mini|Das Departement der Oker im Jahre 1809 Die Braunschweiger Franzosenzeit beschreibt den Zeitraum von 1806 bis 1814, als sowohl die Stadt Braunschweig als auch das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg – wie auch andere Teile Deutschlands – in der Folge der Niederlage Preußens in der Schlacht bei Jena und Auerstedt (1806) von napoleonischen Truppen besetzt waren, dieser Zeitraum wurde landläufig als „Franzosenzeit“ bezeichnet.
Der Braunschweigische Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig-Wolfenbüttel, der das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg aus den Koalitionskriegen hatte heraushalten können, starb am 10. November 1806 an den Folgen einer Verwundung, die er als Oberbefehlshaber der preußischen Armee in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt erhalten hatte.
1806 Nachdem Preußen am 27. Februar 1806 Hannover besetzt hatte, fühlte man sich in Braunschweig vor Napoleon sicher. Zwar hatte der Handel in Braunschweig durch die Elbblockade infolge der preußischen Zollpolitik seit 1805 gelitten, durch neue Industrieanstalten und andere Landesprodukte konnte auf Messen jedoch ein kleiner Ausgleich geschaffen werden.
Im Reich hatte Kaiser Franz II. aus dem Hause Habsburg-Lothringen am 6. August 1806 die Kaiserkrone niedergelegt. Das Heilige Römische Reich hatte aufgehört zu bestehen. Seit dem 12. Juli 1806 gab es den Rheinbund, ein Militärbündnis deutscher Staaten mit Frankreich.
Friedrich Wilhelm III. von Preußen erklärte am 9. Oktober 1806 Frankreich, und damit dem Rheinbund, den Krieg. In der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 schlug Napoleon I. die preußische Armee. Am 27. Oktober zog Napoleon mit seinen Truppen in Berlin ein.
Als Karl Wilhelm Ferdinand in preußische Militärdienste ging, wurde es, wie von ihm selbst, als Privatsache betrachtet, eigentlich mit dem Wohle des Landes unvereinbar.
Von den Franzosen erwartete man nichts Gutes. Aus diesem Grunde sandte der Herzog seinen Oberhofmarschall Christian Freiherr von Münchhausen zu Napoleon, um ihn zur Anerkennung der Neutralität des bisher am Kriege nicht beteiligten Herzogtums zu bewegen. Napoleon hatte mit Braunschweig anderes vor und erklärte das Herzogtum zum eroberten Gebiet.
Das vorübergehende Ende des Herzogtums Braunschweig Am 16. Oktober 1806 überbrachte Hauptmann Meier die Botschaft von der Niederlage bei Auerstedt. Karl Wilhelm Ferdinand war verwundet worden. Am 21. Oktober 1806 machte das preußische Regiment des Herzogs von Oels auf seinem Weg nach Helgoland in Braunschweig Quartier. Er ernannte, wegen Erblindung seiner beiden älteren Brüder, seinen jüngeren Sohn Friedrich Wilhelm zum Nachfolger.
Als auch der Herzog abgereist war, rückte am 26. Oktober ein schwaches französisches Reiterregiment in Braunschweig ein. Das Haus Braunschweig hatte aufgehört zu regieren. Mit der Abnahme der alten Wappen wurde die Besitznahme, wie die von Kassel, im Namen des Kaisers vollzogen. Im Innenministerium ging Geheimrat Gustav Anton von Wolffradt weiterhin seinen Aufgaben nach.
Der Landesherr starb am 10. November 1806 in Ottensen im Alter von 71 Jahren an den Folgen seiner Verwundung.
Beginn der französischen Zeit Trotz der belastenden Kontributionen und Einquartierungen schlug den Besatzern kein Hass entgegen, das änderte sich erst, als die kostspielige Hofhaltung der Besatzer erkennbar wurde. Ende Oktober rückten die französischen Besatzer, mit 400 Mann, endgültig in die Stadt ein.
Die Besatzer unter dem kaiserlichen Kommissär Malraison und dem ihm nachfolgenden Intendanten Daru bestimmte die Geschicke der Stadt. Die Juden wurden gleichgestellt, der Adel weitgehend entmachtet und seiner Privilegien beraubt. Unter dem französischen Kunstkenner Denon wurden Kunstschätze aus Braunschweig und Kassel nach Paris gebracht.
