthum darin erschienene Beitrag Agnolis sei verändert worden und nicht autorisiert gewesen und erscheine in einem Kontext, der „nicht Agnolis politischem Denken und Handeln“ entspreche.Barbara Agnoli: Barbara Agnoli zu Grigat über Johannes Agnoli, offener Brief, 7. April 2004 Der Verlag erklärte im Dezember 2006, dass Barbara Görres-Agnoli den Prozess nach einer Neubesetzung der Spruchkammer verloren habe: „Stand die damalige Kammer (drei Richterinnen) noch voll hinter Barbara Agnoli, wodurch sich eine juristische, politische und finanzielle Katastrophe abzuzeichnen drohte, so wendete sich dieses Jahr das Blatt. Die Kammer wurde umbesetzt und hatte nunmehr einen umsichtig agierenden Vorsitzenden, der den Prozeß vernünftig lenkte. Die Zeugenaussagen derjenigen, die damals mit Johannes Agnoli die Publikation des in Streit stehenden Vortrages vorbereiteten, überzeugten den Spruchkörper, daß alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Johannes Agnoli hat damals seinen Segen zur geplanten Veröffentlichung seines Vortrages erteilt. Diese Tatsache ist nun rechtskräftig festgestellt und entzieht den Unterlassungsansprüchen von Frau Agnoli, die die Vernichtung der noch nicht verkauften Bücher forderte, die Grundlage. Berufung hat der Anwalt von Agnoli nicht eingelegt.“ Der Ausgang des Prozesses verstärkte den Eindruck, dass der Rechtsstreit vielmehr ein politischer Streit um die Deutungshoheit des Werkes von Johannes Agnoli gewesen ist. Zudem erklärte sich der Verlag das Zustandekommen des Rechtsstreits so, dass die Witwe Johannes Agnolis beim Verlag selbst auf Ablehnung gestoßen ist: „Das Verhältnis seiner Ehefrau Barbara Agnoli zu ça ira dagegen war stets konfliktgeladen, insbesondere, nachdem der Verlag ein Manuskript von ihr abgelehnt hatte. Sie fühlte sich verkannt und, wie sie sagte, als ‚blöde Tippse‘ in den Schatten gestellt.“

Die Kosten der zivilgerichtlichen Auseinandersetzung brachten den ça ira-Verlag, der die Vorwürfe von sich wies, an den Rand des Konkurses, auch wenn die Klage Görres-Agnolis 2006 abgewiesen wurde und eine weitere Klage der Witwe auf Einsicht in die Umsätze des Verlages mit Agnolis Werken in einem Vergleich endete.ça ira Verlag: „Barbara Agnoli verliert Prozeß gegen Stephan Grigat und den ça ira-Verlag“ Nach dem Entzug der Nachdruckrechte für den Titel Die Transformation der Demokratie durch Görres-Agnoli erschien die Neuauflage Agnolis Hauptwerks 2004 im Konkret Literatur Verlag.Joachim Bruhn: Die Transformation der Demokratie – Auch Bücher haben ihr Schicksal, insbesondere dieses Andere Werke von Johannes Agnoli wurden im Stuttgarter Schmetterling-Verlag veröffentlicht.

Ausschluss von der Linken Literaturmesse 2008 wurde der ça ira-Verlag von der in Nürnberg stattfindenden Linken Literaturmesse ausgeschlossen. Die an der Messe teilnehmenden Verlage sahen mehrheitlich keine Grundlage mehr zur Zusammenarbeit mit dem Freiburger Verlag. Hauptgrund war ein vom ça ira-Verlag verlegtes Buch, „in dem Kriegspolitik befürwortet wurde“.Schattenblick, Onlinezeitung: Linksliteraten – und ausgerechnet Nürnberg … Robert von der Linken Literaturmesse im Gespräch (SB) In der israelischen Tageszeitung Times of Israel wurden die Veranstalter der Linken Literaturmesse dagegen für ihren wohlwollenden Umgang mit linkem Antisemitismus kritisiert.

Hochschulschriften im ça ira-Verlag Jens Benicke: Von Adorno zu Mao: über die schlechte Aufhebung der antiautoritären Bewegung, ça ira Verlag, Freiburg im Breisgau 2010, ISBN 978-3-924627-83-6 (Dissertation Universität Freiburg im Breisgau 2009, 259 Seiten, 21 cm). Moishe Postone: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft, eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx, (Originaltitel: Time, Labor, and Social Domination übersetzt von Christoph Seidler). ça ira Verlag, Freiburg im Breisgau 2003, ISBN 3-924627-58-4 (Dissertation Universität Frankfurt am Main , 616 Seiten, 22 cm, englisch, deutsch).