mini|Peter Zagar: Veni, veni, Emmanuel Veni, veni, Emmanuel ist ein Adventslied, das auf eine Paraphrase von fünf der sieben O-Antiphonen zurückgeht. Der ursprüngliche lateinische Text wurde in verschiedene moderne Sprachen (Deutsch, Englisch, …) übersetzt.
Text Am Anfang: Psalteriolum Cantionum Catholicarum Auch wenn häufig zu lesen ist, dass es eine strophische Reim-Version der Antiphonen schon im 12. Jahrhundert gegeben habe, so ist der früheste Beleg für den heute bekannten Text die siebte Auflage des Gesangbuchs Psalteriolum Cantionum Catholicarum von Johannes Heringsdorf, das 1710 in Köln herauskam. Durch seine Verwendung an Schulen der Jesuiten fand es weite Verbreitung und erschien bis weit ins 19. Jahrhundert in immer neuen Auflagen. Der Text verbindet fünf der sieben Antiphonen in einer neuen Reihenfolge, in der die siebte und letzte der Antiphon-Anrufungen (Emmanuel) an den Anfang gestellt wird, mit dem Refrain Gaude, gaude! Emmanuel nascetur pro te, Israel! („Freu dich, freu dich! Immanuel wird für dich, Israel, geboren werden.“).
mini|Text bei John Mason Neale, Hymni Ecclesiae, 1851
Lateinisch ÜbersetzungVeni, veni Emmanuel! Captivum solve Israel! Qui gemit in exilio, Privatus Dei Filio, Gaude, gaude, Emmanuel Nascetur pro te, Israel.Komm, komm, Immanuel! Befreie das gefangene Israel, das in der Verbannung wehklagt, beraubt um Gottes Sohn. Freue dich, freue dich; Immanuel wird für dich, Israel, geboren werden.Veni o Iesse virgula! Ex hostis tuos ungula, De specu tuos tartari Educ, et antro barathri. Gaude, gaude, Emmanuel Nascetur pro te, Israel.Komm, o Spross des Jesse! Aus des Feindes Klauen führe die Deinen heraus, aus der Tiefe der Unterwelt, aus dem Abgrund der Hölle. Freue dich …Veni, veni o oriens! Solare nos adveniens, Noctis depelle nebulas, Dirasque mortis tenebras. Gaude, gaude, Emmanuel Nascetur pro te, Israel.Komm, komm, o Morgenstern! Tröste uns, indem du kommst. Vertreibe die Nebel der Nacht und die schreckliche Finsternis des Todes! Freue dich …Veni clavis Davidica! Regna reclude coelica, Fac iter tutum superum, Et claude vias inferum. Gaude, gaude, Emmanuel Nascetur pro te, Israel.Komm, Schlüssel Davids! Schließe auf die himmlischen Reiche. Mach sicher den Weg nach oben und verschließe die Wege nach unten! Freue dich …Veni, veni Adonai! Qui populo in Sinai Legem dedisti vertice, In maiestate gloriae. Gaude, gaude, Emmanuel Nascetur pro te, Israel.Komm, komm, Herr! Deinem Volk gabst du das Gesetz auf Sinais Gipfel in erhabener Herrlichkeit. Freue dich …
Ergänzung Zu einem noch unbekannten Zeitpunkt und von einem unbekannten Verfasser, vermutlich im Zuge des Cäcilianismus, wurden zwei Strophen nach den restlichen beiden Anrufungen der O-Antiphonen hinzugefügt. Zur Zeit frühester Beleg ist Veni, o sapientia in Joseph Hermann Mohrs Cantiones sacrae von 1878.Joseph Mohr: Cantiones Sacrae. A Collection of Hymns and Devotional Chants. Pustet, Regensburg 1878, Nr. 36, S. 82 (); siehe auch: Preces Latini, abgerufen am 14. Dezember 2009
Lateinisch ÜbersetzungVeni, o Sapientia, Quae hic disponis omnia, veni, viam prudentiae ut doceas et gloriae.Komm, o Weisheit, die du hier alles ordnest, komm, um den Weg zur Klugheit und zur Herrlichkeit zu lehren.Veni, veni, Rex gentium, veni, Redemptor omnium, ut salves tuos famulos peccati sibi conscios.Komm, komm, König der Völker, komm, Erlöser aller, um deine Diener zu retten, die sich ihrer Sünde bewusst sind.
