Szczaniec ( Stentsch) ist ein Dorf im Powiat Świebodziński der Woiwodschaft Lebus in Polen. Es ist Sitz der gleichnamigen Landgemeinde mit etwa 3850 Einwohnern.
Geographische Lage Der Ort liegt in Niederschlesien, etwa zehn Kilometer östlich der Stadt Świebodzin (Schwiebus) und zwanzig Kilometer südsüdöstlich der Stadt Międzyrzecz (Meseritz). mini|Gebäude der Gemeindeverwaltung (2022) mini|Dorfschule (2008) mini|Bahnhof (2019) mini|Faule Obra, östlich des Dorfkerns (2008) mini|Stentsch, westsüdwestlich des Stadt Posen und ostnordöstlich der Stadt Schwiebus, auf einer Landkarte von 1905 (gelb markierte Flächen kennzeichnen Gebiete mit seinerzeit mehrheitlich polnischsprachiger Bevölkerung).
Geschichte Die Ortschaft Stentsch bestand in älterer Zeit im Wesentlichen aus zwei etwa gleich großen Rittergütern, Mittel Stentsch und Ober Stentsch genannt. Den aus zwei Anteilen bestehenden Gutsbezirk Stentsch erkaufte 1746 und 1748 George Gottlob v. Knobelsdorff (1708–1762); seine Tochter, verehelichte Freifrau v. Gersdorff, war die Erbnehmerin von Stentsch.Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 483 (Google Books). Laut der Schlesischen Vasallen-Tabelle befanden sich im Jahr 1752 beide Anteile in den Händen des George Gottlob v. Knobelsdorff.E. von Eickstedt: Beiträge zu einem neueren Landbuch der Marken Brandenburg. Prälaten, Ritter, Städte, Lehnschulzen, oder Roßdienst und Landwahr. Magdeburg 1840, S. 571. Um 1858 besaß Mittel Stentsch ein von Kalckreuth, während sich Ober Stentsch im Besitz eines Justizrats Hünke befand. Die beiden Gutsherrn übten das Patronat über die evangelische Dorfkirche aus.
Im Jahr 1853 hatte das Gut Mittel Stentsch eine Flächengröße von 2682 Morgen und 109 Quadratruten, davon 1310 Morgen Ackerland, 101 Morgen Wiesen und 830 Morgen Forstland, und befand sich im Besitz der Em. v. Kalkreüth geb. v. Oppen. In demselben Jahr hatte das Gut Ober Stentsch eine Flächengröße von 2321 Morgen, davon 1245 Morgen Ackerland, 700 Morgen Wiesen und 355 Morgen Forstland, und befand sich im Besitz des Carl Friedrich Hünke.Heinrich Berghaus: Landbuch der Mark Brandenburg und des Markgrafenthums Nieder-Lausitz in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Band 3, 1. Ausgabe, Brandenburg 1856, S. 767 (Google Books). Im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts gehörten die beiden Güter noch denselben Familien.Paul Ellerholz (Hrsg.): Handbuch des Grundbesitzes im Deutschen Reiche, Band I: Provinz Brandenburg, Dritte Auflage, bearbeitet von Georg Volger, Verlag R. Stricker, Berlin 1896, S. 142–143 (Google Books).
NachfahrenGothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel). 1900. Jahrgang 1, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 459. der Kalckreuth, Oberleutnant d. R. Arthur von Kalckreuth und seine Ehefrau Marie von Wedel, standen in BriefkontaktSiehe: Regina Dieterle (Hrsg.): Theodor Fontane und Martha Fontane. Ein Familienbriefnetz. Auflage-Online-Ressource, In: Schriften der Theodor-Fontane-Gesellschaft. Band 4; Walter de Gruyter, Berlin 2001, ISBN 3-11-015881-7, S. 663. Brief 65. mit der Familie von Theodor Fontane.
Die Langemeinde Stentsch bildete zusammen mit den beiden selbständigen Gutsbezirken Mittel Stentsch und Ober Stentsch den Amtsbezirk Stentsch.Außerordentliche Beilage zum Amtsblatt Nr. 43 der Königl. Preuß. Regierung zu Frankfurt a. O. Ausgegeben am 29. Oktober 1879, S. 59 (Google Books).
