Marija Jurjewna Scharapowa (, wiss. Transliteration ; Betonung: María Júr’evna Šarápova; * 19. April 1987 in Njagan) ist eine ehemalige russische Tennisspielerin.
Sie war Weltranglistenerste und gehört zu den wenigen Tennisspielerinnen, die alle vier Grand-Slam-Turniere mindestens einmal gewonnen haben. 2016 wurde sie für 15 Monate gesperrt, nachdem sie positiv auf die verbotene Substanz Meldonium getestet worden war.
Herkunft und Anfänge im Tennis Scharapowas Eltern Juri und Jelena verließen wegen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 Homel in Belarus und ließen sich im westsibirischen Njagan nieder. 1989 zog die Familie weiter nach Sotschi, wo Juri den Vater von Jewgeni Kafelnikow, Alexander, kennenlernte. Von diesem bekam Marija Scharapowa im Alter von vier Jahren ihren ersten Tennisschläger. Sie übte zunächst mit ihrem Vater in einem Park, später lernte sie bei Juri Jutkin. Martina Navrátilová entdeckte sie bei einem Sichtungsturnier in Moskau im Alter von sechs Jahren und empfahl den Eltern, ihre Tochter im Tenniscamp der IMG Academy bei Nick Bollettieri in Florida ausbilden zu lassen. Vater Juri und seine siebenjährige Tochter siedelten 1994 nach Bradenton über, die Mutter kam zwei Jahre später nach. 1995 unterzeichnete der Vater einen Ausbildungsvertrag mit IMG. Marija Scharapowa trat im Alter von neun Jahren in die Tennisakademie ein.Will Stewart: Masha’ was a star at four. London Evening Standard, 2. Juli 2004.Jeff Savage: Maria Sharapova. Lerner, 2008, ISBN 978-0-8225-8977-8, S. 9–11 ()
Tenniskarriere Erster Grand-Slam-Erfolg und Sieg bei den WTA Tour Championships (2000–2004) Scharapowa gewann im November 2000 im Alter von 13 Jahren das Eddie Herr International Junior Tennis in der Altersklasse bis 16 Jahre. Sie bestritt 2001 in Sarasota, Florida, ihr erstes ITF-Jugendturnier. Im März 2002 debütierte sie auf der WTA Tour. Sie verlor in Indian Wells in der zweiten Runde gegen Monica Seles und stand im selben Jahr fünfmal in Folge im Finale von ITF-Juniorenturnieren, von denen sie die ersten drei gewann. Ende 2002 rangierte sie in der WTA-Weltrangliste auf Platz 186.
2003 schaffte sie ihren Durchbruch. Mit der Qualifikation für die Australian Open und die French Open nahm sie erstmals an Grand-Slam-Turnieren teil. Bei ihrem ersten Auftritt in Wimbledon verlor sie im Achtelfinale gegen Swetlana Kusnezowa. Bei den Japan Open in Tokio gewann sie ihren ersten Einzeltitel. Ein weiterer folgte beim WTA-Turnier von Québec. Ende 2003 belegte sie in der Weltrangliste Rang 32.
Bei den Australian Open drang sie 2004 bis in die dritte Runde vor, wo sie Anastassija Myskina unterlag. Im Juni gewann sie beim Turnier in Birmingham ihren dritten Einzeltitel und erreichte Platz 15 der Weltrangliste. Im Juli stand sie in Wimbledon als gesetzte Nummer 13 überraschend im Finale. Dort besiegte die nervenstark aufspielende 17-Jährige die Titelverteidigerin Serena Williams mit 6:1, 6:4 und gewann als erste Russin und drittjüngste Spielerin in der Turniergeschichte das bedeutendste Grand-Slam-Turnier. Damit qualifizierte sie sich erstmals für die WTA Tour Championships Mitte November in Los Angeles. Im Finale setzte sie sich dort erneut gegen Serena Williams (4:6, 6:2, 6:4) durch und wurde Weltmeisterin. 2004 gewann sie noch zwei weitere Einzeltitel (Seoul, Tokio) und rückte in der Weltrangliste bis auf Rang 4 vor. Gleichwohl qualifizierte sie sich nicht für die Olympischen Spiele in Athen.