Es begann eine Zeit großer Durchzüge, den Anfang machte am 14. Dezember 1806 ein französisches Infanterieregiment, es folgten am 1. Weihnachtstag 1.100 Italiener. Ein Trupp von 300 französischen Husaren machte in Braunschweig Rast „die sich sehr roh und wild benahmen“. Es war ein kleiner Vorgeschmack auf die Zeit, als Ende August 1807 die Militärstraße über Braunschweig gelegt wurde (Northeim – Seesen – Lutter a.B. – Braunschweig). Was zur Großen Armee geführt wurde, marschierte durch das Hohe Tor, die von der Großen Armee kamen durch das Augusttor. Darunter waren zahlreiche Verwundete und Gefangene, die „ein Bild des Schreckens und des Mitleids“ boten, einen ganz anderen Anblick boten am 13. Mai 1.500 Mann der kaiserlichen Garden.
Auf der Heerstraße vergrößerte sich der Verkehr, nun mussten die Truppen auch durch das Steintor und das Hohe Tor ziehen. Im Juli gab es eine kleine Pause, es kamen nur noch kleine Trupps durch Braunschweig. Im August machten 11.000 Mann der kaiserlichen Garden mit 5.500 Pferden Rast, bevor sie nach Hannover weiter zogen. Braunschweig hatte damals etwa 27.500 Einwohner.
Anfang November 1806 trat der französische Divisionsgeneral Baptiste Pierre Bisson seinen Posten an. Zusammen mit dem verbleibenden Intendanten Daru, einem Bruder des Intendanten der großen Armee, übernahm er die interimistische französische Verwaltung des Herzogtums als Militärgouverneur. Sein Hauptquartier schlug er im Schloss auf.
Am Regierungsapparat wurde vorerst nichts geändert, das Innenministerium unter dem braunschweigischen Hofrat Gustav Anton von Wolffradt ging weiter seinen Geschäften nach.
mini Schon im Februar 1807 wurde Bisson aus Braunschweig abberufen, sein Nachfolger war der Divisionsgeneral Rivaud, ein altgedienter Offizier. Dessen Vorliebe galt Paraden und Reiten sowie Jagdpartien in der Buchhorst. Er bevorzugte einen „geziemenden Aufwand“. Bei seinem Abgang am 5. März 1808 wurde er vom Bürgermeister Wilmerding, der dem herzoglichen Hause sehr verbunden war, herzlich verabschiedet, dies ist unter den gegebenen Umständen verwunderlich. Zu dem wachsenden Druck durch die Einquartierungen und andere Lasten kam die Gewissheit der Vernichtung der Selbständigkeit des Herzogtums.
mini Am 27. Juli 1807 wurde der Marschall Berthier in der Stadt erwartet, ein festlicher Empfang war vorbereitet. Aber der Marschall kam nicht. Um die Vorbereitungen nicht vergeblich gemacht zu haben, beschloss der Gouverneur, am 29. Juli das Friedensfest zu feiern. „Zwischen 8 und 10 sollte nichts verkauft werden, alle Minister trafen sich in der katholischen Kirche, wo eine Messe gelesen und das Te Deum gesungen wurde. Am Abend war freie Comedie und Ball am Hofe, wozu alle Bürgeroffiziere mit ihren Frauen geladen wurden. Da traf die Nachricht ein, dass wir westphälisch werden. Es herrschte eine tiefe Stille in der Stadt am Friedensfeste wegen dieser Publikation.“
Königreich Westphalen Der französische Kaiser Napoleon I. konstruierte am 18. August per Dekret das von Kassel aus regierte Königreich Westphalen. Seinen Bruder Jérôme setzte er als König ein. mini Das Königreich Westphalen wurde am 7. Dezember 1807 von Napoleon Bonaparte per königlichem Dekret ausgerufen, seine Constitution bekannt gemacht und der Eintritt in den Rheinbund geregelt. mini Am 7. Dezember 1807 traf Jerôme mit seinem glänzenden Hofstaat in Wilhelmshöhe, Kassel, ein, das von nun an Napoleonshöhe genannt wurde. König Jêrôme trat die Herrschaft über sein neues Reich an. Die bisherige, provisorische Regierung unter dem braunschweigischen Ministerium löste sich auf. Rivaud verließ am 5. März 1808 seinen Posten. Der ehemals braunschweigischen Hofrat Gustav Anton von Wolffradt wurde ins neue westphälische Innenministerium berufen.
