Die Toten Hosen (Pseudonym: Die Roten Rosen) ist eine Band aus Düsseldorf, die sich aus der deutschen Punkbewegung entwickelt hat und 1982 gegründet wurde.

Die Gruppe um Frontmann Campino spielt Rockmusik mit überwiegend deutschen Texten und Elementen aus dem Punkrock. Neben der Berliner Band Die Ärzte ist sie eine der kommerziell erfolgreichsten deutschen Musikgruppen mit Wurzeln im Punkrock. Sie veröffentlichte bis September 2022 siebzehn Studioalben, acht Konzertalben und acht Kompilationen. Seit 1990 belegte sie dreizehnmal den ersten Platz der deutschen Albumcharts. Ihren Schwerpunkt legen die Musiker auf Livekonzerte und den nahen Kontakt zum Publikum.

Bandgeschichte 1982 bis 1987: Die ersten Jahre und frühe Erfolge mini|hochkant|Campino, 1987 Die Band wurde 1982 im Ratinger Hof in Düsseldorf von Campino, Andreas von Holst, Andreas Meurer, Michael „Breiti“ Breitkopf, Trini Trimpop und Walter „November“ HartungPhilipp Oehmke: Die Toten Hosen – Am Anfang war der Lärm. Rowohlt Verlag GmbH, Reinbek bei Hamburg 2014, ISBN 978-3-498-07379-4, Seite 151. als Nachfolger von ZK gegründet. Bei ihrer Konzertpremiere am 10. April 1982 zu Ostern im Bremer Schlachthof kündigte der Veranstalter sie versehentlich als „Die Toten Hasen“ an.Bertram Job: Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. S. 70.

Im selben Jahr veröffentlichte die Gruppe auf dem eigenen Independent-Label Totenkopf kurz nacheinander die Singles Wir sind bereit und Reisefieber und ging auf Konzertreise – unter dem Motto Roswitha kommt nicht, dafür aber Die Toten Hosen. Neben 50 Vorstellungen in Deutschland gab die Band ihr erstes Auslandskonzert im Ex mattatoio in Rom.Kurt Koelsch: Tote Hosen in der ewigen Stadt. Fachblatt Musikmagazin, Ausgabe 11, November 1983.Teddy Hoersch: Ex-Mattatoio Tote Hosen. Musikexpress, Ausgabe 11, November 1983, S. 40. Walter November verließ die Band kurz darauf wegen seiner Drogenprobleme.

Am 27. März 1983 gaben Die Toten Hosen in Ost-Berlin mit der DDR-Punkband planlos (unter anderem mit Bernd Michael Lade) ein unerlaubtes Konzert auf dem Gelände der evangelischen Erlöserkirche in Rummelsburg. Im April 1988 spielten sie erneut inoffiziell in Ost-Berlin, diesmal mit der DDR-Gruppe Die Vision auf dem Gelände der Hoffnungskirche in Pankow.

Nachdem Die Toten Hosen zwei Monate zuvor von EMI unter Vertrag genommen worden waren, erschien im September 1983 das Debütalbum Opel-Gang.Bertram Job: Bis zum Bitteren Ende… Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02532-5. S. 80–81. Das darauf enthaltene Partylied Eisgekühlter Bommerlunder wurde im selben Monat als Single ausgekoppelt. Der Videodreh dazu fand unter der Regie von Wolfgang Büld in einer kleinen bayerischen Kirche statt. Mit Kurt Raab in der Rolle eines katholischen Geistlichen, der dem Alkohol nicht abgeneigt ist, und Marianne Sägebrecht als Braut wurde eine chaotisch ablaufende Hochzeitszeremonie dargestellt. Die Gemeinde hielt es für nötig, die Dorfkirche danach neu zu weihen, und das Video wurde von den öffentlich-rechtlichen Fernsehprogrammen lange boykottiert.Magazin zur Tour Menschen, Tiere, Sensationen, Universa Medien Verlags GmbH, Dortmund 1992. Ende des Jahres veröffentlichte die Band zusammen mit dem New Yorker Rapper Fab 5 Freddy eine Hip-Hop-Version des Bommerlunder-Songs unter dem Titel Hip Hop Bommi Bop als Weihnachtssingle.Bertram Job: Bis zum bitteren Ende … Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02532-5, S. 91.

Im Frühjahr 1984 ging die Band für das Goethe-Institut auf Frankreichtournee. Im Juni folgte sie einer Einladung der BBC zu einer John-Peel-Show. Wegen der hohen angefallenen Reisekosten in London kam es zum Eklat mit EMI.Bertram Job: Bis zum bitteren Ende … Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02532-5, S. 94. Ein weiterer Grund war der Rechtsstreit zwischen Norbert Hähnel, der im Vorprogramm den Volksmusiksänger Heino parodierte, den die EMI ebenso unter Vertrag hatte, und der eine einstweilige Verfügung vor dem Landgericht Düsseldorf gegen Hähnel durchsetzte. Danach wechselte die Band zu Virgin Records.