Sieg bei den US Open (2005–2006) mini|2006 nach dem Gewinn der US Open Das Jahr 2005 verlief trotz dreier gewonnener Titel (Tokio, Doha und Birmingham) nicht ganz so erfolgreich. Bei drei Grand-Slam-Turnieren scheiterte sie im Halbfinale, bei den French Open bereits im Viertelfinale. Bei den Australian Open unterlag sie Serena Williams trotz Matchbällen, bei den French Open musste sie sich Justine Henin geschlagen geben, in Wimbledon unterlag sie Venus Williams und bei den US Open im Halbfinale Kim Clijsters. Im Halbfinale von Indian Wells unterlag sie Lindsay Davenport gar mit der „Höchststrafe“ von 0:6, 0:6. Trotzdem wurde sie am 22. August die erste Weltranglistenerste ihres Landes, wenn auch zunächst nur für eine Woche. Die Halbfinalteilnahme in Flushing Meadows beförderte sie wieder auf den Spitzenrang, den sie sechs Wochen später an Lindsay Davenport verlor. Bei ihren zweiten WTA Championships kam sie ins Halbfinale, das sie gegen die spätere Siegerin Amélie Mauresmo 6:71, 3:6 verlor.
Das Jahr 2006 begann zunächst wenig erfolgreich. Bei den Australian Open scheiterte sie im Halbfinale an Justine Henin, bei den French Open bereits im Achtelfinale. Im Wimbledon stieß sie zum dritten Mal hintereinander ins Halbfinale vor, unterlag jedoch wiederum Mauresmo, der späteren Siegerin. Ihren zweiten Grand-Slam-Sieg feierte Scharapowa am 9. September 2006 bei den US Open mit einem 6:4-, 6:4-Finalerfolg über Justine Henin. Außerdem siegte sie bei den Zurich Open sowie beim WTA-Turnier in Linz. Mit diesen Ergebnissen sicherte sie sich zum dritten Mal das Ticket für die WTA Championships in Madrid. Dort musste sie sich im Halbfinale Henin geschlagen geben.
Gewinn der Australian Open und Schulterverletzung (2007–2008) Bei den Australian Open 2007 war Scharapowa aufgrund der Absage von Henin die Nummer 1 der Setzliste. Sie erreichte auch das Endspiel, verlor aber gegen Serena Williams (1:6, 2:6) – dennoch war sie wieder Weltranglistenerste. In Tokio kam sie bis ins Halbfinale, das sie gegen Ana Ivanović beim Stand von 1:6, 1:0 verletzungsbedingt aufgeben musste. Nach einer längeren Pause nahm sie im März am Turnier in Indian Wells teil, wo sie im Achtelfinale Wera Swonarjowa unterlag. Mit dieser Niederlage musste sie Platz 1 wieder an Henin abgeben. Ihr nächstes Turnier bestritt sie dann in Miami, wo sie in der vierten Runde Serena Williams klar mit 1:6, 1:6 unterlag. Nach einer erneuten langen Verletzungspause nahm sie an dem Turnier in Istanbul teil, wo sie überraschend ihre Halbfinalpartie gegen die Französin Aravane Rezaï mit 2:6, 4:6 verlor. Bei den French Open erreichte sie erstmals in ihrer Karriere das Halbfinale, unterlag aber Ana Ivanović klar mit 2:6, 1:6.
Bei ihrem ersten Rasenturnier des Jahres in Birmingham erreichte sie mit Siegen über Lilia Osterloh, Tamira Paszek, Jelena Lichowzewa und Marion Bartoli das Finale, das sie gegen Jelena Janković mit 6:4, 3:6 und 5:7 verlor. In Wimbledon scheiterte Scharapowa bereits im Achtelfinale mit 1:6, 3:6 an Venus Williams. Anfang August gewann sie in San Diego ihr erstes Turnier in diesem Jahr – im Finale bezwang sie Patty Schnyder in drei Sätzen. In Los Angeles kam sie bis ins Halbfinale, zu dem sie aufgrund einer Verletzung nicht antreten konnte. Bei den US Open unterlag sie in der dritten Runde Agnieszka Radwańska mit 4:6, 6:1 und 2:6. In Moskau verlor sie bereits ihr Auftaktmatch in zwei Sätzen. Nachdem Venus Williams verletzungsbedingt für Madrid abgesagt hatte, rückte Scharapowa nach und erreichte ohne Matchverlust das Finale gegen die Weltranglistenerste Justine Henin. In einer Marathonpartie zog sie schließlich mit 7:5, 5:7 und 3:6 den Kürzeren.
