Wandlitz ist ein Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde nördlich von Berlin, die zum Landkreis Barnim im Land Brandenburg gehört. Er war bis 2003 innerhalb des Amtes Wandlitz ein selbstständiger Ort. Der Ortsteil umfasst die Gemarkung Wandlitz. Er hat entsprechend der brandenburgischen Kommunalverfassung und der Hauptsatzung einen Ortsbeirat und Ortsvorsteher.Brandenburgische Kommunalverfassung - BbgKVerf; Abschnitt 2, Ortsteile In: bravors.brandenburg.de.

Das Dorf Wandlitz wurde im Jahr 1242 erstmals urkundlich erwähnt. Im Mittelalter in klösterlichem Besitz der Zisterzienser des Klosters Lehnin entwickelte sich der 26 Kilometer vom Zentrum der Großstadt Berlin entfernte Ort im 20. Jahrhundert zu einem bevorzugten Ausflugs- und Wohnstandort. Die von Mischwäldern umgebenen Seen in und um Wandlitz – Stolzenhagener See, Wandlitzer See, Rahmer See und Liepnitzsee – sind Teil des Brandenburger Großschutzgebietes Naturpark Barnim. Sie liegen in der Endmoränenlandschaft der Weichseleiszeit, zu der noch etliche verlandende Gewässer wie die Heiligen drei Pfühle gehören.

Durch den Ortsteil Wandlitz verläuft von Norden nach Süden die Landesstraße L 100 (bis zum Jahr 2016 die B 109), die Prenzlau mit Berlin verbindet und von Westen nach Osten die aus Richtung Oranienburg kommende und an der Bundesautobahn 11 endende B 273. Die Autobahn verläuft sechs Kilometer östlich des alten Dorfkerns nach Norden in Richtung Stettin und nach Süden in Richtung Berlin. Die Heidekrautbahn, betrieben durch die Niederbarnimer Eisenbahn, verbindet Wandlitz mit Berlin und Groß Schönebeck.

Der Ortsteil wird fälschlicherweise immer wieder mit der Waldsiedlung Wandlitz assoziiert, obwohl diese in der Gemarkung Bernau liegt und seit 2001 der offizielle Stadtteil Waldsiedlung (Bernau bei Berlin) ist.

Geografie Geografische Lage Wandlitz befindet sich auf dem nordwestlichen Teil der Barnim-Hochfläche, dem sogenannten Niederbarnim. Die Höhe über Normalhöhennull (NHN) nimmt von Ost nach West leicht ab. Der höchste Punkt mit 80,3 Meter über NHN liegt neben der Lanker Straße an der südöstlichen Ortsteilgrenze zu Bernau in der Niederheide. Mit 48,3 Meter über NHN ist die Fläche des Rahmer Sees an der Westgrenze der niedrigste Punkt des Ortes. Die Höhe der Ortsmitte nahe der Dorfkirche (Messpunkt: Einmündung Langer Grund / Breitscheidstraße) beträgt 53,8 Meter, die der Kreuzung der Breitscheidstraße zur Prenzlauer Chaussee 58,1 Meter über NHN.

Siedlungsstruktur mini|links|Übersicht des Ortsteils Wandlitz mit einigen Straßen und Siedlungsteilen

Der heutige Ort Wandlitz besteht aus verschiedenen Siedlungsbereichen, zu denen der älteste Teil um den Dorfkern Wandlitz mit der evangelischen Dorfkirche zählt (der sogenannte Rundling), dazu kommen Gebiete um die Prenzlauer Chaussee (zuerst Neu-Wandlitz genannt) zwischen der Eisenbahnstrecke und den Feldern vor dem alten Dorf. Ein drittes Gebiet lässt sich südlich der B 273, die hier Wensickendorfer Chaussee heißt, eingrenzen. Östlich der Bahnlinie und beidseits der Bernauer Chaussee befindet sich das Gebiet Kehlheide, das amtlicherseits noch einmal in die Bereiche Nibelungensiedlung, Sieglindesiedlung und Glück auf südlich der B 273 unterschieden wird.

Das erst zum Ende des 19. Jahrhunderts umfassend erschlossene Ortsgebiet Wandlitzsee kann unterteilt werden in den Bereich um den Lanker Weg, das Gebiet Drei Heilige Pfühle – bei seiner Entstehung 1908/1909 auch Landhaus-Kolonie genanntGeschichtswerkstatt Wandlitz (Hrsg.): Landhaus-Kolonie an den Heiligen drei Pfühlen 1908 Wandlitzsee. 2008. – sowie das zentrale und nordwärts führende Teilstück zwischen dem Wandlitzer See und um die Stolzenhagener Chaussee. Mit der ständig wachsenden Einwohnerschar des Ortsteils entstehen in den 2000er Jahren weitere neue Siedlungsgebiete, die vor allem die bisherigen Kernbereiche zusammenwachsen lassen, da wäre das Domizil in der Platanenstraße genauso zu nennen wie die Villen auf dem Töppersberg – auf früheren landwirtschaftlichen Flächen zwischen der Prenzlauer Chaussee und dem historischen Dorfkern.

