mini|hochkant|Berner Setzschild aus dem 14. Jahrhundert
Die Geschichte der Stadt Bern umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Bern von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Die Stadt Bern wurde erstmals 1208 erwähnt.
Name mini|hochkant|Tschachtlanchronik: Herzog Berchtold V. von Zähringen erlegt den Bären vor der Stadt Bern
Der Name der Stadt Bern ist erstmals in einer Urkunde vom 1. Dezember 1208 belegt. Für die Herkunft des Stadtnamens, die bis heute nicht geklärt ist, gibt es mehrere Erklärungen, die zum Teil auf alten Legenden und Interpretationen beruhen.
Die bekannteste Legende ist die der Justingerchronik, laut der Stadtgründer Herzog Berchtold V. von Zähringen beschlossen habe, die Stadt nach dem ersten in den umliegenden Wäldern erlegten Tier zu benennen, das ein Bär gewesen sein soll. Ein Zusammenhang zwischen Bär und Bern hat keine linguistische Grundlage, sondern ist eine Volksetymologie, die mit dem Bären im Berner Wappen illustriert wird.
Als unhaltbar bezeichnet das Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen etymologische Erklärungsversuche, die auf einer Herleitung aus dem Althochdeutschen oder Romanischen basieren. Der Name Bern wurde etymologisch sowohl auf die althochdeutschen Verben berja bzw. bern ‚schlagen‘ und bëran ‚tragen‘, die Wurzel war ‚Wehre‘, d. h. wehrhafte Burg, wie auch auf das romanische brena ‚Gebüsch, Gestrüpp, Wald‘ zurückgeführt.
Im späten 19. Jahrhundert entstand die Theorie, der Name Bern beziehe sich auf die Stadt Verona, die deutsch Bern, im Mittelalter auch Welsch Bern genannt wurde. Der Stadtgründer Berchtold V. habe demnach Bern zum Andenken an die früher von den Zähringern besessene Markgrafschaft Verona benannt und ihr damit gleichzeitig den Namen seines Lieblingshelden der germanischen Sage, Dietrich von Bern, gegeben. Der Zusammenhang zwischen Bern und Verona wurde schon von Schreibern des Mittelalters hergestellt; einen Beleg liefert ein Dokument von 1332, das eine Stadt namens Verona in Üechtlanden erwähnt. Ein späterer Beleg findet sich in einer Handschrift aus dem dritten Viertel des 15. Jahrhunderts: »Do was Rom gestandn drew hundert funff vnd fünffzk jar Darnach ward ainer herr in Rom genant Prenius [Premus?] der was von purd ain swab der stifft dy stat pern dy do ligt zu end der etsch«.Historienbibel. Farbmikrofiche-Edition der Handschrift Hamburg, Staats- und Universitätsbibliothek, Cod. 8 in scrinio. München 1997. Bl. 372ra. Dass neugegründete Städte nach einstmals wichtigen Schwesterstädten benannt wurden, war im Mittelalter nicht unüblich. Die Herleitung des Namens der Stadt Bern von Verona wird bis heute vertreten, so auch im Ortsnamenbuch des Kantons Bern.Ortsnamenbuch des Kantons Bern. Band I.4. Hrsg. von Thomas Franz Schneider und Erich Blatter. Francke, Basel/Tübingen 2011, S. 277–280.Erich Blatter, Thomas Franz Schneider: Bern. In: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 60 f.
Der Fund der Berner Zinktafel auf der Engehalbinsel im Jahr 1984, scheint einen Ortsnamen Brenodor – aus dem keltischen Personennamen Brennos und keltisch duron ‚Tür, Tor, eingefriedeter Marktplatz‘, also ‚Marktflecken des Brenos‘ – zu belegen und wäre ein mit anderen Schweizer Städten, wie beispielsweise Solothurn und Winterthur, vergleichbarer Name. Eine direkte Herleitung des Namens Bern aus Brenodor ist jedoch lautlich nicht möglich.Armand Baeriswyl: Der Name Bern; mögliche Herkunft und Deutung. In: Rainer C. Schwinges u. a. (Hrsg.): Berns mutige Zeit: Das 13. und 14. Jahrhundert neu entdeckt. BLMV und Stämpfli, Bern 2003, ISBN 3-292-00030-0 und ISBN 3-7272-1272-1, bes. S. 27 mit Abb. der Zinktafel.Erich Blatter, Thomas Franz Schneider: Bern. In: Manfred Niemeyer (Hrsg.): Deutsches Ortsnamenbuch. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 60 f.