Nun war es in Braunschweig, wie überall im Königreich, an der Zeit, dem König zu huldigen. Ihren neuen König lernten die Braunschweiger erst zwei Monate später kennen. Am 16. Mai 1808 abends in Schloss Richmond angekommen, hielt Jérôme Bonaparte am Morgen des 17. Mai in einem glänzenden Reiterzug von adeligen und bürgerlichen Ehrengarden, Gardekavallerie und Gendarmen zwischen einem Spalier von Truppen und Schützen hindurch seinen Einzug in die Stadt. Am Augusttor (Kennedy-Platz) hatte der Architekt Peter Joseph Krahe eigens für diesen Empfang einen Triumphbogen errichtet. Hier bot ihm der Bürgermeister, nun als Maire, den Schlüssel der Stadt an. Eine Deputation der Kaufmannsschaft überreichte dem Königspaar ein Gedicht. Auf dem Ägidienmarkt begrüßten ihn Jungen und Mädchen in spanischer Tracht und überreichten erneut ein Gedicht mit den Worten „Lieber König, ich bitte für mich und mein Vaterland“. Solche für viele Menschen peinliche Auftritte gab es in allen Städten des Königreichs. Die Akteure wollten ihre Pfründe sichern oder Geschäfte machen.
Von Oktober 1806 bis zum 5. November 1807 sollen 4.510 Offiziere und 98.706 Unteroffiziere und Gemeine an fremden Truppen durchgekommen sein. Es ging weiter: Polnische Ulanen folgten einem Polnisch-italienischen Infanterieregiment, das bis zum März 1808 in Braunschweig blieb. Grund war der Verdacht auf verräterische Umtriebe im Amt Gifhorn. Die Ulanen übernahmen im Laufe der Zeit immer mehr die Aufgabe der Gendarmen.
Die neue Organisation Das Königreich wurde nach französischem Vorbild in Departements und Distrikte eingeteilt. Braunschweig wurde Hauptstadt des Departement der Oker. Präfekt des Departements wurde Regierungsrat Friedrich Christian Ludwig Henneberg, Bürgermeister der Stadt wurde von Mahrenholz, nun Maire genannt. Friedensrichter traten an die Stelle der bisherigen Justizamtsleute. Aus Forstmeistern, Oberförstern und Förstern wurden Conservateurs, Inspecteurs und Gardegenerals. Zur Vertretung der städtischen Angelegenheiten wurde ein Munizipalrat geschaffen.
Mit vielen, auch neu geschaffenen Stellen wurde versucht, die Steuer einzutreiben. Die neue, fremde Gesetzgebung und die bisher völlig unbekannte Form des Büro- und Rechnungswesens machten es nicht gerade leicht.
Es gab eine Kompagnie Präfekturgarde und anstelle der kleinen Polizeimannschaft eine Brigade der bald gefürchteten Gendarmen und eine „Geheime Polizei“. Besonders durch die Behandlung der Kriegsdienstverweigerer kam es zum Widerstand der Braunschweiger Bürger. Einmal stürmten sie das Neustadtrathaus und stürzten zwei Gendarmen vom Balkon.
Dennoch konnte der Umbau der Verwaltung in erstaunlich kurzer Zeit vollendet werden. Den Gemeinden wurde die Verantwortung entzogen. Für die neue Verwaltung wurden regierungstreue Personen ausgewählt.
Die große Unzufriedenheit kam mit der großen Illumination zum Krönungstage Napoleons am 2. Dezember. Der Hofbuchhändler Engelhard Voigts am Bohlweg hatte sein Haus illuminiert und über der Haustür den Vers „Vive Napoleon, vive son bon coeur“ angebracht. Einen Teil der Bevölkerung hat so viel „Franzosenschwärmerei“ empört. Andere wieder waren mit den Festivitäten durchaus einverstanden. mini Die Messen wurden schwächer besucht. Der Handel, meist Landesprodukte, ging durch die Kontinentalsperre und die Unmöglichkeit Kolonialwaren anzubieten, merklich zurück. Es bildete sich ein lebhafter Schmuggelhandel. Wer sich erwischen ließ, dessen Waren wurden öffentlich vernichtet.
Gleichzeitig bedrückten die Bevölkerung Zwangsanleihen und hohe Steuern. Die Steuern stiegen von 2½ Francs pro Person (1807) auf 5¾ Francs im Jahre 1809. Die häufigen Einquartierungen machten das Leben auch nicht leichter.
1809 Der preußische Staatsminister von Stein war die Seele der damaligen Freiheitsbewegung. In Böhmen traf er auf Herzog Friedrich Wilhelm, der gerade ein Corps zusammenstellte. Schills und Katts geheime Botschaften bereiteten einen Aufstand im Norden vor. Der Vereinigungspunkt aller antinapoleonischen Bestrebungen war auf Helgoland. Man hoffte auf ein Eingreifen der Engländer.
Am 1. April 1809 stellt der „Schwarze Herzog“ Friedrich Wilhelm die Schwarze Schar auf, ein deutsches Freikorps, das in den Befreiungskriegen bis 1815 gegen die Truppen Napoléon Bonapartes kämpfte.