In Melbourne 2008 spielte Scharapowa als Fünfte der Weltrangliste wieder verletzungsfrei. Dabei besiegte sie drei in der Weltrangliste besser platzierte Spielerinnen und zog nach sechs Siegen ohne Satzverlust über unter anderem Lindsay Davenport (6:1, 6:3), Jelena Dementjewa (6:2, 6:0), Justine Henin (6:4, 6:0) und Jelena Janković (6:4, 6:1) ins Finale ein. Mit dem Sieg (7:5, 6:3) über Ana Ivanović sicherte sie sich ihren ersten Australian-Open- und insgesamt dritten Grand-Slam-Titel.
Danach spielte sie im Fed Cup für Russland gegen Israel, wo sie beide Einzel gewann und maßgeblich zum 4:1-Erfolg beitrug. Im Februar gewann sie in Doha ihr zweites Turnier der Saison. Im Finale bezwang sie ihre Landsfrau Wera Swonarjowa mit 6:1, 2:6 und 6:0. Das Turnier in Dubai musste sie aufgrund einer Viruserkrankung absagen. Bei den Pacific Life Open in Indian Wells erreichte sie das Halbfinale, das sie in drei Sätzen gegen Swetlana Kusnezowa verlor. Vor dieser Niederlage stand ihre Saisonbilanz bei 18:0 Siegen. Die Sony Ericsson Open in Miami musste sie aufgrund einer Schulterverletzung absagen. In Rom rückte sie bis ins Halbfinale vor, wo sie wegen einer Wadenzerrung nicht antreten konnte. Am 19. Mai war sie schließlich wieder die Nummer eins der Welt, nachdem die bisherige Weltranglistenerste Henin in der Woche zuvor ihren Rücktritt erklärt hatte. Am 9. Juni gab Scharapowa die Spitzenposition erneut ab, diesmal an Ana Ivanović. In Wimbledon verlor sie Ende Juni in Runde zwei mit 2:6 und 4:6 gegen Alla Kudrjawzewa. Beim Rogers Cup von Montreal stieß sie mit einem Sieg über Marta Domachowska ins Achtelfinale vor, das sie aufgrund einer angerissenen Sehne in der Schulter nicht bestreiten konnte. Wenig später sagte sie auch die Olympischen Spiele in Peking und einen Tag später auch ihre Teilnahme an den US Open ab (seit den Australian Open 2003 hatte sie kein Grand-Slam-Turnier mehr verpasst). Sie trat 2008 bei keinem Turnier mehr an.
Comeback (2009–2010) Aufgrund ihrer Schulterverletzung musste Scharapowa ihre Teilnahme an der Hong Kong Exhibition und den Australian Open absagen. Am 12. März feierte sie beim Turnier in Indian Wells ihr Comeback, allerdings nur im Doppel, das sie in der ersten Runde verlor. Ihr erstes Turnier im Einzel nach der langen Pause spielte sie in Warschau. Bei den French Open schaffte sie es bis ins Viertelfinale. In Wimbledon schied sie bereits in der zweiten Runde gegen Gisela Dulko aus. Beim Vorbereitungsturnier auf die US Open in Stanford erreichte sie das Viertelfinale, das sie gegen Venus Williams verlor. In Los Angeles scheiterte sie nach Siegen über Jarmila Groth, Wiktoryja Asaranka, Aljona Bondarenko und Urszula Radwańska im Halbfinale an der späteren Siegerin Flavia Pennetta. Beim Rogers Cup in Toronto unterlag sie im Finale Jelena Dementjewa. Bei den US Open kam sie nicht über die dritte Runde hinaus. Scharapowa leistete sich in dem knapp drei Stunden dauernden Match gegen die US-Amerikanerin Melanie Oudin 21 Doppelfehler. Sie selbst führte dies darauf zurück, dass sie nicht in der Lage war, den zweiten Aufschlag mit weniger als 95 mph zu servieren. Ihr endgültiges Comeback nach der Schulterverletzung hatte sie dann mit dem Sieg bei den Toray Pan Pacific Open 2009 in Tokio. Sie lag im Endspiel gegen Jelena Janković im ersten Satz mit 5:2 vorn, als diese wegen einer Handverletzung aufgeben musste. Durch den Sieg stieß Scharapowa wieder unter die 15 Besten der Weltrangliste vor. Beim anschließenden Turnier in Peking schied sie in der dritten Runde gegen Peng Shuai aus, nachdem sie zuvor Asaranka in einem längeren Match hatte bezwingen können.