Eine in neuerer Zeit von Wulf Müller vorgeschlagene und vom Lexikon der schweizerischen Gemeindenamen favorisierte These ist die Rückführung auf das keltische, aus dem Mittelirischen bezeugten Wort *berna in der Bedeutung ‚Kluft‚ Schlitz‘. Es könnte als Orts- oder Flurname eine bestimmte Stelle oder einen Aareabschnitt bezeichnet haben und, nachdem es von einer galloromanischsprachigen Bevölkerung weiterverwendet worden wäre, ins Deutsche entlehnt worden sein.
Wappen mini|Ab 1224 belegtes Siegel der Stadt Bern
Der Bär als Wappentier Berns ist bereits für das 13. Jahrhundert belegt, sowohl auf Münzen wie auch auf einem Siegel von 1224, das einen schräg aufwärts schreitenden Bären mit erhobener linker Vordertatze zeigt. Das erste Wappen Berns soll gemäss Justingerchronik einen schwarzen, nach (heraldisch) rechts aufwärts schreitenden Bären auf silbernem Hintergrund gezeigt haben. In den Chroniken wird es dementsprechend für die früheste Berner Geschichte dargestellt. Die Änderung zum heutigen Wappen dürfte bereits Ende des 13. Jahrhunderts erfolgt sein.Pascal Ladner: Siegel und Heraldik. In: Rainer C. Schwinges u. a. (Hrsg.): Berns mutige Zeit: Das 13. und 14. Jahrhundert neu entdeckt. BLMV und Stämpfli, Bern 2003, ISBN 3-292-00030-0 und ISBN 3-7272-1272-1, S. 244f. Die älteste Beschreibung des heutigen Berner Wappens liefert das kurz nach 1375 entstandene in der Justingerchronik überlieferte Guglerlied, die erste farbige Darstellung ein Setzschild aus dem späten 14. Jahrhundert.
Bei der Trennung von Stadt und Kanton Bern 1831 wurde das Berner Wappen sowohl das Wappen des Kantons wie der Stadt Bern, seit 1944 ist es auch das Wappen des Amtsbezirks Bern. Die Blasonierung lautet: «In Rot ein goldener Rechtsschrägbalken, belegt mit einem schreitenden schwarzen Bären mit roten Krallen». Es gilt als selbstverständlich, dass der Bär männlich sein muss, und dass sein geöffneter Rachen mit der ausgeschlagenen Zunge die Wehrhaftigkeit zu betonen hat. Das Wappen der Stadt trägt als Unterscheidungsmerkmal eine in der Blasonierung nicht erwähnte Mauerkrone.Wappenbuch des Kantons Bern/Armorial du canton de Berne. Das Berner Staatswappen sowie die Wappen der Amtsbezirke und Gemeinden. Im Auftrag des bernischen Regierungsrates herausgegeben von der Direktion der Gemeinden zum Jubiläum «150 Jahre bernische Verfassung 1831»; bearbeitet vom Berner Staatsarchiv unter Mitwirkung von Grafiker Hans Jenni. Staatlicher Lehrmittelverlag, Bern 1981, S. 24ff.
Frühe Geschichte und Frühmittelalter mini|hochkant|Initiale aus der Spiezer Chronik von Diebold Schilling dem Älteren von 1485
Das Gebiet der Stadt Bern war spätestens seit der La-Tène-Zeit besiedelt. Die älteste nachgewiesene Siedlung war eine wahrscheinlich seit der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts v. Chr. befestigte grosse keltische Siedlung auf der Engehalbinsel. Sie dürfte eines der zwölf von Gaius Iulius Caesar erwähnten Oppida der Helvetier gewesen sein.
In römischer Zeit bestand auf der Engehalbinsel ein gallo-römischer Vicus, der, nach den Münzfunden, zwischen 165 und 211 n. Chr. aufgegeben wurde. Daneben sind drei römische Gutshöfe nachgewiesen, der grösste aus dem 2. und 3. Jahrhundert im heutigen Bümpliz.
Für das Frühmittelalter sind zahlreiche Gräberfelder, die nahegelegene Siedlungen vermuten lassen, nachgewiesen, in Bümpliz über dem römischen Gutshof eine Mauritiuskirche aus dem 7. bis 9. Jahrhundert und aus der Zeit des hochburgundischen Königreichs im 9. und 10. Jahrhundert ein Königshof mit einer hölzernen Wehranlage, aus dem das heutige Alte Schloss hervorgegangen ist. Eindeutige Hinweise auf eine Besiedlung des Gebietes der heutigen Altstadt fehlen für das frühe Mittelalter.
