mini|Padel auf der ISPO 2014 alternativtext=Skizze der Maße eines Padelplatzes|mini|Abmessungen des Padel-Courts Padel, auch Padel-Tennis bezeichnet, ist ein aus Mexiko stammendes, vom Tennis abgeleitetes Rückschlagspiel.
Die in Spanien, Italien, Frankreich und Südamerika besonders weit verbreitete Sportart Padel wird allein in Spanien von rund 6,2 Millionen und in Italien von rund 2,2 Millionen Menschen betrieben; in Frankreich sind es rund 800.000. Auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewinnt Padel zunehmend an Bedeutung und entwickelt sich dort zu einer Trendsportart.
Im Gegensatz zum Tennis sind die Spielfelder kleiner und die Schläger ohne Bespannung und kürzer; früher waren sie aus Holz, heute bestehen sie mit wenigen Ausnahmen aus Kunststoff, der auch mit Kohlenstofffasern verstärkt sein kann. Die Spielfelder haben bis auf Ausnahmen dieselben Markierungen wie beim Tenniseinzelspiel; außerdem werden bei einigen Varianten die Wände der Spielbereichs- oder Spielfeldumrandung teilweise oder komplett den Regeln entsprechend mit in das Spielgeschehen einbezogen.
Ähnlich sind das ältere Paddle-Tennis sowie weitere Varianten davon in den USA wie etwa die Ost- und Westküstenversion von Paddle-Tennis selbst, Platform-Tennis genannt. Des Weiteren gibt es One-Wall und Four-Wall-Paddleball sowie eine Beach-Variante. Auch wenn der Einfluss von Tennis offensichtlich ist, gibt es auch Einflüsse von Spielen mit weitaus älteren Wurzeln, wie beispielsweise Jeu de Paume, Fronton oder das im Baskenland gespielte Basque Pelota (Pelota Vasca).
Name und Übersetzung Die deutsche Übersetzung Padel-Tennis bezieht sich zuerst auf das ältere, in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom Episkopalpriester Frank Peer Beal in New York ins Leben gerufene Spiel Paddle-Tennis.
Der spanische Name Pádel des jüngeren und in der spanischsprachigen Welt populäreren Spiels ist die spanische Form des Wortes Paddle. Es wurde unter anderem auch zur besseren Unterscheidung zum in den USA gespielten Paddle-Tennis eingeführt. Des Weiteren werden Fremdwörter seltener in ihrer ursprünglichen Form in die spanische Sprache übernommen, zum größeren Teil folgt man der Regel, das Wort in Spanisch so zu schreiben, dass die ursprüngliche Aussprache im Spanischen weitestgehend erhalten bleibt.
Zur besseren Unterscheidung der beiden Spiele hat sich auch im Englischen die spanische Bezeichnung „Pádel“ zur Abgrenzung von Paddle-Tennis etabliert.
Die Federación Española de Pádel (FEP) erstellte 2014 ein Backronym für Promoción de Actividades Deportivas, Educativas y Lúdicas (deutsch:Förderung von Sport-, Bildungs- und Freizeitaktivitäten).Von Paddle zu Padel, ein außergewöhnlicher Name. Abgerufen am 24. Dezember 2024.
Besonderheiten Die wesentliche Innovation von Padel ist die Einbeziehung der die Spielzone umgebenden Wände und Zäune. Die einschließende Umrandung beim Padel besteht aus festem Material, wie etwa Zäunen und Kunststoffglaswänden. Die Glaswände und Zäune begrenzen das Spielfeld und werden ganz ins Spiel mit einbezogen.
Die verwendeten Bälle, die äußerlich stark an Tennisbälle erinnern, haben weniger Druck und fliegen daher langsamer, springen weniger hoch und können um 1 mm größer als Tennisbälle sein. Gespielt werden sie von verschiedenen Typen von Padelschlägern.
Padel wird im Gegensatz zu den meisten anderen Rückschlagspielen im Wettbewerb ausschließlich im Doppel gespielt. Teilweise werden neben den üblichen Doppelfeldern auch Einzelfelder mit einer Breite von 6 Metern anstelle der üblichen 10 Meter zum Spielen angeboten. Im Gegensatz zum Tennis widersprechen diese Einzelfelder jedoch der sehr community-zentrischen Kultur des Sports.