Deutsche Fassungen Kölner Gesangbuch 1722nach: Gotteslob. (1975) Ausgabe Regensburg, Nr. 808 C. B. Verspoell 1810nach: Gotteslob. (1975) Ausgabe Münster, Nr. 902 H. Bone 1847nach: Cantate! Katholisches Gesangbuch. Zweite Auflage 1851 (), Nr. 8 „Gotteslob“ (1975), Nr. 829 Anh. Erzb. KölnO komm, o komm, Immanuel! Mach frei dein armes Israel. In Angst und Elend liegen wir, und flehn voll Sehnsucht auf zu dir. Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.
O komm, du wahres Licht der Welt, das unsre Finsternis erhellt. Wir irren hier in Trug und Wahn, o führ uns auf des Lichtes Bahn. Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.
O komm, du holdes Himmelskind, so hehr und groß, so mild gesinnt. Wir seufzen tief in Sündenschuld, o bring uns deines Vaters Huld. Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.
O komm, Erlöser, Gottes Sohn, und bring uns Gnad’ von Gottes Thron. Die Seele fühlt hier Hungersnot; o gib uns dich, lebendig Brot. Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.
O komm, o komm, Gott Sabaoth, du unser Hort in aller Not! Mit Jesses neuem Herrscherstab treib weit von uns die Feinde ab! Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.
O Gott mit uns, wir harren dein, komm, tritt in unsre Mitte ein. Die Sünde schloss die Himmelstür, du öffnest sie, wir jubeln dir. Freu dich, freu dich, o Israel! Bald kommt, bald kommt Immanuel.O komm, o komm, Emanuel, Mach frei dein armes Israel! In hartem Elend liegt es hier, In Tränen seufzt es auf zu dir.später (nach Katholisches Gesang- und Gebetbuch für das Bistum Münster, 1. Auflage Münster 2013, Nr. 754): „nach dir sehnt sich dein Israel! In Angst und Elend liegen wir und flehn voll Sehnsucht auf zu dir.“. Bald kommt dein Heil: Emanuel. Frohlock und jauchze, Israel!
O komm, o komm, du Licht der Welt, Das alle Finsternis erhellt. O komm und führ aus Trug und Wahn Dein Israel auf rechte Bahn.später: „und führ aus Trug und Wahn uns Menschen auf die rechte Bahn!“. Bald kommt dein Heil: Emanuel. Frohlock und jauchze, Israel.
O komm, o komm, du Himmelskind, Das aller Welt das Heil gewinnt. Dein Israel seufzt tief in Schuld, O bring ihm deines Vaters Huld. Bald kommt dein Heil: Emanuel. Frohlock und jauchze, Israel.
O komm, o komm, du Gottessohn, Zur Erde steig vom Himmelsthron! Gott, Herr und Heiland, tritt hervor, O komm, schließ auf des Himmels Tor. Bald kommt dein Heil: Emanuel. Frohlock und jauchze, Israel.O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel! In Angst und Elend liegen wir und seufzen weinend nur nach dirspäter (nach Katholisches Gesang- und Gebetbuch für das Bistum Fulda, 8. Auflage Fulda 1967, Nr. 111): „und flehn voll Sehnsucht auf zu dir“. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.
O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel! Mit Jesses neuem Herrscherstab treib weit von uns die Feinde ab. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.
O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel! Geh auf, o Sonn, mit deiner Pracht, zerstreu die Nebel und die Nacht. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.
O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel! Mit Davids Schlüssel niedersteig, schließ auf, schließ auf das Himmelreich.später: „Mit Davids Schlüssel tritt hervor / und schließe auf des Himmels Tor.“ Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.
O komm, o komm, Emmanuel, mach frei dein armes Israel! Komm, starker Gott, Gott Sabaoth, Mach frei dein Volk aus aller Not!später: „rett uns aus aller Fahr und Not!“ Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Emmanuel.O komm, o komm, Immanuel, nach dir sehnt sich dein Israel! In Sünd und Elend weinen wir und flehn, und flehn hinauf zu dir. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel!
O komm, du wahres Licht der Welt, das unsre Finsternis erhellt! Geh auf, o Sonn, mit deiner Pracht, vertreib den Nebel und die Nacht. Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel!
O komm, ersehntes Himmelskind, und rett uns von dem Fluch der Sünd! Wir seufzen all in schwerer Schuld, o bring uns deines Vaters Huld! Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel!
O komm, Erlöser, Gottes Sohn, und bring uns Gnad von seinem Thron! Mit Davids Schlüssel niedersteig, schließ auf, schließ auf das Himmelreich! Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel!
O komm, o komm, Gott Zebaoth, mach frei dein Volk von aller Not! Mit Jesses neuem Herrscherstab treib weit von uns die Feinde ab! Freu dich, freu dich, o Israel, bald kommt, bald kommt Immanuel!