Stadtgründung und Hochmittelalter mini|hochkant|links|Aus der Tschachtlanchronik: Gründung der Stadt mini|Wachstums des Territoriums bernischen Stadtstaats bis 1798
Ende des 12. Jahrhunderts erfolgte die Gründung der heutigen Stadt Bern im Knie der AarehalbinselVgl. zum Beispiel Beat Rudolf Tscharner: Historie der Stadt Bern, bis auf das Jahr 1630. Erster Teil, Bern 1765, S. 2. durch Herzog Berchthold V. von Zähringen, Rektor Burgunds, nachdem sein Vorgänger Berchthold IV. an der Spitze der Halbinsel bereits die Burg Nydegg zum Schutz des dortigen Aareübergangs errichtet hatte. Neuere archäologische Untersuchungen im Bereich der Gründungsstadt und der Burg Nydegg lassen allerdings den Schluss zu, Burg und Stadt seien gleichzeitig im späten 12. bzw. frühen 13. Jahrhundert gegründet worden.Paul Hofer, Hans Jakob Meyer: Die Burg Nydegg. Forschungen zur frühen Geschichte von Bern (= Schriften der Historisch-Antiquarischen Kommission der Stadt Bern. Band 5). Bern 1991; Armand Baeriswyl, Christiane Kissling: Fundbericht Bern BE, Kram- und Gerechtigkeitsgasse. In: Jahrbuch Archäologie Schweiz. Band 89, 2006, S. 270–271; Armand Baeriswyl: Stadt, Vorstadt und Stadterweiterung im Mittelalter. Archäologische und historische Studien zum Wachstum der drei Zähringerstädte Burgdorf, Bern und Freiburg im Breisgau (= Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Band 30). Basel 2003, S. 170–176. Die Cronica de Berno gibt als Gründungsjahr 1191 an. Beim momentanen Stand der Forschung gibt es keinerlei Siedlungsspuren auf der Aarehalbinsel, die in die Zeit vor das späte 12. Jahrhundert datiert werden können.Armand Baeriswyl: Stadt, Vorstadt und Stadterweiterung im Mittelalter. Archäologische und historische Studien zum Wachstum der drei Zähringerstädte Burgdorf, Bern und Freiburg im Breisgau (= Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Band 30). Basel 2003, S. 165–169.
Nach dem Aussterben der Zähringer wurde Bern laut der Goldenen Handfeste 1218 Reichsstadt. Aufgrund der Handfeste besass Bern das Recht auf eigene Münzen, Masse und Gewichte und eine eigene Gerichtsbarkeit. König Rudolf I. von Habsburg bestätigte 1274 Berns Reichsfreiheit,Vgl. zum Beispiel Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden der Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter. Erlangen 1863, S. 199. legte der Stadt aber eine Reichssteuer auf, zu der nach der Niederlage an der Schosshalde 1289 noch eine Busse hinzukam. Als Schutz gegen die Grafen von Kyburg, die die Zähringer beerbt hatten, wählte Bern die Schirmherrschaft Savoyens. Mit dem Sieg gegen die durch Kauf an Habsburg gelangte Stadt Freiburg bei Dornbühl 1298 setzte Berns Territorialpolitik ein.
Im frühen 14. Jahrhundert dehnte Bern seinen Herrschaftsbereich durch Kauf und Pfandschaften kleinerer Städte und Brückenköpfe weiter aus. Nachdem Bern das habsburgische Freiburg im Gümmenenkrieg 1334 besiegt hatte, erfolgte eine erste Ausdehnung ins Oberland. 1339 errangen die Berner im Laupenkrieg dank der Unterstützung der Eidgenossen einen wichtigen Sieg gegen die umliegenden Adelshäuser und legten damit den Grundstein für den Aufstieg zum Stadtstaat. Das bereits seit 1323 bestehende und 1341 erneuerte Bündnis mit den Innerschweizer Waldstätten wurde 1353 mit dem unbefristeten Beitritt zur Eidgenossenschaft besiegelt. Das Hoheitsgebiet Berns wuchs nach dem Beitritt zur Eidgenossenschaft, an deren Expansion die Stadt sich beteiligte, beträchtlich, nicht nur durch Eroberungen, sondern auch durch Burgrechte, Bündnisse, Käufe, Pfandschaften und Schaffung wirtschaftlicher Abhängigkeiten und machte die Stadt Bern zum wichtigsten Machtfaktor im westlichen Mittelland. Die Teilnahme an den Burgunderkriegen 1474 bis 1477 brachte Bern dann erste Landgewinne in der Waadt. Seit dem 15. Jahrhundert verstand die Stadt Bern sich als Staat und nannte sich Stadt und Republik Bern.
Die Zusammensetzung der Oberschicht änderte sich im 14. und 15. Jahrhundert ebenfalls. Zahlreiche landadlige Familien liessen sich in der Stadt nieder, ältere Kaufmannsgeschlechter wurden geadelt, Handwerkern gelang der Aufstieg ins Junkertum und auch die Bedeutung der nichtadligen Kaufleute und Notabeln nahm zu.
Am 14. Mai 1405 war in der Brunngasse ein Grossbrand ausgebrochen, der über 600 Häuser zerstörte und mehr als hundert Opfer forderte. In: UNIPRESS. Heft 100.