Geschichte Enrique Corcuera aus Mexiko gilt als Begründer des Padels. Da seine Frau als passionierte Tennisspielerin einen Tennisplatz neben ihrem Wohnhaus in Acapulco haben wollte, der Platz dafür aber nicht ausreichte, baute er 1969 auf der verfügbaren Fläche einen kleineren, an die Tennisplatzdimensionen angepassten Platz, der von einer ca. drei Meter hohen Wand eingefasst war und schloss beide Spielfeldseiten mit einem Maschendrahtzaun ab. Zunächst nannte er den von ihm erfundenen Sport „Padel Corcuera“. Es wurden wie beim Paddle-Tennis Schläger aus Holz verwendet, die in diesem Sport schon vor geraumer Zeit durch Schläger aus Kunststoffmaterialien ersetzt wurden.
Corcueras Netzwerk inkludierte mehrere sehr bekannte Persönlichkeiten, so kamen beispielsweise Frank Sinatra und Henry Kissinger zu Besuch, um den neuen Sport auszuprobieren. Bei einem Besuch wurde sein Freund Alfonso Hohenlohe aus Spanien 1974 durch Enrique Corcueras Enthusiasmus für das neue Spiel begeistert. Er brachte es nicht nur mit zurück nach Spanien, sondern arbeitete auch weiter an Details des Regelwerks und des Spielfeldes. Schon bald darauf wurden die ersten beiden Spielfelder Spaniens in Marbella gebaut und das Spiel wurde in recht kurzer Zeit gut angenommen. Der Tennisspieler Manolo Santana begann, Turniere zu organisieren und das Spiel bekannt zu machen. Padel breitete sich im Weiteren schnell an der gesamten Costa del Sol aus. Nach Fußball ist Padel in Spanien inzwischen die zweitbeliebteste Sportart.
Nur ein Jahr später, 1975, begeisterte das Spiel Alfonso Hohenlohes argentinischen Freund Julio Menditeguy und die ihn begleitenden Spieler der argentinischen Polo-Mannschaft, die in Marbella zu Besuch waren. Sie nahmen die Idee mit nach Argentinien, wo Padel einen ungeahnten Erfolg hatte und zum zweitbeliebtesten Sport des Landes wurde.
Padel breitete sich weiterhin in Süd- und Mittelamerika mit unterschiedlich starkem Erfolg aus und erreichte auch die USA und Kanada. Am stärksten hat sich Padel bislang in Spanien, Argentinien und Brasilien entwickelt. In den 1990er Jahren waren Spanien, Frankreich, Italien, Österreich und Belgien, später auch die Schweiz, diejenigen europäischen Länder, die an den Welt- und Europameisterschaften teilnahmen. Zwischenzeitlich ist das Teilnehmerfeld deutlich angewachsen, so traten beispielsweise bei den Padel-Weltmeisterschaften 2024 bei Damen und Herren jeweils 16 Länder an.
Der erfolgreichste Spieler der letzten 30 Jahre war Fernando Belasteguín, der 16 Jahre der weltbeste Padelspieler war (2002–2018) und den Sport rund 20 Jahre lang entscheidend mitprägte. Die meiste Zeit spielte er mit seinem festen Spielpartner Juan Martín Diaz; sie standen alleine zwischen 2006 und 2014 in 129 Finals und gewannen davon 115. Bei den Damen gilt die aktuelle Weltspitze mit Gemma Triay und Delfina Brea als prägend, zudem waren Alejandra Salazar und Marta Marrero (2015–2018) sowie Ariana Sánchez mit ihrer langjährigen Mitspielerin Paula Josemaría (2021–2025) wesentliche Protagonistinnen, die die Entwicklung des Sports über viele Jahre mitgestalten haben.
Verbreitung rahmenlos|rechts|hochkant=1 Weltweit spielen nach Angaben des Dachverbands International Padel Federation mehr als 35 Millionen Menschen Padel, davon mehr als 850.000 in 100 nationalen Verbänden.