Um 1910 hatte Stentsch eine evangelische Pfarrkirche, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Molkerei und eine Ziegelei; innerhalb der Ortschaft befand sich eine Bahnmeisterei. Am 1. Dezember 1913 wurden auf der 1174 Hektar großen Gemarkungsfläche der Landgemeinde Stentsch 173 viehhaltende Haushaltungen gezählt, in dem 668 Hektar umfassenden Gutsbezirk Mittel Stentsch 18 viehhaltende Haushaltungen und in dem 612 Hektar umfassenden Gutsbezirk Ober Stentsch 24 viehhaltende Haushaltungen.Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon über den Viehstand und den Obstbau für den Preußischen Staat – Auf Grund der Ergebnisse der Vieh- und Obstbaumzählung vom 1. Dezember 1913, der Viehzählung vom 2. Dezember 1912 und anderer amtlicher Quellen, Heft 3: Stadtkreis Berlin und Provinz Brandenburg, Berlin 1915, 2. Regierungsbezirk Frankfurt, 34. Kreis Züllichau-Schiebus, S. 144–147, Ziffer 72, 115 und 127 (Google Books). Um 1914 besaß die Witwe Anna Hünke geb. Kahle das Rittergut Ober Stentsch,Ernst Seyfert: Güter-Adreßbuch für die Provinz Brandenburg. 1914. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 2. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1914, S. 376–379. in Form eines Familienfideikommiss. Vor 1930 war Ober Stentsch Teil des Hünkesches Fideikommiss Stentsch und im Besitz des Torsten Hünke von Podewils, Mittel Stentsch schon über Jahrzehnte im Eigentum des Friedrich von Kalckreuth.Ernst Seyfert: Landwirtschaftliches Adreßbuch der Provinz Brandenburg. 1929. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band VII, 4. Auflage, Selbstverlag von Niekammer’s Güter-Adressbüchern GmbH, Leipzig 1929, S. 295–296.
Am 1. April 1927 hatte das Gut Mittel Stentsch eine Flächengröße von 667 Hektar und 95 Ar, und am 16. Juni 1925 hatte der Gutsbezirk 119 Einwohner. Zu den gleichen Zeiten hatte das Gut Ober Stentsch eine Flächengrößen von 611 Hektar und 91 Ar sowie 87 Einwohner.Kurt Albrecht: Die preußischen Gutsbezirke, in: Zeitschrift des Preussischen Statistischen Landesamts, 67. Jahrgang, Berlin 1927, S. 344–477, insbesondere S. 392, 17. Kreis Züllichau-Schwiebus, Ziffer 36 und 48 (Google Books). Am 30. September 1928 wurden die Gutsbezirke Mittel Stentsch und Ober Stentsch in die Landgemeinde Stentsch eingegliedert.Amtsbezirk Stentsch (Territorial.de)
1935 gab es in Stentsch drei Gasthöfe, eine Spar- und Darlehnskasse, eine Bierbrauerei, eine Eiergroßhandlung, drei Gärtnereien, zwei Getreidehandlungen, eine Maschinenfabrik, zwei Mühlen, eine Weinhandlung und eine Reihe von Einzelhandelsgeschäften, Dienstleistern sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben.Klockhaus' Kaufmännisches Handels- u. Gewerbe-Adressbuch des Deutschen Reichs, Band 1 A, Berlin 1935, Abschnitt Provinz Brandenburg, S. 880–881 (Google Books).
Letzter Gutsbesitzer auf Mittel Stentsch vor 1945 blieb der Offizier Friedrich von Kalckreuth, der nach der Enteignung seinen Lebensabend bis 1949 in Holstein verbrachte. Seine Ehefrau Ingeborg, geb. von Schauroth, war eine Tochter des Generalleutnants Athos von Schauroth. Sie lebte als Witwe in Hannover-Buchholz.Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1962. Band VI, Band 29 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1962, S. 235–238. Der andere Stentscher Rittergutsbesitzer Torsten Hünke von Podewils (1909–2007), verheiratet mit Ilsabe Deneke, wurde mit seiner älteren Schwester Waltraut Hünke 1923 vom Ober-Regierungsrat Hasso von Podewils (1878–1956) adoptiert. Der Hintergrund war die WitweVgl. Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1966. Band VIII, Band 38 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1966, S. 365–367. des Hans Hünke-Stentsch, Karoline (Carola) Hünke, geb. von Schack (1883–1937), Tochter des Generalleutnants und Genealogen Hans von Schack. Gutsherr Hünke-von Podewils wirke schön früh auch als Autor,Portal-DNB: Hünke von Podewils, Torsten. dann als Komponist und Musikdirektor an westdeutschen Theatern.
Das Gemeindegebiet zählte bis 1945 zum Kreis Züllichau-Schwiebus im Regierungsbezirk Frankfurt der Provinz Brandenburg des Deutschen Reichs. Stentsch war Sitz des Amtsbezirks Stentsch.
Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Bald darauf wurde Stentsch von der Sowjetunion der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. In der Folgezeit wurde die einheimische Bevölkerung von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde vertrieben und durch Polen ersetzt. Die deutsche Ortschaft Stentsch wurde in Szczaniec umbenannt.
Einwohnerentwicklung