Nachbarorte Im Norden grenzt der Ort Wandlitz an den zur Gemeinde Wandlitz gehörenden Ortsteil Klosterfelde, die Ortsteilgrenze verläuft dabei teilweise südlich der Klosterfelder Paradiessiedlung, zum anderen östlich der Wandlitzer Elbestraße. Nordöstlich schließt sich die Grenze zum Ortsteil Lanke an, die entlang der Wandlitzer Siedlungskante an der Arendseer Straße nach Südosten verläuft. Die Gewässer der Drei Heiligen Pfühle in das Ortsgebiet mit einschließend wendet sich die Wandlitzer Ortsgrenze zur Stadt Bernau bei Berlin, entlang der Lanker Straße nach Südwesten. Der Liepnitzsee wird dabei nicht tangiert, das Westufer des zu Lanke gehörenden Sees gehört zu Bernau.

Die südliche Grenze zum Ortsteil Basdorf zieht sich von der Lanker Straße entlang der Waldkante Richtung Westen, quert an der Dachsbaude die B 109 und erreicht nördlich der Zühlsdorfer Siedlung Fuchswinkel die westliche Gemeindegrenze. Danach schwenkt sie nordwärts zum Rahmer See, der komplett zu Wandlitz gehört. Den weiteren Grenzverlauf zu Stolzenhagen bildet das Briese-Fließ und das Westufer des Wandlitzer Sees. An seinem Nordufer trennt die Ortsteilgrenze Wandlitz von der Stolzenhagener Siedlung Stolzenfels, wobei die Gierwiese noch zu Stolzenhagen gehört. Nördlich der Stolzenhagener Chaussee erreicht der Grenzverlauf wieder die Wandlitzer Elbestraße, diesmal an deren westlichem Ende.

Naturraum mini|Wandlitzer See mini|Wasserscheidestein

Mit dem Wandlitzer See und dem Rahmer See gehören zwei größere Gewässer zum Ortsteil. Dazu kommen mit den Drei Heiligen Pfühlen und dem Igelsee vier kleinere Seen. In der näheren Umgebung des Ortes befinden sich außerdem der zu Stolzenhagen gehörende Stolzenhagener See im Westen, der zu Lanke gehörende Liepnitzsee im Osten sowie neben diesem der kleine Regenbogensee, ebenfalls Teil der Gemarkung Lanke.Birgitt Eltzel: Stadt und Gemeinde tauschen Flächen. In: Berliner Zeitung, 6. Januar 1999. Diese Seen gehören zu einer späteiszeitlichen Schmelzwasserrinne. Sie sind meist sehr sauber und bieten einigen seltenen Fischarten einen guten Lebensraum. Die Gewässer sind aus Naturschutzgründen für jeglichen motorisierten Schiffsverkehr gesperrt. Dagegen gibt es zahlreiche Wanderwege in der Umgebung. Mit der Naturparkverwaltung Barnim hat sich eine wichtige Einrichtung in Wandlitz etabliert. Der Wandlitzer See mit dem dazugehörigen Strandbad gilt als Anziehungs- und Mittelpunkt des Ortsteils. 2003/2004 wurde er, ehemals im Besitz der Stadt Berlin, an eine Consulting-Firma aus Düsseldorf verkauft, welche nunmehr für die Nutzung der Wasserfläche und eines Uferstreifens Gebühren erhebt.

Zwischen dem Strandrestaurant, dem Strandbad, der Prenzlauer Chaussee und der Verkaufseinrichtung Zum dicken Kurt liegt ein öffentlicher Park mit Kieswegen, Bänken, Grünflächen und dem Wasserscheidestein: Auf der Barnimer Hochfläche und damit durch das Ortsgebiet verläuft die Wasserscheide zwischen Elbe und Oder und damit zwischen Nord- und Ostsee. Sie befindet sich zwischen dem Wandlitzer See, dessen Wasser durch die Briese in die Havel und dann in die Elbe abfließt, und dem Liepnitzsee, der über Obersee, Hellsee, Hellmühler Fließ und Finow in den Finowkanal und mit diesem in die Oder entwässert. Die Gemeindeverwaltung kennzeichnete diese Grenze mittels der Aufstellung eines künstlerisch gestalteten symbolischen Wasserscheidesteins im Park vor dem Strandbad. Ein großer mit verschiedenen Mineralablagerungen durchzogener Findling erhielt eine kleine Wasserrinne, auf die von oben Wasser tropft. Das System ist so austariert, dass das Wasser ’mal nach der einen und ’mal nach der anderen Seite abfließt. Die Gestaltung des Steins mit einer entsprechenden Tafel führte die Wandlitzer Künstlerin Annelie Grund aus, die Einweihung erfolgte am 13. Oktober 2007.Details zu dem Wasserscheidestein. (PDF) kulturland-brandenburg; abgerufen am 18. Januar 2016.