Spanien führt die Statistik Ende 2025 deutlich mit 6,2 Millionen Amateur-Padelspielern an, gefolgt von Italien: 2,2 Millionen, Argentinien: 1,6 Millionen, Mexiko: 1,1 Million, Chile: 1 Million, Frankreich: 800.000 Schweden: 700.000 Niederlande: 600.000 Brasilien: 500.000 Belgien: 480.000 Deutschland folgt auf Rang 12 mit 350.000 Spielern. Österreich und die Schweiz liegen mit jeweils 90.000 Spielern auf den hinteren Plätzen. rahmenlos|rechts|hochkant=1
Deutschland Zwischen April 2026 und September 2026 hat sich bundesweit die Zahl der Standorte von 479 auf 786 und die Zahl der Padelplätze von 1.504 auf 2.286 erhöht (Stand September 2026). Des Öfteren finden sich inzwischen Padel-Plätze, die neben bestehenden Tennisplätzen oder in ehemaligen Tennishallen errichtet werden. Die meisten Standorte gibt es mit 168 in Nordrhein-Westfalen. In Deutschland sind die Padelspieler weitgehend im Deutschen Padel Verband (DPV) organisiert. Er ist verantwortlich für die Turnierserie German Padel Series und seit 2020 für die Padel-Bundesliga und die darunter angesiedelten Ligen (2. Bundesliga, Regionalliga, Oberliga). Seit Januar 2023 wird die German Padel Tour unter der Ägide des DTB mit Turnieren in fünf NRW-Städten ausgetragen und beim Sportkanal Spontent live übertragen. rahmenlos|rechts|hochkant=1
Österreich In Österreich existieren über 137 Standorte mit Padelplätzen, die meisten davon in der Bundeshauptstadt Wien. 2020 gab es in Wien nur acht Padel-Courts und 2023 waren es bereits 108. In der Bundeshauptstadt gab es 20.000 bis 30.000 Spieler. In Österreich sind die Padelspieler in der Austrian Padel Union (APU) organisiert. Die Anzahl der verfügbaren Plätze beläuft sich auf 545 (Stand: September 2026) und hat sich damit innerhalb gut eines Jahres beinahe verdoppelt. rahmenlos|rechts|hochkant=1
Schweiz In der Schweiz sind die Padelspieler im Schweizer Padel Verband organisiert. Ihnen stehen 550 Padelplätze an 190 Standorten zur Verfügung (Stand: September 2026).
Internationale Wettbewerbe Pro Turniere Seit 2006 existierte die Padel Pro Tour, welche von den drei Organisationen Torneos Profesionales de Pádel, der Asociación de Jugadores Profesionales de Pádel (AJPP) und der Asociación Femenina Española de Pádel (AFEP) getragen wurde. Die Padel Pro Tour Wettbewerbe fanden damals hauptsächlich in Spanien statt. Im Jahr 2013 etablierten die gleichen Organisationen die World Padel Tour als Nachfolgewettbewerb der Padel Pro Tour. rahmenlos|rechts|hochkant=1 Seit 2023 organisiert der internationale Padel-Verband International Padel Federation die Premier Padel Tour, welche als globaler Wettbewerb konzipiert ist, innerhalb dessen Turniere in einer Reihe unterschiedlicher Länder stattfinden, wobei die meisten der 22 Turniere im Jahr 2025 in Spanien (6 Turniere), Südamerika (5 Turniere) und auf der arabischen Halbinsel sowie Ägypten (4 Turniere) angesetzt wurden. Die Aufnahme des arabischen Raums in den Spielplan der Premier Padel Tour ist dem Sponsoring des katarischen Staates zu verdanken, der 2023 die Übernahme der World Padel Tour erklärte und seither die Premier Padel Tour finanziert, da die beiden Turnierserien 2025 unter dem Dach der Premier Padel Tour zusammengelegt wurden. mini|Stade Roland Garros, Court Chatrier Paris Major (2024) Die Turniere der Premier Padel Tour finden in der Regel zwischen Februar und Dezember eines Jahres statt, wobei im August in der Regel keine Turniere beginnen. Das letzte Turnier des Jahres sind die Barcelona Finals, bei denen die 16 besten Herren- und Damendoppel des jeweiligen Jahres zum Saisonfinale antreten.
Im Rahmen der Premier Padel Tour gibt es vier unterschiedliche Turnierklassen, die sich ähnlich der Klassifikation von Profi-Tennisturnieren nach der Zahl der beim jeweiligen Turnier zu gewinnenden Weltranglistenpunkte, der Anzahl der teilnehmenden Teams und dem zu gewinnenden Preisgeld unterscheiden:
Major-Turniere: 48 Männerteams, 40 Frauenteams, die siegreichen Teams erhalten je 2.000 Weltranglistenpunkte; P1-Turniere: 40 Männerteams, 28 Frauenteams, die siegreichen Teams erhalten je 1.000 Weltranglistenpunkte; P2-Turniere: 28 Männerteams, 24 Frauenteams, die siegreichen Teams erhalten erhält je 600 Weltranglistenpunkte; Finals: 16 Männerteams, 16 Frauenteams, die siegreichen Teams erhalten je 1.500 Weltranglistenpunkte.
Bei den Finals erhalten nur die siegreichen Teams überhaupt Weltranglistenpunkte, bei allen anderen Turnieren steigert sich die Anzahl der gewonnenen Weltranglistenpunkte mit jeder Runde, die ein Team siegreich übersteht.
Die Spiele der Premier Padel Tour werden auf dem Youtube-Kanal von Premier Padel (bis einschließlich Achtelfinale) sowie bei Red Bull TV (ab Viertelfinale) via Internet gestreamt, dabei werden alle Spiele eines Platzes mit spanischem, englischem und teilweise auch deutschem Kommentar angeboten.