Die Streitigkeiten mit EMI setzten sich fort, als 1984 die zweite LP Unter falscher Flagge erschien. Das Coverbild mit dem vor einem Grammophon sitzenden Hundegerippe ist eine Karikatur des EMI-Warenzeichens His Master’s Voice. Die EMI erwirkte vor Gericht eine Änderung der Darstellung. Letztendlich wurde der Knochenhund in der Piratenflagge durch einen Knochenadler ausgetauscht, den die Band, neben dem Jolly Roger, bis heute als ihr Logo einsetzt. Die Tour zum Album umfasste mehr als 80 Konzerte allein in Deutschland.

Den ersten Fernsehauftritt im Abendprogramm hatte die Band im Oktober 1984 in Alfred Bioleks Show Bei Bio vom WDR Fernsehen. Im Herbst 1985 reiste die Gruppe unter dem Motto Disco in Moskau durch Ungarn und Polen. Ende 1985 verließ Trini Trimpop seinen Posten als Schlagzeuger und wechselte bis 1992 ins Management der Band. Neuer Drummer wurde vorübergehend Jakob Keusen, den im Januar 1986 Wolfgang Rohde ablöste.

Rohde saß am Schlagzeug, als man 1986 das dritte Album Damenwahl einspielte. Auf der gleichnamigen Konzertreise, die unter dem Motto Ficken, Bumsen, Blasen stand, ließ sich die Band vom Unternehmen Fromms sponsern und verteilte kostenfreie Kondome im Publikum.Bertram Job: Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. S. 160. 1987 feierte die Band unter dem Pseudonym Die Roten Rosen mit der Schallplatte Never Mind The Hosen – Here’s Die Roten Rosen ihren ersten Charterfolg mit einer Höchstwertung von Platz 21. Das Album enthält ausschließlich Rockversionen deutscher Schlager; Name und Covergestaltung der Schallplatte sind eine Parodie auf die LP Never Mind the Bollocks, Here’s the Sex Pistols der Sex Pistols aus dem Jahr 1977.

Von März bis Dezember 1987 tourte die Band unter dem Motto Ein bunter Abend für eine schwarze Republik durch Deutschland. Im Rahmen der Tour folgten sie einer Einladung zum Roskilde Festival in Dänemark und trat beim Olof-Palme-Friedensfestival in Pilsen auf.Hollow Skai: Die Toten Hosen. Hannibal, A-Höfen 2007, ISBN 978-3-85445-281-2, S. 28. Ende des Jahres 1987 erschien das erste Live-Album Bis zum bitteren Ende der Toten Hosen, das die Top 30 der deutschen und österreichischen Albumcharts erreichte.

1988 bis 1995: Hier kommt Alex, Anerkennung und am Gipfel der Charts mini|hochkant|Andreas Meurer, 1987

Die 1988 veröffentlichte LP Ein kleines bißchen Horrorschau, die unter anderem das Lied Hier kommt Alex beinhaltet, war der kommerzielle Durchbruch der Gruppe. Das Album besteht zum größten Teil aus der Bühnenmusik zu Bernd Schadewalds Theaterstück A Clockwork Orange. Vorlage waren das gleichnamige Buch von Anthony Burgess und der Film von Stanley Kubrick. Neben Ralf Richter in der Hauptrolle stand die Band ein halbes Jahr lang auf der Bühne der Kammerspiele Bad Godesberg in Bonn.

Im September desselben Jahres trat die Band in Litauen in Vilnius und Kaunas auf dem Lituanika-Festival auf und wurde dort von der Jury zur besten Musikgruppe der Veranstaltung gewählt.Edgar Klüsener: Ein kleines bißchen Horrorschau – Mit den Toten Hosen durch Litauen. In Metal Hammer, Ausgabe 11/1988, S. 122–123. Während der Frühjahrstournee 1989 reichte der Platz für circa 5000 Personen, den die Bonner Biskuithalle bietet, angesichts der zum Konzert angereisten Massen nicht aus, und ein Zusatzkonzert wurde angesetzt.Volkard Steinbach: Bonn, Biskuit Halle, Musikexpress, Ausgabe 5, Mai 1989, S. 67–68. Zudem gelang es der Band, die Dortmunder Westfalenhalle mit 15.400 Besuchern restlos auszuverkaufen.Edgar Klüsener: Die Toten Hosen – Learning English die Erste. In Toten Hosen lebt der Punkrock weiter, Metal Hammer, Ausgabe 1, Januar 1992, S. 32–35. Im November 1989 dokumentierte die Band mit dem Film 3 Akkorde für ein Halleluja ihr bisheriges Leben als Musiker. Im Frühjahr 1990 spielten sie zunächst als Vorband bei zwei Konzerten der Rolling Stones im Müngersdorfer Stadion in Köln. In der Live Music Hall in Köln-Ehrenfeld wurde ein Konzert der Toten Hosen für die Sendung Rocklife des WDR-Fernsehens aufgenommen.