C. B. Verspoell Zum Ausgang des 18. Jahrhunderts und zu Beginn des 19. Jahrhunderts erlebte im Gefolge der Aufklärung die Übersetzung und Neuschaffung von katholischen Kirchenliedern in deutscher Sprache eine Blüte. In dieser Zeit entstanden verschiedene Übersetzungen von Veni, veni Emmanuel ins Deutsche, darunter von Hermann Ludwig Nadermann und Christoph Bernhard Verspoell. Dabei handelt es sich nicht so sehr um textgetreue Übersetzungen, sondern um Übertragungen im Geist der Zeit. Die Fassung von Verspoell mit einer von ihm geschaffenen Melodie erfreut sich bis heute im Bistum Münster großer Beliebtheit. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde das Singen des Liedes wegen des „Israel“ im Kontext zu „in hartem Elend …“ zu einem Bekenntnisakt, das in Berichten der Gestapo vermerkt wurde.Joachim Kuropka: Münster in der nationalsozialistischen Zeit. In: Franz-Josef Jakobi (Hrsg.): Geschichte der Stadt Münster, Band 2. Münster 1993, S. 328. Das Lied findet sich im münsterischen Regionalanhang des Gotteslob als Nr. 754 (Strophen 1, 2 und 4), in der Ausgabe von 1975 unter der Nummer 902. Auch im Gotteslob des Bistums Essen findet sich bei Nr. 721 (neben zwei anderen Melodieversionen) Verspoells Fassung mit den vier obenstehenden Originalstrophen.
Heinrich Bone Heinrich Bone nahm eine der deutschen Varianten, die deutlich näher am lateinischen Text angelehnt war und die Reihenfolge Emmanuel, Jesses Stab, Sonne, Davids Schlüssel, starker Gott bewahrte, in seine einflussreiche Sammlung Cantate! (1. Auflage 1847) auf.
Davon unabhängig schuf er eine eigene strophische Fassung aller sieben O-Antiphonen in ihrer ursprünglichen Reihenfolge (ohne den Refrain) mit dem Anfang Herr sende, den du senden willst. Diese Fassung fand sich im Anhang des alten Gotteslob (1975) des Erzbistums Köln unter Nr. 831.
Herr, sende, den du senden willst, durch den du allen Jammer stillst, der uns befreit mit starker Hand und führet ins gelobte Land!
O Weisheit aus des Höchsten Mund, die du umspannst des Weltalls Rund und alles lenkst mit Kraft und Rat, komm, lehr uns deiner Klugheit Pfad!
O Adonai, starker Gott, du gabst dem Mose dein Gebot auf Sinai im Flammenschein, streck aus den Arm, uns zu befrein!
O Wurzel Jesse, fest von Stand, ein Zeichen allem Volk und Land, dir beugt sich Fürst und König groß, komm bald, komm bald und kauf uns los!
O Schlüssel Davids, Zepter du, der alles schließt frei auf und zu, führ uns aus der Gefangenschaft, errett uns aus des Todes Haft!
O Sonne der Gerechtigkeit, des ewgen Lichtes Herrlichkeit, geh auf, o Sonn, und leucht herab, in Finsternis und Sündengrab!
O König, dessen harrt die Welt, du Eckstein, der sie eint und hält, zum Menschen komm, o Herrscher mild, und rett, o Gott, dein Ebenbild!
O Gott mit uns, Immanuel, du Fürst des Hauses Israel, o Sehnsucht aller Völker du, komm, führ uns deinem Frieden zu!
Im Schweizerischen Katholischen Gesangbuch von 1998 steht als Nr. 304 eine moderne Überarbeitung von Bones siebenstrophiger Dichtung mit dem Anfang „Gott, send herab uns deinen Sohn“, die von den Herausgebern mit dem Refrain „Freu dich, freu dich“ verbunden wurde; ebenso im neuen Gotteslob (2013) unter der Nr. 222 mit dem Anfang „Herr, send herab uns deinen Sohn“. Herr, sende, den du senden willst, durch den du allen Jammer stillst, der bald zerreißt all unser Band und führet ins Gelobte Land.
O Weisheit aus des Höchsten Mund, die du umspannst des Weltalls Rund und alles lenkst mit Kraft und Rat, komm, lehr uns deiner Klugheit Pfad!
O Adonai, starker Gott, der du dem Mose dein Gebot am Berge gabst im Wetterdräun, streck aus den Arm, uns zu befrei’n!
O Wurzel Jesse, fest von Stand, ein Zeichen allem Volk und Land, dir beugt sich Fürst und König groß. Komm bald, komm bald und kauf uns los!
O Schlüssel Davids, Zepter du,