Das Ortsgebiet von Wandlitz ist heute von Zersiedelung geprägt, viele im 20. Jahrhundert neu erstandene Siedlungsgebiete wurden in vormaligen Waldgebieten angelegt. Unberührt davon blieben nur Teile der Kehlheide und der Hinterheide am östlichen und südöstlichen Ortsrand entlang der Lanker Straße. Weitere, meist unbewaldete Freiflächen verblieben nördlich der Elbestraße, nördlich und südlich des Lanker Weges und südlich beziehungsweise südwestlich des alten Ortskerns. Letztere, um das Gut Annenhof, werden zum Teil landwirtschaftlich genutzt.

Geschichte Früheste Siedlungsnachweise Funde von Feuerstein-Schlagwerkstätten im Gebiet des alten Dorfkerns von Wandlitz und an den Ufern des Wandlitzer Sees belegen die frühe Anwesenheit mittelsteinzeitlicher Jäger, Fischer und Sammler um etwa 5000 bis 3500 v. Chr. Zum Ende dieser Periode wanderten Siedler einer vollentwickelten jungsteinzeitlichen Bauernkultur aus dem Weichsel- und oberen Oderraum in die Gegend der nordöstlichen Uckermark ein, erreichten jedoch nicht den Raum des Barnim. Vermutlich lebten hier weiterhin versprengte Jägergesellschaften auf dem kulturellen und wirtschaftlichen Niveau der späten Mittelsteinzeit. mini|Großer Werder im Liepnitzsee bei Wandlitz – vom Westufer des Sees gesehen Aus der Zeit vor 2000 v. Chr. sind Siedlungsversuche nordischer Bauerngruppen der sogenannten Trichterbecherkultur an den Rändern des Barnim anhand von Keramikfunden nachgewiesen. Bei Wandlitz soll es ein Großsteingrab dieser Kultur gegeben haben, das vor etwa 150 Jahren durch die Steinschlägerei zerstört wurde. Späte Zeugnisse der Trichterbecherkultur wurden in Form von Feuersteinäxten in Schönwalde und Mühlenbeck gefunden. Nachfolgend siedelten um Wandlitz die Streitaxtleute der wohl indogermanischen Schnurkeramikkultur. Aus dieser Periode sind Einzelfunde bekannt, wie kunstvoll gearbeitete Pfeilspitzen sowie am Liepnitzsee und auf dem Werder, der Insel im See, gefundene Meißel und Steinkeile, die in ihrer Konzentration auf eine Siedlung bei Wandlitz hindeuten. Nächste nachgewiesene Siedlungsplätze der Schnurkeramikkultur befinden sich in Biesenthal und Berlin-Heiligensee, Einzelstücke stammen aus Basdorf (Flinthacke), Stolzenhagen (Felsgesteinhammer) und Klandorf (Streitaxt).

Ab etwa 1200 v. Chr., nach dem Beginn der späten Bronzezeit in Mitteleuropa, wies der Barnim eine höhere Besiedlungsdichte auf. Von Süden her siedelten sich Menschen der Lausitzer Kultur, wahrscheinlich Abkömmlinge der Aunjetitzer Kultur, im Raum Wandlitz an.Reinhard Schmoeckel: Die Indoeuropäer – Aufbruch aus der Vorgeschichte. Bastei Lübbe, 1999, ISBN 3-404-64162-0, S. 404 Bei straßenbaulichen Erdarbeiten wurde 1953 in den Mühlenfichten ein bronzezeitliches Gräberfeld mit 21 Grabstellen der Lausitzer Kultur gefunden.Walter Blankenburg, Christine Papendieck: Kleine Wandlitzer Geschichte. Agrarmuseum Wandlitz, 1990, S. 26 Ob diese Kultur mit den bei den Römern Venedae bezeichneten Völkerschaften einer venetisch-illyrischen Sprachgemeinschaft identisch war, ist ungeklärt.

Mit dem Beginn des Subatlantikums, des heutigen Zeitabschnitts des Holozäns, wurde es allgemein etwas kühler und feuchter. Dieser klimatische Wechsel fällt mit dem Beginn der Hallstattzeit um 700 v. Chr. zusammen. Auf dem Barnim kam es zu einem Siedlungsschwund gegenüber der späten Bronzezeit. Wandlitz lag in diesem Zeitabschnitt an der Grenze der Jastorfkultur, einer Entwicklung aus der Nordischen Bronzezeit, zur nordöstlichen Göritzer Kultur, eines späten Ablegers der Lausitzer Kultur, die durch einwandernde germanische Stämme überlagert wurden. Während später an der Oder die Burgunden bezeugt sind, siedelten auf dem Barnim nach der christlichen Zeitenwende die suebischen Semnonen. Auf sie verweist ein bei Klandorf gefundenes Gräberfeld und die zugehörige Siedlung. Die Semnonen wanderten ab dem 2. bis 3. Jahrhundert bis auf Reste, die sich später mit den eindringenden slawischen Stämmen vermischten, nach Süden ab.