Ein halbes Jahr nach dem Mauerfall begaben sich die Musiker Mitte April 1990 auf Fahrradtour in die DDR. Die Instrumente wurden mit einem Kleinbus transportiert, der die Gruppe begleitete. Die Stationen waren Klubs und Gaststätten in Bitterfeld, Halle, Leipzig, Dresden, wo die Band unter anderem in der Scheune spielte,Fryderyk Gabowicz: Die Toten Hosen. Live-Backstage-Studio: Fotografien 1986–2006. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2006, ISBN 3-89602-732-8, S. 44–46. und das Ostberliner Haus der jungen Talente.E. K.: Die Toten Hosen in der DDR … – Ein unbeschreiblich tolles Chaos … In Metal Hammer, Ausgabe September 1990, S. 142–143.

Im Juli wurde die Band zum New Music Seminar nach New York eingeladen.Jürgen Seibold, V.I.P. music: Die Toten Hosen. Paul Zsolnay Verlag, Wien 1992, ISBN 3-552-05005-1, S. 56. Im Sommer reiste die Band nach Italien, um von dort unter anderem für die taz und den SDR 3 von der Fußball-Weltmeisterschaft zu berichten.taz, Ausgabe 11–30/Juni 1990 und 2–8/Juli 1990. Gleichzeitig brachten die Musiker eine „verrockte“ Coverversion des Klassikers Azzurro von Adriano Celentano und einen dazugehörenden Videoclip heraus. Der Film setzt sich satirisch mit dem Verhalten der Deutschen als Fußballtouristen im Ausland auseinander. Das im selben Jahr veröffentlichte Doppelalbum Auf dem Kreuzzug ins Glück erreichte als erstes Album der Gruppe den ersten Platz der deutschen Charts und wurde für 500.000 verkaufte Exemplare in Deutschland mit einer Platinschallplatte ausgezeichnet.

1991 wurde das Album Learning English Lesson One veröffentlicht. Bei den Liedern handelt es sich zum größten Teil um Coverversionen englischsprachiger Punkrock-Klassiker. Bei den Aufnahmen war immer mindestens ein Mitglied der Originalband anwesend. Zudem arbeitete die Band bei dieser Produktion mit dem englischen Postzugräuber Ronald Biggs zusammen, den sie in Rio de Janeiro besuchten. Von Frühjahr bis Herbst 1992 ging die Band unter dem Motto Menschen, Tiere, Sensationen in Europa auf Tournee und spielte anschließend zum ersten Mal in Argentinien.Bertram Job: Bis zum bitteren Ende … Die Toten Hosen erzählen ihre Geschichte. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02532-5, S. 264. Die zu Weihnachten 1992 veröffentlichte Single Sascha … ein aufrechter Deutscher zeigte eine deutliche Ausrichtung gegen Rechtsradikalismus. Mit dem Erlös unterstützte die Band den Düsseldorfer Appell gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus. Die Republikaner versuchten erfolglos, den Song wegen parteilicher Verunglimpfung verbieten zu lassen, und trugen damit ungewollt zum Erfolg des Titels bei – die Single spielte über eine halbe Million Mark ein.Markus Hartmann: Die Toten Hosen – Kauf MICH! in Zillo, Ausgabe Mai 1993, S. 15–17.

1993 erschien das Album Kauf MICH!, das Platz eins der deutschen Albumcharts erreichte. Es behandelt hauptsächlich die Themen Konsum, Werbung und Rechtsextremismus. Die vom Album ausgekoppelten Lieder Wünsch DIR was, Alles aus Liebe und Kauf MICH! waren ebenfalls auf den ersten 35 Plätzen der Singlecharts zu finden. Im Sommer spielten sie als Vorgruppe von U2 bei deren Zoo TV Tour in Deutschland vor jeweils mehr als 50.000 Menschen. Im selben Jahr brachte die Band ihr erstes Best-of-Album mit dem Titel Reich & sexy heraus und stellte sich nackt auf dem Cover als protzende Plattenmillionäre, umgeben von mehreren unbekleideten Damen, dar. Mit Love, Peace & Money folgte 1994 eine internationale Version des Best-of-Albums. Zu diesem Zeitpunkt war die Band Die Toten Hosen mit insgesamt drei Alben gleichzeitig in den deutschen Charts vertreten.